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Vernee Mix 2 im Test: Mehr Schein als Sein?

Das Vernee Mix 2 reiht sich nahtlos (und gesichtslos) in die aktuell stark gestiegene Zahl an Smartphones im “Edgeless-Design” ein. Bisher handelte es sich dabei aber um eher teurere Vertreter vom Typ Samsung Galaxy S8, Essential PH-1 oder Xiaomi MI MIX (2). Mit dem Vernee Mix 2 will der “umstrittene” Hersteller aber eher mit Modellen wie dem Doogee Mix (Mix 2), Leagoo Kiicaa Mix, Ulefone Mix, VKWorld Mix, Umidigi Crystal oder Maze Alpha konkurrieren. Für umgerechnet 168 Euro ist das trotzdem kein leichter Job.

Vernee Mix 2: Design ist gut kopiert

Bei einem Smartphone mit einem 6 Zoll großen Display im 18:9 Format wird die Vorderseite zwangsläufig vom Display dominiert. Die Ränder – sofern vorhanden – treten dabei in den Hintergrund. Das ist beim Mix 2 von Vernee nicht anders, die Rändern sind aber – wie beim großen Vorbild Xiaomi MI MIX 2 – sehr gut sichtbar und zwischen 3-5 mm groß. “Randlos” ist dabei was anders. Mit seiner Full-HD+ Auflösung (1.080 x 2.160 Pixel) macht das Display dennoch einen “schlanken Fuß”. Ok, die Abmessungen von 158 x 76 x 8,2 mm und ein Gewicht von 195 Gramm sprechen da eine andere Sprache. Gerade das Gewicht ist bei diesen “Chinaböllern” immer noch deutlich zu hoch. Obwohl beide Seiten aus Glas bestehen und der Rahmen selbst aus Aluminium gefertigt wurde. Leider sind die Übergänge zwischen Rahmen und Vorder- und Rückseite eher grob ausgefallen. Die Ränder sind daher gut spürbar und wirken aufgesetzt.

Vernee_Mix2_26Auf der extrem fingerabdruckanfälligen Rückseite findet man eine 13-Megapixel-Kamera sowie eine zweite 5-Megapixel-Kamera. Die beiden Objektive ragen dabei sichtbar aus dem Gehäuse hervor. Der Fingerabdrucksensor befindet sich ebenfalls  in der Mitte der Glasrückseite. Im Rahmen aus Aluminium haben die Designer den Ein-/ und Ausschalter sowie den Taster für die Lautstärke (beide rechts) und den kombinierten Einschub für (zwei) SIM-Karten oder eine SIM und eine MicroSD-Karte bis 256GB (links) untergebracht. Die Unterseite zieren zwar zwei Gitter, hierbei handelt es sich aber nur um einen Lautsprecher und das Mikrofon. Hinzu kommt ein veralteter microUSB-Port! Seine  Kopfhörer stöpselt man auf der Oberseite ein, ohne jeglichen Adapter.

Vernee Mix 2: Display macht Spaß

Abgesehen von den doch recht breiten Rändern macht das Display mit seinen 6 Zoll und 1.080 x 2.160 Pixel schon “Spaß”. Das IPS-Display ist zwar nicht außerordentlich hell, die Farbwiedergabe nicht so super “brilliant” wie bei einem AMOLED. Aber insgesamt geht die Darstellung der Inhalte auch ohne die für MediaTek-Geräte typische “MiraVision” in Ordnung. Und für rund 165 Euro habe ich daher auch keinen Grund zu meckern. Das Wiko View ist da auch nicht besser aufgestellt, die Auflösung sogar noch geringer. Eine sehr helle, blau leuchtende LED im oberen Rahmen informiert mich übrigens auch über eingehende Nachrichten oder Anrufe.

Die Performance: Kein Snapdragon 830 oder Helio X30

Der im Vernee Mix 2 eingesetzte Helio P25 (MT6757CD) Prozessor aus dem Hause MediaTek taktet seine 8 Kerne mit bis zu 2.4 GHz und erreicht im aktuellen AnTuTu-Benchmark rund 55.000 Punkte. Im Geekbench 4 kommt die CPU auf 823 Zähler im Single-Core und 3.264 Punkte im Multi-Core. Das ist etwas langsamer als bei anderen Smartphones mit diesem Chipsatz und deutet eher auf einen Helio P20 bzw.  einen herabgetakteten Vertreter des Helio P25 hin. Schaltet man den Performance-Mode an, so kommt der SoC aber auch auf 61.188 Zähler im AnTuTu.

Das vorinstallierte Android 7.0 samt seinen “VOS 1.0.0” genannten Optimierungen – sowie die von mir getesteten Spiele aus dem Hause Gameloft und Co – liefen nahezu ruckelfrei. Einen Unterschied zwischen 4 und 6 GByte RAM spürt man in der Realität nicht. Daher wird das Vernee Mix 2 auch “nur” mit 4 GByte ausgeliefert. Der fest eingebaute Akku des Vernee Mars Pro leistet dabei laut Datenblatt 4.200 mAh.

Vernee_Mix2_34Bei meinen Tests kam ich aber nur auf eine Kapazität von rund 3.000 mAh. Ein eklatanter Unterschied, der dann aber auch die Laufzeit von maximal anderthalb Tagen erklärt. Im Dauereinsatz ist der Akku nach etwa 5 Stunden leer. Die Aufladung geht dank einer Art “Quick Charge” recht schnell. Mit dem mitgelieferten Ladegerät (9V/2 Ampere) pumpt man den Akku in rund 1:50 Stunden voll. Bereits nach rund 30 Minuten hat man genug Energie für etwa 8 Stunden getankt.

Android 7: Etwas veraltet

Das Vernee Mix 2 nutzt ein nahezu unverändertes Android 7.0 (Firmware vom 31.10.17). Die Sicherheitspatches sind vom 05. August 2017. Der Hersteller setzt auch optisch auf den normalen Google-Launcher. Eventuell noch fehlenden (Google)-Apps kann man sich so leicht über den bereits vorinstallierten Google Play Store nachinstallieren. Bloatware findet man hier keine, dem Nutzer stehen nur die für den Betrieb unbedingt notwendigen Apps zur Verfügung. Allerdings leidet das Vernee unter der potentiellen FOTA/ADUPS Spyware. Die VOS genannten Verbesserungen sind nicht auf Anhieb spürbar und gehören (für mich) auch eher in den Bereich der Mythen und Versprechungen. Das eingebauet FM-Radio dafür nicht.

Dual-Kamera mit 13 Megapixel aber ohne Sony

Vernee_Mix2_27Das Vernee Mix 2 soll laut Hersteller eigentlich einen Sony IMX 258 als Hauptsensor nutzen. Tatsächlich handelt es sich aber um einen AR1335 Sensor mit 13 Megapixel sowie um einen zweiten Sensor mit 5 Megapixel, der für den “Zoom” zuständig ist. So sollen die “Doppelzoom” Aufnahmen (sind nur Ausschnittsvergrößerungen) und sogenannte Bokeh-Effekte ermöglicht werden. Einer der beiden Sensoren soll dabei auch für eine reine Schwarz-Weiß-Aufnahme sorgen.

Vernee Mix 2

In der Praxis klappt weder das eine noch das andere zufriedenstellend. Bei ausreichend Licht gelingen ansprechende Aufnahmen, bei weniger Licht oder bei künstlichem Licht werden die Aufnahmen aber schnell körnig oder farbverfälscht abgebildet. Die Dual-Kamera mit “Sony Sensor” ist daher nur ein Marketing-Versprechen, von Sony stammt hier nichts. Die Frontkamera ist leider auch nicht besser. Was nützen einem da Videoaufnahmen in HD/HDR?

Konnektivität: LTE und Dual-SIM

Auch das Vernee Mix 2 bietet eine vollwertige LTE Abdeckung, dabei werden zwar alle Bänder unterstützt – aber nur in einer mittelmäßigen Geschwindigkeit. Mehr als rund 35 mbit/s waren nicht möglich, das sollte aber auch ausreichen. Eine Unterstützung für VoLTE (HD) zeigt das Smartphone zwar in den Einstellungen an, genutzt wird diese aber nachweislich nicht. Insgesamt ist die Gesprächsqualität daher auch nur befriedigend, die Sende- und Empfangsleistung ging in Ordnung. In meinem Videoreview des Vernee Mix 2 auf YouTube sieht man es mal in bewegten Bildern

Der eingebaute GPS-Empfänger des Smartphones gab hingegen keinen Anlass zur Klage. Der erste Safix geht sehr schnell (NUR bei eingelegter SIM-Karte). Die Abweichung liegt zwischen 3 und 10 Metern. Neben GPS stehen auch 11 weitere Sensoren (Beschleunigungs-, Näherungs-, Helligkeits-, Magnetfeldsensor, Gyroskop) zur Verfügung. Fans von Pokèmon Go kommen also auch hier auf ihre Kosten. Der Fingerabdrucksensor des Vernee Mix 2 unterscheidet bis zu fünf Finger. Der Sensor selbst reagiert dabei recht schnell und in 8/10 Versuchen auch zuverlässig.

Fazit: Mehr Schein als Sein?

Das Vernee Mix 2 kostet rund 168 Euro, ist aber nur als Import verfügbar. Die Durchsetzung der Garantie ist daher eher schwer möglich. Eigentlich kämen auch noch 19% Einfuhrumsatzsteuer hinzu. Für das Geld bekommt man ein gutes (nahezu) randlosen Display mit 6 Zoll und Full-HD+. Die Performance reicht für normale Spiele und den täglichen Einsatz aus. Die Dual-Kamera (ohne Sony-Sensor) ist qualitativ schwach und der fest eingebaute Akku leistet nur rund 3.000 mAh statt der versprochenen 4.200 mAh. Für gleiches Geld bekommt man – abgesehen von Importen wie dem Doogee Mix (2) oder Smartphones aus dem Hause Xiaomi – aber kaum vergleichbare Smartphones. Ich persönlich würde für 185 Euro zum Samsung Galaxy J5 (2017) greifen.

Testergebnis

Verarbeitung 8.6
Display 8.5
Performance 8
Kamera 7.3
Konnektivität & Akku 8

Fazit

8.1 Das Vernee Mix 2 kostet rund 165 Euro, ist aber nur als Import verfügbar. Die Durchsetzung der Garantie ist daher eher schwer möglich. Eigentlich kämen auch noch 19% Einfuhrumsatzsteuer hinzu. Für das Geld bekommt man ein gutes (nahezu) randlosen Display mit 6 Zoll und Full-HD+. Die Performance reicht für normale Spiele und den täglichen Einsatz aus. Die Dual-Kamera (ohne Sony-Sensor) ist qualitativ schwach und der fest eingebaute Akku leistet nur rund 3.000 mAh statt der versprochenen 4.200 mAh. Für gleiches Geld bekommt man - abgesehen von Importen wie dem Doogee Mix (2) oder Smartphones aus dem Hause Xiaomi - aber kaum vergleichbare Smartphones. Ich persönlich würde für 185 Euro zum Samsung Galaxy J5 (2017) greifen.

Tags : ChinaMixReviewSmartophonesTestsVernee
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar “Musik”, aber die meisten anderen bezeichnen es als “Krach”.

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