BlackBerry Z10 Test


Veröffentlicht von Dirk Schuetzner am 14.02.2013 14:55h
Punkte   (8 von 10)
Die schwarzen Smartphone von BlackBerry (vormals RIM) waren in der Vergangenheit immer des Managers Liebling. Privatleute hatten mit dem drögen Betriebssystem zu kämpfen und waren auf kostenpflichtige Zusatzdienste angewiesen. Mit dem neuen BlackBerry OS 10 soll sich das nun ändern.  Das erste Smartphone mit dem neuen Betriebssystem  mit der Z10. Das  4,2 Zoll große HD-Display bietet eine Auflösung von 768 x 1280 Pixel (356 ppi). Im Inneren werkelt ein  1,5 Gigahertz schneller Dual-Core-Prozessor (Qualcomm), der auf 2 Gigabyte Arbeitsspeicher zurückgreifen kann. Auf der Rückseite soll eine 8-Megapixel-Kamera für gute Bildqualität sorgen. Auf der Vorderseite findet man eine 2 Megapixel-Kamera für Videotelefonie. Der interne Speicher beträgt 16 Gigabyte Speicher und kann über micro-SD erweitert werden. Unterwegs ist man neben  WLAN b/g/n und HSPA+ auch über LTE online. Daten werden über USB, Bluetooth und neuerdings auch per NFC übertragen. Wie sich der neue BlackBerry so im Einsatz geschlagen hat, könnt ihr nun lesen.

Design & Verarbeitung und Haptik

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Auf den ersten Blick erinnert das Z10 mit seiner länglichen Form und den abgerundeten Ecken an ein iPhone 5. Im Gegensatz zu dem Produkt auf Cupertino kommt die Brombeere aber ohne einen zentralen Home-Button aus. Der Ein/Aus-Schalter befindet sich mittig an der Stirnseite des Z10. Daneben findet man eine 3,5 mm Klinkenbuchse für Kopfhörer. Auf der rechten Gehäuseseite haben die Designer aus Kanada eine Schaltwippe für die Lautstärkenregelung und einen Drücker die Sprachsteuerung vorgesehen. Auf der linken Seite sind zwei Öffnungen für den MicroUSB- und MicroHDMI-Anschluss. Die Verarbeitung des BlackBerry Z10 geht dabei mehr als in Ordnung. Das Z10 liegt mit seinen Abmessungen von 130 x 66 x 9 mm und einem Gewicht von knapp 137 Gramm gut in der Hand.


Mehr Bilder nach dem Klick

Auf der Rückseite finden wir einen gummierten Akkudeckel. Dieser schließt sauber, wenngleich er auch einen eher dünnen Eindruck macht. Eine Kamerataste sucht man beim Z10  hingegen vergebens. Aufgrund der Kamera-Abneigung der Firmen ist das vielleicht auch kein Wunder. Die Kamera wird über ein Icon im Menü oder im Entsperr-Bildschirm gestartet. Von den zur Auswahl stehenden Farbkombinationen "Schwarz" bzw.  "Weiß" hat mir persönlich die schwarze Variante am meisten zugesagt. Sie ist mit umgerechnet knapp 630 Euro auch teurer.

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Die virtuelle Tastatur ist ausreichend groß und weist eine erstaunlich gute "Intelligenz" auf. So werden hilfreiche Wortvorschläge geliefert. Die Texterkennung ist zudem lernfähig.

Lieferumfang

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In der recht kleinen, schwarzen Verpackung findet man nur den heutzutage üblichen Standard. Ein paar Anleitungen, einen Hinweis auf den verbauten Qualcomm-Prozessor,  ein Lade-/Datenkabel, ein Ladegerät sowie  ein Headset.

Technik

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Im Inneren sorgt ein Dual-Core-Prozessor von Qualcomm mit 1,5 Gigahertz für ausreichend Power. Zumal ihm zwei Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Der interne Speicher beträgt auf dem Papier zwar 16 Gigabyte, davon stehen aber nur noch 11 GByte zur Verfügung. Erweitern kann man ihn aber problemlos durch MicroSD-Karten um maximal 64 GByte. Die Kamera auf der Rückseite knipst Bilder mit 8 Megpaixel und macht Videos in FullHD-Auflösung. Die Kamera auf der Vorderseite sorgt mit ihrer 2-Megapixel-Aufllösung für kristallklare Videotelefonate. Neben HSPA+, WLAN b/g/n steht dem Nutzer auch der Datenturbo LTE zur Verfügung. Im Gegensatz zum Apple iPhone 5 auch in nahezu allen in Deutschland genutzten Frequenzbändern :D Ein GPS-Empfänger sowie ein dreidimensional animierter Kompass sorgen für die richtige Orientierung in unbekanntem Terrain.

