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LG G5 im Test: Ungewöhnlich aber auch empfehlenswert?

Das neue LG G5 ist immer noch nicht überall in ausreichender Stückzahl verfügbar. Warum auch immer. Liegt es an der Attraktivität, dem ungewöhnlichen „Magic Slot“ oder eher an der schon im Vorfeld diskutierten Haptik und den Verarbeitungsmängeln der Testgeräte? Das eigentliche Gehäuse aus Aluminium wurde nämlich mit einer dicken Schicht aus  Grundierung und Lack versehen, der Übergang vom Magic Slot zum Gehäuse ist unsauber. Aber lest doch einfach meinen ausführlichen Test.

LG G5 und das Design: Ist es schön?

Eher nicht.  Das LG G5 ist weder besonders aufregend noch besonders langweilig. Das Smartphone selbst fühlt sich ein wenig „plastikartig“ an. Das mag an der dicken Schicht aus einer Kunststoffgrundierung und Lack auf der eigentlichen Aluminiumlegierung (LM201) liegen. Die wurde übrigens im Druckgussverfahren geformt und nicht aus einem Block gefräst wie beim HTC 10. Trotzdem kann man den Metallstreifen der Antenne auf der Rückseite noch recht gut spüren, wenn man mit dem Finger darüber streicht.

LG hat sich mit dieser Art der Beschichtung keinen Gefallen getan. Sie wirkt nicht hochwertig und kann auch nicht unbedingt mit der Lackschicht bei einem Auto verglichen werden. Die beiden Objektive der Kameras auf der Rückseite stehen zudem aus dem Gehäuse hervor. Legt man das G5 auf die Rückseite, dann wackelt es hin und her.

Unter den Kameras befindet sich der kreisförmig gestaltete Fingerabdrucksensor mit LG G5integriertem Ein-/Ausschalter, der im Test keinen Anlass zur Klage gab. Mal abgesehen davon, dass er beim „Smartphone-Schüttelwettbewerb“ klappert. Aber das kennen wir auch schon von Apple 😀 Den „Rear Key“ des LG G4 haben die Designer wegrationalisiert 😀

Die Laut-/Leisetaste liegt nun auf der linken Gehäuseseite, der Schacht für die nano-SIM und MicroSD-Karte (bis zu 200 GByte) befindet sich hingegen auf der rechten Seite. Die mitgelieferten Kopfhörer werden auf der Oberseite eingestöpselt. Dort findet man auch eines der beiden Mikrofone sowie den beliebten IR-Sender.

Die Unterseite ist eigentlich unspektakulär, wenn man mal vom Magic Slot absieht. Hier findet das Auge nur einen USB-Typ-C-Anschluss, einen Lautsprecher und ein weiteres Mikrofon. Der Öffnungsmechanismus für den Magic Slot selbst befindet sich auf der linken, unteren Seite des G5. Drückt man ihn, so kann man die Unterseite komplett öffnen und so beispielsweise das Modul mit dem Akku entfernen. Ein modulares Smartphone ist das LG G5 aber deswegen nicht! Leider wirkt gerade dieser Mechanismus etwas instabil und wenig nachhaltig. Designbedingt hat er auch eine weitere Schwachstelle: Der Übergang zwischen Magic Slot und  Metallgehäuse ist gut spürbar und mit unschönen Spaltmaßen gesegnet.

LG G5 Display: 1.440 x 2.560 Pixel und Always-On

Das Display des LG G5 löst mit 1.440 x 2.560 Pixel auf und entspricht damit dem G4. Allerdings beträgt die Diagonale nun nur noch 5,3-Zoll. Damit erhöht sich die Pixeldichte auf 554 ppi. In der Realität sieht man aber davon nur dann etwas, wenn mal adlergleiche Augen sein eigen nennt. Der Kontrast ist hingegen sehr hoch.

Das Display ist auf keinen Fall schlechter als beim Samsung Galaxy S7, die Farbdarstellung ist aber eine andere. Weniger kräftig, eher gemütlich. Das Always-on-Display des G5 profitiert nicht von den AMOLED-Technik. So kann man nicht einfach nur die weißen Pixel beleuchten, sondern muss das ganze Display aktivieren. Um Strom zu sparen, setzt LG zum einen die Lichtstärke auf ein Minimum herunter und aktiviert zu anderen nur das erste Drittel vom Display. Das spart zwar Akkuleistung, gleichzeitig kann man das Always-On bei Sonneneinstrahlung aber eher als „Always-unlesbar“ bezeichnen. Schon in einem hellen Büro kann man es kaum noch erkennen. Erfreulicherweise kann man es aber auch komplett in den Einstellungen – Anzeige abschalten. Ist mit einer Benachrichtigungs-LED imho irgendwie nutzlos. Immerhin das Always-On beim LG G5 neben Uhrzeit und Datum auch entgangene E-Mails, Anrufe UND Nachrichten aus WhatsApp, Facebook und Co an. Samsung kann also noch was lernen.

Android 6.0.1 und die LG Benutzeroberfläche

Mein Gott ist die Benutzeroberfläche namens UX 4.0 hässlich. Als Basis dient zwar diesmal Android 6.0.1 mit dem Sicherheits-Patch-Level vom 01. März 2016 aber der LG Home 4.0 Launcher sieht immer noch „überladen“ aus. Ein App-Drawer fehlt ab Werk, kann aber in den Einstellungen des LG G5 wieder aktiviert werden, wenn man ihn in der (lahmen) LG Smartworld runtergeladen hat (LG Home 4.) Bedient wird Android 6 über die drei Softkeys am unteren Rand.

Auch die Smart-Bulletin sind nach dem Auspacken erst einmal deaktiviert und die Darstellung per MultiWindows hat man gleich komplett über Bord geschmissen. Das LG G5 kann aber auch weiterhin per Doppel-Tap (Knock-on) auf das Display aufgeweckt und per Knock-Code entsperrt werden. Man bekommt in meinem Videoreview auf YouTube einen Eindruck vom LG G5:

Die Icons sind beim neuen UX 4.0 leicht abgerundet. Über verschiedene  „Themen“ kann man sie aber verändern, leider ist die Auswahl ziemlich kitschig. Die Smart Settings ermöglichen es, bestimmte Funktionen auf dem G5 automatisch ein- und ausschalten. Je nach Aufenthaltsort kann ich so zum Beispiel auch mein WLAN-Betrieb beim Betreten der heimischen vier Wände aktivieren. Über Smart Notice bekommt man mehr oder weniger hilfreiche Informationen angezeigt. Das funktioniert ähnlich wie bei Google Now. Dank LG Health kann man – wie beim Galaxy S7 und dem S Health – Schritte zählen und die zurückgelegte Strecke errechnen.

Performance & Akku: Das LG G5 kann überzeugen

LG G5 UX4LG setzt beim G5 auf einen Qualcomm® Snapdragon™ 820 (MSM8996) mit 2,15 GHz. Der kommt auch schon beim Xiaomi Mi5 zum Einsatz und verhilft dem neuen Flaggschiff im aktuellen AnTuTu – nicht zuletzt aufgrund der 4 GByte Arbeitsspeicher – zu ansehnlichen Ergebnissen (134.0538 Punkte). Im Geekbench 3 reicht es für 2.321 im Single Core und 5.336 im Multi-Core. Alle von mir getesteten Spiele aus dem Hause Gameloft und Co liefen absolut ruckelfrei. Die CPU wird unter Last allerdings bis zu 45 Grad warm gemessen mit der App CPU-Z). Dank der „dicken“ Isolierung des LG G5 ist da dann aber weniger „dramatisch“ als bei meinem Xiaomi Mi5 😀

Der wechselbare Akku mit seinen 2.800 mAh hielt im Test knapp 8 Stunden am Stück (Videos) durch. Das Always-On-Display verbrät dabei etwa 1 % seiner Leistung je Stunde. Am Ende des Tages war mein Smartphone meist noch zu 20% geladen. Das mitgelieferte Ladegerät (QuickCharge 2.0) von LG sorgt dafür, dass die Kraftzelle nach etwas über 2 Stunden wieder voll einsatzbereit war. Mit meinem QuickCharge-3.0-konformen Ladegerät war ich bereits nach 1 Stunde 40 Minuten fertig. Ein zweiter Akku kostet übrigens 30 Euro, kann aber nur schlecht ohne den Magic Slot geladen werden 😀

Konnektivität: Fingerabdrucksensor, LTE und gute Gesprächsqualität

Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite reagiert auf leichtes Streicheln. Druck benötigt man nur beim Neustart 😀 Die Gesprächsqualität im Netz der Telekom und Vodafone war im Test gut. Die Empfangs-/ und Sendeleistung ebenfalls auf einem guten Niveau. Die Anzeige schwindelt dabei allerdings sehr stark, die Anzahl der Balken stimmt nicht mit dem tatsächlichen Empfang überein. Neben UMTS und HSPA+ wird auch LTE in der Cat 6 mit bis zu 300 mbit/s unterstützt. Der SAR-Wert beträgt allerdings 0,737 W/Kg.

Der interne Speicher von 32 GByte kann zwar über micro-SD-Karten um weitere 200 GByte aufgebohrt werden, dann allerdings nicht als „Adoptable (SD) Memory“ genutzt werden. So kann man die Speicherkarte erst einmal nicht als „internen“ Speicher formatieren und damit auch die Apps dort ablegen. Das klappt – wie bim Galaxy S7 – nur mit diesem Trick.

Magic Slot ist weniger Magie als Kompromiss

LG G5 KameraModulDie Besonderheit des LG G5 ist der neue Magic Slot, mit dessen Hilfe man einige Funktionen beim G5 erweitern kann. Ein modulares Smartphone ist es deswegen aber nicht. Hat man den Entriegelungsmechanismus auf der linken Seite betätigt, dann kann man den unteren Teil des LG G5 herausziehen. Gerade der Übergang vom Gehäuse zum entnehmbaren Teil ist aber unsauber. Die Kanten werden nicht fortgesetzt, die Winkel stimmen nicht und LG G5der komplette Schacht läßt sich bewegen.

In einem Trägermodul befindet sich dann zum Beispiel der Akku, oder ein Kameragriff mit integriertem Akku (1.200 mAh). Ein weiteres Modul wurde in Zusammenarbeit mit den Klangfreaks von B&O entwickelt. Es beinhaltet (für stolze 140 Euro) einen 32-Bit DAC der für einen besseren Sound sorgen soll. Zumindest dann, wenn man entsprechende Kopfhörer und Klangmaterial mit 384 kHz einsetzt. Es gibt Smartphones von Xiaomi, die haben ab Werk so einen DAC.

Bei jedem Wechsel des Moduls muss das G5 abgeschaltet werde. Hot Swap ist nicht vorgesehen! Neben den beiden zuvor erwähnte Modulen soll es bald auch eine 360-Grad-Kamera geben. Ach ja, und eine kabelgebundene VR-Brille.

LG G5: Zwei Kameras, ein Ergebnis

Das G5 bietet zwei Kameras, eine mit einer Auflösung von 16 Megapixel und 78 Grad Weitwinkel und eine weitere mit 8 Megapixel und 135 Grad Weitwinkelobjektiv. Eine interessante Zusammenstellung, dessen Sinn sich einem nicht sofort auf den ersten Blick  erschließt.

Die normale Kamera mit ihren 16 Megapixel entspricht von der Leistungsfähigkeit her der des G4.  Der Laser-Auto-Fokus ist fix und ermöglicht so einen schnellen Wechsel zwischen den Motiven. Neu hinzugekommen ist beim LG G5 ein Color-Spectrum-Sensor. Der befindet sich unter dem Blitz und soll die RGB-Werte des Umgebungslichts und des reflektierenden Infrarotlicht der Kamera messen. Aus den Ergebnissen berechnet die Software dann die für den Weißabgleich optimale Farbe des Blitzes. Das Resultat sind Bilder mit deutlich realistischeren Farben.

LG G5

Insgesamt gelingen mit der Kamera scharfe und detailreiche Aufnahmen. Die Farbdarstellung wirkt sehr natürlich und auch die Bildschärfe geht in Ordnung. Im Multi-View-Modus kann man gleichzeitig Bilder mit der Front- und den beiden Hauptkamera aufzeichnen. Im Modus „Popout“ wird gleichzeitig mit der 16 als auch mit der 8-Megapixel-Kamera ein Foto gemacht und dann der Bildausschnitt der 16-Megapixel-Kamera in das Gesamtbild der 8-Megapixel-Weitwinkel-Kamera kopiert.

LG G5 UX4Die Qualität der Video-Aufnahmen des LG G5 hat mir gut gefallen. Videos zeichnet man in 4K oder 3.840 x 2.160 Pixel oder eben in Full-HD auf.  Im Full-HD-Modus sorgt ein optischer Bildstabilisator in der Version 2.0 gerade bei Dunkelheit für gute Ergebnisse. Der Bildstabilisator funktioniert bis zu einer Neigung von zwei Grad und soll dadurch Verwacklungen ausgleichen. Das ist natürlich praktisch, wenn man selbst sowie das Motiv in Bewegung ist.

Die Kamera-App selber ist intuitiv und ähnlich aufgebaut wie bei Samsung. So hat manLG G5 UX4 nach dem Start die Qual der Wahl und kann aus zahlreichen Szene-Modi und manuellen Einstellungsmöglichkeiten für Timer, Helligkeit, Fokus und Co wählen. Daneben gibt es noch einen FishEye-Modus oder Bilder in Schwarz-Weiss.

Im sogenannten Expertenmodus kann  ich auf nahezu alle Einstellungen wie z. B. Belichtungszeit und -wert oder Weißabgleich manuell Einfluss nehmen. Zudem kann ich Fotos bei Bedarf auch im unverfälschten RAW-Format abspeichern und später per Photoshop oder Lightroom bearbeiten. Über ein Histogramm bekommen ich eine detaillierte Farb- und Belichtungsanalyse. Die Kamera auf der Vorderseite löst Selfies übrigens mit 8 Megapixel auf!

Fazit: Ungewöhnlich aber nicht unbedingt empfehlenswert

So richtig begeistert hat mich das G5 nicht. Die Performance ist auf einem hohen Niveau, die Akkulaufzeit geht so in Ordnung. Die beiden Kameras sind ein netter Gag, so richtig Spaß kommt nur mit der 16-Megapixel-Kamera auf und die gab es schon beim LG G4. Die neuen Zusatzmodule sind ein netter Gag, stehen aktuell aber noch gar nicht zur Verfügung. Ob es abseits vom Camera-Griff und dem Hifi-Modul von B&O noch weitere geben wird, steht auch in den Sternen. Bei der Verarbeitung und der Haptik muss man – gerade im Vergleich zum Galaxy S7 – Abstriche machen. Schön ist der wechselbare Akku, aber bei einem Preis von 699 Euro würde ich aktuell trotzdem (noch) nicht zuschlagen.

Tags : LGReviewSmartphone
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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