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LG G4 im Test: Die Kamera ist schon der Hammer

Das neue LG G4 wurde vor ein paar Wochen endlich offiziell vorgestellt und ist nun seit ein paar Tagen auch verfügbar. Zu einem Preis von 649 Euro (699 Euro mit Leder-Cover) bekommt man wieder ein 5,5 Zoll großes Display mit einer Auflösung von 1.440 x  2.560 Pixel. Diesmal allerdings mit deutlich erhöhter Helligkeit. Das knapp 148,9 x 76,7 x 9,8 mm und 155 Gramm schwere Flaggschiff ist im Vergleich zum Vorgänger, dem G3 (146,3 x 74,6 x 8,9 mm, 149 Gramm) kaum größer geworden. Das Gehäuse besteht hier auch wieder aus Kunststoff. Hat man sich für die knapp 50 Euro teurere Variante mit Leder-Cover entschieden, so kann man die Haptik deutlich verbessern. Aber auch diese Cover ist im Endeffekt nur mit Leder überzogen. Die Kamera auf der Rückseite löst mit 16 Megapixel auf, nutzt einen einfachen Blitz mit einem neuen Color-Spectrum-Sensor sowie einen optischen Bildstabilisator und den Laser-Fokus. Videos zeichnet sie auf Wunsch in 4K (UHD) auf. Bei der CPU setzt der Hersteller auf einen Snapdragon 808 mit 1.8 GHz je Kern und davon hat er sechs. Der Arbeitsspeicher beträgt immer 3 GByte. Der interne Speicher dafür 32 GByte. Natürlich kann man ihn ganz einfach per MicroSD-Karten um weitere 2 Terrabyte! erweitern. Mein Testgerät wurde mit dankenswerterweise von Cyberport.de zur Verfügung gestellt.

Design & Haptik

Der „Rear Key“ auf der Rückseite befindet sich direkt unterhalb der Kameralinse. Glaubt man dem Hersteller, dann soll man ihn dadurch besser bedienen können als bei den Modellen der Konkurrenz. Während des Tests habe ich mich recht schnell an die etwas ungewöhnliche Position der Drücker gewöhnt. So konnte ich während der Telefonate zum Beispiel die Lautstärke schneller anpassen und beim Einsatz meines Controllers (MOGA (Pro)) drückt dessen Halterung nicht auf seitliche Tasten. Über den „KnockOn“ kann man sein LG G4 durch einen doppelten Tipp auf den Bildschirm aufwecken. Dank „KnockCode“ kann man es über ein zuvor selbst festgelegtes Klopfmuster sogar direkt entsperren. Will man es wieder in den Standby befördern, dann wiederholt man das Ganze einfach nochmals auf der Statusleiste oder einen freien Bereich auf dem Homescreen. Auch Selbstportraits gelingen einfacher, denn der Ein-/Ausschalter fungiert auch als Kameraauslöser. Drückt man den Leiser-Taster zweimal hintereinander, so startet die Kamera und macht auch direkt eine Aufnahme. Das funktioniert aber nur solange der Musikplayer ruht.

Drückt man den Lautstärkeregler nach oben zweimal kurz hintereinander, so startet die praktische Notizen-App. Auf der kann ich mit dem Finger schnell mal was notieren. So hat man seinen Einkaufszettel in Sekunden erledigt. Auf der Unterseite findet man den USB-Port und die Klinkenbuchse sowie Lautsprecher und Mikrofon.  Die Verarbeitung des G4 hinterlässt einen guten Eindruck. Mein Testgerät knarzt nicht wenn man auf die Rückseite drückt. Das Backcover kann man im Gegensatz selber öffnen. So kann man auch problemlos den 3.000 mAh starken Akku wechseln und bekommt Zugang zur Micro-SIM und MicroSD-Speicherkarte.

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Die Benachrichtigungs-LED befindet sich beim LG G4 gut sichtbar am linken, oberen Gehäuserand und informiert den Nutzer über nahezu jedes (entgangene) Ereignis.

Technik

Bildschirm 5,5 Zoll Quantum-Display mit WQHD-Auflösung (1.440 x 2.560 Pixel) bei 538 ppi
Prozessor Snapdragon 808 Hexa Core (64 Bit)
GPU Adreno 418
Arbeitsspeicher 3 GB
Medienspeicher 32 GB (per MicroSD-Karte erweiterbar), davon rund 22 GByte frei
Hauptkamera 16 Megapixel mit OIS 2.0 und f/1,8-Blende
Frontkamera 8 MP f/2.0-Blende
Akku 3.000 mAh (selbst wechselbar)
Konnektivität Bluetooth 4.1, NFC, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac, GPS, LTE Cat. 9
Maße 148,9 x 76,1 x 6,3 – 9,8 Millimeter
Gewicht 155 Gramm
Betriebssystem Android 5.1 Lollipop mit LG UX 4.0
Farben Metallic-Silber, Metallic-Gold, Keramik-Weiß; Leder-Cover: Schwarz, Braun, Rot, Himmelblau, Gelb

Lieferumfang

Das LG G4 kommt in einer rot-weißen Verpackung aus Karton daher. Im Inneren findet man das Smartphone,  die Ohrstöpsel, ein Ladegerät, ein Lade/-Datenkabel sowie eine Kurzanleitung. Wer sich für die Ledervariante des G4 entschieden hat, bekommt noch ein goldfarbenes Backcover zum Wechseln dazu. Bei unserem Testgerät handelt es sich um die graue Variante (Metallic Grey bzw. Gris Metal), diese sieht aber auch ein wenig wie Titan aus. Wertig wirkt es jedenfalls nicht.

Display

Der 5,5 Zoll große Bildschirm ist im Vergleich zum Vorgänger weder größer, noch nutzt er eine höhere Auflösung. Trotzdem – und gerade das ist auch wirklich notwendig gewesen – ist er deutlich heller. Die immer noch sehr von 1.440 x 2.560 Pixel (538 ppi) ist ein absoluter Augenschmaus. Der Touchscreen selbst ist übrigens ganz leicht gebogen. Nicht so wie beim LG Flex 2, aber dennoch sichtbar. Er nimmt nahezu die komplette Vorderseite des Smartphones in Beschlag. Das G4 nutzt nun ein IPS Quantum Display. Damit will der Hersteller nach eigenen Angaben eine um 56% besser Farbdarstellung erreichen und die Helligkeit um 25% erhöhen. Letzteres ist sofort sichtbar. Farben und Kontraste sehen auf dem Display des LG G4 tatsächlich beeindruckend aus. Meine Testbilder wirken natürlich, fast lebendig. Allerdings hat die Konkurrenz aus dem Hause Samsung das auch ziemlich gut im Griff 😀 Wer mag, kann den Touchscreen auch mit feuchten Händen bedienen. Sei es jetzt vor Vorfreude oder nach dem Duschen. Nur unter Wasser sollte man es nicht halten!

Kamera

Die Kamera des LG G4 bietet eine Optik mit 16 Megapixeln, einen LED-Blitzlicht auf der rechten Seite und einen Laser-Autofokus auf der linken Seite. Durch den neuen Fokus schaltet die Kamera fix scharf und ermöglicht so einen schnellen Wechsel zwischen den Motiven. Neu hinzugekommen ist beim LG G4 ein Color-Spectrum-Sensor. Der befindet sich unter dem Blitz und soll die RGB-Werte des Umgebungslichts und des reflektierenden Infrarotlicht der Kamera messen. Aus den Ergebnissen berechnet die Software dann die für den Weißabgleich optimale Farbe des Blitzes. Das Resultat sind Bilder mit deutlich realistischeren Farben. Insgesamt gelingen damit sehr scharfe und detailreiche Aufnahmen. Die Farbdarstellung wirkt sehr natürlich und auch die Bildschärfe geht in Ordnung. Im Dual-Kamera-Modus kann man gleichzeitig Bilder mit der Front- und Hauptkamera aufzeichnen.

LG G4 Screenshot LG G4 Screenshot

Die Qualität der Video-Aufnahmen des LG G4 hat mir gut gefallen. Videos zeichnet man in 4K oder 3.840 x 2.160 Pixel oder eben in Full-HD auf. Wie beim OnePlus One oder Samsung Xperia Z3 liegt die Aufnahmebegrenzung im 4K-Modus aber bei 5 Minuten, da das Smartphone sonst zu heiß wird. Im FullHD-Modus sorgt ein optischer Bildstabilisator in der Version 2.0 gerade bei Dunkelheit für gute Ergebnisse. Der neue OIS-2.0-Bildstabilisator unterstützt nun nach Angaben de Herstellers eine Neigung von zwei statt von nur einem Grad und soll dadurch Verwacklungen doppelt so gut ausgleichen. Das ist natürlich praktisch, wenn man selbst sowie das Motiv in Bewegung ist. Leider klappte das im Test nicht wirklich so überzeugend. Da scheint die Werbung den Mund etwas zu voll zu nehmen. Man sollte sich also tunlichst nicht bewegen.

LG G4 Screenshot LG G4 Screenshot
Die Kamera-App selber ist intuitiv und ähnlich aufgebaut wie bei Samsung. So hat man nach dem Start die Qual der Wahl und kann aus zahlreichen Szene-Modi und manuellen Einstellungsmöglichkeiten für Timer, Helligkeit, Fokus und Co wählen. Auf Wunsch kann man die Kamera sogar durch Sprachkommandos ala „Cheese“ oder „LG“ auslösen. Die Bildqualität ist in meinen Augen der Hammer. Aber macht euch doch lieber selber einen Eindruck davon.

LG G4 Screenshot

Im sogenannten Expertenmodus kann  ich auf nahezu alle Einstellungen wie z. B. Belichtungszeit und -wert oder Weißabgleich manuell Einfluss nehmen. Zudem kann ich Fotos bei Bedarf auch im unverfälschten RAW-Format abspeichern und später per Photoshop oder Lightroom bearbeiten. Über ein Histogramm bekommen ich eine detaillierte Farb- und Belichtungsanalyse. Besser geht es nicht! Aber macht euch doch hier selber einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit

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Multimedia

Der Musikplayer von LG ist optisch schlicht aber nett anzusehen. Hier bekommt man alle wichtigen Informationen zum Album bzw. Track geliefert. Der MP3-Player bietet einige (in meinen Ohren aber weniger überzeugende) Klang-Presets an. Wer mag, kann sogar die Klanghöhe und die Geschwindigkeit anpassen.  So liefert das LG G4 schon mit den mitgelieferten Kopfhörern einen guten Klang. Kauft man sich hochwertigere Modelle, so steigt auch die Klangqualität leicht mit an. Im direkten Vergleich mit den Apple iPhone 6 ist der Sound aber nicht ganz so linear. Auch das Sony Xperia Z3, Oppo Find 7 oder Galaxy S6 liefern einen besseren und vor allen Dingen kräftigeren Sound aus den Kopfhörern. Das gilt aber nicht für den Lautsprecher des G3. Dessen Klang ist erstaunlich gut und ausreichend laut. Mit dem HTC One M9 kann er aber klanglich trotzdem nicht mithalten. Videos spielt das G4 in den gängigeren Formaten auch im Querformat ab. Ein FM-Radio sorgt unterwegs für die aktuellen Fußballergebnisse.

Akku, Konnektivität und Gesprächsqualität

Der wechselbare Akku hat eine Kapazität von 3.000 mAh. Mit dem G4 kommt man als Poweruser so gerade einen Arbeitstag ohne Steckdose aus. Dabei zeichnet sich – neben dem sehr hellen Display – auch die CPU als der größte Stromverbraucher aus. Reduziert man die Displayhelligkeit, so verlängert sich die Akkulaufzeit deutlich. Wer gerne Videos schaut, der wird sich nach etwa 5 Stunden nach einer Lademöglichkeit umsehen müssen. Praktischerweise kann man das LG G4 ab Werk schnell per Qualcomms Schnellladetechnologie Quick Charge 2.0 betanken. Das mitgelieferte Ladegerät lädt das G4 nach knapp 1,5 Stunden komplett auf. Den Qi-Standard unterstützt das G4 zwar, dazu muss man sich aber ein spezielles Cover (Quick Circle Case) sowie eine Ladestation kaufen.

Beim Telefonieren mit dem LG G4 kann man seine Gesprächsteilnehmer gut verstehen. Das gilt auch für die eigene Übertragungsqualität. Dank der beiden Mikrofone werden Störgeräusche zwar gefiltert, die Qualität hat aber dennoch leichte Einbrüche zu verzeichnen. Der Empfang ist im Vergleich zum Samsung Galaxy S6 nicht besser. Daten werden beim LG G4 entweder über Micro-USB oder über Bluetooth 4.1 bzw. NFC übertragen. Über den an der Oberseite angebrachten IR-Sensor kann man seine Stereoanlage oder kompatible Geräte fernbedienen. Wer im Internet surft, wird sich über WLAN a/b/g/n/ac (2.4 und  5 GHz) sowie HSPA+ (bis 42 MBit/s Download) und LTE in der Cat 9 (bis zu 300 mbit/s) freuen. Der integrierte GPS-Empfänger kommt mit GLONASS-Unterstützung daher.

Benchmarks

LG G4 Screenshot
Der Snapdragon 808 des G4 gebietet „nur“ über sechs statt acht Kernen (Snapdragon 810). Vier A53- und zwei A57-Kerne. Die Taktrate der CPU beträgt bis zu 1,8 GHz. Im ersten Test erreicht das G4 mit seinem Snapdragon 808 im Geekbench 3 einen Single-Core-Wert von 1.088 Punkten, das Xiaomi Mi Note Pro mit seinem Snapdragon 810 kam auf 1.221 Zähler. Im Multi-Core gab es beim Snapdragon 808 3.589 Zähler, während der Snapdragon 810 auf 3.982 Punkte kam. Sobald der Snapdragon 810 aber warm wird (nach ca. 15 Minuten Modern Combat 5) reduzieren sich die Ergebnisse um 20 – 50 %. Dann hat der Snapdragon 808 klar die Nase vorn.

Menü

LG G4 Screenshot LG G4 Screenshot LG G4 Screenshot
Die hauseigene Benutzeroberfläche UX4 hat LG im Vergleich zum G3 nur wenig verändert. Das Material-Design kann man über Themen personalisieren.  Die Icons sind nun (wieder) durchgängig eckig. Auf dem ersten Homescreen sieht man wieder das Wetter- und Smart Notice-Widget. Wischt man weiter nach links, so kommt man zum Smart Bulletin genannten Bildschirm. Hier werden die Kalendereinträge, Daten von LG Health sowie die Smart Settings in einzelnen Reitern zusammengefasst. Über die Smart Settings kann man bestimmte Funktionen auf dem G4 automatisch Ein- und Ausschalten. Je nach Aufenthaltsort kann ich so zum Beispiel auch mein WLAN-Betrieb beim Betreten der heimischen vier Wände aktivieren. Über Smart Notice bekommt man mehr oder weniger hilfreiche Informationen angezeigt. das funktioniert ähnlich wie Google Now.
LG G4 Screenshot LG G4 Screenshot LG G4 Screenshot

Mit Dabei sind wieder Knock On und Knock Code für das einfache Einschalten und Entsperren des Smartphones und auch das bereits vom G3 bekannte „Dual-Windows“ ist wieder da. Damit kann man – sofern es die Apps unterstützen (Notizen, Taschenrechner, Videoplayer oder auch den Webbrowser) – eine Art Fenstermodus aktivieren. Die Apps laufen dann quasi „Bild-in-Bild“. Die Fenster kann man verschieben und auch die Transparenz kann man variieren. Daneben findet man auch eine Kontaktverwaltung, einen Kalender, einen Musikplayer, eine Uhr mit Weckfunktion, einen Dokumentenbetrachter (Word, Excel, Powerpoint, PDF), Notizen-Apps (Notebook, Notizen und QuickMemo) und dergleichen mehr. Auch an die Fernbedienung-App für den eingebauten IR-Blaster hat man gedacht.

LG G4 Screenshot LG G4 Screenshot

Mit LG Health kann man – wie beim Galaxy S6 – Schritte zählen und die zurückgelegte Strecke errechnen und somit auf die damit verbrauchten Kalorien zurückschließen. Gerade in Verbindung mit dem Fitnessarmband von LG keine schlechte Sache.

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Fazit

LG präsentiert mit dem G4 eine gute Alternative zum Galaxy S6 oder HTC One M9. Der neue Snapdragon 808 mit seinen sechs Kernen ist ein schneller Prozessor und überhitzt nicht. Das neue Display ist heller und löst immer noch verdammt hoch auf.  Das Betriebssystem Android 5.1 und die leicht verspielt wirkende Benutzeroberfläche des LG G4 leidet nicht mehr unter Rucklern. Alle getesteten Spiele und Apps liefen absolut flüssig und auch die Benchmarkergebnisse sind super. Die 16-Megapixel-Kamera mit Laser-Autofokus und OIS 2.0n liefert erstklassige Bilder in sehr hoher Qualität, gerade bei einsetzender Dunkelheit sind die Aufnahmen nun deutlich besser und realistischer. Die Bedienung über die rückseitigen Tasten ist durchdacht, aber immer noch etwas gewöhnungsbedürftig. Für knapp 630 Euro bekommt man ein wirklich gutes Smartphone mit der – nach meiner Meinung – besten Kamera auf dem Markt (wenn man mal vom  Nokia Pureview 808 absieht). Gestört hat mich persönlich eigentlich nur der Akkudeckel aus Plastik, aber es gibt ja auch eine Variante mit Leder. Wer mobile-reviews.de unterstützen will, der kauft sich sein LG G4 zum Beispel bei Cyberport.de.

Tags : LG
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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