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Essential PH-1 im Test: Lohnt sich der Import?

Mit dem Essential PH-1 hat Andy Rubin (war an der Entwicklung des Android-Betriebssystems beteiligt) nun sein erstes Smartphone vorgestellt. Und das kommt  mit aktueller Technik (Snapdragon 835, randloses 5,7-Zoll-QHD-Display) und Top-Ausstattung (Titan, Keramik) auf den (US) Markt. Allerdings auch mit erheblicher Verspätung und leichten Problemen. Lohnt sich der Import des knapp 720 Euro teuren Smartphones trotzdem?

Essential PH-1: Schlicht aber hochwertig

Das neue Essential PH-1 soll(te) in den beiden “Farben” Schwarz und Weiß auf den Markt kommen. Andere Farben waren zwar auch geplant, lassen sich technisch aber wohl aufgrund der verwendeten Materialien (Keramik) nicht umsetzen. Und die weiße Version steht aktuell ebenfalls noch nicht zur Verfügung. Bleibt also nur der Blick auf die mit $699 zzgl.Steuern und Versand nicht ganz günstige Importversion in “Black Moon” (schwarz).

Das Smartphone kommt dabei komplett ohne jegliches Logo aus, nichts weist auf den Hersteller hin. Einfach nur “Essential”. Ein schnörkelloses Gehäuse, weiche Rundungen, angenehmes Gewicht. Wobei es mit seinen Abmessungen von 142 x 71 x 7.8 mm zwar recht klein, mit einem Gewicht von rund 185 Gramm aber auch recht schwergewichtig erscheint.

Essential_PH-1_14Der Rahmen des Essential PH-1 besteht dabei sogar aus Titan, eigentlich ein sehr leichtes und robustes Material. Im Härtetest (YouTube) hat es Stürze aber trotzdem nicht gerade unbeschadet überstanden. Da sieht bei der Rückseite aus Keramik schon ganz anders aus. Die ist sowohl gegen Kratzer als auch gegen Schäden durch Stürze deutlich besser gefeit. Das ganze Gehäuse ist laut Hersteller nach IP54 zwar gegen Wettereinflüssen und Staub geschützt. Aber genaus DAS ist KEIN Vergleich mit der IP68-Norm, die das Galaxy Note 8 erfüllt. Zumal Essential ja bereits auf eine 3.5mm Buchse verzichtet hat.

Essential_PH-1_6Die Vorderseite wird vom großen Display und der integrierten Selfies-Kamera dominiert. Die Rückseite ziert ein kreisrunder Fingerabdrucksesnor, eine 13-Megapixel-Dual-Kamera sowie eine LED und ein spezieller Anschluss für Zubehör. Hier findet z. B. die zeitgleich vertriebene 360-Grad-Kamera Anschluss an das Essential PH-1. In der Zukunft will der Hersteller – ähnlich wie Motorola – weitres Zubehör anbieten.

Die Verpackung ist übrigens genauso hochwertig, die das Smartphone selbst und bringt neben dem PH-1 noch eine Anleitung, einen kleinen SIM-Tray-Öffner, den Adapter auf 3.5mm Klinke sowie ein Lade-/Datenkabel und ein Netzteil (US) mit 27W zum Vorschein.

Top Verarbeitung und erstklassiges Zubehör!

Performance & Akku: SD 835 und 3.050 mAh

Das Flaggschiff-Smartphone von Essential wird von einem Snapdragon 835-Chipssatz aus dem Hause Qualcomm angetrieben, muss aber mit “nur” 4 GByte RAM auskommen. Modelle wie das OnePlus 5 oder das Note 8 bieten da bereits 6 bzw 8 GByte Arbeitsspeicher. In der Praxis hat dies freilich keine Auswirkungen. Macht sich aber eben auf dem Papier gut.

Der interne Speicher beträgt hier 128 GByte, kann aber nicht mit einem microSD-Slot aufwarten. Erweitern kann man ihn also nur über einen USB-Kartenleser. Der findet man unteren USB-Ty-C-Port Anschluss und zwar zwischen Lautsprecher und SIM-Tray. Dual-SIM wird auch nicht unterstützt.

Die schnelle CPU sorgt in den aktuellen Benchmarks für ausreichend Spaß. So kommt der Chipsatz im Geekbench 4 im Single-Core-Modus auf 1.909 Punkte und im Multi-Core auf 6.558 Zähler. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark reicht es für 171.465 Punkte. Android 7.1.1 und die schnörkellose Oberfläche laufen dabei absolut flüssig. Vergleichbar mit dem Google Pixel.

Der fest eingebaute Akku leistet nur 3.040 mAh und erscheint auf den ersten Blick eher schwach. Im Test kam ich tatsächlich so gerade eben über den Tag. Der helle, hochauflösende Display sowie die schnelle CPU fordern an dieser Stelle ihren Tribut. Die Screen-on-time betrug dabei bis zu 6 Studen. Der Aufladevorgang (nicht drahtlos) war über das mitgelieferte Netzteil (USB-C auf USB-C) mit 27W in knapp einer Stunde erledigt!

Ein sehr schnelles und erstaunlich ausdauerndes Smartphone.

Android 7.1.1. Keine Spielereien

Essential liefert das PH-1 mit Android 7.1.1 und den aktuellen Sicherheitspatches vom 01.09.2017 aus. Bei den vorinstallierten Apps hält sich der Hersteller vornehmen zurück. 20 Apps decken die wichtigsten Funktionen von telefon, über Kalender bis hin zu YouTube ab. Andere Apps können über den Play Store nachinstalliert werden

Randloses 5,71 Zoll Display mit 1440p

Das 5,7 Zoll große Display macht so gar nicht auf “Understatement”. Zum einen löst es in Quad-HD auf (1.312 x 25.60 Pixel, Seitenverhältnis 19:10), zum anderen ist es sehr hell und vor allen Dingen: nahezu randlos.

Dagegen sieht ein iPhone aus wie aus dem vorherigen Jahrhundert.

Das ändert sich dann mit dem iPhone X wieder, aber das kostet das Doppelte. Die Leiste mit den Benachrichtigungen ist etwas dicker ausgefallen als bei Android 7 üblich, da das Display in der Mitte durch die Selfie-Cam unterbrochen wird. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Zudem müssen die Apps auch das seltsame Seitenverhältnis unterstützen, dazu liefert Essential eine passende App mit. Hier werden aber noch längst nicht alle Apps angeboten. Mitunter liefern Apps, wie z.B. Spotify einen unschönen breiten Rand oder bringen gar das gesamte Essential zum Absturz! Der beliebte Nova Launcher wurde in der neusten Beta seitens der Entwickler aber schon an das Essential PH-1 angepaßt. Es geht also!

Der Sound ist Musik: Klang ist laut

Essential_PH-1_13Die Audioqualität geht über Bluetooth-Kopfhörer voll in Ordnung. Normale – kabelgebundene – Verteter finden nur über den mitgelieferten Adapter Anschluss an das Essential PH-1. Genauer gesagt, an dessen USB-Typ-C-Port auf der Unterseite. Der einzige Lautsprecher tönt SEHR laut, ist aber doch recht “dünn” im Klang. Telefonate über die eingebaute Freisprecheinrichtung sind hingegen kein Problem. Ich hätte mir hier aber zwei Lautsprecher gewünscht. Platz wäre vorhanden.

Kamera: Zwei Kameras, gemischte Ergebnisse

Essential_PH-1_16Auch Essential folgt dem Trend hin zu Dual-Kameras. Leider meist ohne Sinn und Verstand, denn der Nutzen derartiger Kameras hält sich arg in Grenzen. Das Setup des PH-1 besteht aus einem 13-Megapixel-Farbsensor und einem 13-Megapixel-Monochrom-Sensor. Ein “Tele-Zomm” ist damit nicht möglich, es fehlt nämlich das Weitwinkelobjektiv. Die beiden Sensoren vermischen dafür Farbinformationen und die Details der Schwarz-Weiß-Kamera.

Bei GUTEN Lichtverhältnissen kommen so auch ansprechende Aufnahmen zustande. Bei schlechten Lichtverhältnissen versagt die Kamera aber fast auf ganzer Linie. Und das nach mehren Update der Kamera-App (über den Play Store). Einen Eindruck von der Qualität der Kamera-App bekommt man auch in meinem Videoreview des Essential PH-1:

Die Hardware ist sehr gut, die Kamera-App hingegen nicht. Wechsel zwischen Monochrome und Farbe dauern ewig und bei Dunkelheit ist mit VIELEN Artefakten zu rechnen. Und das , obwohl die Kamera eine Blende f/1.85 sowie einen Hybrid Auto Focus (Phase Detect und IR Laser Assist Focus).
Essential PH-1
Einen optischen Bildstabilisator hat das Essential PH-1 nicht zu bieten und so fällt die Bildqualität des Google Pixel deutlich besser aus. Aber auch die anderen Modelle wie das Galaxy S8 oder LG G6 liefern ein besseres Ergebnis. Etwas besser die da übrigens ein Port der Google Pixel Kamera bei den XDA-Developern, einfach installieren und die Qualität der Aufnahmen bei Dunkelheit verbessert sich deutlich. Die eingebaute App zeichnet Videos in 4K auf und liefert ein paar wenige Spielereien wie einen HDR-Modus.

Im Bereich Kamera ist mir “Essential” dann doch etwas zu wenig.

Fazit: Ein guter Start

Das Essential PH-1 reduziert das Smartphone auf das Wesentliche. Ein absolutes tolles, fast randlose Display als Hingucker. Erstklassige Materialien wie Keramik und Titan, die aber auf die Langlebigkeit keinen nennenswerten Einfluss haben. Die Performance ist top, die Kameraqualität hat aber noch deutlich Luft nach oben. An der Hardware liegt es jedenfalls nicht, wenn das Essential PH-1 doch kein Erfolg werden sollte. Die Frage ist, wie lange hält Essential mit der Kapitalspritze von Amazon durch …

Testergebnis

Verarbeitung 9.9
Display 9.1
Performance 9.8
Kamera 8.6
Konnektivität & Akku 8.7

Fazit

9.2 Das Essential PH-1 reduziert das Smartphone auf das Wesentliche. Ein absolutes tolles, fast randlose Display als Hingucker. Erstklassige Materialien wie Keramik und Titan, die aber auf die Langlebigkeit keinen nennenswerten Einfluss haben. Die Performance ist top, die Kameraqualität hat aber noch deutlich Luft nach oben. An der Hardware liegt es jedenfalls nicht, wenn das Essential PH-1 doch kein Erfolg werden sollte. Die Frage ist, wie lange hält Essential mit dem Kapital von Amazon durch ...

Tags : Android 7EssentialGoogleReviewTests
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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