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Samsung Galaxy S7 im Test: Viva la Evolution

Yes, Samsung ist zurück. Mit dem Galaxy S7 stellen die Koreaner nun den “Nachfolger” des viel gescholtenen Samsung Galaxy S6 in die Regale. Pünktlich zum 08.03.16 sollten die beiden neuen Versionen (S7 & S7 Edge) im Briefkasten der Vorbesteller aufschlagen. Gratis bekommen diese dann sogar noch eine Gear VR-Brille. Bei einem Preis von 699 Euro (S7) bzw. 799 Euro (S7 Edge) ist das immer noch kein Schnäppchen. Technisch hat sich im Vergleich zum S6 doch einiges geändert. Ausschlaggebend für den Kauf dürfte für viele aber in erster Linie der wiederauferstandene Speicherkarten-Einschub sein.

Samsung Galaxy S7: Design von gestern und Haptik von morgen?

Was soll ich sagen? Haptisch hat es sich im Vergleich zum Galaxy S6 eigentlich kaum verändert. Nun gut, die Ränder auf der Rückseite sind etwas flacher, damit liegt es besser und weniger “scharfkantig” in der Hand. Die drei Farben (Schwarz, Weiss, Gold) wirken zudem etwas “kräftiger”. Schwarz ist nicht bläulich. Vorder- und Rückseite bestehen wieder aus Glas, mit all den Vor- und Nachteilen. Ja, ich mag die Haptik und ich mag das Design. Gerade das Galaxy S7 liegt mit seinen Abmessungen von 142 x 69,6 x 7,9 und einem Gewicht von 152 Gramm wunderbar in der Hand. Es fühlt sich erstaunlich leicht an, rutscht aber auch auf glatten Unterlagen und feuchten Händen leichter weg. Was mich wundert ist die Tatsache, dass es gut 8 mm länger und 1 mm dicker geworden ist als der Vorgänger. Die Gewichtszunahme liegt dann wohl am zusätzlichen microSD-Einschub aus Kunststoff auf Oberseite, oder wie?!

Die Verarbeitung meines Testsamples war wirklich überzeugend. Das wackelte und schepperte nix und auch der Home-Button auf der Vorderseite sitzt mittig und knackt nicht. Optisch ist er zudem etwas weniger auffällig. Die Kombination aus Corning Gorilla Glas 4 und Metall macht das Galaxy S7 zu einem echten Handschmeichler, aber ich wiederhole mich wohl gerade.

Der Rahmen des Smartphones besteht wieder aus Aluminium, ist an den Ränder etwas dünner und das komplette Gehäuse ist verklebt und erreicht so eine Zertifizierung nach IP68. Damit es wasser- und staubdicht. Allerdings nicht zum Tauchen geeignet. Optisch ähnelt es es wenig dem Galaxy A5, wobei das “flacher” und “billiger” wirkt. Die beiden Glasflächen des Galaxy S7 ziehen Fingerabdrücke leider magisch an. Die Rückseite wirkt eigentlich permanent “verschmiert”. Nicht sehr schön! Das Kameraobjektiv auf der Rückseite ragt nur noch einen halben Millimeter aus dem Gehäuse hervor. Das ist deutlich besser für die “Standfestigkeit”. Mit mitgelieferten Kopfhörer finden unten links Anschluss, unten rechts befindet sich der Lautsprecher. Der Pulsmesser liegt neben der Kamera und fühlt sich auch “glatter” an als beim S6.

Das AMOLED-Display ist Always on

Galaxy S7 MenueTatatataaaaa: Samsung hat sich ein Herz gefasst und das AMOLED-Display mit einer “Always on” Funktion versehen. Also quasi wie bei den aktuellen Motorola/Google-Smartphones. Mächtig innovativ und mutig 😀 Das Display selbst nutzt eine Diagonale von 5,1 Zoll bei einer Auflösung von 1.440 x 2.560 Pixel (576 ppi). Damit stellt es alle Inhalte sowohl knackscharf als auch recht blickwinkelstabil dar.

Die maximale Helligkeit ist mehr als ausreichend, damit man den Displayinhalt auch bei direkter Sonneneinstrahlung (die gibt es tatsächlich noch) noch ablesen kann. Die vom Galaxy S6 bekannte Gestensteuerung ist natürlich ebenfalls wieder vorhanden. Erhöht man die Empfindlichkeit des Touchscreens in den Einstellungen kann man ihn sogar mit Handschuhen bedienen. Auch für Sehbehinderte gibt es eine Menge Hilfestellungen. Eine kleine LED informiert mich sogar über entgangene Anrufe oder Nachrichten. Die Leuchtdauer der beiden Sensortasten kann man hier übrigens auch verlängern.

Der neue Always-on-Modus beim Galaxy S7 kann in den Einstellungen unter dem Punkt “Anzeige” personalisiert werden. Neben der Uhr (analog oder digital), dem Kalenderblatt kann ich auch ein Bild einblenden. Die Anzeige selbst ist aber nicht interaktiv, man kann hierüber also keine Apps oder den Wecker starten. Sie stellt in erster Linie also eingehende Nachrichten (SMS und E-Mails) dar. WhatsApp und Co werden nicht unterstützt! Zudem werden die Informationen dauerhaft angezeigt, nicht wie bei Motorola mit der “Smartphone zum Gesicht”-Geste. So leuchtet die Schrift auch bei Dunkelheit permanent vor sich hin. Samsung, was soll das? In den Einstellungen kann man das “Always on” aber auch komplett deaktivieren.

Galaxy S7: Performance & Akku sind kein Thema?

Tatsächlich, die Performance ist beim Samsung Galaxy S7 ken Thema, war sie beim Galaxy S6 eigentlich auch nicht. Die aktuellen Prozessoren sind einfach super schnell und oft auch einfach super unterfordert bzw. hitzköpfig. Theoretisch kommt das Galaxy S7 zwar auch mit einem Snapdragon 820 von Qualcomm auf den Markt. Diese Variante ist aber nicht für Europa vorgesehen. Hierzulande muss man sich mit dem Samsung Exynos 8890 zufrieden geben. Der neue Exynos nutzt auch acht Kernen, hat gegenüber dem Exynos 7420 im Galaxy S6 aber nochmals ordentlich zugelegt. Das gilt auch für den Arbeitsspeicher, der beträgt nämlich 4 GByte.  Der Soc im Galaxy S7 kommt im aktuellen AnTuTu auf 129.557 Punkte und ist damit fast doppelt so schnell wie das Galaxy S6. Im Geekbench 3 reicht es für 2.109 im Single Core und staatlichen 6.356 Punkten im Multi Core. Damit ist die CPU aber immer noch nicht schneller als der Apple A9.

Kommen wir zum Akku dessen Kapazität mit 3.000 mAh angegeben ist. Damit ist er doch deutlich stärker als noch beim Galaxy S6. Im Test hielt er auch länger durch. Der sogenannte “Normalnutzer” kommt mit dieser Kraftzelle ganz locker durch den Tag. Wer allerdings ununterbrochen Videos anschaut oder anspruchsvollere Spiele zockt, wird das Smartphone nach knapp 8 1/2 Stunden aufladen müssen.  Update (08.03): Akkulaufzeit hat sich im Vergleich zum S6 tatsächlich deutlich verbessert. Der fest eingebaute Akku ist nach etwa etwa 90 Minuten wieder voll aufgeladen: “Quick Charge 2.0” sei Dank. Das klappt mit einem optional erhältlichen Ladecradle auch drahtlos in ausreichend hoher Geschwindigkeit. Dabei erwärmen sich aber sowohl der Cradle als auch das Smartphone. Wer bei der Akkulaufzeit einen längeren Atem benötigt, der sollte sich die Energiesparoptionen ansehen.

12-Megapixel-Kamera mit Dual-Pixel-Sensor

S7-KameraDie Kamera des Galaxy S7 ist eine komplette Neuentwicklung und auch eine Abkehr von “mehr Megapixel”. Sie löst im Gegensatz zum Vorgänger nun nur noch mit 12 Megapixel auf, das Galaxy S6 bringt es auf 16 Megapixel. Sind die Bilder damit schlechter? Nein.

Das Galaxy S7 nutzt als erstes Smartphone einen Dual-Pixel-Sensor. Solche Sensoren kommen zum Beispiel in der Canon EOS 70D (überbewertete Kamera) zum Einsatz. Bei einem Dual-Pixel-Sensor wird jeder Pixel auf zwei Photodioden aufgeteilt. So will man bei nicht optimalen Lichtverhältnissen eine bessere Bildqualität erzeugen. In der Praxis klappte das auch ganz gut.

Galaxy S7 KamerabildGalaxy S7 KamerabildGalaxy S7 KamerabildGalaxy S7 Kamerabild

Mehr Bilder findet ihr bei Flickr

Der Phasenvergleichs-Autofokus hält die Schärfe sowohl im Kameramodus als auch bei Bewegungen in Videos. Betrug die Blende beim Galaxy S6 noch  f/1.9, so wurde sie beim Galaxy S7 auf f/1.7 vergrößert. Und zwar sowohl bei der Selfie-Kamera als auch bei der Hauptkamera. Natürlich hat Samsung auch einen optischen Bildstabilisator eingebaut. Ich kann allerdings nicht behaupten, dass die Bilder jetzt soviel besser sind als beim LG V10. Da hilft dann auch der Pro-Modus nicht mehr. Hier kann ich aber zumindest die Automatik aushebeln und selber an allen notwendigen Schrauben (Weißabgleich, Fokus, etc.) drehen. Die Bildqualität ist aber – meiner Meinung nach – besser als beim Galaxy S6. Der neue Sensor spielt seine Stärken bei suboptimalen Lichtverhältnisse klar aus. Der schnelle Autofokus ist für Gelegenheitsknipser sehr hilfreich.

Leider hat es Samsung aber auch nicht rechtzeitig geschafft, mir ein Testsample zukommen zulassen um es im großen Dechenhöhlen-Special mitspielen zu lassen. Das wird aber nachgeholt. Videos zeichnet die Kameras des Galaxy S7 mit maximal 4K auf. Die S7 sowie S7 Edge werden allerdings wieder mit zwei unterschiedlichen Kamera-Sesnoren ausgeliefert. So kommt neben dem Sony-Sensor mit der Bezeichnung “SONY_IMX260_FIMC_IS” auch ein Samsung-Sensor mit der Bezeichnung “SLSI_S5K2L1_FIMC_IS” zum Einsatz. Das kann  man mit der App AIDA64 aus dem Google Play Store leicht selbst überprüfen (im Unterpunkt “Geräte”).

Konnektivität & Sound: Wie gewohnt hochwertig

S7-USBÜber DC-HSPA+ kann ich mit bis zu 42 Megabit pro Sekunde im Down- und 5,76 Megabit pro Sekunde im Upstream surfen. Der Datenturbo LTE wird in der Cat 9 unterstützt. Damit sind theoretisch Downloadraten von 450 Megabit pro Sekunde möglich. Im Test gingen diese (in Münster) aber selten über 90 Mbit/s hinaus (Telekom). Die Empfangsleistung war dabei ordentlich, subjektiv besser als beim Apple iPhone 6s. Das WLAN-Modul nutzt 802.11 a/b/g/n/ac (2.4 GHz und 5 GHz). Die Datenübertragungsrate ist mit etwa 135 Mbit/s recht hoch. Wer es schneller mag, kann sogar die maximale Datenrate von LTE mit einem WLAN kombinieren. Dann geht so richtig die Post ab. Daten und Medien werden per Bluetooth 4.2 und NFC übertragen. Eine Kopplung mit meinem Mac klappte sowohl über KIES von Samsung als auch über Android File Transfer. Wer die etwas aufgeblähte App von Samsung nicht mag, der kann die im Play Store erhältliche und kostenlose App “Airdroid” nutzen. Die Sprachqualität war im Netz der Telekom sowie bei Vodafone und O2 gut. Ich konnte meine Gesprächspartner klar und deutlich verstehen und mein Gegenüber mich. Einen Infrarot-Sensor hat das Galaxy S7 übrigens keinen mehr.

Der interne Speicher beträgt 32 GByte und kann diesmal über microSD-Speicherkarten um weitere 200 GByte erweitert werden. Ab Werk sind etwa 22 GByte frei. Die microSD kann aber nicht – wei bei anderen Geräten mit Android 6 Marshmallow – als interner Speicher formatiert werden. So werden alle Apps und Games zunächst IMMER im internen Speicher abgelegt. Samsung hat dieses Feature angeblich deswegen nicht implementiert, um “seine Kunden nicht zu überfordern”. Man kann Apps aber unter Einstellungen – Anwendungsmanager – danach manuell auf die SD verschieben. Das dauert bei Gamelofts Sniper Fury mit seinen 500 MB knapp 1 Minute. Der in den Home-Button integrierte Fingerabdrucksensor reagiert zügig und mit nur minimaler Verzögerung. Meine Fingerchen wurden aus nahezu allen Winkel korrekt im ersten Versuch erkannt. Drückt man den Home-Button dreimal, dann verkleinert sich der Bildschirm für die Ein-Hand-Bedienung. Drückt man ihn zweimal, so startet die Kamera. Super praktisch!

Der Musikplayer von Samsung ist wie immer hübsch anzusehen, muss aber manuell aus dem Samsung-Store nachinstalliert (nennt sich dort “Samsung Music”) werden. Ansonsten steht einem Google Play zur Verfügung. Interpreten, Playlisten, Genres und Alben sowie das ins MP3 integrierte Cover werden bei beiden Playern korrekt angezeigt. Für besseren Sound stehen wieder sieben Klang-Presets zur Auswahl. Wer die nicht mag, kann über die Option “Benutzerdefiniert” auch eine eigene Kreation anlegen.

So liefert das Samsung Galaxy S7 (mit guten Kopfhörern) einen ansprechenden und kräftigen Bass und klare Höhen. An meine beiden Referenzgeräte, einem Cowon J3 und einem Estarlab Monolith kommt der Sound aber nicht ganz heran. Dank der Multitasking-Unterstützung kann man den MP3-Player auch im Hintergrund weiter laufen lassen und nebenher noch andere Aufgaben erledigen. Der Video-Player von Samsung (erst aus dem Samsung-Store installieren) spielt Clips im Querformat und in den üblichen Formaten ab. Auf Wunsch werden Videos auch Bild-in-Bild abgespielt. Ein FM-Radio bietet das Samsung Galaxy S7 aber wieder keines.

Android 6.0.1 und TouchWiz: Es ist ein … Samsung!

Das Smartphone nutzt als Benutzeroberfläche das deutlich schlanker wirkende Nature UI (TouchWiz). Im Hintergrund läuft Android 6.0.1. Alle Apps und Icons werden sowohl auf den zahlreichen Homescreens, als auch im App-Drawer angezeigt. Natürlich kann man sie auch in Ordnern ablegen. Auf Wunsch kann man sich aus dem Play Store auch andere Android-Launcher installieren. Samsung hat das Android-OS wieder um ein wenig Bloatware in Form der Samsung Hubs und diverser Werbe-Apps (cewe, kaufDA, pizza.de) erweitert. Die kann man aber nachträglich löschen. Wer mag, kann in den erweiterten Einstellungen auch zwei neue Features aktivieren: zum einen kann man den App Drawer wie bei Huawei’s Emotion UI komplett entfernern und alle Apps auf den Homescreens platzieren, zum anderen kann man durch einen längeren Druck auf den Home-Button einen Kontakt auch per Sprachwahl anrufen.

Der eingebaute Pulsmesser verrichtet seinen Dienst im üblichen (ungenauen) Rahmen. Die Messungen fielen im Test daher unterschiedlich aus und variierten teils stark. Der im Home-Button auf der Vorderseite integrierte Fingerabdrucksensor funktionierte im Test wie vom Galaxy S6 gewohnt. Anstatt mit dem zuvor registrierten Finger darüber zu streichen, braucht man ihn nur leicht aufzulegen. So kann man sein Smartphone entsperren oder zum Beispiel Zahlungen bei Paypal autorisieren. Sollte dies nicht klappen, dann hilft das zuvor hinterlegte Passwort.

Neu hinzugekommen ist der Game Launcher sowie das Game Tool. Wie der Name es schon verrrät, ist er in erster Linie für Spielernaturen interessant.  Wer ein Spiel über den Game Launcher / Game Tool startet, bekommt über einen virtuellen Drücker nun neue Möglichkeiten. So kann man während des Spiele die Benachrichtigungen abschalten, die Softkeys deaktivieren, einen Screenshot machen oder das Spiel direkt per Video aufzeichnen. Wer doch mal eine Nachricht lesen will, der minimiert das Game einfach und spielt es das nahtlos weiter. Ok, nun habe ich auch die Rechtfertigung für die enorme Prozessor-Power gefunden 😀

Fazit: Die unumgängliche Evolution des Galaxy S6

Das neue (alte) Gewand steht dem Samsung Galaxy S7 sehr gut. Die Verarbeitungsqualität ist gut, wobei mir persönlich das Glas aber zu anfällig (Fingerabdrücke, Kratzer) ist. Die Leistung der neuen CPU ist über jeden Zweifel erhaben, wird momentan aber kaum wirklich ausgereizt. Die neue Benutzeroberfläche gefällt mir ebenfalls gut. Die optimierte Kamera mit ihren 12 Megapixeln und Dual Pixel verrichtet ihre Arbeit ebenfalls gut und kann im Lowlight-Bereich tatsächlich überzeugen. Bei einem Preis von etwa 700 Euro braucht man sich über das Preis-/ Leistungsverhältnis wohl keine Gedanken zu machen. Dank der letzten Aktion von ebay (10%) wurden die Bestellungen aber sicher ordentlich angekurbelt. Wer warten kann, sollte es erst in ein paar Wochen kaufen, denn dann sinkt der Preis. Garantiert 😀

Tags : GalaxyReviewSamsungSmartphone
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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