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BlackBerry DTEK50 im Test: Weder Fisch noch Fleisch?

Ich frage mich zwar, ob Sicherheit im Zeitalter von WhatsApp, Facebook und Pokemon Go überhaupt noch jemanden interessiert. Aber mit dem BlackBerry DTEK50 hat man zumindest die Option auf ein sicheres Android Smartphone. Das knapp 340 Euro teure BlackBerry DTEK50 ist nämlich das sicherste Android-Smartphone der Welt. Punkt! Was es sonst noch so zu bieten hat zeigt euch gleich der Test.

BlackBerry DTEK 50: Dient das Alcatel Idol 4 als Basis?

Wenn man mal beide Modelle direkt nebeneinander stellt, dann sind die Ähnlichkeiten wirklich verblüffend und Alcatel hat schon in der Vergangenheit für andere Hardware produziert.

BlackBerry DTEK50

Erstaunlicherweise hat BlackBerry aber sogar bei den Materialien “gespart”. So ist das 5,2 Zoll große Display dank der 2.5D-Technik leicht gebogen, die Rückseite besteht beim BlackBerry DTEK50 aber nicht mehr aus Glas, sondern aus Kunststoff. Dafür liegt es im Vergleich zum “Paten” mit seiner Glasrückseite etwas besser in der Hand.

Der Metallrahmen selber ist – ähnlich wie beim Galaxy Note 4 – in der Mitte schwarz beschichtet. Die Kanten glänzen hingegen silbern. Auf der rechten Seite des Rahmens findet man ebenfalls den “Boom-Key” des Alcatel und den sehr breiten Einschub für die nano-SIM sowie die MicroSD-Karte. BlackBerry nutzt solche zusätzlichen Taster (Convenience Key) allerdings auch bei seinen anderen Modellen. So kann ich mir fast jede App als eine Art Schnellstart “ablegen”.

Der Ein-/Ausschalter liegt hingegen auf der linken Seite und das ist sowohl ungewöhnlich als auch haptisch nicht unproblematisch. Mit seinen Abmessungen von 147 mm x 72,5 mm x 7,4 mm und einem Gewicht von nur 135 Gramm ist es schon fast “zierlich”. Das Alcatel Idol 4 misst 147 x 72,5 x 7,1 Millimeter und ist etwas dünner und mit 134 GRamm auch etwas leichter. Ergo ist das BlackBerry DTEK50 nicht nur eine “einfache” Kopie. Und ehrlich gesagt, werden beide Modelle von “TCL” gefertigt 😀

Display: 5,2 Zoll und Full-HD

Das Display des BlackBerry DTEK50 ist 5,2 Zoll groß und bietet eine Auflösung von 1.080 x 1.920 Pixel. BlackBerry hat sich für ein IPS-LCD entschieden. Die Farben wirken deutlich weniger kräftig als bei einem AMOLED. Der Schwarzwert ist zudem etwas weniger hoch und “Weiß” wirkt hier einen Tick bläulicher. Die maximale Helligkeit ist dafür aber ausreichend hoch. Wobei das kratzresistente Displayglas bei direkter Sonneneinstrahlung etwas spiegelt. Eine “Wölkchenbildung” konnte ich keine erkennen und mit 424 Pixel pro Zoll ist es mehr als ausreichend scharf.

Das Display kann man durch den üblichen “Doppeltipp” aus das Glas sowohl aktivieren als auch deaktivieren.

Performance & Akku: Snapdragon 617 und ein paar Bugs

Der Snapdragon 617 wird mit bis 1,5 GHz getaktet und leistet in Verbindung mit 3 GByte Arbeitsspeicher keine Spitzenwerte. Die benötigt man heutzutage aber auch kaum. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark kommt das Gespann daher auch nur auf 37.447 Punkte. Werte für den Geekbench 3 konnte ich nicht ermitteln, denn der DTEK50 will seine Ergebnisse nicht mit den Servern von Geekbench synchronisieren. Sind die etwas geheim?

Leider erwärmt sich die CPU bei anspruchsvollen Spielen doch recht stark. Die Leistung ist für die normalen Spiele gerade noch “ausreichend”. Allerdings wird man öfter die Details reduzieren müssen. Leider gibt es noch diverse “Ungereimtheiten”. So stürzte bei mir beim Start der Kamera regelmäßig die App Cloudmagic ab. Zudem konnte ich das Tutorial der Kamera nicht über den Shortcut im Entsperr-Bildschirm beenden. Bei jedem Start der Cam mußte ich es erneut durchlaufen. Erst als ich die Kamera über den Homescreen gestartet habe, wurden die Eingaben auch angenommen.