Display

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Der 4,2 Zoll große LCD-Touchscreen des BlackBerry Z10 löst mit 768 x 1280 Pixel auf und verfügt damit über eine sehr hohe Pixeldichte von 356 ppi. Das Display wird angeblich durch Corning Gorilla Glas gegen Kratzer geschützt. Bei direkter Sonneneinstrahlung spiegelt es recht stark und auch Fingerabdrücke werden deutlich abgebildet. Die maximale Helligkeit reicht gerade so aus, um den Displayinhalt bei direkter Sonneneinstrahlung noch vernünftig ablesen zu können. Die Farbdarstellung ist zwar sehr dezent, gefällt mit persönlich aber besser, als die knallige Abbildung die die heutigen  S-AMOLED ihr Eigen nennen. Die Bildschärfe geht voll in Ordnung.

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Kamera & Multimedia

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Die Kamera des BlackBerry Z10 auf der Rückseite löst mit 8 Megapixel auf und bietet ein LED-Licht. Die Frontkamera knipst Bilder immerhin mit 2 Megapixel. Im Test konnte die Bildqualität überzeugen. Nutzt man die sogenannte Timeline-Aufnahme, so knipst das Z10 mehrere Bilder in Form eines Stop-Motion-Film. Aus diesem kann man dann das jeweils beste Motiv auswählen. So verhindert man Bilder, bei denen die Motive gerade  im unpassenden Moment blinzeln. Das Kameramenü wirkt sehr aufgeräumt, was daran liegen könnte, das man kaum Optionen zur Auswahl hat.  Bei Tageslicht wirken die Farben der Aufnahmen stimmig, die Aufnahmen selber weisen eine gute Schärfe auf.  Bei schlechten Lichtverhältnissen weisen die Aufnahmen ein extremes Bildrauschen auf.

 
(Kamerabilder  Anklicken)

Alles in allem eine befriedigende Aufnahmequalität. Videos zeichnet das Z10 farbtreue Clips in Full-HD auf. Bei schnellen Schwenks leidet die Aufnahme nicht unter dem Rolling-Shutter-Effekt.

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Der Musikplayer stellt Informationen über den Interpreten, die Playlisten, Genre und Alben dar. Auch das im MP3 integrierte Album-Cover wird abgebildet. Das BlackBerry Z10 bietet leider keine Klang-Presets an. So liefert es zwar einen passablen Sound, kann aber nicht gegen den Spitzensound eines  Sony Xperia S oder Xperia P bestehen. Ganz zu schweigen von meinen beiden Referenzgeräten (Cowon J3 oder dem Estarlab Monolith).

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iGrado von Grado
(C) Grado

Koss Porta Pro
(C) Koss
Philips SHL8800
(C) Philips
iBeats by Dr. Dre
(C) Monster

Der iGrado benötigt ein sehr hohes Eingangssignal vom Smartphone um seine großen Treiber so richtig in Wallung zu bringen und um seinen linearen Sound angemessen zu Gehör zu bringen. Beim Z10 reicht dieser dafür nur bedingt aus. Der iGrado liefert dann einen recht bassarmen Klang. Der Koss Porta Pro sowie der Philipps SHL8800 kommen mit dem Ausgangssignal des Z10 deutlich besser zurecht. Der Bass klingt voller und runder, leider werden aber die Höhen etwas beschnitten. Meine iBeats von Monster liefern da mehr Bass, trotzdem habe ich es nicht geschafft, meinen persönlichen Lieblingssound zu finden. Während des Tests kamen unter anderem Alben zum Einsatz:

Sarah Brightman
(Symphony)

VNV Nation:
(Automatic)

A State of Trance

The Corrs
(Talk on Corners)
Sara Brightman VNV Nation Blade 2 Corrs

Trance-Music mit den betont elektronischen Sounds und Filtern (z.B. kam Armin van Buurens wöchentlicher Podcast "A State of Trance") testet die Höhen und den Bass. Der Song "I against I" von Mos Def aus dem Soundtrack zu "Blade 2" hat eine sehr starke Bassbetonung und ist daher für einen Test in meinen Ohren besonders gut geeignet. Ebenso wie der Song "Damn Those Eyes" von Kane, der eine sehr gute Dynamik aufweist. Sämtliche Songs wurden von mir eigenhändig mit 320 kbit unter Zuhilfenahme der Software "LAME" codiert. Durch die Multitasking-Unterstützung im Betriebssystem kann man den MP3-Player auch im Hintergrund laufen lassen und nebenher noch andere Aufgaben erledigen oder sogar Spielen. Das BlackBerry Z10 hat kein FM-Radio mit Senderspeicherplätzen spendiert bekommen.  Da will man die Firmen wohl vor der GEZ schützen :D Der Videoplayer kommt mir den gängigsten Formaten (MP4, DivX) klar. Mit Dolby Surround versehene AVIs, Mov oder MKV spielt er aber nicht ab.

Akku, Konnektivität und Gesprächsqualität


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Dank des eingebauten A-GPS-Empfängers (auch für Glonass geeignet) und BlackBerry Maps findet man auch in unbekanntem Terrain wieder nach Hause. Vorausgesetzt, man versteht die englische Sprachausgabe. Eine deutsche Stimme gibt es nämlich noch nicht. Auch kann man keinen Zeil- und Endpunkt definieren, sondern nur von der aktuellen Position bzw. der zuvor hinterlegten Privat- oder Firmenanschrift loslegen. Da muss BlackBerry noch nachbessern. Der im Blackberry eingesetzte Browser ist sehr schnell und unterstützt ab Werk sogar Adobe-Flash. Zoomen per Doppeltipp klappt ebenso, wie die bekannten Spreizgesten. Per WLAN öffnet sich meine Webseite in nur 2  Sekunden. Das Z10 unterstützt LTE und HSPA+ und zwar in allen deutschen LTE-Frequenzbereichen. Die Übertragung per LTE signalisiert der Z10 mit einem "4G" in der rechten oberen Ecke. Die Gesprächsqualität ist wirklich gut. Das leichte Rauschen schmälert nicht die sehr gute Verständlichkeit.

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E-Mails werden auf Wunsch in Echtzeit (per Push) empfangen. Den BIS benötigt man beim BlackBerry Z10 dazu nicht mehr. Man kann seine E-Mails so auch einfach per POP oder IMAP empfangen. Den Abrufintervall kann man dabei selbst einstellen. Auch die Ordner, die bei einem Abruf synchronisiert werden kann man auswählen. Für Geschäftskunden gibt es aber weiterhin eine Unterstützung für den BlackBerry Enterprise Server. E-Mails aus anderen Postfächern werden hier gesammelt und in Echtzeit an den BlackBerry übertragen. Der Eingang von Nachrichten wird dann durch rotes Blinken der LED über dem Display signalisiert.  Neuerdings werden E-Mails auch im HTML Format dargestellt.

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Für einen reibungslosen Austausch mit der Außenwelt hat BlackBerry seiner neusten Schöpfung neben Bluetooth samt A2DP (Stereo Audio über Bluetooth) und AVRCP (Audio Video Remote Control) auch die Unterstützung für NFC mit auf den Weg gegeben. Laut BlackBerry unterstützt das Z10 auch das nicht unwichtige Bluetooth rSAP. So kann die Brombeere über die Kfz-Freisprechanlage auf die SIM-Kontakte des Telefons zugreifen und dann die Sende-/Empfangsteil des Smartphones abschalten. Gespräche werden dann über die in den PKW fest eingebaute Freisprecheinrichtung und Antenne erledigt

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Bei den Sicherheitseinstellungen glänzt Blackberry mal wieder. Mit BlackBerry Balance kann der Arbeitgeber ganz einfach ein komplett separates Benutzerprofil samt Mail-Accounts und Apps auf dem Z10 anlegen. Beide Profile tauschen keine Daten miteinander aus. So kann der Admin wie gewohnt Berechtigungen für Apps festlegen und Zertifikate einbinden. Selbst die NFC-Möglichkeiten kann man einschränken. Über die USB-Option kann man zumindest die Speicherkarte des Z10 als Massenspeicher an einen PC anbinden. Der interne Speicher bindet sich nur als Netzlaufwerk ein. Hierzu nutzt man die BlackBerry eigene Software namens "Link" oder eben eine passwortgeschützte Netzwerkfreigabe per WLAN,

Der wechselbare Akku liefert 1.800 mAh. Display und Dual-Core-Prozessor belasten den Akku nicht übermäßig stark, das gilt aber nicht für die Onlineanbindung. Gerade über LTE ist der Akku im Surfbetrieb nach knapp 5 Stunden bereits am Ende. Wer sein Z10  länger benötigt, sollte sowohl die E-Mail Push-Benachrichtungen als auch LTE abschalten.  So schneidet das Z10 im Test eher unterdurchschnittlich gut ab. Im Test ergab sich im Videobetrieb eine maximale Laufzeit von 6 Stunden. Wer das Z10  weniger hart ran nimmt, schafft aber einen nicht allzu langen Arbeitstag.

Menü

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Wie damals Palm beim Pre geht auch BlackBerry beim Z10 einen neuen Weg. Das auf QNX-basierende Betriebssystem erinnert zwar optisch an das leicht verstaubt wirkende alte Blackberry OS. Einen Home-Button findet man nicht mehr. Wer sein Z10 entsperren will, der winscht einfach unten nach oben. Dann lüftet sich der Entsperr-Bildschirm wie ein Vorhang. Alternativ kann man so auch einfach über den abgeschaltet Bildschirm wischen. Im Hauptmenü wechselt man durch Wischgesten von links nach rechts zwischen den einzelnen Bildschirmen mit jeweils sechzehn Icons. Durch einen Wischer nach links kommt man dann zum  BlackBerry Hub. Dieser HUB ist zentraler Bestandteil von Blackberry 10 und stellt die Kommunikationszentrale dar. Hier findet man eingegangene Anrufe, E-Mails (Exchange, POP, IMAP, Freemailer), Mitteilungen des BBM, Kalendereinträge, SMS aber auch Status-Updates seiner sozialen Netzwerke. Aktuell werden Facebook, Twitter, Linkedin unterstützt.

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Will man eine aktivierte App beenden, wischt man einfach von unten nach oben. Die App landet dann in einer Art Taskmanager. Komplett beendet wird sie dann durch ein kleines "x". Wischt man hingegen von unten nach oben und dann nach rechts, so landet man im Blackberry Hub. Hier kann man dann einen kurzen Blick auf seine Nachrichten werfen und kommt dann ohne Umwege zurück in die App. Streicht man im Menü vom oberen Ende nach unten, so erscheint die Info- und Steuerungsleiste.

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Apps/BlackBerry World

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Wie erwartet stehen bei einer neuen Plattform erst einmal nicht ganz so viele Apps zur Auswahl, wie bei etablierten Betriebsystemen wie iOS oder Android. laut BlackBerry sollen aber bereits 70.000 Apps vorhanden sein. Häufig genutzte Apps wie zum Beispiel Skype oder das unsägliche WhatsApp findet man (noch) nicht auf der neuen Plattform. Entwickler wie Roxio sind aber bereits mit Angry Birds vertreten. Zudem gibt es das gute Rollenspiel Bards Tale.

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Potential ist also vorhanden. Auf dem BlackBerry Z10 hat der Hersteller Apps, wie Facebook, Linkedin, Foursquare, YouTube, Twitter, Drop Box und  AccuWeather vorinstalliert. Sogar an eine Office-Suite namens  Docs to Go und Blackberry Remember, eine Art Notizfunktion wurde gedacht. Die Bedienung kann man am besten in meinem Videotest nachvollziehen:


Fazit

Auch mit dem Z10 wird es BlackBerry schwer haben. Zumindest, wenn es in Deutschland wirklich zu einem Preis von 629 Euro verkauft werden sollte. Der Z10 hat seinen Stärken in der Kommunikation, sei es per E-Mail oder im Gespräch. Auch der Sicherheitsaspekt sollte nicht zu vernachlässigt werden. Die gute Netzanbindung über WLAN, HSPA+ und sogar LTE steht ebenfalls auf der Habenseite. Auch die Sprachqualität ist wirklich gut. Die 8-Megapixel-Kamera hingegen hinterlässt im Test gemischte Gefühle.  Gute Bilder bei ausreichend Licht, schlechte Bilder bei weniger guter Lichtausbeute. Die Dual-Core-CPU erlaubt eine gute Performance im neuen BlackBerry OS 10.  Die Akkuleistung ist momentan aber noch etwas schwach. Wer sein Smartphone privat nutzt, findet in der Blackberry World momentan nur sehr wenig wirklich sinnvolle Apps und Spiele. Kein Vergleich zu iOS und Android.  Mit dem Google Nexus 4 gibt es einen preislich extrem attraktiven Konkurrenten mit Android-Betriebssystem.



Wer das BlackBerry Z10 kaufen will, kann das zum Beispiel hier bei Amazon machen.


  

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