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HTC U Ultra Test: Spielt HTC wieder in der Top-Liga?

HTC hatte mit dem HTC 10 eigentlich ein tolles Smartphone vorgelegt. Leider ist es bei den Käufern aber nicht gut angekommen. Das Design war damals halt schon etwas älter. Mit zwei neuen Smartphones der U-Serie (Ultra & Play) will man dem Kunden nun was neues, attraktiveres bieten. Dabei stellt das HTC U Ultra klar das besser ausgestattete, aber mit knapp 750 Euro auch sehr teure Gesamtpaket dar. Ich würde sagen, auf in den Test …

Design und Verarbeitung: Welch Glanz in meiner Hütte

Das HTC 10 (M10) kam noch mit einer Menge Metall daher, darauf muss man beim HTC U Ultra fast gänzlich verzichten. HTC – bzw. die Designer – haben sich beim neuen Flaggschiff für Glas entschieden. Das wirkt zunächst richtig edel, nach ein paar Minuten kommen aber die Nachteile ans Tageslicht. Und das meine ich wörtlich. Fingerabdrücke wohin man auch sieht und Kratzer sind dann später ebenfalls nicht zu vermeiden.

Gegen ersteres legt HTC ein Putztuch dazu, gegen letzteres eine Schutzhülle aus transparentem Kunststoff. Die mag den Glanz erhalten, wenn sich aber zwischen der Hülle und dem Ghäuse Sand einschleicht, dann wird es NOCH mehr Kratzer geben. Denn wer Sand säht, wird Kratzer ernten! Deswegen ist es bei meinen letzten Strandaufenthalten auch schön zuhause geblieben.

HTC U Ultra
Die Front des Smartphones besteht zwar zu einem hohen Anteil „an Display“, de facto sind es 5,7″ mit 2.560 x 1.440 Pixel sowie ein zweites Display mit 2″ bei 160 x 1.040 Pixel. Bei meinem blauen Testsample von Cyberport.de findet man ober- und unterhalb aber auch zwei sehr breite Rändern. Dagegen sieht mein Xiaomi Mi Mix praktisch zierlich aus. Werfen wir einen Blick auf die emotionslosen Fakten: Das U Ultra misst 162.41 x 79.79 x 7.99 mm und bringt ein Gewicht von 170 Gramm auf die Waage. Das Apple iPhone 7 Plus kommt auf 158.2 x 77.9 x 7.3 mm bei 188 Gramm und mein Xiaomi Mi Mix auf 158.8 x 81.9 x 7.9 mm bei 209 Gramm. Das HTC U Ultra wird in Brilliant Black, Ice White, Cosmetic Pink und eben Sapphire Blue angeboten. Bald gibt es auch eine Saphhire Edition mit 128 GByte Speicher und einem Displayschutz aus Saphirglas. Die Rückseite ist aber genauso empfindlich.

Bei den anderen Versionen steht der Schutz „nur “ aus Corning Gorilla Glas 5, das zu den Rändern hin leicht abgerundet wurde. Auf der rechten Seite des Metallrahmens findet man den geriffelten Ein-/Ausschalter sowie die Lautstärktasten. Auf der Unterseite kommt ein USB-Typ-C-Anschluss (USB 3.1) sowie einer der beiden Lautsprecher (der andere befindet sich in der Ohrmuschel) und ein Mikrofon zum Vorschein. Das andere Mikrofone liegt auf der Ober- und Rückseite. Einen 3.5-Klinkenbuchse findet man  allerdings NICHT. Der Sound wird über die mitgelieferten Kopfhörer über den USB-Port ausgegeben!

Das HTC U Ultra ist – trotz des Liquid-Design (Unibody) – nicht IP-zertifiziert und damit nicht wasser- oder staubdicht. Der Home-Button fungiert als Sensortaste sowie als Fingerabdruckscanner. Daneben findet man dann noch zwei weitere, beleuchtete Sensortasten für „zurück“ und den Taskmanager.

Das neue Liquid Design ahmt „Wasser“ nach und schützt die Rückseite mit einer Art mehrlagiges Glas. dadurch schillert bzw. glänzt die Oberfläche sehr stark. Erinnert manchmal aber eben auch an Plastik. Kratzer sind zwar nicht sofort – aber laut den Erfahrungen anderer Nutzer im Internet – nach einigen Tagen/Wochen sichtbar. Hier unterscheidet es sich nicht vom diamantschwarzen iPhone 7.

Display: 5, 7 Zoll und 2 Zoll = 9,7 Zoll?

Na ja, fast. Oberhalb des 5,7 Zoll großen Touchscreen findet man ein zweites Display, welches so auch schon beim LG V10 (oder V20) zum Einsatz kam. Mit seinen 2 Zoll und einer Auflösung von 1.040 x 160 Pixel (13:2) stellt es ein paar zusätzliche Infos dar.

Das „Ticker-Display“ (Infos werden darauf in einer Scrolltext dargestellt) zeigt neben Verknüpfungen von bis zu sechs installierten Applikationen auch maximal sechs Kontakte an. Hier kann man auch Musikwiedergabe (nicht Spotify) steuern, das Wetter anzeigen oder den nächsten Termin bzw. Erinnerung im Kalender. Der Wechsel erfolgt durch eine einfache Wischgeste von rechts und links.

Hebt man das HTC U Ultra im Standby an, so zeigt das zweite Display Datum, Uhrzeit, Temperatur, Akkustand und eventuell verpasste Benachrichtigungen an. So richtig erschliesst sich mir der Sinn dieses Displays nicht.

Das Hauptdisplay mit seinen 5,7 Zoll und einer Auflösung von 1.440 x 2.560 Pixel stammt aus der Familie „IPS“ und kommt im normalen 16:9-Format daher. Etwas angenehmer als mein MI Mix mit seinen 17:9. Farben werden fast knallig abgebildet, das gilt insbesondere für Rot und Grün (DCI-P3-Standard). Leider leidet das Display unter einer ungleichmässigen Helligkeit an den Rändern bzw. Ecken.

Android 7 und HTC Sense: Muss man mögen

HTC setzt beim U Ultra auf Android 7.0 Nougat sowie die hauseigene Benutzeroberfläche namens HTC Sense. Wie beim HTC 10 kommt auch hier die aktuelle Version 8 zum Einsatz. Der Hersteller hat sich wieder am Material-Design von Google orientiert, ermöglicht aber auch die Anpassung per Themen. Bei den Apps hält sich HTC vornehm zurück. In erster Linie setzt man auf die Standard-Apps aus dem Hause Google. Bei der Kamera-App hat sich HTC aber zu keinem Kompromiss hinreißen lassen und nutzt eine Eigenentwicklung. Ebenfalls hinzugekommen ist die„Boost+“ genannte App die sich um das Speichermanagement und Dateileichen kümmert. Und natürlich darf auch der hauseigene Videoeditor namens „Zoe Video Editor“ fehlen. Hiermit kann man sich aus seinen Urlaubsfotos und einem Soundtrack eine prima Diashow erstellen.

Im Gegensatz zum Now oder Pixel-Launcher kann man hier zusätzlich die Icons und Hintergrundbilder über Themen ändern. Eine Sortierung der App-Icons ist nach vielen unterschiedlichen Kriterien möglich.

Ich persönlich mag den Launcher trotzdem nicht. Natürlich findet man auf dem Homescreen durch eine Winschgeste nach rechts wieder die personalisierbare Nachrichtenübersicht „Highlights“. Der Dienst erfolgt über die App „News Republic“ und kann nicht deinstalliert werden.

Performance & Akku: 2,15 GHz und 3.000 mAh

HTC hat sich für die „langsamere“ der beiden Varianten des Snapdragon 821 entschieden. Diese wird nur mit 2,15 GHz statt 2,35 GHz angetrieben. An die (geschummelte) Leistung eines OnePlus 3T kommt das Ultra von HTC nicht heran. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark reicht es trotzdem für 134.732 Punkte und auch im Geekbench 4 reciht es für 1.726 Punkte im Single-Core und 4.136 Punkte im Multi-Core. Das HTC U Ultra ist frei von Rucklern und reagiert super fix auf alle Eingaben.

Der interne Akku leistet 3.000 mAh und kann nicht selbst gewechselt werden. Durch das große (Doppel-)Display mit seiner hohen Auflösung und Helligkeit sowie der schnellen CPU kommt man auf eine Laufzeit zwischen 6 Stunden und anderthalb Tagen. Je nach Nutzung. Das ist kein schlechter, aber auch kein wirklich überzeugender Wert. Das Google Pixel XL sowie mein MI Mix halten länger durch.

Konnektivität & Sound: LTE Cat 12 und das volle Programm

LTE wird theoretisch in Cat 12 angeboten. Damit käme man – passende Verträge und Kapazitäten vorausgesetzt – auf eine Download-Geschwindigkeit von bis zu 600 Mbit/s. In der Praxis kann man sich schon über rund 90 mbits/s freuen. Die Sprachqualität des HTC U Ultra ist wirklich gut, kein nennenswertes Rauschen. Sende-/ und Empfangsqualität sind hingegen nicht ganz ohne Mängel. Die Empfangsleistung im Netz der Telekom war schlechter als bei meinem Mi Mix und der Umschaltvorgang zwischen LTE/UMTS/GSM dauert recht lange. Die Inhalte des Smartphones kann man über Bluetooth und USB auf den PC und über AirPlay, Chromecast, DLNA und Miracast an seine Multimedia-Anlage übertragen. Selbst Display-Port wird angeboten.

Der interne Speicher (64 GByte) kann per microSD-Karten erweitert werden. Frei sind aktuell etwa 52 GByte. An weiteren Schnittstellen stehen  GPS (GLONASS & Baidou) zur Verfügung. Der Fingerabdrucksensor im Homebutton funktioniert absolut zuverlässig.

Boomsound kommt beim U Ultra ebenfalls wieder zum Einsatz. Dabei dient der Lautsprecher in der Ohrmuschel als Hochtöner und der zweite Lautsprecher auf der Unterseite als „Bass“Lieferant.  Das klingt schon ziemlich geil und laut. Die Audiowiedergabe über Kopfhörer erfolgt diesmal NUR über Bluetooth und USB-Typ-C. HTC setzt dabei – ähnlich wie Samsung – auf eine Anpassung des Sounds per  Audiomessung. USonic vermisst über ein kurzes Rauschen den Gehörgang und passt den Ton entsprechend an. Das geht deutlich schneller als bei Samsung und liefert wirklich ein gutes Ergebnis.

Die mitgelieferten Kopfhörer sind hier wirklich Spitzenklasse. Einen Adapter von USB-Typ-C auf Klinke liefert HTC trotzdem nicht mit. Das ist schon echt arm.

HTC Sense – Companion: Erst ein paar Tage auf dem Markt

Der Sinn des HTC Sense Companion hat sich mir in den paar Tagen, in denen er erst zur Verfügung steht, noch nicht erschlossen. Mit viel Fantasie könnte man ihn für eine Art „Google Now“ halten. Er soll nämlich an das eigene Verhalten und an die besuchten Orte angepaßte Informationen liefern. Aber vielleicht mache ich dazu noch einen gesonderten Test.

Kamera: HTC Ultrapixel die Zweite

Die Ultrapixel hat HTC nun in der Version 2.0 installiert. Die Kamera selber löst dabei mit maximal 12 Megapixel auf, die Pixelgröße beträgt 1,55 μm. Durch einen optischen Bildstabilisator sowie einer Blende von f/1.8 erreicht man eine gute Lichtempfindlichkeit. Im Notfall hilft noch ein Dual-Tone-LED. Der Autofokus nutzt dabei neben einer Phasenerkennung auch noch einen Laserautofokus. Die eigene Kamera-App bietet neben HDR auch eine Technik namens Multiframe Noice Reduction. Hier werden dann bei schlechten Lichtverhältnissen drei Aufnahme in Folge gemacht und miteinander verglichen. Daraus entsteht dann ein Gesamtbild mit (etwas) weniger Bildrauschen.

HTC U Ultra

Verhindern kann diese Technik das sichtbare Bildrauschen leider nicht. Bei guten Lichtverhältnissen entschädigt die Kamera dann aber wieder mit RAW-Dateien. Eine klasse Kamera!

Die Frontkamera bietet 16 Megapixel bzw ebenfalls die Ultrapixel-Technik (maximal 4 MP). So gelingen Selfies auch bei schlechtem Licht. Videos zeichnet das HTC U Ultra in 4K und bis zu 30 Bildern pro Sekunde auf. Dank der zahlreichen Mikrofone geht auch der Ton voll in Ordnung. Einen guten Eindruck vom HTC U Ultra bekommt ihr auch in meinem Videoreview:

Fazit: Gut aber zu teuer!

Das HTC U Ultra sieht schick aus, die Rückseite glänzt und spiegelt. Das hat allerdings auch Nachteile. Denn zum einen werden permanent Fingerabdrücke abgebildet und zum anderen zieht die Rückseite aus Glas auch Kratzer an. Die Performance geht dafür aber voll in Ordnung und die 12-Megapixel-Kamera kann man schon fast als einen „Traum“ bezeichnen. Das 5,7 Zoll große Display ist ebenfalls super gelungen, der Sinn des zweiten Displays darüber hat sich mir schon beim LG V10 nicht erschlossen.  Das Ganze gepaart mit einer guten Sende-/ und Empfangsleistung sowie klasse Sound ergibt ein tolles Gesamtpaket. Der Wermutstropfen liegt hier dann aber zum einen in den üppigen CP-LogoRGB-rechtsAbmessungen und im höhen Preis von aktuell 740 Euro. Ich persönlich würde – wenn ich nicht schon ein MI Mix nutzen würde – zum knapp 440 Euro teuren Samsung Galaxy S7 greifen.

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Testergebnis

Verarbeitung 9.1
Display 9.4
Performance 9.6
Kamera 9.5
Konnektivität & Akku 8

Fazit

9.1 Das 5,7 Zoll große Display ist ebenfalls super gelungen, der Sinn des zweiten Displays darüber hat sich mir schon beim LG V10 nicht erschlossen. Das Ganze gepaart mit einer guten Sende-/ und Empfangsleistung sowie klasse Sound ergibt ein tolles Gesamtpaket. Der Wermutstropfen liegt hier dann aber zum einen in den üppigen Abmessungen und im höhen Preis von aktuell 740 Euro. Ich persönlich würde - wenn ich nicht schon ein MI Mix nutzen würde - zum knapp 440 Euro teuren Samsung Galaxy S7 greifen.

Tags : AndroidHTCReviewSmartphoneTests
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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