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Huawei Mate 10 Pro im Test: Lohnen sich die 800 Euro?

Das Huawei Mate 10 Pro kostet als Nachfolger des Mate 9 zum Testzeitpunkt 799 Euro. Aktuell scheint man der Meinung zu sein, dass 800 Euro und mehr für ein Smartphone wohl völlig normal sind. Aber da irren sich die Hersteller, wenn man sich mal den Preisverfall des Galaxy S8/S8+ ansieht. Auch Huawei wird da schnell merken, denn de facto bekomme ich nur ein 6 Zoll großes Display in FHD+, einen schnelle CPU vom Typ Kirin 970, 6GB RAM und 128GB Speicher. Und natürlich eine Dual-Kamera aus dem “Hause” Leica. Die “künstliche Intelligenz” dürfte da eher dem Marketing helfen. Aber lohnt sich der Kauf?

Huawei Mate 10 Pro: Viel Glas

huawei-mate-10-proWährend das Huawei Mate 9 noch mit einem robusten Gehäuse aus Metall “glänzen “konnte, glänzt das neue Mate 10 Pro tatsächlich und zwar in der Sonne. Sowohl Vorder- als auch Rückseite bestehen nämlich aus Glas und das IST deutlich empfindlicher. Einen Sturz des teuren Schmuckstücks sollte man daher unbedingt vermeiden. Auch wenn die Reparatur vermutlich nicht so teuer wird, wie beim Apple iPhone X.

Das Huawei Mate 10 Pro glänzt und spiegelt in der Sonne, was das Zeug hält.

Das Glas wirkt bereits nach wenigen Sekunden Nutzung schmuddelig und ist zudem ziemlich rutschig. Vermutlich genau deswegen liefert Huawei eine transparente Schutzhülle aus TPU mit.

Huawei_Mate_10_Pro_20Die schützt gegen Kratzer und gegen Fingerabdrücke auf dem Glas. Gerade das graue Modell leidet darunter nämlich recht stark, aber auch Braun (Mocca) oder Blau sind nicht viel besser dran. Die Bedienungselemente des Mate 10 Pro sind an den üblichen Stellen zu finden. Auf der rechten Seite findet man daher den Ein-/Ausschalter sowie die Drücker für die Lautstärke. Auf der linken Seite den Einschub für zwei nano-SIM. Speicherweiterung per microSD? Leider nein, leider gar nicht.

Kommen wir zur Rückseite. Die beiden Kameraoptiken stehen dabei leicht aus dem Gehäuse hervor und sieht mit Chromrahmen verziert. Die Glasrückseite selbst hat der Hersteller ebenfalls mit einem farblich leicht abgesetzten Farbstreifen (Signature Stripe) versehen. Das soll angeblich  mit dem Design eines Sportwagens zu tun haben – eine Art Viperstreifen? Ehrlich gesagt sieht das nur sehr komisch aus, die Dual-OPtik wurde wie beim iPhone X diesmal auch vertikal angebracht. Zusammen mit dem Fingerabdrucksensor hat man so gleich drei “Öffnungen”. Das ist nicht unbedingt mein Geschmack. Die Unterseite ziert der USB-Typ-C-Zugang sowie ein Lautsprecher und Mikrofon. 3.5 mm Klinkenbuchse? Leider nein, leider gar nicht (hatten wir das nicht schon?).

Display: 6 Zoll und Full-HD+

Das 6 Zoll große Display auf der Vorderseite kommt im neuen, total innovativen 18:9 Format. Damit wird das Smartphone zwar schmaler, die Auflösung selbst ist aber nicht gerade sinnvoll (zum Beispiel bei Filmen). Stichwort Auflösung: 1.080 x 2.160 Pixel sind es, bei rund 403 ppi. Das normale, günstigere Mate 10 (in D nicht offiziell verfügbar) liefert hier QHD. Bei 800 Euro wäre das meiner Meinung nach auch beim Mate 10 Pro Pflicht gewesen. In den Einstellungen kann ich die Auflösung auch noch weiter reduzieren um Strom zu sparen.

