Beenden

Samsung Galaxy Gear Test

Die Galaxy Gear von Samsung macht es einem (mir) nicht leicht. Auf der einen Seite ähnelt sie stark der deutlich günstigeren Sony SmartWatch 2, auf der anderen Seite eher der gleich teuren Vapiriius AX2. Sie ist weder “Smart” noch “Dumm”. Technisch betrachtet hechelt sie auch nicht der Konkurrenz vom Schlage einer “I’m Watch” hinterher.  Im Inneren werkelt dazu ein 800 Megahertz schneller Single-Core-Prozessor samt 512 MByte Arbeitsspeicher. Beim Betriebssystem setzt der Hersteller auf ein abgespecketes Android 4.2.2. mit eigener Benutzeroberfläche. Bedient wird die Uhr übrigens nur mit ein paar Wischgesten. Echte Drücker findet man nur einen. Dazu bietet sie einen 1,63 Zoll großen Touchscreen mit einer Auflösung von 320 x 320 Pixel. Fotos macht sie mit Hilfe der in das Armband integrierten Kamera mit 1.9 Megapixel. Die kann sogar Videos in HD aufzeichnen. Der interne Speicher für die eigens entwickelten Apps beträgt 4 GByte und kann nicht erweitert werden. Jetzt der größte Nachteil: sie kann aktuell nur mit dem Galaxy Note 3 oder dem Note 10.1 kommunizieren. Dazu benötigt sie zwingend Bluetooth 4.  Mein Testexemplar stammt von Cyberport.de und kostet dort aktuell 299 Euro. Wie sich die Gear im Test geschlagen hat? Lest einfach selbst …

Design & Haptik


Mehr Bilder nach dem Klick

Samsung geht beim Design keinerlei Risiko ein. Optisch betrachtet kommt die Galaxy Gear dezent daher. Einzig die metallene Oberfläche im “Brushed Aluminum”-Look rund um das Display fällt sofort ins Auge. Der Rest besteht aus Kunststoff.  Auf Wunsch bekommt man das Armband bzw. die Uhr nicht nur in “Rabenschwarz” (Testexemplar), sondern auch in “Rose-Gold”, “Wild-Orange”, “Mocha Grau”, “Oatmeal Beige” und “Lindgrün”. Die Gear ist extrem gut verarbeitet und mit Abmessungen von 36,8 x 56,6 x 11,1 mm auch ziemlich handlich bzw. tragbar. Mit meiner Graham Chronofighter bzw. der Tag Heuer Calibre 36 RS habe ich deutlich größere Brocken am Arm. Das Gewicht beträgt knapp 74 Gramm, absolut in Ordnung. Keinerlei Kanten, kein Knarzen, keine sichtbaren Spalte.

Die Armband fühlt sich ziemlich unflexibel an und man(n) schwitzt leicht darunter. Selber Auswechseln kann man es auch nicht, denn die Kamera wurde direkt in den Kunstoff eingelassen.  Das Armband kann über einen Schnellverschluss in sieben Stufen verstellt werden. So haben selbst dickere Arme mit der Gear kein Problem. Der Laustprecher befindet sich übrigens unten in der Schließe. Bedient wird die Galaxy Gear über vier Wischgesten, die von dieser offiziellen Dokumentation anschaulich illustriert werden.

Auf der rechten Geäuseseite befindet sich der einzige Drücker, ein Ein-/Ausschalter. Drückt man ihn einmal, so erwacht die Uhr mit kurzer Verzögerung zum Leben. Wer mag, kann das auch automatisieren. Dazu muss man nur in den Einstellungen der “Gear Manager” genannten App auf seinem Galaxy Note 3 einen Punkt namens “Aktivierungsgeste” anklicken. So aktiviert sich die Galaxy Gear beim Anheben und Drehen des Arms, so als wollte man auf das Display schauen. Das klappt aber allerdings auch nur mit einer größeren Zeitverzögerung. Drückt man den Ein-/Ausschalter hingegen zweimal, dann startet eine zuvor selbst festgelegte App.

Aber zurück zu den Wischgesten. Ein Wisch von unten nach oben aktiviert die Wähltastatur, von links nach recht bzw. vice vesa scrollt man durch das Menü und wischt man von oben nach unten, so kommt die Kamera zum Vorschein. Die Verarbeitung und Haptik hat sich aus meiner Sicht 9 Punkte verdient. Einen Punktabzug gibt es für das unflexible und leider nicht austauschbare Armband. Leder hätte ihm besser zu Gesicht gestanden.



