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HTC U Play Test: Viel Geld für ein glänzendes Design?

Nach dem HTC U Ultra stellt der etwas glücklose Hersteller nun mit dem U Play ein weiteres Smartphone aus der neuen U-Serie vor. Diesmal für den schmaleren Geldbeutel (bei 450 Euro fast ein Witz) aber wieder mit viel Glas und fließenden Übergängen ohne Ecken oder Kanten. Ob sich das viele Geld wirklich lohnt,  klärt der Test.

Design: Sieht fast aus wie ein iPhone 3GS

Jawohl ja, ich bin bösartig. Ich vergleiche doch das neue „Liquid-Design“ von HTC mit den ebenfalls fliessenden und  nicht weniger empfindlichen Formen eines Smartphones aus der „Steinzeit“. Beide Modelle liegen super in der Hand, beide Modelle glänzen (das U Play noch mehr) und sind Kratzer gegenüber sehr aufgeschlossen. Daran ändert die Tatsache, dass die Rückseite aus einem mehrlagigen Glas besteht nun auch nicht viel.

Mein HTC U Play in Brilliant Black von notebooksbilliger.de kostet zum Testzeitpunkt 449 Euro und schimmert eher in Grüntönen als Schwarz. Das Glas des 5,2 Zoll großes Displays ist zu den Rändern hin gebogen und geht so fließend in den Metallrahmen über. Der Ein-/Ausschalter liegt auf der rechten Seite. Den Einschub für die SIM/microSD findet man auf der Oberseite. Auf der Unterseite kommt neben dem USB-Typ-C-Anschluss keine Kopfhörerbuchse mehr zum Vorschein. Ähnlich wie beim HTC U Ultra.

HTC U PlayDas HTC U Play ist mit seinen Abmessungen von 146 x 73 x 8 mm und einem Gewicht von 145 Gramm weder klein noch sonderlich ausladend. Das transparente Schutzcover aus Hartplastik dürfte der Oberfläche des U Play auf Dauer nicht sonderlich zuträglich sein. Sammelt sich doch darunter leicht Staub und Sand und dann bekommt man eine Art Sandpapier-Effekt. Ähnlich wie damals beim Flipcover von Samsung.

Display: 5,2 Zoll aber nur Full-HD

Das S-LCD (Display) des HTC U Play bietet zwar eine Diagonale von 5,2 Zoll, leider aber nur eine Auflösung von Full-HD. Damit ist es dem Samsung Galaxy S7 (gleicher Straßenpreis) hoffnungslos unterlegen.

Ende des Tests …

Na ok, ich gehe dann mal weiter im Test. Das IPS-Panel ist ok, die Blickwinkelstabilität „nett“, Farben werden gut abgebildet und die maximale Helligkeit ist hoch. Schwarzwerte werden für ein LCD super in Szene gesetzt. Im unteren Bereich des Displays nimmt die Helligkeit aber erkennbar ab, die Ausleuchtung ist ungleichmässig. 450 Euro wäre mir dieses Display nicht wert.

Android 6.0.1 und HTC Sense: Was soll DAS den bitte?

HTC setzt beim U Ultra noch auf Android 6.0.1 Marshmallow sowie die hauseigene Benutzeroberfläche namens HTC Sense. Wie beim HTC U Ultra kommt hier aber ebenfalls die aktuelle Version 8 zum Einsatz. Der Hersteller hat sich auch am Material-Design von Google orientiert, ermöglicht aber auch die Anpassung per Themen. Bei den Apps hält sich HTC vornehm zurück. In erster Linie setzt man auf die Standard-Apps aus dem Hause Google. Bei der Kamera-App hat sich HTC aber zu keinem Kompromiss hinreißen lassen und nutzt eine Eigenentwicklung. Ebenfalls hinzugekommen ist die„Boost+“ genannte App die sich um das Speichermanagement und Dateileichen kümmert. Und natürlich darf auch der hauseigene Videoeditor namens „Zoe Video Editor“ fehlen. Hiermit kann man sich aus seinen Urlaubsfotos und einem Soundtrack eine prima Diashow erstellen.

Im Gegensatz zum Now oder Pixel-Launcher kann man hier zusätzlich die Icons und Hintergrundbilder über Themen ändern. Eine Sortierung der App-Icons ist nach vielen unterschiedlichen Kriterien möglich.

Ich persönlich mag den Launcher trotzdem nicht. Natürlich findet man auf dem Homescreen durch eine Wischgeste nach rechts wieder die personalisierbare Nachrichtenübersicht „Highlights“. Der Dienst erfolgt über die App „News Republic“ und kann nicht deinstalliert werden.

Performance & Akku: MediaTek mit 2.500 mAh

HTC hat sich für einen Mediatek-Prozessor vom Typ P10 mit acht Kernen entschieden. Die ARM Cortex A53 mit maximal 2 GHz in Kombination mit  3 GByte Arbeitsspeicher liefern Android 6 HTC U Playgut, aber längst keine tollen Ergebnisse. Auch hier liegt die Leistung weit hinter dem Galaxy S7. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass der P10 auch bei Smartphones für knapp 250 Euro zum Einsatz kommt.

Im aktuellen AnTuTu-Benchmark reicht es daher „nur “ für 53.979 Punkt, im Geekbench 4 für 732 im Single-Core und 2.770 im Multi-Core. Das klingt nicht nach viel und in der Praxis gibt es auch leichte Mikroruckler zu verzeichnen. Stören tun die aber wirklich nicht und alle aktuellen Spiele laufen auch flüssig.

Der fest eingebaute Akku des HTC U Play leistet 2.500 mAh. Trotzdem kommt man damit knapp 1 1/2 Tage. Nach einem Tag habe ich noch etwa 25% Akkuladung. Im Dauertest geht der Akku aber bereits nach 6:45 Stunden zur Neige (PCMark). Die üblichen Energiesparmodi von HTC helfen im Notfall und per Schnellladung ist die Kraftzelle nach rund 90 Minuten wieder voll aufgeladen.

Konnektivität & Sound: LTE Cat 6 und Top-Sound

LTE wird theoretisch in Cat 6 mit einer Download-Geschwindigkeit von bis zu 300 Mbit/s unterstützt. In der Realität reicht es für rund 90 mbits/s. Die Sprachqualität des HTC U Play ist gut, kein nennenswertes Rauschen. Die Sende-/ und Empfangsqualität ist ebenfalls ok. Einzig der Switch von LTE/UMTS/GSM ist etwas träge. Die Inhalte des Smartphones kann man über Bluetooth und USB auf den PC und über AirPlay, Chromecast, DLNA und Miracast an seine Multimedia-Anlage übertragen. Selbst Display-Port wird angeboten. In meinem Videoreview des HTC U Play kann man sich einen guten Eindruck verschaffen:

Der interne Speicher (32 GByte) kann per microSD-Karten erweitert werden. Frei sind aktuell etwa 24 GByte. An weiteren Schnittstellen stehen  GPS (GLONASS & Baidou) zur Verfügung. Der Fingerabdrucksensor im Homebutton funktioniert absolut zuverlässig.

Auch beim HTC U Play kommt eine Art Boomsound zum Einsatz. Dabei dient der Lautsprecher in der Ohrmuschel als Hochtöner und der zweite Lautsprecher auf der Unterseite als „Bass“Lieferant.  Das klingt schon ziemlich geil und laut. Die Audiowiedergabe über Kopfhörer erfolgt diesmal NUR über Bluetooth und USB-Typ-C. HTC setzt dabei – ähnlich wie Samsung – auf eine Anpassung des Sounds per  Audiomessung. USonic vermisst über ein kurzes Rauschen den Gehörgang und passt den Ton entsprechend an. Das geht deutlich schneller als bei Samsung und liefert wirklich ein gutes Ergebnis.

Die mitgelieferten Kopfhörer sind hier wirklich Spitzenklasse. Einen Adapter von USB-Typ-C auf Klinke liefert HTC trotzdem nicht mit. Das ist schon echt arm. An anderen Geräten kann man die Kopfhörer übrigens nicht nutzen.

Kamera: Zweimal 16 Megapixel bitte

Beide Kameras lösen mit 16 Megapixel auf, aber nur die Frontkamera nutzt die Ultrapixel-Technik des HTC U Ultra. Damit gelingen dann erstklassige Selfies! Der Sensor auf der Rückseite (BSI) bietet aber einen optischen Bildstabilisator (OIS) sowie eine Blende f/2.0. Videos zeichnen beide Kameras nur in Full-HD mit 30 Bildern pro Sekunde auf.

HTC U Play
Die Kamera des HTC U Play auf der Rückseite löst zwar nominal höher auf als beim U Ultra, in der Praxis merkt man davon aber nix. gerade die Aufnahme bei schlechten Lilchtverhältnisse sehen verrauschter aus. Die Belichtung gerät häufig zu dunkel, es fehlen Details.

Die Kamera-App liefert die üblichen Bildmodi, einen Pro-Modus mit manuelle Einstellungen sowie eine Aufnahme mit RAW-Dateien. Ich sach mal: Schwamm drüber!

Fazit: Schön, aber zu teuer

Das HTC U Play hat ein schickes, wenngleich auch empfindliches Äußeres. Leider kommt es aber auch nur mit Android 6.0.1 auf den Markt, was vermutlich dem MediaTek-Chipsatz geschuldet ist. Der ist so gar nicht „standesgemäß“. Die beiden Kameras verrichten – bei notebooksbilligerguten Lichtverhältnissen – ihr Werk in ansprechender Form. Das die Kamera aber nur Full-HD-Videos aufzeichnet ist ärgerlich. Der aktuelle Preis des HTC U Play von 449 Euro ist für die gebotene Leistung definitiv zu hoch gegriffen. Dafür bekommt man Klopper wie das OnePlus 3T, aber auch echte Schmankerln wie das Samsung S7. Hinzu kommen noch die vielen Importe aus China, die ebenfalls einen MediaTek Helio P10 nutzen, aber deutlich billiger sind. So langsam mache ich mir Sorgen um HTC …

Testergebnis

Verarbeitung 9.1
Display 8.5
Performance 8
Kamera 8.3
Konnektivität & Akku 8.1

Fazit

8.4 Das HTC U Play hat ein schickes, wenngleich auch empfindliches Äußeres. Leider kommt es aber auch nur mit Android 6.0.1 auf den Markt, was vermutlich dem MediaTek-Chipsatz geschuldet ist. Der ist so gar nicht "standesgemäß". Die beiden Kameras verrichten - bei guten Lichtverhältnissen - ihr Werk in ansprechender Form. Das die Kamera aber nur Full-HD-Videos aufzeichnet ist ärgerlich. Der aktuelle Preis des HTC U Play von 449 Euro ist für die gebotene Leistung definitiv zu hoch gegriffen. Dafür bekommt man Klopper wie das OnePlus 3T, aber auch echte Schmankerln wie das Samsung S7. Hinzu kommen noch die vielen Importe aus China, die ebenfalls einen MediaTek Helio P10 nutzen, aber deutlich billiger sind. So langsam mache ich mir Sorgen um HTC ...

Tags : ChinaHTCReviewSmartphonesTests
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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