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LG V10 Smartphone im Test: G4 mit zwei Screens?

Nun ist das LG V10 Smartphone endlich auch offiziell in Deutschland erhältlich. Als Highlights des neuen Flaggschiffs zähle ich mal das Doppel-Display, die beiden Front-Kameras und ein Rahmen aus Chirugenstahl. Oder ist da noch mehr?

Design: LG V 10 Smartphone aus Chirugenstahl und Kunststoff

LG hat bei seinen neuen Smartphones immer etwas besonderes auf der Pfanne. So kam das G Flex 2 mit einem gebogenen Display, landet aber schon nach kurzer Zeit auf dem „Grabbeltisch“. Dort fristet es – trotz super Specs – sein Dasein für knapp 250 Euro.  Leider kam es auch – wegen der hitzköpfigen CPU – mit leichten Problemen auf den Markt. Die Käufer straften es ab, die Händler senkten die Preise teils erheblich. Das LG G4 als nächstes Spitzenmodell kam mit einem Laser-Autofocus und einer Rückseite aus Leder. Auf viel Gegenliebe scheint es trotzdem nicht gestoßen zu sein.

Mit dem neuen V10 für knapp 650 Euro will es der Hersteller nun besser machen. Rein optisch wirkt das Smartphone schon ziemlich „Army“. Und das wohl auch zu Recht. Das Display wurde mit Corning Gorilla Glas 4 (Dura Glas) versehen, der Rahmen besteht aus Chirugenstahl vom Typ 316L (Dura Guard) und die Rückseite aus einem widerstandsfähigen und gleichzeitig weichem Kunststoff (Dura Skin). Eine ganze Menge „Dura“, in Wahrheit ist vieles davon heutzutage eher „Standard“. Bei der Bruchsicherheit kann das LG beispielsweise nicht mit neuen Moto X Force mithalten und das, obwohl es laut Hersteller nach MIL-STD-810G getestet worden sein soll. Damit kann man es aus einer Höhe von 1,8 Meter fallen lassen ohne mit einem Totalschaden rechnen zu müssen. Wasserdicht es ist hingegen nicht! Dieser Standard ist sowieso mehr Schall und Rauch. Ich habe hier nämlich auch gerade eine Smartwatch für 120 Euro im Test, die diesen Standard auch erfüllen soll …

Der dünne, leicht abnehmbare Akkudeckel ist jedenfalls geriffelt und sieht martialisch aus. Unter dem Deckel befinden sich der 3.000 mAh starke Akku (wechselbar), die microSD sowie die nano-SIM. Die Rückseite selbst ziert neben der Kamera noch der Rear-Key mit eingebautem Fingerabdrucksensor und Laut-/Leise-Funktion. Eben genauso wie beim LG G4.

Auf der Vorderseite sieht man die Unterschiede zum Spendermodell nur auf den zweiten Blick. Es gibt einen Benachrichtigungs-LED und gleich zwei Frontkameras sowie das „Second“-Display. Das funktioniert ähnlich, wie der Rand beim Samsung Galaxy S6 Edge. Technisch ist es fast baugleich mit dem G4.

Display: Ein bisschen aus dem G-Baukasten

Das neue Flaggschiff bietet rein theoretisch zwei Displays. Das normale IPS-Quantum-Display mit seinen 5,7 Zolllöst mit 1.440 x 2.560 Pixel auf (550 ppi). Direkt darüber – neben den beiden Frontkameras – findet man einen zweiten Touchscreen mit 2,1 Zoll und 160 x 1.040 Pixel.

Hier kann man neben einem Schriftzug auch eine Menge andere Daten einblenden. Bis zu fünf Telefonkontakte finden hier zum Beispiel Platz oder aber fünf frei wählbare App-Schnellzugriffe. Desweiteren werden hier auch die zuletzt aufgeführten Apps und anstehende Termine eingeblendet. Selbst den Musik-Player kann man von hier aus bedienen. Im Kameramodus bietet der Second-Screen zum Beispiel Zugriff auf den manuellen oder den simplen Modus. Vorteil ist die Tatsache, dass das zweite Display auch dann aktiv ist, wenn das Hauptdisplay deaktiviert wurde. Die Helligkeit des großen Displays ist gut, die des kleineren eher mau. Hier in meinem Videoreview könnt ihr die beiden Displays des LG V10 im Einsatz sehen:

Performance: Ein Snapdragon 808 ist ein Snapdragon 808

Das Btreiebssystem und auch der komplette Rest läuft – wie beim G4 – absolut flüssig. Die sechs Kerne des Snapdragon 808 sind ausreichend schnell und heutzutage benötigt man keinen Snapdragon 810. Es gibt keine Spiele oder Apps, die davon einen nachweisbaren Vorteil haben. Alle von mir getesteten Spiele und Apps liefen super flüssig. Im Geekbench 3 kommt das Smartphone auf Punkte im 1.144 Single-Core und 3.603 Punkte im Umlti-Core. aktuellen AnTuTu reicht es für 67.394 Zähler. Im Vergleich zum G4 bemerkt man die 4 GByte RAM des V10 nicht wirklich. Zukünftige Apps oder Android 6 mögen davon dann mehr profitieren.

Userinterface UX 4.0 trifft auf Android 5.1.1

Das User Interface des LG V10 Smartphone nennt sich UX 4.0 und kommt von LG: Ich persönlich finde es ganz ok, man kann es über einige Themen personalisieren. Über Knock-on kann man das Smartphone über ein zuvor festgelegtes Klopfmuster aktivieren. Android 5.1.1 bietet die üblichen Apps aus dem Hause Google.

Sound: Wirklich mit 32-Bit?

Das FM-Radio funktioniert nur mit Headset und profitiert nicht vom neuen Digital/Analog-Converter (DAC), der Musik auf bis zu 32-Bit aufbohren kann. Allerdings hört man auch hier schon den eingebauten Verstärker aus dem Hause ESS Technology. Laut ist hier wirklich laut.

Der neue DAC kann auch weniger gut aufgelöste MP3 auf bis zu 32 Bit hochrechnen. Dabei hört man subjektiv eine leicht bessere Qualität. Wer es noch besser mag, sollte zu unkomprimierten Material wie FLAC oder WAV greifen. Spotify oder Youtube können die Vorteile des neuen DAC übrigens auch nicht nutzen. Dazu benötigt man eine spezielle Apps namens „Dac Fix Hi-fi everywhere“. Der eingebaute Equalizer bietet wieder zahlreiche Presets, unter anderem auch für die mitgelieferten In-Ear vom Typ Quadbeat 3. Der eingebaute Lautsprecher tönt kräftig und recht laut.

Kamera: 16 geniale Megapixel und Laserfokus

Die Qualität der G4-Kamera war super. Daher hat LG auch einfach das gleiche Modul mit seinen 16 Megapixel , der Blende von f/1.8 sowie Laserfokus, optischen Bildstabilisator und Dual-LED-Blitz in das neue Flaggschiff transferiert. Die Bildqualität ist damit wieder erstklassig und wird nur noch vom ausgezeichneten und sehr umfangreichen Expertenmodus übertroffen. Hier kann man wirklich auf jedes Detail Einfluss nehmen.

Kamerabild Kamerabild LG V10

Kamerabild Kamerabild

Hinzugekommen sind beim LG V10 Smartphone ein Steady-Cam-Modus für Videos (nur bei Full-HD) und ein spezieller Sound-Aufnahmemodus samt Pegelanzeige für die drei Mikrofone. Die beiden Frontkameras mit jeweils

V10_Menü_54
LG V10 Menü

5 Megapixel unterscheiden sich nur in den maximalen Aufnahmewinkeln. So kann man entweder mit 80 Grad oder mit 120 Grad aufnehmen. Damit gelingen sowohl einfache Selbstporträts als auch Gruppen-Selfies während der Oscar-Verleihung 😀

Der Expertenmodus (Manual) wird sowohl im Videomodus als auch im Kameramodus zur Verfügung gestellt. Die Kamera selbst ermöglicht dann Einstellungen im Zuschnitt (4:3 bei voller Auflösung oder 16:9), im Weißabgleich, im Fokus, ISO, Belichtungsausgleich und der Belichtungszeit (1/250 bis 30). Hier sollte dann aber ein Stativ zum Einsatz kommen.

Im Videomodus kann man noch zusätzlich die Bitrate auf M/L/H instellen und die Bildfrequenz  zwischen 1 und 30 Bilern pro Sekunde variieren. Wozu die Kamera dann fähig ist, kann man hier in meiner Bilderserie aus der Dechenhöhle erkennen:

Dechenhöhle 2016 (LG V10)

Konnektivität & Akku: Alles im grünen Bereich

Der Akku leistet 3.000 mAh. Im Test kam ich auf eine Laufzeit zwischen einem und anderthalb Tagen. Das Display zieht dabei schon ordentlich Strom. Die CPU ist auch kein Kostverächter. Bei der Sprachqualität gibt es hingegen keine Ausrutscher. Während der zahlreichen Telefonate konnte ich meine Gesprächspartner (im Netz der Telekom und O2) immer gut und ausreichend laut verstehen. WLAN sowie LTE-Empfang (bis zu 300 MByte/s) waren auf einem wirklich guten Niveau, stellenweise besser als bei meinem BlackBerry Priv Daneben stehen noch GPS, NFC, Bluetooth 4.1 und UMTS/HSPA+ sowie 32 GByte interner Speicher zur Verfügung. Letzteren kann man bis zu 2 TByte per Speicherkarte erweitern.

Fazit: Ist es ein Hit?

Das LG V10 Smartphone ist ohne Zweifel ein feines Smartphone und bietet mit dem „Second“-Screen eine echte Besonderheit. Der ganze „Dura“-Schutz ist nett, aber nichts besonderes. Chirugenstahl bei einem Handy muss nach meiner Meinung nicht unbedingt sein, schon gar nicht, wenn das Smartphone damit fast 200 Gramm auf die Waage bringt. Es wäre mir persönlich zu groß und zu schwer.

Ich mag hingegen die Idee hinter den beiden Displays, kann daraus aber selbst keinen Nutzen ziehen. Die Kameras gefallen mir dafür umso mehr. Die CPU ist ausreichend schnell, der Speicher erweiterbar. Der Sound und die Gesprächsleistung sind ebenfalls klasse. Bleibt nur noch der Preis und der ist mir mit 649 Euro noch zu hoch. Aber da wird sich sicher noch was tun. Mein Testgerät kann man zum Beispiel bei Cyberport.de kaufen.

Tags : AndroidLGReviewSmartphone
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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