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Huawei P9 Test: Braucht man zwei Leica-Kameras?

Testergebnis

Verarbeitung 9.5
Display 8.5
Performance 9
Kamera 9.5

Fazit

9.1 Das Huawei P9 lieferte im Test eine gute Vorstellung ab. Mit aktuell Huawei_P9_Cyberport549 Euro ist es für die gebotene Leistung meiner Meinung nach aber noch zu teuer. Die beiden Kameras aus dem Hause Leica (oder zumindest das Know-how) machen zwar einen guten Eindruck, werden dem Image von Leica meinem Erachten nach aber nur bedingt (bei Dunkelheit) gerecht.

Das Huawei P9 kommt gleich mit zwei Kameras auf den Markt und beide wurden im Hause Leica entwickelt. Die Linsen werden allerdings in China bei Sunny Optical gefertigt und die Sensoren stammen aus dem Hause Sony. Stellt sich die Frage, was eigentlich aus dem Hause Leica kommt? Vermutlich „nur“ noch das Know-how. Das Huawei P9 selbst ist ein ein Metallgehäuse eingekleidet und auf der Rückseite mit einem Fingerabdrucksensor versehen worden. Im Inneren werkelt eine schnelle CPU vom Typ HiSilicon Kirin 955. Für knapp 550 Euro also ein gutes Gesamtpaket? Der Test wird es zeigen.

Huawei P9: Schlankes Design und edles Metall

Na ja, edles Metall: Das Huawei P9 bietet wie sein Vorgänger Huawei P8 ein Unibody-Gehäuse aus Leichtmetall. Es besteht natürlich nicht aus Edelmetall 😀 Nimmt man das neue P9 in die Hand, stellt sich ein „Fühlt sich gut an!“-Gefühl ein. Die gesamte Verarbeitung, inklusive der Kameraeinfassungen aus Glas auf der Rückseite des P9 ist über jeden Zweifel erhaben. Selbst die Übergänge vom Displayglas zum Metallrahmen fühlen sich „rund“ an. Die Einschübe für die SIM-Karte sowie MicroSD-Karte auf der rechten Seite des Gehäuses sind ebenfalls aus Metall und schliessen bündig mit dem Rahmen ab.

Der Lautstärkeregler sowie der Ein-/Ausschalter liegen auf der anderen Seite. Die Unterseite wird vom Mikrofon, dem Lautsprecher und einem USB-Typ-C-Anschluss in Beschlag genommen. Das graue Gehäuse – es nennt sich  Titanium Grey – ist mit seinen Abmessungen von 145 × 70.9 × 6.95mm  ist es fast so gross, wie das P8 (145 x 72 x 6.4 mm). Das Gewicht ist dabei von 140 auf 144 Gramm gestiegen. Wer mag, kann das P9 auch in Mystic Silver  erwerben. Die anderen Farben (Gold und Roségold) gibt es leider nur im Ausland.

Display: 5,2-Zoll und Full-HD?

Huawei P9Das 5,2 Zoll große Display auf der Vorderseite löst (nur) mit 1.080 x 1.920 Pixel auf. QHD wäre in dieser Preisklasse zwar wünschenswert, muss in der Realität aber nicht unbedingt sein. Die maximale Helligkeit geht in meinen Augen voll in Ordnung und auch die Ablesbarkeit aus unterschiedlichen Blickwinkel gab im Test ebenfalls keinen Anlass zur Klage. Bei direkter Sonneneinstrahlung sollte man aber die manuelle Helligkeitseinstellung bemühen. Die Automatik geht da nach meinem Empfinden etwas zu sparsam zu Werke.

Das Display gibt die Farben aber originalgetreu wieder und auch der Kontrast geht in Ordnung. Auch bei den Schwarzwerten gibt es kaum Klagen. Texte und Bilder wirken gestochen scharf. Ein Always-On-Funktion gibt es hier nicht zu sehen, also weitergehen 😀

Android 6.0.1 und Emotion UI 4.1

Auf dem Huawei kommt die mittlerweile hinlänglich bekannte Benutzeroberfläche namens Emotion UI zum Einsatz. Diesmal in der neuen Version 4.1. Als Basis dient dabei das aktuelle Android 6.0.1. Auf den ersten Blick erkennt man gewisse Ähnlichkeiten zum MIUI von Xiaomi. Aber auch Samsung und LG kommen mittlerweile (testweise) ohne eigenen App-Drawer aus. Das Benutzerinterface selbst ist klar und einfach strukturiert. Leider vermisse ich aber auch wichtige Dinge, wie beispielsweise eine Sortiermöglichkeit für Apps (alphabetisch oder nach Installationsdatum).

Alle Apps werden auf den diversen Homescreens des EMUI verteilt. Auf Wunsch kann man die Icons aber auch in Ordner sortieren. Die drei (bzw. vier) Software-Tasten zur Bedienung von Android befinden sich – dauerhaft eingeblendet – am unterem Displayrand. Im Vollbildmodus kann ich sie aber ausblenden. So stören sie nämlich nicht bei hektischen Spielen. Aus Versehen den Homebutton drücken war gestern. 😀 Der Verzicht auf den App-Drawer ist auf den ersten Blick zwar nett, kann nach der Installation von vielen Apps und Games aber schnell zum Verlust der Übersicht führen. Auf Wunsch kann man sich im Play Store aber einen anderen Android-Launcher oder einen hübschen 3D-Launcher installieren.

Huawei bietet beim EmotionUI 4.1 ab Werk die Möglichkeit „Themes“ einzusetzen und damit den Look & Fell der Oberfläche zu ändern. Wer mag, kann sich online mit also mit weiteren Themen versorgen. Zieht man die Statusleiste am oberen Rand nach unten, dann findet man die üblichen Verknüpfungen (WLAN, Flugmodus, SIM, etc.) und eine  Timeline mit den zuletzt durchgeführten Aktionen. So sieht man, wann man was auf dem Smartphone gemacht hat.

Performance & Akku: Das passt schon

Die Performance mit der aktuellen Firmware (B136) ist in Zusammenspiel mit dem neuen HiSilicon Kirin 955 (64-bit), Octa-core (4 x 2.5 GHz A72+ 4 x 1.8 GHz A53) sowie den 3 GByte Arbeitsspeicher gut. Gerade das letzt Update hat dem P) nochmals „Flügel“ verliehen. So erzielt es im Geekbench 3 1.777 Zähler im Single-Core und 6.417 Punkte im Multi-Core. Das ist eine messbare Verbesserung zum SoC des Huawei P8. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark kam das P9 auf 96.594 Punkte. Hier liegt das Huawei P9 weit vorne in der Liste der Top-Smartphones, wird aber vom LG G5, dem Xiaomi Mi5 und besonders dem Samsung Galaxy S7 überholt. Dafür wird die CPU unter Last auch nicht so warm! Aufwendige Spiele vom Type Modern Combat 5 oder Dead Trigger 2 sind aber auch auf dem Huawei P9 überhaupt kein Problem.

Der nicht wechselbare Akku leistet nun 3.000 mAh (P8: 2.680 mAh) und damit kommt man auch als Poweruser locker über den Tag. Normalnutzer dürften mit dieser Kraftzelle ungefähr 20 Stunden ohne Steckdose auskommen. Wer sein Huawei P9 allerdings viel nutzt, wird schon nach knapp 8 Stunden zum Ladegerät greifen müssen. Das klappt über USB-Typ-C, aber nicht kabellos.

Kamera: Leica oder nicht Leica?

Huawei P9Die beiden Kamera auf der Rückseite stammen aus einer „Zusammenarbeit“ mit Leica. Bei den beiden Kameras handelt es sich laut Aufdruck um Leica Summarit H 1:2,2/27 ASPH. Summarit H ist die Bezeichnung von Leica für die Objektiv-Serie des Huawei-Smartphones. 1:2,2 steht für die Linsen-Apertur und 27 für das Äquivalent der Brennweite zur Vollformat-Kamera in Millimetern. ASPH bedeutet „Asphärische Linse„. Defacto kommen die Sensoren von Sony und die Linsen von Sunny Optical. „Made in Germany“ wie bei Leica eigentlich üblich sieht also anders aus. Ich hätte damit kein Problem, aber die Qualität der Bilder ist „frei gesprochen“ nicht der Rede wert.

Huawei P9

Die beiden Kameras lösen mit 12 Megapixel auf und bietet eine Blende von f/2.2. Damit dürfte dem Fachmann gleich klar werden, dass Aufnahmen bei Dunkelheit erst einmal nicht „der Burner“ werden. Die beiden Kameras ergänzen sich allerdings und ermöglichen so eine „virtuelle“ Blende von F/0.95 vis F/16. Die Software der Kamera addiert die jeweiligen Lichtinformationen der Sensoren zu einem Gesamtpaket. Was jetzt ziemlich geil klingt, ergibt in der Realität trotzdem oft unscharfe Bereiche. Die Software selbst bearbeitet die abgespeicherten Bilder stark nach. „Virtuell“ ist es nicht real. Man kann die Aufnahmen auch im RAW-Format mit 24Bit im sRGB-Farbraum abspeichern. Die Tiefenschärfe kann man nachträglich verändern: nettes Feature.

cofNeben den üblichen Features, wie HDR-Modus, Panorma-Modus und einer Bildverschönerung bietet das Huawei P9 auch nette Spielereien bei Dunkelheit. Zahlreiche Nachtmodi vereinfachen und verschönern die Aufnahmen bei Nacht. So kann man beispielsweise einige „Bilder in die Nacht zeichnen“. Man nehme eine Lichtquelle und male fröhlich in der Luft herum. Die Kamera des P9 berechnet dabei automatisch die passende Verschlusszeit und den ISO-Wert. Das klappt wegen der langen Belichtungszeit aber nur mit einem Stativ. So kann man beispielsweise auch die Lampen von Autos in eine Art Lichtschlange verwandeln.

Die Kamera auf der Vorderseite löst mit 8 Megapixel auf und sorgt für exzellente Selfies, Wefies und Co. Die Qualität der Kamera finde ich insgesamt gut, aber für eine Leica nicht überzeugend. Die Bildqualität des Galaxy S7 ist in meinen Augen besser, gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen versagt die Leica-Automatik. Bei Dunkelheit leisten die beiden Sensoren dann aber eine gute Arbeit!

Konnektivität: Ist alles ok

Unterwegs kann ich über HSPA+ oder eben auch per LTE in der Cat 6 bzw. WLAN 802.11 /a/g/n/ac (2.4/5 GHz) im Internet surfen. Das klappte im Test völlig problemlos. Bei der Telekom kam ich in Münster auf knapp 89 mbit/s. Daten und Medien werden per Bluetooth 4.2 LE und NFC übertragen.  Die Sprachqualität des P9 ist gut, die Gesprächspartner tönten klar und deutlich aus dem Hörer. Dank der „Signal+“ genannten Technologie konnte ich bei mir auf dem Land den Empfang über o2 sogar verbessern. Das P9 unterstützt dabei die Erweiterung des internen Speichers über microSD-Karten (bis 200 GByte) und USB-OTG. Der durchschnittliche GPS-Fix war nach rund 5 Sekunden erledigt. Der SAR-Wert ist mit 1.59 W/kg allerdings enorm hoch!

Update: Im Test ist mir nach ein paar Wochen aufgefallen, dass das Huawei P9 bei Google Maps mitunter extrem heiß wird. Temperaturen von über 55 Grad sind dann keine Seltenheit. Auf die Funktion hat das zwar keine Auswirkungen, wohl aber auf die Haptik. Es wird dann noch etwas schlimmer, wenn man es gleichzeitig mit 2 Ampere auflädt! Das führt im Ergebnis zu einer Abwertung der Verarbeitung um 0,5 Punkte!

Sound & Musik: Geht in Ordnung

Der Musikplayer aus dem Hause Huawei zeigt den Interpreten und auch Playlisten, Genres und Albennamen an. Auch das in den Track integrierte Album-Cover wird korrekt angezeigt. Das P9 liefert — mit guten Kopfhörern — einen vernünftigen Sound. Der eingebaute Lautsprecher auf der Unterseite klingt hingegen etwas dünn.  Im direkten Vergleich mit den aktuellen Xperia-Modellen, dem Samsung S7 oder dem Apple iPhone ist der Klang aber nicht ganz so lebendig, voll und klar. Meine beiden Referenzgeräte, ein Cowon J3 und der Estarlab Monolith spielen in einer ganz anderen Liga.

Fazit: Leica hin oder her

Das Huawei P9 lieferte im Test eine gute Vorstellung ab. Mit aktuell Huawei_P9_Cyberport549 Euro ist es für die gebotene Leistung meiner Meinung nach aber noch zu teuer. Die beiden Kameras aus dem Hause Leica (oder zumindest das Know-how) machen zwar einen guten Eindruck, werden dem Image von Leica meinem Erachten nach aber nur bedingt (bei Dunkelheit) gerecht. Die Qualität der beiden Kameras ist definitiv nicht besser als beim Galaxy S7. Das 5,2 Zoll große Display samt Full-HD-Auflösung ist in dieser Preisklasse nichts besonderes mehr. Die Verarbeitungsqualität und auch die Haptik sind dafür wirklich super. Der Akku mit seinen 3.000 mAh hält das Huawei P9 zwischen einem und anderthalb Tagen am Leben. Galaxy S7, HTC 10, Huawei P9 oder LG G5? Aktuell würde ich zum S7 greifen, zumindest bis der Preis des Huawei P9 nochmals gesunken ist. Also in etwa 3-4 Wochen 😀

Update (13.05.16): Test mit aktueller Firmware (B136) und Retail-Hardware wiederholt.

Tags : HuaweiLeicaReviewSmartphone
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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