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Huawei P9 Plus im Test: Leica-Kamera und Force-Touch

Auch das Huawei P9 Plus kommt – genau wie der kleinere Burder P9 – mit den beiden Leica-Kameras auf den Markt. Im Gegensatz zum P9 bietet das Plus aber ein 5,5 Zoll großes AMOLED-Display. Die Auflösung beträgt zwar immer noch 1.080 x 1.920 Pixel, dafür unterstützt des die Press-Touch-Technik (bei Apple Forec Touch). Es reagiert also nicht nur auf Berührungen, sondern auch auf unterschiedliche Druckstärken. Auch das P9 Plus nutzt wieder den HiSilicon Kirin 955, diesmal kann die CPU aber auf insgesamt 4 GByte Arbeitsspeicher zählen. Nicht nur der interne Speicher wurde auf 64 GByte verdoppelt, auch der Preis wurde auf 699 Euro angehoben. Ich zeige euch daher ob sich der Kauf lohnt.

Huawei P9 Plus: Groß, schlank aber kein Traumkörper

Huawei P9 PlusEs hätte alles so schön werden können, WENN man einfach das Gehäuse des Huwaei P9 genommen und der aktuellen Technik angepaßt hätte. Das Metallgehäuse war doch schon perfekt. Aber nein, die Designer bei Huawei haben  die Rückseite des P9 Plus mit einer transparenten Lackierung versehen. Das sieht vergleichsweise “billig” aus und die Haptik leidet auch. Das Huawei P9 Plus liegt rutschiger in der Hand. Das noch vom Huawei P9 bekannte “Du fühlst dich gut” bleibt hier aus.

Ok, das ist Meckern auf einem sehr hohen Niveua, schliesslich ist die Verarbeitung, inklusive der rückseitigen Kameraeinfassung aus Glas beim Huawei P9 Plus immer noch ohne Fehl und Tadel. Und auch die Übergänge zwischen Displayglas und Metallrahmen sind samtweich. Kein Wunder, die Kanten sind ja auch leicht abgerundet. Der kombinierte Einschub für die nanoSIM-Karte/microSD-Karte auf der linken Seite des Rahmens ist ebenfalls Metall und geht nahtlos in den Rahmen über.

Der Lautstärkeregler sowie der Ein-/Ausschalter findet man auf der rechten Seite. Der Power-Butoon hat beim Huawei P9 Plus aber einen roten Rand spendiert bekommen, warum auch immer … Auf der Unterseite befindet sich eines der beiden Mikrofone, einer der beiden Lautsprecher sowie der USB-Typ-C-Anschluss. Jawohl, Huawei nutzt beim P9 Plus die gleiche Technik wie HTC beim 10.

Der Lautsprecher in der Ohrmuschel gibt die hohen Töne, der Lautsprecher auf der Unterseite die Bässe wieder. Wie das klingt? Halt wie beim HTC 10. Nett, aber doch eher unspektakulär. Die Farbe des grauen Gehäuses nennt sich “Titanium Grey” und ist mit seinen Abmessungen von 152.3 x 75.3 x 6.98mm ist es deutlich größer als das  P9 (145 × 70.9 × 6.95 mm). Und mit einem Gewicht von 162 Gramm ist es auch etwa 18 Gramm schwerer. Daneben steht aber auch noch Weiß-Silber und Gold zur Auswahl.

Display: Druckempfindliche 5,5-Zoll in Full-HD

P9_Plus_ScreenDas 5,5 Zoll große Display auf der Vorderseite löst mit 1.080 x 1.920 Pixel auf. Huawei setzt beim P9 Plus auf ein AMOLED, dessen Schwarzwerte noch einen Tick besser sind als beim P9. Die maximale Helligkeit geht in meinen Augen voll in Ordnung und auch die Ablesbarkeit aus unterschiedlichen Blickwinkel gab im Test keinen Anlass zur Klage. Bei direkter Sonneneinstrahlung sollte man aber die manuelle Helligkeitseinstellung bemühen. Die Automatik geht da nach meinem Empfinden etwas zu sparsam zu Werke. Ehrlich gesagt sehe ich bis auf die unterschiedliche Farbkalibrierung keine nennenswerten Unterschiede zum Display des P9. Die blaue Benachrichtigungs-LED links neben der Frontkamera ist mir persönlich zu dunkel.

P9_Plus_PRESS TOUCH2Das Display des P9 Plus reagiert aber nicht nur auf Berührungen, sondern auch auf unterschiedliche Druckstärken. Ähnlich wie beim Force Touch des Apple iPhone 6s kann man bei bestimmten Apps kontextsensitive Funktionen auslösen. Huawei nennt das Feature “PRESS TOUCH”. Einen Unterschied zur Lösung oder Empfindlichkeit von Apple kann ich aber nicht erkennen 😀

Man muss das entsprechende Icon der App also nur etwas fester drücken und schon reagiert das Display mit einer Vibration und zeigt dann die entsprechenden Funktionen an.

Viel Mehrwert bietet dieses Feature aber – ähnlich wie bei der P9_Plus_PressTouch1“Deluxe Variante” des Huawei Mate S – nicht. Und leider, leider, leider werden auch nicht alle Apps unterstützt. Während die Apps aus dem Hause Huawei (Telefon, Kontakte, Nachrichten, Kamera, Kalender, E-Mail, Designs, Telefonmanager, HiCare, Einstellungen, etc.) mit unterschiedlichem Druck klarkommen, verweigern die Apps aus dem Hause Google und anderer Anbieter diesen.

Ein kleines Beispiel der vielen Funktionen: Drückt man länger auf das Telefon-Icon, dann werden einem die Favoriten angezeigt. Das klappt auch bei der Nachrichten-App (SMS). Bei den Kontakten kann man so auch mal schnell eine Visitenkarte einscannen. Der kräftigere Druck auf die Einstellungen führt zu einem Shortcut zum WLAN, Display oder P9_Plus_26den Tönen. So richtig nützlich wird das Press Touch aber erst in der Galerie. Dann kann ich durch festeren Druck auf ein Bild eine Lupenfunktion auslösen.

Huawei hat dem P9 Plus aber noch ein paar Extra-Features spendiert. Unter den Optionen findet man im Punkt “Intelligente Unterstützung” auch den Eintrag “Druckmessung”. Hier kann man sich Aktionen für die obere Displaykante definieren. Die Übersetzung ist an dieser Stelle allerdings eher unfreiwillig komisch. Auf Wunsch kann man die Softkeys per Press Touch deaktivieren oder durch Druck der linken bzw. rechten oberen Ecke ein Programm seiner Wahl starten. Sehr nettes Feature. Das ging früher nur durch ein spezielles Cover. Für die unteren Ecken geht das aber leider nicht. Ich habe das Press Touch mal in einem Videoreview demonstriert:

Android 6.0.1 und Emotion UI 4.1

Auf dem Huawei kommt die mittlerweile doch sehr bekannte und etablierte Benutzeroberfläche “Emotion UI” zum Einsatz. Diesmal in der neuen Version 4.1. Als Basis dient dabei das aktuelle Android 6.0.1. Auf den ersten Blick erkennt man gewisse Ähnlichkeiten zum MIUI von Xiaomi. Aber auch Samsung, LG und HTC (in China) kommen mittlerweile (zumindest testweise) ohne den App-Drawer aus. Das Benutzerinterface selbst ist klar und einfach strukturiert. Leider vermisse ich aber auch wichtige Dinge, wie beispielsweise eine alphabetische Sortierung der Apps

Die Icons werden auf den diversen Homescreens des EMUI verteilt. Man kann man die Icons aber auch in Ordner sortieren. Die drei (bzw. vier) Software-Tasten zur Bedienung von Android befinden sich am unterem Displayrand. Diese ganze Leiste kann aber auch ausgeblendet werden und stört dann nicht mehr bei hektischen Spielen. Wer im Eifer des Gefechts schon einmal aus Versehen den Homebutton gedrückt hat, weiß was ich meine. 😀

Auf Wunsch kann man sich im Play Store aber einen anderen Android-Launcher oder einen hübschen 3D-Launcher installieren. Huawei bietet beim EmotionUI 4.1 ab Werk die Möglichkeit “Themes” einzusetzen und damit den Look & Feel der Oberfläche zu ändern. Wer mag, kann sich online mit also mit weiteren Themen versorgen.

Zieht man die Statusleiste am oberen Rand nach unten, dann findet man die üblichen Verknüpfungen (WLAN, Flugmodus, SIM, etc.) und eine Timeline mit den zuletzt durchgeführten Aktionen. So sieht man, wann man was auf dem Smartphone gemacht hat.

Bei zusätzlichen Apps hat Huawei neben ein paar Demo-Spielen von Gameloft auch eien App von Bookings.com, EyeEm und Todoist installiert.

Performance & Akku: Das passt schon

Die Performance mit der aktuellen Firmware (B103) ist in Zusammenspiel mit dem neuen HiSilicon Kirin 955 (64-bit), Octa-core (4 x 2.5 GHz A72+ 4 x 1.8 GHz A53) sowie den 4 GByte Arbeitsspeicher gut. Aber trotzdem erzielt das Huawei P9 Plus in den aktuellen Benchmarks keine besseren Ergebnisse als das einfache P9.

Im Geekbench 3 kam ich auf 1.745 Zähler im Single-Core und 6.618 Punkte im Multi-Core. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark kam das P9 auf 95.418 Punkte. Hier wird des P9/P9 Plus vom LG G5, dem Xiaomi Mi5 und besonders dem Samsung Galaxy S7 deutlich übertroffen. Dafür wird die CPU unter Last aber auch nicht so warm! Aufwendige Spiele vom Type Modern Combat 5 oder Dead Trigger 2 sind auf dem Huawei P9 Plus überhaupt kein Problem, profitieren aber weder von den 4 GByte RAM noch vom Press Touch.

Der nicht wechselbare Akku leistet nun 3.400 mAh (Huawei P9: 3.000 mAh) und hält das Smartphone je nach Nutzungsintensität locker einen Tag am Leben. Normalnutzer dürften mit dieser Kraftzelle ungefähr 22 Stunden ohne Steckdose auskommen. Wer sein Huawei P9 Plus allerdings viel nutzt, wird schon nach knapp 10 Stunden zum Schnellladegerät greifen müssen. Das klappt über Kabel per USB-Typ-C und dank Schnellladefunktion ist der Akku nach rund 100 Minuten voll aufgeladen. Ich hätte mit ehrlich gesagt etwas mehr von den 3.400 mAh versprochen. Immerhin kommt hier ein AMOLED zum Einsatz.

Kamera: Leica oder nicht Leica?

P9_Plus_9Die beiden Kamera auf der Rückseite stammen (wieder) aus der “Zusammenarbeit” mit Leica. Bei den beiden Kameras handelt es sich laut Aufdruck um Leica Summarit H 1:2,2/27 ASPH. Summarit H ist die Bezeichnung von Leica für die Objektiv-Serie des Huawei-Smartphones. 1:2,2 steht für die Linsen-Apertur und 27 für das Äquivalent der Brennweite zur Vollformat-Kamera in Millimetern. ASPH bedeutet “Asphärische Linse“. Defacto kommen die Sensoren aber von Sony und die Linsen von Sunny Optical. “Made in Germany” wie bei Leica eigentlich üblich sieht also anders aus. Ich hätte damit kein Problem, aber die Qualität der Bilder ist “frei gesprochen” bei Tageslicht nicht der Leica-Rede wert.

Huawei P9 Plus

Die beiden Kameras lösen mit 12 Megapixel auf und bietet eine Blende von f/2.2. Damit dürfte dem Fachmann gleich klar werden, dass Aufnahmen bei Dunkelheit erst einmal nicht “der Burner” werden. Die beiden Kameras ergänzen sich allerdings und ermöglichen so eine “virtuelle” Blende von F/0.95 vis F/16. Die Software der Kamera addiert die jeweiligen Lichtinformationen der Sensoren zu einem Gesamtpaket. Was jetzt ziemlich geil klingt, ergibt in der Realität trotzdem oft unscharfe Bereiche. Trotzdem wirken die Aufnahmen bei Dunkelheit etwas schärfer als bei Samsung und Co. Die Software selbst bearbeitet die abgespeicherten Bilder leider stark nach. Man kann die Aufnahmen aber auch im RAW-Format mit 24Bit im sRGB-Farbraum abspeichern. Und auch die Tiefenschärfe kann man nachträglich verändern, beides sind nützliche Feature.

Neben den üblichen Optionen wie HDR-Modus, Panorma-Modus und einer Bildverschönerung, mitteilweise extrem künstlich wirkenden Ergebnissen, bietet das Huawei P9 Plus auch nette Licht-Spielereien bei Dunkelheit. P9_Plus_25Zahlreiche Nachtmodi vereinfachen und verschönern die Aufnahmen bei Dunkelheit. So kann man beispielsweise “Bilder” in die Nacht zeichnen (Lichtmalerei). Man nehme eine Lichtquelle und male fröhlich in der Luft herum. Die Kamera des P9 Plus berechnet dabei automatisch die passende Verschlusszeit und den ISO-Wert. Das klappt wegen der langen Belichtungszeit aber nur mit einem Stativ. So kann man beispielsweise auch die Lampen von Autos in eine Art Lichtschlange verwandeln.

Wer wirklich alles aus der Kamera rausholen will, sollte zum Pro-Modus greifen. Hier kann man die – mitunter etwas oberflächliche Automatik – aushebeln und erhält Zugriff auf alle wichtigen Einstellungen (ISO, Weißabgleich, Fokus, etc.). Gut Gefallen hat mir auch der Monochrom-Modus. Die daraus resultierenden Schwarz-Weiss-Aufnahmen bestechen durch Schärfe und Detailfülle.

Die Kamera auf der Vorderseite löst mit 8 Megapixel auf und sorgt für exzellente Selfies, Wefies und Co. Die Qualität der Kamera finde ich insgesamt gut, aber eine richtige Leica könnte mehr. Die Bildqualität des Galaxy S7 ist in meinen Augen zumindest bei Tageslicht besser: Bei schwierigen Lichtverhältnissen versagt oft die Leica-Automatik. Bei Dunkelheit leisten die beiden Sensoren dann aber eine gute Arbeit!

Konnektivität: Ist alles ok

Unterwegs kann ich über UMTS oder eben auch per LTE in der Cat 6 bzw. WLAN 802.11 a/g/n/ac (2.4/5 GHz) im Internet surfen. Das klappte im Test völlig problemlos. Bei der Telekom kam ich in Münster auf knapp 83 mbit/s. Auch eine LTE-Kanalbündelung (bei der Telekom ohne Wirkung) ist möglich bzw. eine intelligente Umschaltung von WLAN nach LTE. Daten und Medien werden per Bluetooth 4.2 LE und NFC übertragen. Die Sprachqualität des P9 Plus ist gut, die Gesprächspartner tönten klar und deutlich – allerdings etwas zu dumpf – aus dem Hörer. Dank der “Signal+” genannten Technologie konnte ich bei mir auf dem Land den Empfang über o2 sogar verbessern. Das P9 Plus unterstützt die Erweiterung des internen Speichers (diesmal 64 GByte!) per microSD-Karten (bis 200 GByte) und USB-OTG. Der durchschnittliche GPS-Fix war nach rund 5 Sekunden erledigt. Der SAR-Wert dürfte vermutlich wie beim P9 bei 1.59 W/kg liegen.

Sound & Musik: Geht in Ordnung

Der Musikplayer aus dem Hause Huawei zeigt den Interpreten und auch Playlisten, Genres und Albennamen an. Auch das in den Track integrierte Album-Cover wird korrekt angezeigt. Das P9 Plus liefert — mit guten Kopfhörern — einen vernünftigen Sound. Die beiden Lautsprecher (Hörschmuschel auf Vorderseite und auf der Unterseite)  klingen gut und ähnlich wie beim HTC 10. Gegen das HTC One M9 kommen sie aber nicht an. trotzdem definitiv besser als beim Huawei P9. Equalizer-Presets findet man leider keine, da muß man mit DTS Vorliebe nehmen. Auch ein FM-Radio bietet das Huawei P9 Plus nicht. Das hat nur das P9 lite vorzuweisen.

Fazit: Ich sehe da kein Plus für mich

Das Huawei P9 Plus lieferte im Test eine gute Vorstellung ab. Zur Erinnerung: das Huawei P9 Plus kostet knapp 700 Euro. Dafür bekomme ich – im Vergleich zum P9 – nur ein größeres AMOLED-Display mit besseren Schwarzwerten bei gleicher Auflösung (Full-HD). Mir persönlich ist der Mehrwert des AMOLED mit seinem “Press Touch” nicht klar.

Die beiden “Leica”-Kameras entsprechen qualitativ dem P9 und machen auch einen guten Eindruck. Der Leistungsfähigkeit einer Leica-Kamera ist aber deutlich höher. Und so sind die Ergebnisse nicht besser als beim Galaxy S7.

Die Performance der CPU entspricht – trotz 4 GByte Arbeitsspeicher – ebenfalls der des Huawei P9. Ok, der Akku mit seinen 3.400 mAh hält das Smartphone länger am Leben. Aber dafür ist die Haptik auch etwas schlechter. Wer also ein “P9” sucht, sollte zum Huawei P9 lite oder eben zum einfachen Huawei P9 greifen 😀

Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar “Musik”, aber die meisten anderen bezeichnen es als “Krach”.

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