Das AMOLED-Display stellt die Farben originalgetreu dar und überstrahlt sie nicht, auch der Kontrast geht in Ordnung. Bei den Schwarzwerten ist es jedem IPS-Display überlegen, daher auch hier keine Klagen. Texte und Bilder wirken trotz FHD+ gestochen scharf. Die maximale Helligkeit reicht für meinen Geschmack ebenfalls aus, die Ablesbarkeit aus unterschiedlichen Blickwinkel war gut. Wer das passende Filmmaterial auftreiben kann (Netflix, Amazon) oder einfach den mitgelieferten Demo-Film ansieht, wird sich an der Unterstützung für HDR10 erfreuen. Das sieht nämlich wirklich super aus.

Emotion UI 8: Android 8 in bunt

Emotion UI 8 nennt sich die Benutzeroberfläche aus dem Hause Honor/Huawei auf der Basis von Android 8.0. Sie verzichtet ab Werk zwar auf einen App-Drawer, wer ihn aber partout haben will, der finden in den Einstellungen auch eine Option für eine (Re)Aktivierung 😀

Alle Apps werden auf den unterschiedlichen Home-Screens des EMUI verteilt. Auf Wunsch kann man die Icons auch in Ordner sortieren. Die drei (bzw. vier) Software-Tasten zur Bedienung von Android befinden sich – dauerhaft eingeblendet – am unterem Displayrand. Das nennt sich treffenderweise „Navigationsleiste“. Die kann man in den Einstellungen dann auch anpassen und die Icons so umsortieren. Den Home-Button mit eingebautem Fingerabdrucksensor kann man zudem als eine Art “Touchscreen” nutzen. So kann ich durch Wischgesten über den Sensor das Betriebssystem steuern. Fingerabdrücke (bis zu 5) unterscheidet der Sensor sehr zuverlässig voneinander.

Zieht man die Statusleiste am oberen Rand nach unten, dann findet man neben den üblichen Verknüpfungen (WLAN, Flugmodus, SIM, etc.) auch eine Timeline mit den zuletzt durchgeführten Aktionen. Screenshots kann man zum Beispiel auch durch klopfen mit dem Fingerknöchel auf das Display auslösen. Das Scroll-Shot-Feature macht Screenhots von Inhalten, die mehrere Bildschirmseiten lang sein. Wer mit zwei Fingerknöcheln auf einmal auf das Display klopft, startet das Screen Recording: der Inhalt des Screens wird dann als Video abgespeichert.

Hinzugekommen sind Sicherheitsfeatures mit den man Apps und Daten verschlüsseln bzw. schützen kann. Das Dateisystem wurde umgestellt, so dass eine Fragmentierung verhindert wird. Eine sinnvolle Einhandbedienung ist hi zugekommen sowie eine Lösung, mit dessen Hilfe man sein Mate 10 pro auch Desktopersatz – ähnlich wie beim Samsung DeX und MS – nutzen kann. Dazu benötigt man nur ein spezielles USB-C-zu-HDMI-Kabel. Das Smartphone dient dann entweder als zweites Display oder als Touchpad zur Steuerung des Cursors am externen Bildschirm.

Alles in allem ist das Huawei EMUI eine durchdachte und über Themen auch grafisch anpassbare Oberfläche. Puristen werden damit aber nur schlecht klarkommen. Die Liste der Bugs bzw. Ungereimtheiten ist zudem lang.

Performance & Akku: Wirklich Klasse

Bei der CPU setzt das Huawei Mate 10 Pro auf den neuen  Kirin 970 sowie 6 GByte Arbeitsspeicher. Der Chipsatz mit seiner neuronalen Einheit für die KI wird vom Snapdragon 835 bzw. Exynos 8895 des Galaxy S8 übertrumpft. Vom Apple A11 will ich gar nicht erst reden. Im Geekbench 4 kommt er auf 1.904 Punkte im Single-Core und 6.756 im Multi-Core . Er ist damit sogar nur unwesentlich schneller als sein Vorgänger.

Alle getesteten Spiele (Asphalt Extreme, Modern Combat 5) liefen damit natürlich ruckelfrei und auch das EMUI selber hatte keine auffälligen Ruckler. Mitunter reagiert das RAM-Management aber ziemlich unwirsch und kickt Apps rigoros aus dem Speicher. Unschön und unnötig bei 6 GByte RAM!

Der fest eingebaute Akku leistet 4.000 mAh und hielt im Akkutest knapp 12 Stunden durch. Normalnutzer, die nur ein paar Mails am Tag checken und Gespräche führen, schaffen also locker zwei Tage und mehr. Selbst Hardcore-Nutzer wie ich (zig E-Mails, WhatsApp und 2 Stunden Musik über Bluteooth) werden erst am Abend zum Ladegerät greifen müssen, aber auch nur, um den nächsten Tag ohne “Ladehemmungen” zu überleben. Aufgeladen wird das Smartphone dann über ein USB-Typ-C-Kabel. Der Ladevorgang dauert etwa 2:10 Stunden.

Was die eingebaute “KI” des SoC betrifft: Huawei nutzt diese zur Übersetzung von Texten und Ermittlung von Bildinhalten. Die Texterkennung über den Microsoft Translators ist durchaus nützlich, funktioniert offline, aber leider nicht live. Bei Fotos blendet das System die Übersetzung der entsprechenden Wörter ein. Je nach Textlänge und Sprache kann das aber etwas dauern. Kleine Info am rande: aktuelle Smartphones übersetzen auch nicht langsamer 😀 Die “KI” scheint mir daher eher für das Marketing hilfreich.

Multimedia: 20/12-Megapixel-Dual-Kamera

Huawei_Mate_10_Pro_05Nee, so schlimm ist es dann nicht. Mit Hilfe der “KI” erkennt die Kamera die Motive dann doch selbstständig und optimiert dazu die entsprechenden Einstellungen. Das Huawei Mate 10 Pro nutzt eine neue Dual-Kamera mit Blende f/1.6 und ist damit ziemlich “lichtstark”. Die gesamte Technik bzw. das Knowhow stammt dabei wieder aus dem Hause Leica. Huawei ist nicht müde auf die Qualität der Kooperation hinzuweisen und die Qualität ist auch wirklich gut, aber eben nicht überragend.

Die Kamera-App selber kennt man schon von anderen Huawei/Honor-Smartphones. Der Dual-Lens-Hybrid-Zoom (zweifache Zoom) funktioniert zwar ohne “Verluste”, da die Details der Aufnahme dann aus den 20 Megapixel extrahiert und auf 12 Megapixel runtergerechnet werden, sinnvoll ist das aber nur selten.

Der 20-Megapixel-Sensor sorgt im Monochrom-Modus für hohe Kontraste. Der 12-Megapixel-Sensor ist für die Farben (RGB-Infos) zuständig und auch optisch Stabilisiert. Die Huawei-Software kombiniert die beiden Kameraaufnahmen zu einem Gesamtbild. Entweder mit 20 Megapixel ohne Zoom, oder eben mit 12 Megapixel und der Möglichkeit des zweifachen Hybrid-Zooms. Gut Gefallen hat mir auch der Monochrom-Modus. Die daraus resultierenden Schwarz-Weiss-Aufnahmen bestechen durch Schärfe und Detailfülle. Das Hybrid-System aus Laser-, Tiefen-, Kontrast- und Phasenvergleichs-Autofokus reagiert schnell und präzise.
Huawei Mate 10 Pro

Neben den üblichen Spielereien wie HDR-Modus, Panorma-Modus und einer Bildverschönerung, mit teilweise extrem künstlich wirkenden Ergebnissen, bietet das Huawei Mate 10 auch nette Licht-Spielereien bei Dunkelheit. Zahlreiche Nachtmodi vereinfachen und verschönern die Aufnahmen bei Dunkelheit. So kann man beispielsweise „Bilder“ in die Nacht zeichnen (Lichtmalerei). Man nehme eine Lichtquelle und male fröhlich in der Luft herum. Die Kamera berechnet dabei automatisch die passende Verschlusszeit und den ISO-Wert. Das klappt wegen der langen Belichtungszeit aber nur mit einem Stativ. So kann man beispielsweise auch die Lampen von Autos in eine Art Lichtschlange verwandeln.

Zusätzlich stehen noch 3D-Modi (Panorama, Creator) und verschiedene andere Filter und Effekte zur Auswahl. Wer wirklich alles aus der Kamera rausholen will, sollte zum Pro-Modus greifen. Hier kann man die – mitunter etwas oberflächliche Automatik – aushebeln und erhält Zugriff auf alle wichtigen Einstellungen (ISO, Weißabgleich, Fokus, etc.).

Im Portrait-Modus kann ich über eine „Große Blende“ eine Art Tiefenschärfe-Effekt erzeugen der im Gegensatz zu echten Kameras aber softwarebasiert ist. Dabei kann man Fokus im Nachhinein ändern oder eine größere oder eine kleinere Blendenöffnung wählen. Wer Fans von diesem Bokeh-Effekte ist, der kommt hier voll auf seine Kosten. Mit echten Kameras kann er aber nicht mithalten. Die neue KI sorgt hier – genauso wie bei der Erkennung bestimmter Szenen – für bessere, weil natürlich wirkende Resultate. Leider gibt es da einen deutlich sichtbaren Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Im Profi-Modus bietet die Kamera-App viele Einstellungsmöglichkeiten, auch RAW-Fotos kann man dann abspeichern. In meinem Videoreview des Mate 10 Pro auf YouTube kann man die Kamera im Einsatz sehen:

Die Kamera auf der Vorderseite löst mit 8 Megapixel auf und sorgt für exzellente Selfies, Wefies und Co. Die Qualität der Kamera finde ich insgesamt sehr gut, aber eine richtige Leica könnte mehr. Dennoch ist das hier einer der besten Kameras auf dem Markt.

Konnektivität & Sound: Ist alles ok

Unterwegs kann ich über HSPA+ oder eben auch per LTE in der Cat 18 bzw. WLAN 802.11 /a/g/n/ac (2.4/5 GHz) im Internet surfen. Das klappte im Test völlig problemlos. Bei der Telekom kam ich in Münster auf knapp 89 mbit/s. Daten und Medien werden per Bluetooth LE und NFC übertragen. Die Sprachqualität des Mate 10 Pro ist gut, meine Gesprächspartner tönen klar und deutlich aus dem Hörer. Das Mate 10 Pro unterstützt dabei leider NICHT die Erweiterung des internen Speichers über microSD-Karten (bis 200 GByte), wohl aber per USB-OTG. Der interne Speicher beträgt 128 Gbyte, davon stehen knapp 110 GByte zur freien Verfügung. Der durchschnittliche GPS-Fix war nach rund 5 Sekunden erledigt. Der SAR-Wert ist mit 0,87 W/kg (am Kopf/Körper) immer noch etwas hoch!

Der Musikplayer aus dem Hause Honor zeigt den Interpreten und auch Playlisten, Genres und Albennamen an. Auch das in den Track integrierte Album-Cover wird korrekt angezeigt. Das P10 liefert — mit guten Kopfhörern — einen vernünftigen Sound. Der eingebaute Lautsprecher auf der Unterseite klingt hingegen etwas dünn. Im direkten Vergleich mit den aktuellen Xperia-Modellen, dem Samsung S8 oder dem Apple iPhone 8 ist der Klang aber nicht ganz so lebendig, voll und klar.

Fazit: Huawei Mate 10 Pro

Das Huawei Mate 10 Pro kostet zum Testzeitpunkt bei Cyberport) 799 Euro und zieht damit preislichCyberport mit dem Samsung Galaxy Note 8 (785 Euro) gleich. Die Dual-Kamera mit ihrer optischen Bildstabilisierung und der Leica-Technik macht wirklich gute Aufnahmen, kann sich aber nicht wirklich von der Konkurrenz absetzen. Der neue SoC ist schnell, die “KI” aber noch eher Spielerei. Das Mate 10 Pro ist damit ein tolles, aber in meinen Augen auch zu teueres Smartphone. Genauso, wie das Galaxy Note 8 oder das Apple iPhone X.

Testergebnis

Verarbeitung 9.7
Display 9.4
Performance 9.8
Kamera 9.5
Konnektivität & Akku 9.5

Fazit

9.6 Das Huawei Mate 10 Pro kostet zum Testzeitpunkt bei Cyberport) 799 Euro und zieht damit preislich mit dem Samsung Galaxy Note 8 (785 Euro) gleich. Die Dual-Kamera mit ihrer optischen Bildstabilisierung und der Leica-Technik macht wirklich gute Aufnahmen, kann sich aber nicht wirklich von der Konkurrenz absetzen. Der neue SoC ist schnell, die "KI" aber noch eher Spielerei. Das Mate 10 Pro ist damit ein tolles, aber in meinen Augen auch zu teueres Smartphone. Genauso, wie das Galaxy Note 8 oder das Apple iPhone X.

Tags : ChinaHuaweiMateReviewTests
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar “Musik”, aber die meisten anderen bezeichnen es als “Krach”.

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