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HTC 10 im Test: Die ersten Minuten sind entscheidend

HTC hat am 12.04.16 sein neues Flaggschiff (HTC 10) vorgestellt und wagt damit einen Neuanfang, wenn man bei Smartphones überhaupt von sowas sprechen kann. Der Hersteller hat in der Vergangenheit zwar viele Modelle auf den Markt gebracht, der Erfolg und auch die Akzeptanz bei den Kunden ist in letzter Zeit aber übersichtlich ausgefallen. Mit dem HTC 10 (nicht M10) will man nun wieder mit der Konkurrenz mithalten. Und die hat zwischenzeitlich kein Nickerchen gehalten. Mit dem Samsung Galaxy S7, dem Huawei P9 und auch dem LG G5 stehen starke Mitbewerber in den Regalen. Von den deutlich günstigeren Underdogs aus China, wie beispielsweise dem Xiaomi Mi5 ganz zu schweigen.

HTC 10: Design & Verarbeitung

Ich glaube, dass beim HTC 10 die ersten Minuten entscheidend sind. Entweder man liebt das neue (alte) Design, oder man legt es gleich wieder weg. Mein graues Testsample von Cyberport kostet 699 Euro und dafür bekommt man ein wertig anmutendes und (super) verarbeitetes Smartphone. Dabei haben die Designer die Formensprache des HTC One M9 durchaus an einigen Stellen aufgegriffen. Manche behaupten nun, dass HTC 10 (M10h) sähe langweilig aus. In Teilen stimmt das natürlich, aber mal ehrlich: welches Smartphone wirkt nicht kopiert? (Siehe Xiaomi Mi5, S7, iPhone SE).

Das knapp 145,9 x 71,9 x 3,0 – 9,0 mm große und dabei 161 Gramm schwere HTC 10 ist aus einem Stück Aluminium gefräst und das sieht man dem Gehäuse auch sofort an. Die sehr breiten Kanten der leicht gewölbten Rückseite wurden dabei auf Hochglanz poliert. Das Smartphone selber gibt es in den drei üblichen Farben (Schwarz, Silber und Gold). Nicht alle Farben sind aber überall und sofort erhältlich. Das USB-Type-C-Kabel wird auf der Unterseite eingestöpselt, damit kann man den 3.000 mAh starken Akku nach den neuen Qualcomm Quick Charge 3.0 in weniger als 1 1/2 Stunden voll aufladen.

Der Ein-/und Ausschalter (rechte Seite) ist nun größer und geriffelt, so unterscheidet er sich besser vom darüber liegenden Taster für die Lautstärke. Habe ich das nicht schon beim One A9 gesehen? Auf der rechten Seite findet man auch den Einschub für die micro-SD-Karte (bis 200 GByte) sowie nano-SIM. Der Tray schliesst bei meinem finalen Testgerät leider nicht bündig mit dem Gehäuse ab. Unschön! Die Kopfhörer kommen auf der Oberseite (mittig) zu ihrem verdienten Einsatz. Diese besteht übrigens aus Kunststoff und versteckt so die Antennen.

Unterhalb des Displays findet man diesmal einen „richtigen“ Homebutton mit integriertem Fingerabdrucksensor. Der Homebutton selbst ist dabei aber als Sensor ausgelegt (wie beim OnePlus Two bzw eben One A9). Der Sensor reagiert sehr schnell und zuverlässig. Das HTC-Logo unter dem Display wurde entfernt. Neben dem Homebutton findet man noch zwei beleuchtete Sensortasten (links für einen Schritt zurück und rechts für den Taskmanager).

HTC 10: Performance ist super

HTC hat sich beim 10 für den topaktuellen Snapdragon 820 entschieden. Keine leichte Wahl nach dem „Qualcomm-Snapdragon-810“ Debakel. Letzterer litt (und leidet) nämlich unter Hitzewallungen. Der Snapdragon 820 macht mit seinen vier Kernen vieles besser, kämpft aber immer noch mit einem leicht hitzköpfigen Wesen. Dafür entschädigt er (nicht zuletzt wegen der 4 GByte RAM) im aktuellen AnTuTu-Benchmark mit Ergebnissen von über 150.000 Punkten, zumindest „früher“. In der aktuellen Firmware (1.30.401.1) komme ich „nur“ noch auf 136.564 Punkte. Im Geekbench 3 reicht es im Single-Core für 2.132 Punkte und im Multi-Core für 4.419 Zähler. Typisch Snapdragon 820.

Der interne Speicher von 32 GByte kann über microSD-Karten um 200 GByte (theoretisch bis zu 2 TByte) erweitert werden und sich natürlich auch mit dem internen Speicher „verbinden“. So kann man dann Apps und Daten auch auf die Speicherkarte auslagern.

HTC BoomSound und High-End-Audio

HTC hat sich beim 10 für eine andere Anordnung der beiden Lautsprecher entschieden. Beide? Mehrzahl? Zwei? Die fallen auf den ersten Blick nämlich gar nicht auf. Der Trick? Der Basslautsprecher befindet sich auf der Unterseite, während der Hochtöner einfach mit in der Ohrmuschel sitzt. Jawohl, dort werden also nicht nur die Gespräche ausgeben, sondern eben auch der Sound des Musikplayers. Ungewöhnlich? Ja, aber es funktioniert und klingt beachtlich gut. Der Sound lässt sich bei Ausgabe über Kopfhörer über ein persönliches Audio-Profil dem eigenen Gehör anpassen. Das funktioniert ähnlich wie bei Samsung und dem „Adapt Sound“. Equalizer-Presets findet man aber nicht und damit liegt der Sound zwar auf einem hohen aber leider nicht auf einem Spitzenniveau. Der Klang des S7 gefällt mir besser. Dafür ist das HTC 10 dann aber deutlich lauter!

Display: 5,2 Zoll mit 1.440 x 2.540 Pixel

Das 5,2 Zoll große Super-LCD5-Display löst beim HTC 10 nun (endlich?) mit 1.440 x 2.560 Pixel auf. Der Hersteller ist auf die Kritik der Kunden eingegangen, denn eine FHD-Auflösung sei für ein Flaggschiff doch „unwürdig“. Ehrlich gesagt hat man in der Praxis aber eher selten einen Vorteil von der hohen Auflösung. Nun gut, die Pixel sind da und so verbraucht das Display eben auch mehr Strom.

Die Farben werden sauber und kräftig, aber nicht zu knallig abgebildet. Das Glas aus dem Hause Corning liegt dabei direkt auf dem Display, damit wirken die Icons sehr plastisch. Die maximale Helligkeit finde ich persönlich nicht hoch genug, der Kontrast hat mir gefallen. Bei direkter Sonneneinstrahlung kann man das Display des HTC 10 nur noch schlecht ablesen, das klappt beim Galaxy S7 besser. Ein „Always On“-Display bietet das HTC 10 nicht. Über den Sinn und Unsinn bei einem LCD kann man eh trefflich streiten.

Das Display des HTC 10 wird von Sharp oder TIANMA geliefert. Beim TIANMA-Modell kommt es ab einem Ablesewinkel von 45° zu einem kleinen „Rosastich“. Nicht schön, aber keinesfalls tragisch. Das kann durchaus nur am Kleber zwischen Display und Glas liegen und sich nach ein paar Wochen „wegbrennen“. Wer mag kann das HTC 10 übrigens auch über sogenannte „Motion Launch“-Gesten aufwecken und entsperren. Der berühmte Doppel-Tap auf das Display klappt also auch hier.

Android 6.0 und HTC Sense 8: Dat is nich (ganz) original

HTC setzt beim 10 auf Android 6.0.1 Marshmallow (Firmware 1.12.401.4 1.30.401.1), nutzt aber wieder die hauseigene Benutzeroberfläche namens HTC Sense. Beim HTC 10 kommt erstmalig die neue Version 8 zum Einsatz. Der Hersteller hat deutlich nachgebessert und orientiert sich mehr am Material-Design von Google. Auch bei den Apps hat sich HTC vornehm zurückgehalten. In erster Linie setzt man nun auf die Standard-Apps von Google. Keine doppelten Kalender mehr, keine doppelten Musikplayer. Bei der Kamera-App hat sich HTC aber zu keinem Kompromiss hinreißen lassen und nutzt eine Eigenentwicklung. Ebenfalls hinzugekommen ist eine „Boost+“ genannte App die sich um das Speichermanagement und Dateileichen kümmert. Und natürlich darf auch der hauseigene Videoeditor namens „Zoe Video Editor“ fehlen. Hiermit kann man sich aus seinen Urlaubsfotos und einem Soundtrack eine prima Diashow erstellen.

Ich frage mich allerdings – aufgrund der zahlreichen Änderungen – warum HTC nicht gleich den normalen Google-Now-Launcher genutzt hat. Vermutlich wegen der Möglichkeit, Icons und Bilder über Themen zu ändern. Hiervon gibt es im Store eine große Anzahl mehr oder weniger guter Ideen. Viele davon kopieren allerdings einfach nur bestehende Oberflächen (iOS, LG, Samsung).

HTC 10 im Videoreview

Ich meinem kleinen Videoreview des HTC 10 gehe ich auf das Design, die zwei unterschiedlichen Displaylieferanten (Sharp & Tianma) sowie auf die Verarbeitung, Hard- und Software, den BoomSound und die Kamera ein. Das Review ist in deutsch und 4K-Auflösung:

HTC 10: Ultra-Kamera mit 12 Megapixel?

HTC Sense 8Nicht die Anzahl der Pixel sorgt für gute Bildqualität, sondern die Größe. gerade im sogenannten „Low-Light“ sieht man da deutliche Unterschiede. deshalb setzen Hersteller wie Apple und Samsung mittlerweile Kameras mit maximal 12 Megapixel ein und erhöhen dafür die Größe der Pixel und des Sensors.

Der Hersteller nutzt beim HTC 10 nun einen 1/2,3 Zoll großen Sensor aus dem Hause Sony vom Typ „IMX377“ mit der HTC UltraPixel 2 Technik. Die Pixel sind dabei 1,55 μm groß. Der Sensor kommt in ähnlicher Form bereits im Nexus 6P zum Einsatz. HTC hat ihn (und den 5 Megapixel-Sensor der Forntkamera) aber mit einem optischen Bildstabilisator (OIS) und einer größeren Blende f/1.8 ausgestattet. Beim Autofokus setzt der Hersteller auf einen Hybrid-Autofokus (Laser und Kontrast). Bilder gibt es hier:

HTC 10
Die Bilder selbst kann man auch endlich im 12-Bit-RAW-Format abspeichern. Videos werden in 4K-Qualität aufgezeichnet, allerdings mit maximal 6 Minuten pro Clip. Im Videomodus gibt es sowohl eine Timelapse- als auch eine Zeitlupenfunktion.

Die Bildqualität ist gut (und wurde mit dem letzten Softwareupdate nochmals verbessert). Insgesamt geraten die Bilder in meinen Augen aber mit der Automatik einen Tick zu hell (oder besser blass). Erfreulicherweise kann man das über den sogenannten „Pro“-Modusa aber abstellen. Hier kann ich ISO, Blende, Weißabgleich und Co selber einstellen. Die Ergebnisse im Automatikmodus beim Galaxy S7 gefallen mir besser.

Akku und Konnektivität: 3.000 mAh und LTE Cat 9

Der fest eingebaute Akku des HTC 10 leistet 3.000 mAh und kann über so QuickCharge 3.0 innerhalb von 30 Minuten 50 Prozent aufgeladen werden. Innerhalb von 60 Minuten erreicht man so einen Ladestand von 90%, danach muss nach aber nochmals 30 Minuten warten, bis der Akku vollständig aufgeladen ist. Das passende Ladegerät liefert HTC gleich mit. Der fest eingebaute Akku hält jetzt – nach knapp 14 Tahen Nutzung – etwa 14 – 16 Stunden am Stück durch. Auch der Akku im Xiaomi Mi5 hielt im Test nur etwa 1 – 1/2 Tage.

Die Gesprächsqualität ist sowohl über die Lautsprecher als auch über Kopfhörer gut. Drei Mikrofone mit Geräuschunterdrückung sorgen hier für den guten Ton. Die Sende- und Empfangsleistung gab ebenfalls keinen Anlaß zur Klage. An Datenschnittstellen ist alles an Bord (NFC, Bluetooth 4.2, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac (2,4 & 5 GHz), Displayanschluss, Chromecast, DLNA™, AirPlay™, Miracast™). Neben HSPA+ wird auch LTE in der Cat 9 (mit bis zu 450 mbit/s) unterstützt. Ach ja, das HTC 10 unterstützt tatsächlich (als erstes Android-Smarthone?) AirPlay und kann damit mit Geräten von Apple kommunizieren. Gerüchten zufolge soll das HTC 10 auch VoLTE unterstützen. Mit meiner SIM der Telekom wechselt es aber bei einem Gespräch in das UMTS-Netz.

Fazit: Keine 10 aber trotzdem spitze!

HTC10_CyberportDas HTC 10 sieht gut aus, erreicht im Test aber nicht die Bestnote 10. Optisch und technisch hat es mir gefallen, es ist voll auf der Höhe der Zeit. Wobei die Konkurrenz nicht geschlafen hat und gerade das Samsung Galaxy S7 schon ein echter Meilenstein ist. Die neue Kamera des HTC 10 mit ihrem Sony-IMX377-Bildsensor und dem OIS konnte im Test zwar überzeugen, die Bildqualität ist jetzt aber auch nicht besser als beim S7. Und gerade in diesem Bereich gibt es mit dem Huawei P9 (bzw LG G5) noch starke Konkurrenz.

Schlussendlich muss ich leider gestehen, dass ich persönlich beim Galaxy S7 bleibe. Rein von der Performance unterscheiden sich aktuelle Smartphone zwar kaum noch so richtig voneinander. Das S7 bietet aber in meinen Augen das bessere Komplettpaket in Form von Haptik, Soundqualität und Kamera-Performance.

Update 09.05.16: Test mit finaler Hard- und Software wiederholt

Tags : HTCReviewSmartphone
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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