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Xiaomi Mi Mix im Test: Funktioniert das Smartphone-Konzept?

Testergebnis

Verarbeitung 10
Display 9.2
Performance 10
Kamera 8.5
Konnektivität & Akku 8.4

Fazit

9.2 Das nahezu randlose, 6,4-Zoll große Display des Mi Mix ist sicher ein Highlight, dagegen sieht das Apple iPhone 7 Plus alt aus. Die 16-Megapixel-Kamera kann aber nicht mit dem Huawei Mate 9 mithalten und auch das Display wirkt nicht so lebendig und klar wie beim Mate 9. Mi hätte auf QHD setzen sollen. Die Performance des Snapdragon 821 ist außerordentlich hoch, der Sound sowie die Sende-/Empfangsleistung des Xiaomi Mi Mix sind ebenfalls ok. Leider fehlt das hierzulande nicht unwichtige LTE Band 20, eine Speichererweiterung per MicroSD ist nicht möglich und die Soundwiedergabe über den Keramik-Treiber klingt etwas "ungewöhnlich".

Das Xiaomi Mi Mix war eigentlich als Konzept-Smartphone geplant. Xiaomi wurde dann aber praktisch von der großen Nachfrage „überrascht“. Was allerdings auch kein Wunder ist, denn für umgerechnet 470 Euro (offizieller Preis, Straßenpreis ist deutlich höher) bekommt man ein Smartphone im Keramik-Gehäuse mit einem nahezu randlosen, 6.4-Zoll großen Touchscreen. Bei der CPU setzt Xiaomi auf den brandneuen Snapdragon 821 mit rund 2.3 GHz. Der interne Speicher (128/256 GByte) ist allerdings nicht erweiterbar und LTE gibt es auch nicht im Band 20. In meinem ausführlichen Test nehme ich es unter die Lupe.

Xiaomi Mi Mix: Konzept oder Zukunft?

Ich denke mal „in between“. Ein Smartphone mit einem nahezu randlosen Display hat so seine Vorteile. Leider aber auch Nachteile, denn gerade die Gesprächsqualität leidet darunter etwas. Das habe ich auch schon beim Gigaset ME Pro bemängelt.

Xiaomi hat das Smartphone zusammen mit Philippe Starck designt. So kommen neben klaren Linien auch ein Materialmix aus Glas und Keramik zum Einsatz. Die 5-Megapixel-Frontkamera befindet sich nicht oben (da ist kein Platz), sondern am unteren Rand des Displays. Einen Lautsprecher sucht man auch vergebens, denn die Töne werden – ähnlich wie beim Gigaset ME Pro – über einen kleinen Keramik-Treiber im Displayglas des Mi Mix übertragen. Der konvertiert die elektrische Signale in Schwingungen. So klingt praktisch das „Glas“ des Mi Mix. Leider mit den gleichen Nachteilen wie bei Gigaset: etwas zu leise, etwas zu kratzig. Aber dazu später mehr.

Die Kopfhörer (gehören NICHT zum Lieferumfang) stöpselt man beim Mi Mix auf der Oberseite ein, einen IR-Sender gibt es leider nicht. Das USB-Type-C-Kabel (2.0) findet auf der Unterseite Zugang zum Gehäuse. Dort befindet sich auch Bohrungen für eines der drei Mikrofone und für den Lautsprecher. Der Tray mit den beiden nanoSIM-Karten wird auf der linken Seite ins Gehäuse eingeschoben. Eine Erweiterung des internen Speichers (128/256 GByte) ist leider nicht möglich. Der Ein- / Ausschalter sowie der Drücker für die Lautstärke liegen auf der rechten Gehäuseseite und sind ebenfalls aus einer Art Keramik. Das Xiaomi Mi Mix kommt nur in Schwarz auf den Markt, allerdings in zwei Speicherausführungen. Die Version mit 256 GByte bietet dann auch 6 Gbyte Arbeitsspeicher und Farbakzente aus echtem Gold (kein Wunder bei einem aktuellen Importpreis von rund 980 Euro). Mein Testsample (670 Euro) muss mit 128 GByte Speicher und 4 GByte RAM auskommen. Das reicht aber locker.

Xiaomi Mi Mix

Der runde Fingerabdrucksensor befindet sich auf der Rückseite, direkt unter der 16-Megapixel-Kamera mit f/2.0 Blende, PDAF und 4K-Videoaufnahmen. Der Sensor entsperrt das Smartphone durch blosse Berührung und unterscheidet dabei bis zu fünf Fingerabdrücke. Im Test gab es mit dem Sensor keine Probleme. Leider ist die Rückseite seeeeehr empfindlich, was Fingerabdrücke und Stürze betrifft. Xiaomi legt nicht umsonst eine kostenlose Schutzhülle aus Echtleder dabei. Die macht das schicke Smartphone aber einen Tick weniger schick und dafür deutlich dicker. Ich nutze daher eine transparente TPU-Hülle, wie bei meinem diamantschwarzen iPhone 7 Plus. Der Schriftzug „Mix designed by Mi“ deutet auf Änderung des Namens für Europa hin. Xiaomi ist halt ein „Zungenbrecher“ 😀

Xiaomi Mi Mix Display: Ohne Rand mit 6,4 Zoll

Xiaomi MI Mix

Das 6,4 Zoll große IPS-LCD des Xiaomi Mi Mix löst mit 1.080 x 2.040 Pixel auf und nutzt das eher ungewöhnliche 17:9 Format. Die rund 362 ppi sind weit weniger aufregend, als der nahezu nicht vorhandene Rand rund um das riesige Display.  Mit seinen 159 x 82 × 7,90 mm ist es zwar ähnlich ausladend wie das iPhone 7 Plus, bietet aber deutlich mehr Display. So werden nicht weniger als  91% der Vorderseite vom Touchscreen in Beschlag genommen. Die Qualität der Darstellung selber ist allerdings nicht so beeindruckend.

Die maximale Helligkeit ist zwar ausreichend, kommt aber nicht gegen die direkte Sonneneinstrahlung an. Es wirkt auch nicht so scharf, wie beispielsweise bei meinem Huawei Mate 9. Dem großen Display des Mi Mix hätte QHD deutlich besser zu Gesicht gestanden, dennoch ist die schiere Fläche riesig.

Die Blickwinkelstabilität des Bildschirms und die Farbdarstellung sind ohne Mängel und von hoher Qualität. Den Always-on-Modus (Darstellung von Benachrichtigungen, Datum und Uhrzeit) bietet das Xiaomi Mi Mix nicht. Finde ich persönlich auch nicht schlimm. Samsung hat es zum Beispiel falsch vorgemacht. Eine kleine Benachrichtigungs-LED für Anrufe, Mitteilungen und den Ladezustand befindet sich mittig unter dem Display. Die Farben für die einzelnen Ereignisse kann ich dabei selber wählen. Bedient wird das Mix über eingeblendete Softkeys, die man auch ausblenden kann. Alternativ gibt es eine Art „Kreis“, den ich auf dem Display verschieben kann. Damit kann auch alle Funktionen steuern. Sowas bietet Apple auch an (nützlich wenn der Home-Button defekt ist).

Schlussendlich ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man lieber das lebendige Display des Huawei Mate 9, die exzellente Farbdarstellung eines iPhone 7 Plus oder aber die riesige Fläche des Xiaomi Mi Mix bevorzugt. Ich persönlich nutze alle drei Geräte 😀

Xiaomi Mi Mix: Snapdragon 821 mit 4.400 mAh

Das Xiaomi Mi Mix kommt in zwei Speichervarianten auf den Markt. Die beiden Modelle nutzen dabei den neuen Qualcomm-Chipsatz Snapdragon 821 (2x 2.15 GHz Kryo, 2x 2.0 GHz Kryo) mit Adreno-530-GPU sowie Quick-Charge-3.0-Unterstützung. Die günstigere Variante mit 128 GByte internen Speicher bietet 4 GByte RAM (LPDDR4). Die Version mit 256 GByte Speicher nutzt hingegen 6 GByte RAM. Allerdings ist der Mehrwert – abgesehen von den Zierleisten aus Gold – eher übersichtlich. Der Preis allerdings deutlich höher!

Der neue SoC des Xiaomi Mi Mix wird unter Last nicht spürbar wärmer. Obwohl er im Vergleich zum Vorgänger (Snapdragon 820) rund 10% schneller sein soll, merkt man das in der Praxis kaum. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark erreicht die CPU 155,134 Punkte. Im Geekbench 4 kommt der Snapdragon 821 auf 1.820 Zähler im Single Core und 4.348 im Multi Core. Die Ergebnisse des Geekbench 4 sind dabei nicht unbedingt mit dem Geekbench 3 vergleichbar. Alle aktuellen Spiele laufen absolut flüssig und die CPU ist für die nächsten Jahre bestens gewappnet.

Der 4.400 mAh starke Lithium-Polymer-Akku des Xiaomi Mi Mix kann nicht selbst getauscht werden. Im Dauereinsatz mit maximaler Helligkeit hielt die Kraftzelle knapp 7:30 Stunden durch. Normalnutzer werden damit also etwa 1 bis 1 1/2 Tage ohne Steckdose auskommen. Der Ladevorgang dauert mit einem passenden Schnelllader etwa 1:50 Stunden. Kabellos kann man den Akku übrigens nicht aufladen.

Konnektivität: Keine MicroSD, kein LTE Band 20

Den internen Speicher (128/256 GByte) des Xiaomi Mi Mix kann man leider nicht über microSD-Karte erweitern. Das klappt nur über USB-OTG mit dem passenden USB-Typ-C-Adapter. Der fest eingebaute UFS-2.0-Speicher (Universal Flash Storage) ist dafür jedoch recht fix befüllt.

An Datenschnittstellen steht neben USB-Typ-C (2.0) auch Bluetooth 4.2, NFC, GPS samt Glonass, WLAN a/b/g/n/ac mit Wifi Direct (2.4/5 GHz) sowie UMTS mit HSPA+ und LTE (ohne Band 20) zur Verfügung. Die Infrarot-Schnittstelle eines Xiaomi Mi5 findet man beim Mix aber nicht. In meinem Videoreview des Mi Mix auf YouTube gehe ich auf alle Besonderheiten ein:

Nachteil des Xiaomi Mi Mix ist die Tatsache, dass LTE Band 20 (800 MHz) grundsätzlich nicht unterstützt wird. Dieses Band wird in China nicht genutzt und die überflüssigen Lizenzgebühren spart sich Xiaomi dann auch gleich. Da das Mi Mix wohl auch nicht in Indien auf den Markt kommen soll, ist eine internationale Version mit Band 20 auch unwahrscheinlich. Die Funktion für LTE-Telefonate (Voice over LTE) ist in der Firmware hinterlegt, wird hierzulande (zumindest von der Telekom) aber nicht unterstützt. Leider ist gerade in diesem Netz die Empfangsleistung zudem schwächer als bei den hierzulande etablierten Herstellern wie Samsung, Huawei oder Apple.

Die Sprachqualität des Mi Mix war sowohl im UMTS wie auch im LTE-Netz (Telekom und Vodafone) gut. Die Empfangsqualität ist in gut versorgten Gebieten unproblematisch, auf dem Land kann es – gerade beim Wechseln zwischen GSM/UMTS/LTE – zu kurzen Aussetzern kommen. Die etwas ungewöhnliche Methode, Schallwellen über einen Wandler auf das Displayglas zu übertragen führt im ersten Test zu Irritationen. Der Sound ist dadurch etwas dumpfer, etwas kratziger und in meinen Ohren auch nicht immer laut genug. Zwar besser als beim Gigaset ME Pure, aber längst nicht so klar wie bei herkömmlichen Lösungen. Die Kröte muß man also schlucken.

MIUI 8: Inoffiziell mit deutscher Sprache

Es gibt aktuell sowohl eine MIUI 8 Developer-Version mit wöchentlichen Updates als auch eine „China“-Stable. Beide Firmwares bietet nur die Englische bzw. Chinesische Sprache an. Eine offizielle „Global“ mit deutscher Sprache wird es wohl nicht geben. Wer also unbedingt auf unsere Muttersprache angewiesen ist (im Zeitalter von Denglisch nicht unbedingt mehr wichtig) muss den Umweg über den Bootloader-Unlock, TWRP und die Custom-ROM von Xiaomi.eu bzw. eine „Shop-Firmware“ mit deutscher Sprache beschreiten. Letztere ist dann aber nicht offiziell und wird auch nicht mit Updates versorgt.

Der Vorgang wird unter http://en.miui.com/unlock erklärt und dauert knapp 5 Tage. Als Gold bzw VIP-Member des MIUI-Forum kann ich alle 30 Tage ein Xiaomi ohne Wartezeit entsperren.

MIUI 8.1: Schick und nützlich

Xiaomi stattet das Mi Mix wieder mit der hauseigenen Benutzeroberfläche „MIUI“ aus. Die neue Version 8.1 basiert auf Android 6. MIUI nutzt hier eine ähnliche Bedienung auch auch Features, wie Huawei bei seinem EMUI. Es fehlt allerdings das Update auf Android 7.  MIUI bietet dafür aber viele nützliche Zusatzfunktionen, Rechtebeschränkungen und Personalisierungsmöglichkeiten.

Wer Google-Dienste wie Gmail, Hangouts, Play Music, Maps und Youtube einsetzen will (oder muß) kann über einen „Google-Installer“ im MIUI App-Store problemlos nachrüsten. Andere Anwendungen und Spiele kann man sich dann im zweiten Schritt ganz einfach über den Google Play Store installieren. Die Apps laufen dabei allerdings in englischer Sprache. Push-Nachrichten (WhatsApp, Facebook, Newton) funktionieren hier ebenfalls einwandfrei, sofern die entsprechenden Apps im Energie-Management in eine Ausnahme aufgenommen wurden.

Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, Apps zu „klonen“. So kann man nun beispielsweise sein WhatsApp mit zwei unterschiedlichen Rufnummern gleichzeitig nutzen. Dank des „Second-Space“ hat man ein zweites, unabhängiges Android-System mit unterschiedlichen Apps. In die beiden Systeme gelangt man beim Start durch unterschiedliche Entsperrungsmechanismen.

An Sicherheitsfeatures bietet Xiaomi zum Beispiel die Möglichkeit, jede App mit einem Passwortschutz zu versehen. Man kann auch den Autostart der Apps verhindern und ihnen sogar einzelne Rechte entziehen.

Xiaomi Mi Mix: 16 Megapixel-Kamera

Die rückseitig verbaute Kamera löst Bilder mit maximal 16 Megapixel auf und zeichnet Videos in 4K-Qualität auf. Leider kommt hier nicht der Sensor wie beim Xiaomi MI5s zum Einsatz. Damit ist rein fototechnisch dem Huawei Mate 9 klar unterlegen.

Fotos kann man mit 4:3 (16 Megapixel) oder 16:9 (12 Megapixel) aufnehmen. An Effekten stehen neben HDR auch Panorama, Zeitraffer sowie Slow-Motion zur Auswahl. Die Kamera-App selbst ähnelt dabei stark der des iPhone 7. Über den Touch-Autofokus kann man auch die Belichtung steuern. Dazu muss man in dem Kreis einen kleinen Regler verschieben. Für scharfe Bilder sorgt ein Phase Detection Autofocus.

Xiaomi Mi Mix

Während bei ausreichend Licht gute Aufnahme zustande kommen, schwächelt die Kamera bei schlechten Lichtverhältnissen doch etwas. Es kommen Artefakte hinzu, die man bei der Kamera des Google Pixel nicht zu Gesicht bekommt. Aber das ist auch deutlich teurer. Mit dem manuellen Modus der Kamera kann man die Bildqualität leicht verbessern.

Die Videoqualität geht voll in Ordnung, Videos werden mit maximal 4K aufgezeichnet. Der Ton klingt etwas dumpf.

Xiaomi Mi Mix: Fetter Sound, typisch Xiaomi

In der Play-Music-App aus dem Hause Google oder in der hauseigenen Music-App kann man die bei Android weit verbreiteten Equalizer-Presets (Rock, Pop, Jazz, etc.) bzw. den 5-Band-Equalizer aktivieren. In den Untiefen der Einstellungen selbst findet man aber noch bessere und weitreichendere Soundoptionen. Hier kann ich den speziellen Equalizer aktivieren der auch über – speziell für Xiaomi-Kopfhörer optimierte – Klangprofile verfügt. Die kann man aber auch wunderbar mit eigenen Kopfhörern nutzen. Der Sound über den Lautsprecher unten rechts geht in Ordnung. Er ist recht laut, klingt aber etwas „dünn“. Im Quermodus kann er aber durchaus mal vom kleinen Finger abgedämpft werden.

Fazit: Hierzulande noch etwas teuer

Das nahezu randlose, 6,4-Zoll große Display des Mi Mix ist sicher ein Highlight, dagegen sieht das Apple iPhone 7 Plus alt aus. Die 16-Megapixel-Kamera kann aber nicht mit dem Huawei Mate 9 mithalten und auch das Display wirkt nicht so lebendig und klar wie beim Mate 9. Mi hätte auf QHD setzen sollen.

Die Performance des Snapdragon 821 ist außerordentlich hoch, der Sound sowie die Sende-/Empfangsleistung des Xiaomi Mi Mix sind ebenfalls ok. Leider fehlt das hierzulande nicht unwichtige LTE Band 20, eine Speichererweiterung per MicroSD ist nicht möglich und die Soundwiedergabe über den Keramik-Treiber klingt etwas „ungewöhnlich“. Das Xiaomi Mi Mix kostet als Import rund 680 Euro, dafür bekomme ich auch ein Huawei Mate 9. Ich persönlich greife trotzdem zum Xiaomi Mi Mix, das Display ist einfach so cool und es sieht mit dem Keramik-Gehäuse super aus.

Tags : AndroidChinaReviewsSmartphonesTestsXiaomi
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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