Lieferumfang

Im großzügig dimensionierten, bambusfarbigen Karton der Galaxy Gear findet man neben der SmartWatch ein Ladegerät samt Kabel sowie ein paar Anleitungen. Das komplette Zubehör kann in meinem Video vom Unboxing/Hands-on  in FullHD auf YouTube bewundert werden:


Display

Der 1,65 Zoll große S-AMOLED-Touchscreen nimmt einen größeren Bereich der Vorderseite in Anspruch und das ist auch gut so. Zu klein kann ein Display nämlich nicht sein. Es löst zwar nur mit 320 x 320 Bildpunkten auf, macht aber trotzdem einen guten, ja sogar scharfen Eindruck. Die maximale Helligkeit und die Farbdarstellung konnten mich auf Anhieb überzeugen. Bereits auf Stufe 2 kann man den Displayinhalt in Innenräumen gut ablesen. Draußen reicht normalerweise die Stufe 4. An sonnigeren Tagen bietet die Galaxy Gear genügend Reserven in Form der Stufe 5 sowie des speziellen Outdoor-Modus. So ist das Display deutlich besser, als bei der zuvor getesten Vapiriius AX2. Die Blickwinkelstabilität ist ebenfalls gut.

Das Display selbst hat zwar mit den üblichen Reflexionen zu kämpfen, aufgrund der monochromen Benutzeroberfläche macht das in der Praxis aber keinen Unterschied. Die Oberfläche kann man farblich übrigens aus sieben Vorlagen selbst bestimmen. Ich gebe dem Display in seiner Klasse (SmartWatch) daher 7 Punkte.

Kamera

Ja, die Galaxy Gear hat eine eigene Kamera. Über den Sinn kann man nun trefflich streiten. Dann aber am besten gleich über den ganzen Sinn oder Unsinn dieser SmartWatch. Aber zurück zu den technischen Details. Die Kamera löst mit 1.9 Megapixel auf, bietet einen Autofokus aber keine LED. Die Designer haben sie zu allem Überfluss auch noch in das Armband integriert und zur Seite ausgerichtet. Will man nun ein Foto knipsen (warum auch immer), dann muss man sich seine Galaxy Gear vor den Körper halten und auf den Touchscreen drücken. Der Autofokus verrichtet zuverlässig seinen Dienst und die Bildqualität ist erstaunlich gut. Es gibt sogar einen Makro-Modus sowie eine Sound & Shot Funktion. Damit kann man etwa nuen Sekunden Sound in ein Bild integrieren.


Klick mich

Videos zeichnet die Samsung Galaxy Gear immerhin in HD auf. Allerdings nur für maximal 10 Sekunden. Ingesamt betrachtet bekommt die Kamera von mir 6 Punkte mit auf den Weg.



Multimedia

In diesem Bereich gibt es nicht viel zu berichten. Die Galaxy Gear hat keinen eigenen Medienplayer, sondern bietet nur eine Fernsteuerung für den Musikplayer des verbundenen Smartphones. Samsung nennt das Mediencontroller. Damit kann man den Track wechseln und die Lautstärke variieren. Mehr Funktionen stehen nicht zur Verfügung. Das Album muss man immer noch selbst auf dem Smartphone auswählen.

Technisch wäre die Galaxy Gear durchaus in der Lage, selber Videos oder Musik abzuspielen. Hat man sie mit dem PC verbunden und das Android SDK gestartet, dann kann man über den Befehl “ADB install” auch eigene Apps auf der Gear installieren. So konnte ich zum Beispiel über den Apollo-Player auch MP3 bzw. Videos im MP4-Kontainer abspielen.

Die maximale Lautstärke sowie der Klang, des in Schließe integrierten Lautsprechers ist allerdings wenig übrzeugend. Er klappert und übersteuert. Dafür gibt es dann halt nur 5 Punkte.

 Akku, Konnektivität und Gesprächsqualität

Galaxy_Gear_16

Der nicht selbst wechselbare Akku hat eine Kapazität von 315 mAh. Der Stromverbrauch des SuperAMOLED-Display ist generell zwar hoch, wird aber durch einen schwarzen Hintergrund gut im Zaum gehalten.  Bei normaler Nutzung und nur wenigen Telefonaten kommt man einen Arbeitstag hin. Bleibt das Display allerdings dauerhaft aktiviert und nutzt man dabei die Werkseinstellung (8tufe) 4, dann ist der Akku nach etwa 2 Stunden am Ende. Wer sich jetzt selbst Apps installiert und zum Beispiel Angry Birds zockt, der sollte sich am besten gleich nach einer Steckdose in der Nähe umsehen. Aufgeladen wird die Galaxy Gear über eine spezielle Ladestation. Das dauert nicht mal eine Stunde. Dafür gibt es 6 Punkte.

Gear Manager / Apps

Eigentlich will Samsung nur spezielle Apps auf der Galaxy Gear sehen. Dazu hat man einen eigenen Bereich im Gear Manager eingerichtet. Unter Samsung Apps findet man dort zwar etwa 70 Apps, die sind aber fast durchgängig öde oder als Verknüpfung zu sozialen Netzwerken gedacht. Natürlich darf auch das obligatorische Runtastic für die Läufer unter uns nicht fehlen.

Befreit man die Gear von ihren Fesseln, dann leistet der eingebaute Single-Core mit seinen 800 MHz immerhin 224 Zähler im Single-Core und 218 Zähler im Multi-Core. Das reicht zum Beispiel für Angry Birds 😀

So kommt die SmartWatch aber trotzdem nur auf 4 Punkte.

Konnektivität

Zur ersten Instakllation muss man sein Galaxy Note 3 einfach mit aktiviertem NFC an die LADESTATION der Gear halten. Dann wird man aufgefordert den Gear Manager aus dem Internet herunter zu laden und zu installieren. Auf Smartphones anderer Hersteller klappt das nicht. Im zweiten Schritt wird eine Bluetooth-Verbindung zwischen dem Smartphone und der Gear eingerichtet. Hierüber erfolgt die Datenübertragung, also auch die Übermittlung der mit der Galaxy Gear gemachten Fotos!

Menü/Apps

Die mit einer abgespeckten Version von Android 4.2.2 betriebene SmartWatch nutzt eine spezielle Benutzeroberfläche. Hier kann man sich entweder an großen, monochromen Icons oder an kleinen monochromen Icons (4 x 4 Raster) erfreuen. Warum hat Samsung dann nicht gleich ein stromsparendes e-paper-Display verbaut?

Die zusätzlich über Samsung Apps (oder per ADB install) installierten Apps nutzen hingegen farbige Icons. Ein echter und überflüssiger Stilbruch. Wer sich einen eigenen Dateimanager oder Launcher installieren will, der bekommt unter der tristen Oberfläche ein relativ normales Android zu Gesicht. Der kostenlose WP8-Launcher hat schon auf der Vapirius AX2 klaglos seinen Dienst verrichtet. Auf der Gear stürzt er aber ab und an ab.

Texte und Co kann man auch auf der Galaxy Gear freilich nicht eingeben. Eine virtuelle Tastatur ist nicht vorgesehen. In Frage käme da dann zum Beispiel das Fleksy Keyboard aus dem Play Store. Das müßte man allerdings ebenfalls manuell installieren. Für längere Eingaben wäre aber auch hier das Display zu klein. Schaut euch dazu einfach meinen Videotest in Full-HD an.


Fazit

Ein gerechtes Fazit zu finden ist bei einer SmartWatch nicht einfach. Diese Art von Gadgets ist leider immer noch nur was für “Geeks”. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum so ein “wearable gadget” noch nicht aus dem Hause Apple kommt. Abseits von allen Emotionen erfüllt die Galaxy Gear aber ihren Zweck: sie ist eine halbwegs intelligente Fernbedienung für das (recht große) Galaxy Note 3 bzw. Note 10.1. 

In Zukunft werden auch das Galaxy S3, Note 2 und das Galaxy S4 eine Unterstützung für die Galaxy Gear erhalten. Smartphones anderer Hersteller können den Funktionsumfang dieser SmartWatch allerdings nicht nutzen. Ich glaube daher kaum, dass die Galaxy Gear von Erfolg gekrönt sein wird. Schon gar nicht, weil Samsung sie nicht vollständig “öffnet”. Mit Root-Rechten und einem Android SDK ist sie etwas für Bastler, die sich gerne selber ein CustomROM bauen oder einfach mal mit einem netten, aber mit 299 Euro auch sehr teuren, Technik-Gimmick angeben wollen. Wer mobile-reviews.de unterstützen will, kauft die Samsung Galaxy Gear zum Beispiel bei  Cyberport.de

Tags : GalaxyGearReviewSamsungTestsTizen
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

Diese Website verwendet Cookies, um Ihre Erfahrungen zu verbessern. Durch die Nutzung dieser Seite stimmen Sie dem zu. Mehr Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen