Beenden

UMI Plus im Test: Glanzloses Mittelklasse-Smartphone?

Glanzlos ist es auf jeden Fall, denn das knapp 200 Euro günstige UMI Plus kommt in einem matten Metallgehäuse daher 😀 Mittelklasse paßt auch, denn es bietet ein 5,5 Zoll großes Display mit Full-HD-Auflösung. Zum Einsatz kommt ein MediaTek-Prozessor vom Typ Helio P10 (MT6755) mit acht Kernen und 4 GByte RAM. Dual-SIM und LTE in allen wichtigen Bändern vervollständigen den guten Eindruck. Aber all das hatten wir doch auch schon beim UMI Super? Schauen wir es uns also mal unter der Lupe an.

Der chinesische Hersteller UMI geizte in der Vergangenheit nicht gerade mit Leistungsmerkmalen, die dann doch nicht erfüllt wurden. Auch bei der Verarbeitung haperte es das ein- oder andere Mal. Das UMI Super war da ein gutes Beispiel. Das ebenfalls nicht unumstrittene UMI Touch verrichtet in der Redaktion nun seit knapp einem Jahr seinen Dienst. Täglich und rund um die Uhr. Bisher gibt es keine Probleme, die nicht dem Betriebssystem Android geschuldet wären. Kann das UMi Plus das noch toppen?

Schneewittchens Box?

Eigentlich ist die Verpackung von Smartphones heutzutage nicht mehr der Rede wert. Beim UMI Plus ist das anders. Die kleine schwarzen Box besteht wie beim Sarg von Schneewittchen aus einem transparenten Material. Leider ist es “nur” Kunststoff 😀 In der recht zerbrechlichen Box findet man dann das Smartphone, ein USB-Typ-C-Datenkabel, ein europäisches Netzteil, ein Öffnungswerkzeug für den SIM-Schacht sowie eine kleine Anleitung in gedruckter Form. Selbst eine Displayschutzfolie hat der Hersteller direkt aufgebracht. Dafür fehlen ein Headset und die Speicherkarte.

UMi Plus: Design ist nicht alles?

Mit seinen Abmessungen von 155,3 x 71 x 8,9mm bei stattlichen 191 Gramm ist es sogar etwas ausladender als das UMi Super (150.8 x 75 x 8.5 mm. Ein leichtgewichtiges Smartphone sieht zudem anders aus. Optisch macht es wenig her, es gehört eher in die Kategorie UMI Plus“Graue Maus”.  Das UMI Plus ist recht solide, aber keinesfalls perfekt verarbeitet. Die Ränder der beiden Plastikabdeckungen auf der oberen und unteren Rückseite sind zum Rahmen hin etwas “scharfkantig” ausgefallen. Allerdings ist das nicht wirklich tragisch.

Der Ein-/ und Ausschalter sowie der Lautstärkeregler liegen auf der rechten Seite des UMI Plus und wackeln leicht. Auf der linken Seite findet man den Einschub für zwei microSIM-Karten bzw. für eine Micro-SIM und eine micro-SD-Karte. Hier findet man auch eine zusätzliche Taste, die ich mit nahezu allen Apps belegen kann. Wer mag, kann hier also auch seine Kamera starten. All das findet man übrigens auch beim UMi Super.

Der fest eingebaute Akku mit seinen 4.000 mAh befindet sich unter der leicht gewölbten Rückseite aus Aluminium und kann nicht selbst gewechselt werden. Das komplette Gehäuse besteht bis auf die beiden Kunststoffabdeckungen aus Metall und wird in den beiden Farben Grau und Gold angeboten. Die Kanten des Rahmens sind dabei glänzend geschliffen.

UMI PlusÜber dem 5,5 Zoll großen Display findet man die sogenannte Harlequin-LED (eigentlich eine ganz normale LED in den Farben Rot, Grün und Blau). Der Hersteller scheint diese bezeichnung noch 1:1 aus dem UMi Super übernommen zu haben und irgendwie bekomme ich so langsam das Gefühl, beim Plus handelt es sich eher um einen “alten Wein in neuen Schläuchen”.

Die LED signalisiert übrigens eingehende bzw. entgangene Anrufe oder Nachrichten. Der Fingerabdrucksensor befindet sich im Home-Button auf der Vorderseite. Der regaiert sowohl auf Druck (als Taskmanager) als auch als Sensor (zum entsperren). Lautsprecher und Mikrofon sowie der USB-Typ-C-Anschuss (USB 2.0) befinden sich auf der Unterseite, der normale Kopfhörerausgang auf der Oberseite. Gesteuert wird das Android übrigens über die beiden kapazitiven Tasten neben dem Home-Button. Die sind aber weder beleuchtet, noch beschriftet. Was soll das denn bitte?

Display: 5,5 Zoll in Full-HD

Das 5,5 Zoll große Display des UMi Plus löst mit 1.080 × 1.920 Pixel auf. Weist bei hellen Hintergründen am unteren Displayrand aber ein leichtes Clouding (gelbliche Wölkchen) auf. Damit ist es definitiv schlechter als damals beim UMi Super. Die Farbdarstellung des Sharp LTPS LCD (OGS) ist soweit gut und die maximale Helligkeit ist recht hoch. Gegen die direkte Sonneneinstrahlung kommt es aber nicht an. Da sollte man sich dann in schattige Bereiche zurückziehen. Qualitativ ist es also leider keine Offenbarung.  Geschützt wird es übrigens nicht von Corning Gorilla Glas, sondern von Dinorex T2X-1. Das Glas ist zu den Rändern hin leicht gebogen, es fühlt sich daher recht “samtig” an. Die Blickwinkelstabilität ist befriedigend, kippt aber bei größeren Betrachtungswinkeln recht schnell ins gräuliche ab. Die Farben kann ich dank “Miravision” ein wenig an meine eigenen Bedürfnisse anpassen.

Performance & Akku: Vollkommen ausreichend

UMI setzt beim Plus wieder einen MediaTek MT6755 (Helio P10) ein. Der Octa-Core-Prozessor taktet seine acht Kerne dabei mit bis zu 2 GHz. Eine Mali-T860 MP2 GPU sorgt für ausreichend Grafikpower und 4 GByte Arbeitsspeicher für einen sauberen Workflow. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark kommt die CPU auf über 50.198 Punkte. Im Geekbench 4 reicht es für 732 Punkte im Single-Core und 2.717 im Multi-Core. Damit laufen grafisch ansprechende Spiele wie Modern Combat 5 und Co noch ruckelfrei. Für Gamer ist das günstige Smartphone also durchaus eine Überlegung. Das vorinstallierte Android 6 (oder die Android 7 Beta) samt dem schnörkellosen Launcher läuft auf jeden Fall flüssig.

Der fest eingebaute Akku erreicht im Test eine Kapazität von knapp 4.000 mAh.  In der Praxis kam ich auf eine Laufzeit von knapp 2 Tagen. Poweruser werden es nach rund 9 Stunden an die Steckdose hängen müssen. Eine Aufladung per Kabel dauert über 2  1/2 Stunden denn ein “echtes” Fast Charge wird nicht unterstützt. Zumindest nicht subjektiv.

Android 7.0 als Beta oder 6.0 als Standard

Das UMi Plus bietet ab Werk Android 6.0, welches der Hersteller aber immer noch nicht vollständig übersetzt hat. In den Einstellungen findet man also immer noch Einträge wie “Allow Cellular data” (für die mobile Datenübertragung). Der komplette Part für die Harlequin-LED – die farbige Benachrichtigungs-LED –  wurde nicht übersetzt.

Ebensowenig die Unterpunkte für die Navigations-Tasten (Home, Rückschritt, Taskmanager), deren Reihenfolge man abändern kann. Auf Wunsch kann sich sie sogar komplett ausblenden. Auch der Punkt für die “programmierbare” Taste auf der linken Gehäuseseite ist noch nicht übersetzt. Hier kann ich nahezu jede App durch einen simplen Tastendruck starten. Leider aber nur dann, wenn dasumi_ui7_1 UMI Plus entsperrt wurde 🙁

Ansonsten bekommt man ein nahezu unverändertes Android 6 mit Sicherheitspatches vom 01. Mai zu Gesicht. Bloatware findet man erfreulicherweise keine. So kann man direkt und ohne nerviges Gefummel alle Funktionen von Android 6 nutzen. Hierzu zählen auch die beliebten Google-Apps.

Highlight ist die Tatsache, dass bereits eine fast voll funktionsfähige Beta von Android 7.0 mit Sicherheitspatches vom 05.10.16 zur Verfügung steht. Aber auch hier wurden allerdings große  Teile der Menüeinträge noch nicht übersetzt. Zumal sich der Vorteil von Android 7  nicht jedem Benutzer auf den ersten Blick erschliesst. Der Google Pixel Launcher ist auch hier nicht vorhanden. Optisch sieht man also kaum Unterschiede. Einzig die Menüpunkte in den Einstellungen sind jetzt anders sortiert.

Kamera: 13-Megapixel von Samsung

Ehrlich gesagt kommt heutzutage kaum ein Smartphone ohne Sensor eines „namhaften“ Herstellers aus. Der Kunde will halt geblendet werden, möglichst mit vielen Megapixeln. Das UMi Plus setzt einen Sensor vom Typ Samsung ISOCELL (3L8) mit 13 Megapixel und Blende f/2.4 ein. Was das mit der Bildqualität zu tun hat? Wenig. Bei ausreichend Licht liefert die Kamera recht gute Bilder ab, leider werden helle Bereiche aber leicht überstrahlt. Bei Dunkelheit leiden die Aufnahmen unter sichtbaren Artekfakten, kein Wunder bei der Blende. In der Preisklasse bis 200 Euro geht die Qualität der Kamera noch vollkommen in Ordnung. Videos werden in maximal Full-HD aufgezeichnet. 4K beherrscht das Gerät NICHT!

UMI Plus

Der Sensor für Selfies auf der Vorderseite löst mit 5 Megapixel auf, stammt von Galaxycore und bietet keine eigene LED. Für ein paar einfacher Selfies reicht sie aus.

Konnektivität & Klang: LTE auch in Band 20

Das UMi Plus nutzt neben HSPA+ auch LTE und zwar in allen gebräuchlichen Bändern. Dabei geht die maximale Übertragungsgeschwindigkeit für den täglichen Gebrauch in Ordnung. Im LTE-Modus im Netz der Telekom kam ich aber nur auf 28 Mbps im Download und 42.5 Mbps im Upload?! LTE wird also nicht ganz so gut unterstützt, wie bei den Modellen von Samsung oder Apple. Wer mag, kann auch zwei SIM-Karten gleichzeitig nutzen, verzichtet dann aber auf die Speichererweiterung per microSD. Bei 32 GByte Speicher (knapp 22 GByte frei) kann ich das wohl verschmerzen, zumal ich den Speicher auch über USB-OTG (USB-Type-C) erweitern kann.

Die Sende-/ und Empfangsleistung des  UMI Plus war auf einem normalen Niveau. Die automatische Balken-Anzeige übertreibt allerdings ziemlich. Die Gesprächsqualität ist auf einem guten Niveau. Ein leichtes Grundrauschen und etwas „hell“ kommen die Töne aus dem Lautsprecher. Die Freisprecheinrichtung (Lautsprecher) ist hingegen sehr laut. Der GPS-Empfang des UMi Plus war allerdings (mal wieder) lausig. Im Gebäude dauerte es mehrere Minuten bis zum (ungenauen) Fix, trotz mehr als 20 sichtbarer Satelliten. Auch im freien Gelände schwankte der Empfang seghr stark. Für eine verlässliche Navigation (im Auto) ist das Umi Plus nicht geeignet. Dabei war es auch egal, ob Android 6 oder Android 7 zum Einsatz kam.

Der eingebaute Fingerabdrucksensor auf der Vorderseite war recht unzuverlässig.  Die Erfolgsrate liegt bei 9 von 10 Versuchen. Es lassen sich bis zu 5 Fingerabdrücke trainieren und man muss den Finger danach auch genau SO auflegen (nicht drücken) und schon wird das UMI Plus aus dem Standby aufgeweckt.

Push-Nachrichten (WhatsApp und Co) bekommt man nur zugestellt, wenn man in den Einstellungen unter “Background task clear” diese vor dem virtuellen Harakiri schützt. WLAN wird im Standard 802.11 a/b/g/n in beiden Bändern (2.4/5 Ghz) unterstützt. Daneben bietet das UMI Plus auch noch Bluetooth 4.0. Der Musikplayer liefert über gute Kopfhörer einen passablen Sound, ein FM-Radio sorgt unterwegs für ein wenig mehr Unabhängigkeit von Spotify und Co.

Fazit: Ist es seine 200 wert?

Das UMI Plus bekommt man nur als Import (über Gearbest ohne Zoll und Stress). Den günstigen Preis erkauft man sich mit leichten Verarbeitungsmängeln. Das Full-HD-Display ist scharf, kämpft allerdings mit einem leichten Clouding und der Ablesbarkeit aus extremen Winkeln. Android 6.0 oder sogar schon Android 7.0 ist unverbastelt schlank, aber leider nicht vollständig übersetzt. Die 13-Megapixel-Kamera ist nett, kann aber nicht mit Modellen vom Samsung mithalten. Als Alternative bieten sich andere Importe, wie Modelle von Xiaomi oder Vernee an oder eben das Huawei 5c an.

Testergebnis

Verarbeitung 8.5
Display 8
Performance & Akku 8
Kamera 8
Konnektivität 6.9

Fazit

7.9 Das UMI Plus bekommt man nur als Import (über Gearbest ohne Zoll und Stress). Den günstigen Preis erkauft man sich mit leichten Verarbeitungsmängeln. Das Full-HD-Display ist scharf, kämpft allerdings mit einem leichten Clouding und der Ablesbarkeit aus extremen Winkeln. Android 6.0 oder sogar schon Android 7.0 ist unverbastelt schlank, aber leider nicht vollständig übersetzt. Die 13-Megapixel-Kamera ist nett, kann aber nicht mit Modellen vom Samsung mithalten. Als Alternative bieten sich andere Importe, wie Modelle von Xiaomi oder Vernee an oder eben das Huawei 5c an.

Tags : AndroidChinaReviewSmartphoneTestsUMI
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar “Musik”, aber die meisten anderen bezeichnen es als “Krach”.

Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

Diese Website verwendet Cookies, um Ihre Erfahrungen zu verbessern. Durch die Nutzung dieser Seite stimmen Sie dem zu. Mehr Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen