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Huawei P9 lite im Test: 230 Euro und eine Kamera gespart

Lite ist in aller Munde. Man spart bei der Nahrung, beim Bier, bei der Wahl der Flüge und so weiter. Auch bei Smartphones geht der Trend zu einer “lite”-Variante. Das war beim Huawei P8 lite schon der Fall und ist auch beim P9 der Fall. Der Huawei P9 lite kostet etwa 230 Euro weniger als das P9 und kommt mit nur einer Kamera aus. Die löst aber immerhin mit 13 Megapixel auf. Was es sonst noch so zu bieten hat?

Huawei P9 lite: Sieht fast aus wie ein P9

Das Huawei P9 kommt ja mit zwei Kameras aus dem Hause Leica auf den Markt und die haben schon für etwas Verwunderung gesorgt. Den rein faktisch stammt nur noch das Know-how vom renommierten Kamera-Hersteller. Die Kameraqualität des Huawei P9 lite selbst ist aber trotzdem top. Beim P9 verzichtet Huawei auf diesen Luxus und stattet das P9 lite mit nur einer Kamera aus.

Daneben hat man aber auch noch an einigen anderen Schrauben gedreht um den vergleichsweise günstigen Preis zu ermöglichen. Rein optisch ist das Huawei P9 lite eine Mischung aus P9 und P8 Lite. Der Rahmen des P9 lite besteht aus Metall, die Rückseite ist aber nun aus dem günstigeren Kunststoff gefertigt. Gerade bei meinem weißen Testsample ist das noch offensichtlicher. Dort findet man neben der 13-Megapixel-Kamera samt Doppel-LED auch den Fingerabdrucksensor. Die Kopfhörer stöpselt man beim P9 lite aber auf der Oberseite ein, beim P9 auf der Unterseite. Mein Testsample stammt übrigens von Cyberport.de.

Der Lautstärkeregler sowie der Ein-/Ausschalter befinden sich auf der rechten Seite des P9 lite. Die beiden SIM-Karten bzw. die SIM und microSD kann man über einen Tray aus Plastik in die linke Seite des Metallrahmens einschieben. Die Unterseite wird vom Mikrofon, dem Lautsprecher (beide sind hinter einem Gitter mit 5 Bohrungen versteckt) und einem einfachen microUSB-Anschluss in Beschlag genommen. USB-Typ-C fehlt hier. Das schwarze (weiße oder goldene) Gehäuse ist mit seinen Abmessungen von 146,8 x 72,6 x 7,5 mm etwas größer und dicker ausgefallen als beim Huawei P9 (145 × 70.9 × 6.95 mm ). Auch das Gewicht ist mit 147 Gramm etwas höher ausgefallen als beim knapp 240 Euro teureren P9 (144 Gramm). Weniger Gewicht kostet halt mehr Geld 😀 Wasser- und staubdicht ist das Huawei P9 lite übrigens nicht.

Huawei P9 lite im Videoreview

Display: 5,2-Zoll und Full-HD?

Das 5,2 Zoll große In-Cell-Display auf der Vorderseite löst wie beim Huawei P9 mit 1.080 x 1.920 Pixel auf. Die maximale Helligkeit geht aber in meinen Augen nicht mehr in Ordnung. Die Ablesbarkeit leidet dann sehr stark. Die Kanten sind auch nicht mehr abgerundet (2.5D). Das Display wirkt flauer und weniger lebendig als beim Huawei P9.  Texte wirken aber ebenso gestochen scharf. Eine Always-On-Funktion gibt es beim Huawei auch nicht. Ich sehe im Vergleich zum Displays des P9 deutliche Unterschiede.

Vergleich: Huawei P9, P9 Plus, P9 Lite

Huawei P9 Huawei P9 Plus Huawei P9 Lite
Display 5,2 Zoll 5,5 Zoll 5,2 Zoll
Auflösung 1920×1080 Pixel (427 ppi) 1920×1080 Pixel (401 ppi) 1920×1080 Pixel (427 ppi)
Speicher 32 GByte 64 GByte 16 GByte
RAM 3 GByte 4 GByte 3 GByte
Prozessor Kirin 955 Kirin 955 Kirin 650
Taktfrequenz 4×2,5 und 4×1,8 GHz 4×2,5 und 4×1,8 GHz 4×2 und 4×1,7 GHz
Abmessungen 145x71x7 mm 152,2×75,3×7 mm 146,8×72,6×7,5 mm
Gewicht 144 g 162 g 147 g
Kamera 12 Megapixel (zwei Linsen) 12 Megapixel (zwei Linsen) 13 Megapixel
Frontkamera 8 Megapixel 8 Megapixel 8 Megapixel
Videoaufnahme Full HD Full HD Full HD
Akku 2900 mAh 3400 mAh 3000

Android 6.0.1 und Emotion UI 4.1

Auch auf dem Huawei P9 lite kommt die Benutzeroberfläche namens Emotion UI in der version Version 4.1 zum Einsatz Als Basis dient dabei das aktuelle Android 6.0.1. Auf den ersten Blick erkennt man gewisse Ähnlichkeiten zum MIUI von Xiaomi. Aber auch Samsung und LG kommen mittlerweile (testweise) ohne eigenen App-Drawer aus. Das Benutzerinterface selbst ist klar und einfach strukturiert. Leider vermisse ich immer noch wichtige Dinge, wie beispielsweise eine Sortiermöglichkeit für Apps (alphabetisch oder nach Installationsdatum). Man kann die Apps dafür aber durch Schütteln des P9 lite sortieren und die Rastergröße der Apps anpassen.

Alle Apps werden auf den diversen Homescreens des EMUI verteilt. Auf Wunsch kann man die Icons aber auch in Ordner sortieren. Die drei (bzw. vier) Software-Tasten zur Bedienung von Android befinden sich – dauerhaft eingeblendet – am unterem Displayrand. Im Vollbildmodus kann ich sie aber ausblenden. So stören sie nämlich nicht bei hektischen Spielen. Aus Versehen den Homebutton drücken war gestern. 😀 Der Verzicht auf den App-Drawer ist auf den ersten Blick zwar nett, kann nach der Installation von vielen Apps und Games aber schnell zum Verlust der Übersicht führen. Auf Wunsch kann man sich im Play Store aber einen anderen Android-Launcher oder einen hübschen 3D-Launcher installieren.

Huawei bietet beim EmotionUI 4.1 ab Werk die Möglichkeit “Themes” einzusetzen und damit den Look & Fell der Oberfläche zu ändern. Wer mag, kann sich online mit also mit weiteren Themen versorgen. Zieht man die Statusleiste am oberen Rand nach unten, dann findet man die üblichen Verknüpfungen (WLAN, Flugmodus, SIM, etc.) und eine  Timeline mit den zuletzt durchgeführten Aktionen. So sieht man, wann man was auf dem Smartphone gemacht hat.

Man kann das P9 lite leider nicht über die Doppel-Tap-Geste auf dem Display aufwecken. Das funktionierte beim P9 auch nicht.

Performance & Akku: Das passt schon

Die Performance mit der aktuellen Firmware (B104) ist in Zusammenspiel mit dem neuen HiSilicon Kirin 650 (64-bit), Octa-core (4 x 2 GHz + 4 x 1.7 GHz) sowie den 3 GByte Arbeitsspeicher gut. So erzielt das P9 lite im Geekbench 3 887 Zähler im Single-Core und 3.666 Punkte im Multi-Core. Das ist eine messbare Verschlechterung zum Huawei P9 lite. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark kommt das P9 lite auch nur auf 52.616 Punkte. Damit wird natürlich von seinem größeren Bruder P9, dem LG G5, dem Xiaomi Mi5 und besonders dem Samsung Galaxy S7 überholt. Aufwendige Spiele vom Type Modern Combat 5 oder Dead Trigger 2 sind aber auch auf dem Huawei P9 lite kein Problem.

Der nicht wechselbare Akku leistet nun 3.000 mAh (P8: 2.200 mAh) und damit kommt man auch als Poweruser locker über den Tag. Normalnutzer dürften mit dieser Kraftzelle ungefähr 22 Stunden ohne Steckdose auskommen. Wer sein Huawei P9 lite allerdings viel nutzt, wird schon nach knapp 8 1/2 Stunden zum Ladegerät greifen müssen. Die Aufladung funktioniert nur über Kabel in etwa 2 1/2 Stunden.

Kamera: 13 Megapixel und kein Leica in Sicht

Die Kamera auf der Rückseite stammt nicht aus der “Zusammenarbeit” mit Leica. Sie löst mit 13 Megapixel auf und bietet einen einfachen BSI-Sensor. Aufnahmen bei Dunkelheit leidet unter Artefaktbildung, es fehlt eine gute Blende. In der Realität bekommt man bei ausreichend Licht auch gute Aufnahmen hin. Im RAW-Format mit 24Bit kann ich die Bilder aber nicht abspeichern. Die Tiefenschärfe kann man ebenfalls nicht nachträglich verändern. Last but not least fehlt noch der Monochrom-Modus.

Huawei P9 lite

Die anderen – für Huawei – typischen Features, wie HDR-Modus, Panorma-Modus und einer Bildverschönerung bietet aber auch das Huawei P9 lite. Zahlreiche Nachtmodi vereinfachen und verschönern die Aufnahmen bei Nacht. So kann man beispielsweise einige “Bilder in die Nacht zeichnen”. Man nehme eine Lichtquelle und male fröhlich in der Luft herum. Die Kamera des P9 lite berechnet dabei automatisch die passende Verschlusszeit und den ISO-Wert. Das klappt wegen der langen Belichtungszeit aber nur mit einem Stativ. So kann man beispielsweise auch die Lampen von Autos in eine Art Lichtschlange verwandeln.

Die Kamera auf der Vorderseite löst mit 8 Megapixel auf, sorgt für exzellente Selfies, Wefies und Co und zieht mit dem Huawei P9 Par. Die Qualität der Kamera finde ich insgesamt gut. Die Bildqualität des Galaxy S7 ist in meinen Augen besser, gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen.

Konnektivität: Ist alles ok

Unterwegs kann ich über HSPA+ oder eben auch per LTE in der Cat 6 bzw. WLAN 802.11 /a/g/n/ac (2.4/5 GHz) im Internet surfen. Das klappte im Test völlig problemlos. Bei der Telekom kam ich in Münster auf knapp 89 mbit/s. Daten und Medien werden per Bluetooth 4.2 LE und NFC übertragen.

Die Gesprächsqualität des P9 lite war dabei ist gut, meine Gesprächspartner tönten klar und deutlich aus dem Hörer. Das Huawei P9 lite unterstützt die Verwendung von zwei SIM-Karten (Dual-SIM Dual-Active), WENN man auf die Speichererweiterung per microSD verzichtet. Dank der “Signal+” genannten Technologie konnte ich bei mir auf dem Land den Empfang über O2 leicht verbessern. Den LTE-Empfang kann man zwischen den beiden Karten umschalten. Gleichzeitig ist das nicht möglich. Der interne Speicher mit seine 16 GByte (10.59 GByte frei) kann sowohl über microSD-Karten (bis 200 GByte) als auch über USB-OTG erweitert werden. Der GPS-Fix war nach rund 8 Sekunden erledigt.

Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite funktionierte im Test völlig frei von jeglichen Problemen und sehr zuverlässig.

Sound & Musik: Geht in Ordnung

Der Musikplayer aus dem Hause Huawei zeigt den Interpreten und auch Playlisten, Genres und Albennamen an. Auch das in den Track integrierte Album-Cover wird korrekt angezeigt. Das P9 lite liefert — mit guten Kopfhörern — einen passablen Sound. Der eingebaute Lautsprecher auf der Unterseite (rechts) klingt hingegen etwas dünn.  Im direkten Vergleich mit Xperia-Z-Modellen von Sony, dem Samsung S7 oder dem Apple iPhone ist der Klang nicht ganz so lebendig, voll und klar. Der Klang wird auch nur über DTS verbessert, richtige Equalizer-Presets stehen nicht zur Auswahl.

Fazit: Das bessere P9?

Ist das Huawei P9 lite am Ende das besser P9. Mit seinen 299 Euro ist es deutlich günstiger und bietet ein bessere Preis- /Leistungsverhälntnis. Die Qualität der 13-Megapixel-Kamera ist gut, kann aber nicht mit dem Galaxy S7 mithalten. Das ist aber bei dem Preis kein Problem.  Das 5,2 Zoll große Display samt Full-HD-Auflösung ist ebenfalls gut, allerdings etwas lichtschwach. Der Akku mit seinen 3.000 mAh hält das Huawei P9 lite bis zu zwei Tage am laufen. Schlussendlich ist das P9 lite tatsächlich das bessere P9. Mein Dank geht an

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Tags : ChinaHuaweiReviewSmartphone
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar “Musik”, aber die meisten anderen bezeichnen es als “Krach”.

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