Nach der erfolgreichen Beendigung der langatmigen Einrichtungssequenz begrüßt mich der BlackBerry DTEK50 dann mit Priv.

Schlussendlich fehlt es hier wohl deutlich an Sorgfalt. Die Benutzeroberfläche selber glänzt auch nicht durch übermässigen Esprit.

Der fest eingebaute Akku leistet nur 2.610 mAh, ist aber aufgrund der recht übersichtlichen Technik nicht unterdimensioniert. Die SoT (Display dauernd an) ist mit knapp 4 Stunden und 45 Minuten ordentlich. Man kommt mit dem BlackBerry DTEK 50 also locker über den Tag. Zumindest wenn man nicht dauernd Filme oder Serien schaut. Der Ladevorgang dauert etwa 2 1/2 Stunden. Heavy-User werden den DTEK50 aber auf jeden Fall täglich aufladen müssen.

13-Megapixel-Kamera: Für einen BlackBerry reicht das, oder?

Eigentlich schon. Allerdings will BlackBerry damit nicht nur die Geschäftskunden zu einem Umstieg bringen, sondern auch andere und die legen vermutlich mehr Wert auf eine schicke Kamera. Die App selber ist übersichtlich und knipst Bilder in den Formaten 4:3 (Standard mit 13 Megapixel), 16:9 (8 Megapixel) und 1:1. Im Test kam es – je nach Beleuchtung – zu einem sichtbaren Bildrauschen. So verliert man auch das ein oder andere Detail in den Aufnahmen. Bei den Programmen hat man die Wahl zwischen HDR, Panorama und einem manuellen Modus. Die Qualität der aufgezeichneten Full-HD-Videos (mit bis zu 60 Bildern die Sekunde) der Kamera geht soweit in Ordnung, der Ton ist etwas dumpf.

BlackBerry DTEK50

Selfies knipst man auf dem BlackBerry übrigens mit 8 Megapixel. Da sieht man im neuen Armani-Anzug doch deutlich schicker mit aus, oder?

Der Musikplayer aus dem Hause Google verrichtet seinen Dienst gut. Über die App Waves MaxxAudio stehen zahlreiche Equalizer-Presets und Einstellungsmöglichkeiten zur Auswahl. Der Sound über Kopfhörer ist damit “ganz nett”, kommt aber weder an Apple noch Samsung oder Sony heran.

Der Sound über die beiden Lautsprecher auf der Vorderseite ist etwas dünn, dafür aber sehr laut. Nettes Gimmick: sie sind auch auf der Rückseite des DTEk50 sicht- und damit hörbar! Zudem bietet der BlackBerry DTEK50 nun ein FM-Radio. Für Geschäftskunden ist das mittlerweile ja kein Problem mehr (Stichwort AZDB/GEZ).

Konnektivität: Hier muss ein BlackBerry doch glänzen, oder?

Das sollte er, “tut” er aber schon länger nicht mehr. Schon der alte Lord der BlackBerry Priv konnte in dieser (wichtigen) Disziplin nicht so ganz überzeugen.  Im Netz der Telekom und Vodafone war die Sende/- und Empfangsleistung leider nur Mittelmaß. Der Umschaltvorgang zwischen GSM/UMTS und LTE dauert recht lange, dabei stimmt die Anzeige der Empfangsstärke nicht mit der Realität überein. Andere Smartphones liefern da durchaus bessere Leistungen. Die Gesprächsqualität konnte leider auch nicht wirklich überzeugen. Die Teilnehmer klangen etwas dumpf und man war geneigt auf das “sprichwörtliche” Handtuch im Mund hinzuweisen. Dafür ist die maximale Lautstärke mehr als ausreichend und zwar auch beim Freisprechen. Ach ja, Dual-SIM (wie beim Alcatel Idol 4) gibt es beim BlackBerry DTEK50 auch nicht.

Dank LTE Cat. 4 kann man in gut versorgten Gebieten mit einer schnellen Datenübertragung rechnen. WLAN unterstützt das DTEK 50 in den Standards b/g/n/ac sowohl im 2.4 GHz als auch im 5 GHz-Band. Daneben bietet das BlackBerry DTEK50 auch noch Bluetooth 4.2 und NFC.

Android 6: DTEK und BlackBerry Hub

Der BlackBerry DTEK50 läuft mit Android 6.0.1. Das unterscheidet sich deutlich vom “alten” BlackBerry OS 10. Der kanadische Hersteller orientiert sich nämlich nahe am Google-Standard. Vormals selbstgestrickte Apps wie dem Assistant, Fotos, Videos, Musik und die BlackBerry Maps bzw. BlackBerry Balance zur Trennung der beruflichen und privaten Daten stehen nicht mehr zur Verfügung. Dafür nutzt man nun die (Google)-Alternativen aus dem Play Store.

Auf wichtige Apps, wie dem hervorragenden E-Mail-Client “BlackBerry Hub” muss man aber auch beim DTEK50 nicht verzichten. Der Hub ist dabei die Schaltzentrale und bündelt alle SMS, Anrufe und Benachrichtigungen aus den sozialen Netzwerken (WhatsApp und Co) sowie E-Mails. Auch den BlackBerry Kalender sowie die Notizen-App findet man wieder auf dem BlackBerry DTEK50.

BlackBerry bewirbt das DTEK50 als das sicherste Android-Smartphone der Welt. Was bei einem derart “offenen” Betriebssystem auch kein Kunststück ist. Geräte aus dem Hause HTC, Google und Co lassen sich in der Regel in wenigen Minuten “rooten”. So bekommt man die vollständige Kontrolle über das Gerät (und die Daten).

Ähnlich wie Samsung hat BlackBerry im DTEK50 eine Sicherheitssperre in der Hardware eingebaut. Schon beim Start überprüft das Gerät sein Betriebssystem auf Einwirkungen. Erkennt es Manipulationen, wird der Bootvorgang abgebrochen. Angeblich fehlt beim DTEK50 sogar die Möglichkeit, die Daten über JTAG auszulesen.

Über die DTEK genannte App bekommt man zudem schnell einen Überblick, welche Apps welche Informationen abgreifen. Hier kann man den Apps dann auch (überflüssige) Zugriffsrechte entziehen. Die weiteren Sicherheitsfeatures arbeiten aber unter der Oberfläche von Android 6.0.1. Jeder BlackBerry DTEK50 nutzt einen speziellen Sicherheitsschlüssel um sicherzustellen, dass nur zuvor signierte Apps lauffähig sind.

Damit sind die eigenen Daten (nach Verschlüsselung) auf dem BlackBerry DTEK50 ziemlich sicher. Einen Fingerabdrucksensor hat es aber nicht.

Fazit: BlackBerry DTEK weder Fisch noch Fleisch

Mit einem Preis von 340 Euro (aktuell inklusive Powerbank mit 12.600 mAh) liegt der BlackBerry DTEK50 zwar preislich durchaus noch im Rahmen und sein 5,2 Zoll großes FHD-Display geht in Ordnung. Auch die 13-Megapixel-Kamera ist nicht schlecht. Der  knapp 2.610 mAh starke Akku könnte aber etwas ausdauernder sein. Schwachpunkt des DTEK50 ist zum einen die Performance und zum anderen die durchwachsene Sende-/Empfangsleistung bzw. Sprachqualität. Früher mal ein echtes Highlight von BlackBerry. Gebieben ist ein von BlackBerry optimierte Android 6 mit zahlreichen Sicherheitsfeatures und schnellen Updates. Geblieben ist auch der unschlagbare  BlackBerry Hub als Nachrichtenzentrale. Den kann man sich aber auch auf anderen Android-Smartphone installieren. So ist der BlackBerry DTEK weder Fisch noch Fleisch.

Testergebnis

Verarbeitung 9
Display 8.5
Performance 6.6
Kamera 8
Konnektivität 7.1

Fazit

7.8 Schwachpunkt des DTEK50 ist zum einen die Performance und zum anderen die durchwachsene Sende-/Empfangsleistung bzw. Sprachqualität. Früher mal ein echtes Highlight von BlackBerry. Gebieben ist ein von BlackBerry optimierte Android 6 mit zahlreichen Sicherheitsfeatures und schnellen Updates. Geblieben ist auch der unschlagbare BlackBerry Hub als Nachrichtenzentrale. Den kann man sich aber auch auf anderen Android-Smartphone installieren. So ist der BlackBerry DTEK weder Fisch noch Fleisch.

Tags : AndroidBlackBerryDTEKReviewSmartphone
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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