Beenden

Honor 9 im Test: Mischung aus Honor 8 und Huawei P10

Das Honor 9 entspricht technisch fast dem Hauwei P10. Kein Wunder, denn beide Firmen nutzen die gleichen Ressourcen. Optisch folgt das neue Honor 9 aber eher der Formensprache seines knapp 1 Jahr alten Vorgängers. Es besteht – wie das Honor 8 – überwiegend aus Glas. Mit all seine Vor- und Nachteilen. Technisch orientiert es sich hingegen klar am Huawei P10. So nutzt ein 5,15 Zoll großes Full-HD-Display, wird von einem HiSilicon Kirin 960 und 4 GByte RAM angefeuert und bietet einen Dual-Kamera mit 12 und 20 Megapixel. Das Honor 9 muss allerdings ohne optischen Bildstabilisator und auch ohne den Leica Schriftzug samt dem dahinterliegenden Knowhow auskommen. In der Realität merkt man das allerdings kaum. Wie sich das knapp 425 Euro teure Honor 9 im Test geschlagen hat, erfahrt ihr jetzt.

Honor 9: Ein Huawei P10 aus Glas

Huawei-HonorHuawei P10 – Honor 8 – Honor 9

Rein optisch macht das Honor 9 auf mich den Eindruck, als ob man sich das Xiaomi Mi6 als Vorbild genommen hätte. Die Designer von Honor/Huawei haben dabei das Honor 8 als Grundlage genommen und die Seiten nochmals leicht abgeflacht. So liegt das neue Honor 9 besser in der Hand, gibt Fingerabdrücke aber immer noch sehr stark wieder. Die Rückseite besteht aus 15 Schichten Glas und sieht so aus unterschiedlichen Blickwinkel immer etwas anders aus. Leider ist die Rückseite so rutschig, dass es auf nicht ebenen Flächen durchaus ins Rutschen kommen kann. das sollte man also aufpassen!

Honor_9_6Das neue Honor 9 ist leider weder staub- noch wasserdicht und eben auch nicht bruchsicher. Bei einem Preis von rund 430 Euro hätte ich mir zumindest die Zertifizierung nach IP67 erhofft. Bei den Farben hält sich der Hersteller zumindest hierzulande (noch) vornehm zurück. Neben einem kräftigen „Saphhire Blue“ gibt es noch das dezentere „Glacier Gray“. Beide Farben überzeugen mich persönlich nicht ganz. Schwarz scheint noch nicht zur Verfügung zu stehen.

Das Honor 9 glänzt und spiegelt in der Sonne, was das Zeug hält.

Der Lautstärkeregler sowie der Ein-/Ausschalter findet man auf der rechten Seite des Rahmens. Die Unterseite wird vom Mikrofon, dem Lautsprecher und einem USB-Typ-C-Anschluss in Beschlag genommen. Auf der Oberseite gibt es beim Honor 9 einen Infrarotsender zur Steuerung von Multimedia. Mit seinen Abmessungen von 147.3 x 70.9 x 7.45 mm ist es ein wenig größer als das Huawei P10 (145,3 × 69.3 × 6.98 mm). Mit rund 155 Gramm übrigens auch rund 10 Gramm schwerer.

Display: 5,15 Zoll und Full-HD?

Honor_9_2Das 5,15 Zoll große Display auf der Vorderseite löst mit 1.080 x 1.920 Pixel auf. QHD wäre in dieser Preisklasse vermutlich zuviel verlangt. Das IPS-Display stellt die Farben originalgetreu dar und überstrahlt sie nicht, auch der Kontrast geht in Ordnung. Bei den Schwarzwerten wäre ein AMOLED zwar überlegen, aber auch hier gibt es kaum Klagen. Texte und Bilder wirken gestochen scharf. Kein Wunder bei den 428 ppi. Die maximale Helligkeit reicht für meinen Geschmack ebenfalls aus, die Ablesbarkeit aus unterschiedlichen Blickwinkel war gut. Bei direkter Sonneneinstrahlung sollte man aber die manuelle Helligkeitseinstellung bemühen. Die Automatik geht da zu sparsam ans Werk. Auch die fettabweisende Schicht ist wieder da.

