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Samsung Galaxy S9 und S9 Plus im Test: Empfehlenswert?

Samsung hat mit den beiden Samsung Galaxy S9 und Galaxy S9 Plus zwei absolut überragende Smartphones vorgestellt. Wie auch im letzten Jahr mit den S8-Modellen. Bei Preisen zwischen 849 und 949 Euro fragt man sich zu Recht, ob ein 5,8 bzw. 6,2 Zoll großes Display, eine super schnelle CPU vom Typ Exynos 9810, eine (bzw zwei beim S9 Plus) 12-Megapixel-Kamera mit Blende f/1.5 und ein nahezu unverändertes Design den Kauf rechtfertigen. Schauen wir mal.

Design, Haptik und die Verarbeitung

Galaxy_S9_S9_Plus_03Das Design des Samsung Galaxy S9 bzw Galaxy S9 Plus hat sich kaum verändert. Es ist immer noch eine (gelungene) Mischung aus Aluminium und Glas. Letzteres ist wieder an den Längsseiten um die Ecken gebogen und geht so – in den etwas dickeren Rahmen – aus Metall über. Der ist beim neuen S9/S9+ nmun in der Farbe des Smartphones (Schwarz, Blau oder Lila) lackiert. Die Lackierung ist allerdings matt gehalten, während die Rückseite wunderbar glänzt. Zumindest solange, wie keine Fingerabdrücke sichtbar sind. Also etwa 0,2 Sekunden lang … Meine beiden Testsamples mit Dual-SIM stammen übrigens von Cyberport.de. Die Telekom nutzt (leider) nur Single-SIM Varianten 😀

Die Abmessungen der beiden Modelle betragen: Galaxy S9 Plus (158,1 x 73,8 x 8,5 mm bei 189 Gramm) und Galaxy S9 (147,7 x 68,7 x 8,5 mm bei 163 Gramm). Beide Modelle sind dabei schwerer als ihre Vorgänger. Auch der Rahmen wirkt breiter, dadurch fühlt sich der Übergang zum Glas hin etwas schärfer an.

Ansonsten hat sich – abgesehen von der Position des Fingerabdruckscanners auf der Rückseite kaum etwas getan. Der befindet sich nun unter der Kamera und kann mit dem Zeigefinger besser erreicht werden, als noch beim Galaxy S8 / S8 Plus. Das Objektiv selber wird dabei von einem leicht erhöhten Rahmen gegen Kratzer geschützt. Zumindest bei der Ablage auf dem Tisch.

Über dem Bildschirm findet man die  8-Megapixel-Frontkamera, eine Hörmuschel mit dem zweiten  Lautsprecher, eine blau blinkende Benachrichtigungs-LED, Sensoren und den Iris-Scanner. Das Display ist – durch die vielen Sensoren – nun etwas nach unten gerutscht. Bedient wird das S9 / S9 Plus über On-Screen-Tasten. Der virtuellen Home-Button wird erneut über einen festen Druck aktiviert.

Galaxy_S9_S9_Plus_05Im rechten Gehäuserahmen befindet sich der Ein-/Ausschalter, auf der linken Seite findet man die Lautstärkewippe und darunter den höchst sinnfreiem Bixby-Button. Deutsch beherrscht der nämlich immer noch nicht, aber komplett abschalten kann man den ganzen Bixby-Zauber nun. Auf der Unterseite haben die Designer eine 3.5 mm Klinkenbuchse für Kopfhörer, einen USB-Typ-C-Anschluss (USB 3) sowie den „Bass“-Lautsprecher untergebracht. Jawohl, das S9 / S9 Plus bietet nun endlich Stereo-Sound „tuned by AKG“ samt Dolby Atmos.

Display: 5,8 Zoll oder 6,2 Zoll im 18,5:9-Format

Das Display des Samsung Galaxy S9 misst 5,8 Zoll im 18,5:9-Format, das des Galaxy S9 Plus 6,2 Zoll. Beide Displays lösen dabei mit maximal 1.440 x 2.960 Pixel (QHD+) auf. Die Farbdarstellung ist nahezu optimal, der Schwarzwert des AMOLED allerdings geringer als bei meinem Huawei Mate 10 Pro. Dafür ist das Display bei aktivierter Helligkeitsautomatik und heller Lichteinstrahlung absolute Spitzenklasse, viel heller als bei meinem Apple iPhone X. Ein den Einstellungen findet man nicht nur einen Lesemodus für Dunkelheit, oder die Möglichkeit die Auflösung bis auf 720x 1.480 Pixel zu reduzieren, sondern auch eine Anpassung der Farbdarstellung :“AMOLED-Kino“, „AMOLED-Foto“ und „Einfach“ auswählen. Selbst die Farbbalance kann ich von kühl bis warm anpassen. Zu guter Letzt kann ich wieder den Anteil jeder RGB-Farbe verändern.

Performance & Akku: Schneller und schwächer?

Rein technisch unterscheiden sich Samsung Galaxy S9 und das größere Plus-Modell nicht voneinander. Das S9 hat einfach keine Dual-Kamera und muss mit 4 GByte statt 6 GB RAM auskommen. Bemerkbar macht sich beides – in meinen Augen – nicht. Der neue Exynos-Chip ist extrem schnell und kommt im aktuellen AnTuTu-Benchmark auf über 245.000 Punkte, dabei ist es völlig egal ob 3/6 GByte RAM! Im Geekbench 4 reicht es für 3.719 im Single-Core und 8.899 im Multi-Core. DAS ist mal eine Ansage. Aber eigentlich benötigt man diese Power höchstens im DeX-Modus des S9. Denn die berühmt, berüchtigte Gedenksekunde bei der Samsung UI gibt es immer noch.

Etwas geschockt war ich dann von der Akkuleistung bzw. Ausdauer beider Geräte. Hier hätte ich mir schlicht mehr versprochen. Fangen wir mit dem Samsung Galaxy S9 (DUOS) an. Der fest eingebaute Akku (das Gerät ist übrigens vollständig verklebt und laut ifixit nahezu unreparierbar) leistet (nur) 3.000 mAh. das entspricht zwar dem „Standard“ bei anderen Smartphones, das sehr helle AMOLED und die super schnelle CPU saugen aber auch stark am Akku. Zudem scheint es Probleme im Akkumanagement zu geben. Das aktivierte Always-On-Display verbrauchte im Standby 26% der Akkuleistung, OHNE das ich überhaupt etwas damit gemacht habe. Im Dauertest kam ich dann auf 7:30 Stunden. Danach mußte das S9 wieder an die Steckdose. Die Aufladung per Kabel dauert 1:30 Stunden, kabellos per Induktion gut 3 Stunden!

Beim Galaxy S9 Plus fiel das Ganze noch „übler“ aus. Der fest eingebaute Akku leistet hier zwar 3.500 mAh, das Display ist aber auch größer und die Firmware noch weniger optimiert? Mein S9 Plus (DUOS) verliert innerhalb weniger Minuten gut 8% Energie. Auch hier verbraucht das Alway-On-Display gut 25% der Gesamtenergie. Ein täglicher Einsatz (100 Minuten Spotify, Telegram im Hintergrund und drei E-Mail-Konten) war so von 06:00 Uhr bis rund 18:30 Uhr möglich. Das letzte Prozent der Akkuleistung hält dabei erstaunlich lang 😀 Im Dauertest kam ich so auf rund 10 Stunden.

Android: Oreo trifft Samsung Experience 9.0

Optisch hat sich die eh schon recht verspielt wirkende Oberfläche namens Samsung Experience 9.0 kaum verändert. Die alte Connect-App von Samsung nennt sich nun SmartThings, Bixby Vision kann nun abfotografierte Texte in „Echtzeit“ übersetzen oder aus abfotografiertes Speisen die Kalorien berechnen. Am interessantesten ist die Funktion, in der Nähe liegenden Point-of-Interest per Augmented Reality anzuzeigen. Auch die DeX-Station, mit der man sein Galaxy S8/S8+/S9/S9+ als eine Art PC-Ersatz nutzen kann, wurde überarbeitet.

Alle Apps und Icons werden sowohl auf den zahlreichen Homescreens, als auch im App-Drawer angezeigt. Natürlich kann man sie auch in Ordnern sortieren. Wer mag, kann beim Samsung auch ein EMUI ähnliche Erfahrung nutzen. Dann verzichtet man auf einen App-Drawer. Der kann durch eine Wischgeste von unten nach oben aktiviert werden. Auf Wunsch kann man sich aus dem Play Store auch andere Android-Launcher installieren.

Auch Game Launcher und Game Tool sind wieder mit an Bord. Wie der Name es schon verrät, ist er in erster Linie für Spielernaturen interessant. Wer ein Spiel über den Game Launcher / Game Tool startet, bekommt über einen virtuellen Drücker nun neue Möglichkeiten. So kann man während des Spiels die Benachrichtigungen abschalten, die Softkeys deaktivieren, einen Screenshot machen oder das Spiel direkt per Video aufzeichnen. Wer doch mal eine Nachricht lesen will, der minimiert das Game einfach und spielt es das nahtlos weiter.

Über den rechten Displayrand kann man durch eine einfache Wischgeste von links nach recht ein paar Zusatzfunktionen auslösen. Hier kann ich also für mich wichtige Apps aber auch Kontakte, oder den Wetterbericht aufrufen.

Kamera: Eins oder Zwei aber immer 12

galaxy-s9_camera_phoneEine geniale Überschrift. Das Galaxy S9 oder das S9 Plus-Modell nutzen eine Kamera mit 12 Megapixel. Das S9+ bietet eine zusätzliche Linse für den Weitblick. Die Blende wechselt zwischen f/1.5 und f/2.4, so kommt unterschiedlich viel Licht beim Sensor an. Der Dual-Pixel-Autofokus sorgt dabei für schnelles Scharfstellen, ein optischer Bildstabilisator für wackelfreie Aufnahmen.

Die beiden Galaxy S9 nehmen nunmehr vier mal drei Fotos gleichzeitig auf, aus denen dann die beste „Dreierkombination“ ausgewählt wird. Laut Hersteller soll das zu rund 30% weniger Bildrauschen als beim S8/S8+ führen. Im Test konnte ich das nicht wirklich nachvollziehen. Die Aufnahmen selber wirken mir persönlich zu hell, dadurch bilden sie aber auch mehr Details ab. Das Highlight soll dabei eh die neue variable Blende des (S9+) sein. Bei schlechteren Lichtverhältnissen soll die Blende von f/1.5 bei beiden Modelle für eine bessere Bildqualität sorgen. Es hapert allerdings  an der Umsetzung, Licht ist genügend da, aber der Sensor oder die Kamera-App haben Probleme mit der Schärfe.

Samsung Galaxy S9

Samsung Galaxy S9+

Der künstlich erzeugte Bokeh-Effekt in den Modi „Live-Fokus“ (Galaxy S9+) und „Selfie-Fokus“ (Galaxy S9) wirkt ganz nett. Profis werden über den Pro-Modus mit seine vielschichtigen Einstellungsmöglichkeiten mehr Bildqualität herausholen können. Der Zomm-Modus des zweiten Sensors ist ganz hilfreich. Aber insgesamt unterscheidet sich die Bildqualität zwischen S9 und S9 Plus kaum udn auch zum Note 8 gibt es nur minimale Verbesserungen.

Konnektivtit: Iris trifft LTE

Die neue Gesichtserkennung namens „Intelligent Scan“ ist eine Kombination aus  Gesichtserkennung und Irisscan. Letzterer kommt immer dann zum Einsatz, wenn  nicht genügend Licht für die Erkennung des Gesichts zur Verfügung steht. Die Sprachqualität der beiden Samsung Galaxy S9/S9+ war gut, kein Unterschied zum Note 8. Die Lautstärke der beiden Lautsprecher ist sehr hoch, die Sende- und Empfangsleistung ebenfalls. Nur mein Mate 10 Pro ist in dieser Disziplin noch besser. Das gilt dann wiederum nicht für Sound der beiden Lautsprecher (Ohrmuschel und Unterseite), die klingen (evtl. wegen des AKG-Tunings) ziemlich fein. Beide Modelle unterstützen zudem das Surround-Sound-Profil Dolby Atmos. Die Sounds kann man über Equalizer-Presets tunen aber auch mit Dolby-Vorgaben wie „Musik“ oder „Film“.

Fazit: Super (teuer)

Abgesehen vom hohen Preis von (aktuell) 849 Euro gzwe. 949 Euro und der nicht übermäßig guten Akkulaufzeit beider Modelle, habe ich kaum etwas am Galaxy S9 oder Galaxy S9 Plus auszusetzen. Das war aber auch schon bei den Vorgängern Galaxy S8 und Galaxy S8 Plus der Fall. Es ist halt fast unmöglich, ein nahezu perfektes Smartphone nochmals zu verbessern. Daher hat Samsung auch nur an CP-LogoRGB-rechtseiner handvoll Schrauben gedreht. Das „neue“ Design ist keine sonderlich auffällige, der Klang und der neue Fingerabdrucksensor hingegen schon. Die Kamera ist auf einem hohen Niveau, kann sich von den älteren Vorgängern aber nur minimal absetzen. Mir ären beiden Geräte nicht den vergleichsweise hohen Aufpreis zum S8 (499 Euro) bzw. S8+ (579 Euro) wert. Aber in ein paar Wochen werden die Preise genauso sinken, wie es bei den Vorgängern der Fall war.

Tags : Android 8ReviewsSamsungSmartphoneTests
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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