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LG G6 im Test: Knapp daneben ist auch vorbei?

LG hat das G6 zwar schon auf dem Mobile World Congress in Barcelona vorgestellt, es aber trotzdem erst am 24.04.17 auf den Mark gebracht. Viele Tage nach dem Samsung Galaxy S8. So hat man unnötig Aufmerksamkeit verschenkt und das ist schade, denn technisch bietet das LG G6 ein 5,7 Zoll großes QuadHD-Display in einem wasserdichten Gehäuse. Das Ganze gepaart mit einem Snapdragon 821 und einer Dual-Kamera klingt vielversprechend, aber ist es das für > 700 Euro auch?

LG G6 Design: Glas und Metall mit IP68

Das Gehäuse des LG kommt wahlweise in Schwarz, Silber oder Weiss daher, ist aber bei allen drei Versionen nach IP68 zertifiziert und damit grundsätzlich staub- und wasserdicht. Zumindest in einer maximalen Tiefe von 1,5 Meter für rund 30 Minuten. Die Vorderseite mit dem 5,7 Zoll großen Quad-HD-Display besteht natürlich aus Glas, alles andere wäre ja auch Blödsinn. Aber auch bei der Rückseite hat LG kein Erbarmen mit uns Tollpatschen und setzt voll und ganz auf das recht “spröde” Material. Wobei, eigentlich ist das G6 sogar nach MIL-STD-810G gegen Schläge geschützt. Ob der Hersteller wohl was dagegen hat, wenn ich es die Tage mal teste? 😀 So kostet mein weißes Testsample zum Beispiel bei notebooksbilliger.de nur rund 706 Euro. Silber (Ice Platinum) ist mit 749 Euro noch deutlich teurer. Die Preise sind aber zurzeit “im freien Fall”.

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Der Rahmen des knapp 148,9 x 71,9 x 7,9 Millimeter großen und 163 Gramm schweren LG G6 besteht trendgemäß aus Metall. Leider ist der Übergang dahin aber nicht ganz so fliessend, wie bei den Modellen der Konkurrenz. Die heutzutage “2.5D” genannte Glasbiegung fehlt auf der Vorderseite schlicht. Die Rückseite ist hingegen leicht geschwungen. Ein kleiner Schönheitsfehler, der aber nicht stark ins Gewicht fällt.

Das Design ist – abgesehen vom abgerundeten Display – guter Standard. Den Einschub für die nano-SIM/microSD findet man auf der rechten Seite des Rahmens. Lautstärker-Taster liegen auf der linken Seite und der Ein-/Ausschalter samt Fingerabdruckscanner befindet sich auf der Rückseite, direkt unter der Dual-Kamera.

5,7 Zoll Display mit 1.440 x 2.880 Pixel und 18:9,5

Das 5,7 Zoll große FullVision QHD+ In-Cell Touch Display des LG G6 löst mit standesgemäßen 1.440 x 2.880 Pixel (564 ppi) auf, nutzt aber das eher ungewöhnliche Seitenverhältnis von 18:9,5. Die Screen to Body Ratio beträgt damit 80 %, liegt also deutlich unter einem Xiaomi Mi Mix. Die Farbdarstellung ist für ein IPS sehr kräftig, aber nicht unnatürlich grell wie bei einem Samsung. Das Display selber beherrscht neben Dolby Vision auch HDR10. Letzteres konnte ich – trotz meiner Prime-Mitgliedschaft bei Amazon – aber aufgrund fehlender Streams nicht testen.

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Obwohl LG kein AMOLED verbaut hat, gibt es trotzdem ein Always-on-Display. Neben dem Akkustand zeigt das Display also permanent auch Datum, Uhrzeit und eingehende Benachrichtigungen in Form der dafür gängigen Symbole an. Natürlich findet man in den Einstellungen auch eine “Nachtmodus” mit reduziertem Blauanteil.

“Highlight” des Displays sind die abgerundeten Ecken. Leider sind man hier – im Gegensatz zu Softwarelösungen wie Cornerfly – auch eine leichte Treppenbildung.  Und leider ist der Rahmen rund um das Display auch gut sichtbar und im Vergleich zu Xiaomi Mi Mix und Galaxy S8+ – mit etwas über 2 mm – auch ziemlich dick. Apps kann man sowohl im bewährten 16:9-Format mit Rändern, als auch im 16,7:9-Format mit dünneren Rändern und – sofern unterstützt – im neuen 18:9-Format bildschirmfüllend anzeigen lassen. Da müssen die Programmierer bei ihren Apps dann zukünftig dran denken.

Das Display kann natürlich per Doppel-Tap aktiviert werden.

Performance & Akku: Standard aus 2016

Das LG G6 nutzt den nicht mehr ganz aktuellen,dafür aber immer noch sehr schnellen Snapdragon 821 mit vier Kernen zu 2,35 GHz. Der ist ehrlich gesagt zwar nur unwesentlich langsamer als sein Nachfolger, dafür aber in hohen Stückzahlen verfügbar. Der brandneue Qualcomm-Chipsatz wär dennoch die klügere Entscheidung gewesen, denn so kommt bei den Käufer das Gefühl auf, nicht die absolute HighEnd-Ausstattung zu bekommen. Zumal LG hierzulande sowohl auf einen HiFi-DAC als auch auf 64 GByte Speicher verzichtet hat.

Die hauseigene Nutzeroberfläche läuft aber tadellos und auch die Benchmark-Ergebnisse können sich sehen lassen. Rund 155.000 Punkte im AnTuTu, sowie 1.800 Punkte im Single-Core und rund 4.300 im Multi-Core des Geekbench 4.

Der fest verbaute Akku leistet im LG G6 3.300 mAh (500 mAh mehr als im Vorgänger). Aufgeladen wird die Kraftzelle dabei über den USB-Typ C-Anschluss auf der Unterseite. Das dauert rund 90 Minuten, wobei schon nach 35 Minuten 50% der Ladung zur Verfügung stehen. Je nach Nutzung kommt man mit einer Aufladung zwischen 7:15 Stunden und einem Tag (bequem) hin. Meist bleibt am Ende eines Tages noch eine gute Reserve (~25%). Das mitgelieferte Ladegerät unterstützt leider KEIN QuickCharge 3.0.

Der interne Speicher beträgt hierzulande leider nur 32 Gigabyte, davon stehen auch nur knapp 20 GByte zur freien Verfügung. Immerhin kann man ihn per microSD-Karten um weitere 200 GByte erweitern.

LG UX 6.0: Android 7 und die Benutzeroberfläche

Die optisch leicht umgestaltete Benutzeroberfläche aus dem Hause LG ist immer noch keine Schönheit. Selbst LG_UI_12dann nicht, wenn ich sie über die paar zur Verfügung stehenden Themen der LG World App verändere. Als Basis dient aber immerhin bereits Android 7.0 mit dem Sicherheits-Patch-Level vom 01. März 2017. Die aktuelle Firmware ist die V10d-EUR-XX. Der LG Home+ Launcher verzichtet ab Werk erst einmal auf einen App-Drawer. Den kann ich aber in den Einstellungen des LG G6 wieder aktivierten und herunterladen.  Bedient wird Android 7 über die drei Softkeys am unteren Rand des OS.

Die Smart-Bulletin gennate Zusatzseite ist nach dem Auspacken erst einmal deaktiviert, dafür ist die Darstellung per Multi-Window wieder an Bord. Auch das LG G6 kann man per Doppel-Tap (Knock-on) auf das Display aufwecken. Gut so, den der Ein-/Auschalter auf der Rückseite ist halt nicht immer sofort erreichbar.

Die Icons sind beim neuen UX 6.0 ganz nett und können zudem über verschiedene  „Themen“ verändert werden. Die Auswahl ist meiner Meinung aber immer noch ziemlich kitschig. Über die “Smart Settings” kann ich bestimmte Funktionen des G6 automatisch ein- und ausschalten. Je nach Aufenthaltsort kann ich so zum Beispiel auch mein WLAN-Betrieb beim Betreten der heimischen vier Wände aktivieren. Statt Bixby oder so einen Blödsinn verlässt sich LG auf den Google Assiatant. Dank LG Health kann man – wie beim Galaxy S8 – Schritte zählen und die zurückgelegte Strecke errechnen.

Ansonsten ist die Bedienung eigentlich kinderleicht. Ein Stock Android wäre aber vermutlich die bessere Wahl gewesen: Geschmackssache, halt.

Zwei Kamera treffen sich mit einem Weitwinkel

Das LG G6 nutzt auf der Rückseite wieder zwei Kameras mit 13 Megapixeln (Pixelgröße 1.12μm), aber unterschiedlichen Blickwinkeln. Statt eines Bokeh-Effektes gibt es die Möglichkeiten Aufnahmen mit einem Weitwinkel aufzunehmen. Die Aufnahmen der Standard-Kamera (71 Grad) nutzen aber die größere f/1.8 Blende und wirken so auch schärfer. Der Weitwinkel-Modus (125 Grad) muss mit f/2.4 auskommen. Beiden Linsen steht aber ein sehr schöner optischer Bildstabilisator zur Verfügung.

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Das Ergebnis kann sich mal wieder sehen lassen. Ich bin ehrlich gesagt – seit dem LG G4 – Fan der Kameras aus dem Hause LG. Die Details der Aufnahmen springen einem förmlich ins Gesicht, die Farben werden naturgetreu abgebildet und auch der Kontrast passt. Die üblichen Spielereien wie HDR oder Panorama sind natürlich mit an Bord. Die Kamera-App selber bietet auch eine “Quadratische Kamera”. Diese unterteilt den Bildschirm in zwei Hälften. Während die obere Hälfte als Suche fungiert, kann man in der unteren Hälfte gleich die Qualität der quadratischen Aufnahmen prüfen. Es gibt hier aber auch noch andere Kombinationen.

Bei einsetzender Dunkelheit muss die Kamera aber schnell Federn lassen. Die Details gehen zurück und es bilden sich kleine Artefakte. Deutlich schneller als beim LG G4 bzw. S8. Videos werden natürlich in 4K aufgezeichnet. Ton und Bildqualität gehen vollkommen in Ordnung. Da gibt es sogar Leute, die damit ihren YouTube-Kanal betreiben 😀

Die Frontkamera hat einen Blickwinkel von 100 Grad, eine f/2.2-Blende, löst aber nur noch mit 5 Megapixel auf. Der Vorgänger hatte da noch 8 Megapixel in petto.

Konnektivität & Sound: LTE Cat 11 und kein HiFi

Das hierzulande vertriebene LG G6 nutzt keinen eigenen Hifi-Chip. Der macht bei nur einem Lautsprecher an der Unterseite zwar eh keinen Sinn, würde die Soundausgabe über Kopfhörer aber kräftig aufwerten. WENN man denn vernünftige Kopfhörer nutzt. Die Mehrzahl der Nutzer wird den Unterschied zwischen dem Sound eines LG G6 aus Korea und dem “deutschen” G6 eh nicht hören können, trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack. Vor allen Dingen deswegen, weil das Gerät “drüben” auch noch günstiger ist. Die Qualität des Soundskann man auch gut in meinem Video review des LG G6 auf YouTube hören:

Das LG G6 liefert in Gesprächen einen sauberen Klang. Die Sende- und Empfangsleistung ist ebenfalls gut. Bei den Schnittstellen ist alles mit Rang und Namen vertreten, neben HSPA+ gibt es auch die Unterstützung für LTE, allerdings “nur” in Cat 11. Die Unterstützung für WLAN 802.11 a/b/g/n/ac (2.4/5 GHz) sorgt für eine schnelle Datenverbindung und Bluetooth 4.2 für die passende Übertragung mit Headsets oder anderen Smartphones. Der SAR-Wert beträgt dabei 0,393 W/Kg.

Fazit: Knapp daneben ist auch vorbei?

Das LG G6 ist ohne Zweifel ein gutes Smartphone. Das Gehäuse ist wasserdicht, wirkt aber nicht so modern und schlank wie beim Galaxy S8. Die 13-Megapixel-Dual-Kamera mit notebooksbilligerWeitwinkel hat mir sogar einen Tick besser gefallen. Auch die Performance des Snapdragon 821 ist ausreichend. Schocken kann mich nur der hohe Preis von bis zu 749 Euro. Wenn der aber weiter so schnell in den Keller geht, wäre ich persönlich geneigt, bei 570 Euro zuzuschlagen. Das 5,7″ große Quad-HD-Display hat nämlich keinen Rotstich. Wobei auch das LG G6 aktuell nicht am deutlich günstigeren Galaxy S7 vorbeikommt.

Testergebnis

Verarbeitung 9.3
Display 9.4
Performance 9.4
Kamera 9.3
Konnektivität & Akku 9.1

Fazit

9.3 Das LG G6 ist ohne Zweifel ein gutes Smartphone. Das Gehäuse ist wasserdicht, wirkt aber nicht so modern und schlank wie beim Galaxy S8. Die 13-Megapixel-Dual-Kamera mit Weitwinkel hat mir sogar einen Tick besser gefallen. Auch die Performance des Snapdragon 821 ist ausreichend. Schocken kann mich nur der hohe Preis von bis zu 749 Euro. Wenn der aber weiter so schnell in den Keller geht, wäre ich persönlich geneigt, bei 570 Euro zuzuschlagen. Das 5,7" große Quad-HD-Display hat nämlich keinen Rotstich. Wobei auch das LG G6 aktuell nicht am deutlich günstigeren Galaxy S7 vorbeikommt.

Tags : Android 7LGReviewSmartphoneTests
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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