Der kapazitive Home-Button mit integriertem Fingerabdrucksensor unter dem Display wird über einen kleinen Rahmen vom Displayglas getrennt und funktionierte im Test zuverlässig.

In meinem Videoreview des Honor 9 auf YouTube kann man das gute Display mal in Aktion sehen:

Emotion UI 5.1: Android 7 in bunt

Emotion UI 5.1 nennt sich die Benutzeroberfläche aus dem Hause Honor/Huawei auf der Basis von Android 7.0. Sie verzichtet ab Werk zwar auf einen App-Drawer, wer ihn aber partout haben will, der finden in den Einstellungen auch eine Option für eine (Re)Aktivierung 😀

Alle Apps werden auf den unterschiedlichen Home-Screens des EMUI 5.1 verteilt. Auf Wunsch kann man die Icons auch in Ordner sortieren. Die drei (bzw. vier) Software-Tasten zur Bedienung von Android befinden sich – dauerhaft eingeblendet – am unterem Displayrand. Das nennt sich treffenderweise „Navigationsleiste“. Die kann man in den Einstellungen dann auch anpassen und die Icons so umsortieren. Den Home-Button mit eingebautem Fingerabdrucksensor kann man EMUI 5.1 auf Honor 9zudem als eine Art „Touchscreen“ nutzen. So kann ich durch Wischgesten über den Sensor das Betriebssystem steuern. Fingerabdrücke (bis zu 5) unterscheidet der Sensor sehr zuverlässig voneinander.

Das Look & Feel des EMUI 5.1 kann man wie gewohnt über Themen personalisieren. Zieht man die Statusleiste am oberen Rand nach unten, dann findet man neben den üblichen Verknüpfungen (WLAN, Flugmodus, SIM, etc.) auch eine Timeline mit den zuletzt durchgeführten Aktionen.

Screenshots kann man zum Beispiel auch durch klopfen mit dem Fingerknöchel auf das Display auslösen. Das Scroll-Shot-Feature macht Screenhots von Inhalten, die mehrere Bildschirmseiten lang sein. Klopft man mit zwei Fingerknöcheln auf einmal auf das Display, dann startet das Screen Recording. Der Inhalt des Screens wird als Video abgespeichert. Das EMUI ist – nach kurzer Eingewöhnungszeit – dank seiner zahllosen Einstellungs-/ und Personalisierungsfunktionen eine der besten Benutzeroberflächen.

Leider wurde auch das Honor 9 ab Werk mit viel Bloatware vollgepackt. Apps wie Booking.com, eBay, Instagram, Facebook, TripAdvisor, Runtastic Results und Spiele wie Asphalt Nitro, Dragon Mania, Disney Kingdoms, Spider-Man: Ultimate Power, Assassin’s Creed Unity und Little Big City 2 muss ich echt nicht haben. Natürlich kann man sie deinstallieren, aber ab Werk sind von den theoretisch 52 GByte freien Speicher eben erst einmal nur 48 GByte verfügbar.

Performance & Akku: Wirklich Klasse

Bei der CPU setzt das Honor 9 auf den HiSilicon Kirin 960 des Huawei Mate 9, Huawei P10 sowie 4 GByte Arbeitsspeicher. Der Chipsatz kommt im aktuellen AnTuTu auf 134.294 Punkte und wird vom EMUI5_1_H9_17Snapdragon 835 bzw. Exynos 8895 des Galaxy S8 deutlich übertrumpft. Im Geekbench 4 kommt er auf 1.834 Punkte im Single-Core und 6.130 im Multi-Core durch.

Alle getesteten Spiele (Asphalt Extreme, Modern Combat 5) liefen damit vollkommen ruckelfrei und auch das EMUI 5.1 hatte keine Ruckler. Leider reagiert das RAM-Management immer noch ziemlich unwirsch. Apps werden (wieder) bei Erreichen einer bestimmten Speichergrenze (um die 2 GByte) rigoros aus dem Speicher gekickt. Unschön und unnötig bei 4 GByte RAM! Die Importversion bietet sogar 6 GByte Arbeitsspeicher. Der verbessert die Performance aber nicht nennenswert.

Der fest eingebaute Akku leistet 3.200 mAh und entspricht damit der Leistung des Huawei P10. Wenig überraschend ähneln sich damit auch die Laufzeiten. Bei halber Display-Helligkeit kam ich im PC Mark Akkutest auf knapp 6:50 Stunden. Normalnutzer, die nur ein paar Mails am Tag checken und Gespräche führen, schaffen also locker anderthalb Tage. Selbst Hardcore-Nutzer wie ich (zig E-Mails, WhatsApp und 2 Stunden Musik über Bluteooth) werden erst am Abend zum Ladegerät greifen müssen. Aufgeladen wird das Smartphone dann über ein USB-Typ-C-Kabel. Der Ladevorgang dauert- trotz des mitgelieferten Schnellladers und der Huawei/Honor eigenen Technik etwa 2 Stunden.

Multimedia: 20/12-Megapixel-Dual-Kamera

Die Kamera-App selber kennt man schon von anderen Huawei/Honor-Smartphones. Der Dual-Lens-Hybrid-Zomm (zweifache Zoom) funktioniert zwar ohne „Verluste“, da die Details der Aufnahme dann aus den 20 Megapixel extrahiert und auf 12 Megapixel runtergerechnet werden, sinnvoll ist eher aber selten.

Das Honor 9 nutzt die „gleiche“ Dual-Kamera wie das P10, muss aber ohne die Leica-Features und den optischen Bildstabilisator auskommen. Bei einer recht kleinen Blende von f/2.2 bleibt vom Slogan „The Night Vision“ eigentlich NICHTS mehr übrig. Die Kamera macht gerade da keinen guten Eindruck.

Der 20-Megapixel-Sensor sorgt im Monochrom-Modus für hohe Kontraste, der 12-Megapixel-Sensor ist für die Farben (RGB-Infos) zuständig. Die Honor-Software kombiniert die beiden Kameraaufnahmen zu einem Gesamtbild. Entweder mit 20 Megapixel ohne Zoom, oder eben mit 12 Megapixel und der Möglichkeit des zweifachen Hybrid-Zooms. Gut Gefallen hat mir auch der Monochrom-Modus. Die daraus resultierenden Schwarz-Weiss-Aufnahmen bestechen durch Schärfe und Detailfülle. Der Autofokus reagiert schnell und präzise.
Honor 9

Neben den üblichen Spielereien wie HDR-Modus, Panorma-Modus und einer Bildverschönerung, mit teilweise extrem künstlich wirkenden Ergebnissen, bietet das Huawei Mate 9 auch nette Licht-Spielereien bei Dunkelheit. Zahlreiche Nachtmodi vereinfachen und verschönern die Aufnahmen bei Dunkelheit. So kann man beispielsweise „Bilder“ in die Nacht zeichnen (Lichtmalerei). Man nehme eine Lichtquelle und male fröhlich in der Luft herum. Die Kamera berechnet dabei automatisch die passende Verschlusszeit und den ISO-Wert. Das klappt wegen der langen Belichtungszeit aber nur mit einem Stativ. So kann man beispielsweise auch die Lampen von Autos in eine Art Lichtschlange verwandeln.

Zusätzlich stehen noch 3D-Modi (Panorama, Creator) und verschiedene andere Filter und Effekte zur Auswahl. Wer wirklich alles aus der Kamera rausholen will, sollte zum Pro-Modus greifen. Hier kann man die – mitunter etwas oberflächliche Automatik – aushebeln und erhält Zugriff auf alle wichtigen Einstellungen (ISO, Weißabgleich, Fokus, etc.).

Im Portrait-Modus kann ich über eine „Große Blende“ eine Art Tiefenschärfe-Effekt erzeugen der im Gegensatz zu echten Kameras aber softwarebasiert ist. Dabei kann man Fokus im Nachhinein ändern oder eine größere oder eine kleinere Blendenöffnung wählen. Wer Fans von diesem Bokeh-Effekte ist, der kommt hier voll auf seine Kosten. Mit echten Kameras kann er aber nicht mithalten.

Die Kamera auf der Vorderseite löst mit 8 Megapixel auf und sorgt für exzellente Selfies, Wefies und Co. Die Qualität der Kamera finde ich insgesamt sehr gut, aber eine richtige Leica könnte mehr. Dennoch ist das hier einer der besten Kameras auf dem Markt.

Konnektivität & Sound: Ist alles ok

Unterwegs kann ich über HSPA+ oder eben auch per LTE in der Cat 12 bzw. WLAN 802.11 /a/g/n/ac (2.4/5 GHz) im Internet surfen. Das klappte im Test völlig problemlos. Bei der Telekom kam ich in Münster auf knapp 89 mbit/s. Daten und Medien werden per Bluetooth 4.2 LE und NFC übertragen. Die Sprachqualität des P10 ist gut, meine Gesprächspartner tönen klar und deutlich aus dem Hörer. Dank der „Signal+“ genannten Technologie konnte ich bei mir auf dem Land den Empfang über o2 sogar verbessern. Das P10 unterstützt dabei die Erweiterung des internen Speichers über microSD-Karten (bis 200 GByte) und USB-OTG. Der interne Speicher beträgt 64 Gbyte, davon stehen knapp 48 GByte zur freien Verfügung. Der durchschnittliche GPS-Fix war nach rund 5 Sekunden erledigt. Der SAR-Wert ist mit 1,26 W/kg (am Kopf/Körper) recht hoch!

Der Musikplayer aus dem Hause Honor zeigt den Interpreten und auch Playlisten, Genres und Albennamen an. Auch das in den Track integrierte Album-Cover wird korrekt angezeigt. Das P10 liefert — mit guten Kopfhörern — einen vernünftigen Sound. Der eingebaute Lautsprecher auf der Unterseite klingt hingegen etwas dünn. Im direkten Vergleich mit den aktuellen Xperia-Modellen, dem Samsung S8 oder dem Apple iPhone 7 ist der Klang aber nicht ganz so lebendig, voll und klar.

Fazit: Huawei P10 überflüssig?

Das Honor 9 kostet (zum Testzeitpunkt bei Cyberport) 429 Euro und ist de facto ein Huawei P10 in einem anderen Gehäuse. Die Dual-Kamera kommt ohne Cyberportoptischen Bildstabilisator und Leica-Technik aus, macht aber ebenfalls gute Bilder. Mit einem S7 kann sie aber nicht ganz mithalten. Display, Performance und Verarbeitung sind auf einem sehr hohen Niveau und rechnerisch ist es das „bessere“ Huawei P10. Allerdings nur, WENN man auf soviel Glas bei einem Smartphone steht.

Testergebnis

Verarbeitung 9.2
Display 9.1
Performance 9.2
Kamera 9.1
Konnektivität & Akku 9

Fazit

9.1 Das Honor 9 kostet (zum Testzeitpunkt bei Cyberport) 429 Euro und ist de facto ein Huawei P10 in einem anderen Gehäuse. Die Dual-Kamera kommt ohne optischen Bildstabilisator und Leica-Technik aus, macht aber ebenfalls gute Bilder. Mit einem S7 kann sie aber nicht ganz mithalten. Display, Performance und Verarbeitung sind auf einem sehr hohen Niveau und rechnerisch ist es das "bessere" Huawei P10. Allerdings nur, WENN man auf soviel Glas bei einem Smartphone ste

Tags : Android 7ChinaHonorReviewSmartphonesTests
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

Diese Website verwendet Cookies, um Ihre Erfahrungen zu verbessern. Durch die Nutzung dieser Seite stimmen Sie dem zu. Mehr Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen