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Xiaomi Mi MIX 2 Test: Weniger Display aber mehr Rand?

Das Xiaomi Mi MIX 2 ist der Nachfolger des MIX und hat den Trend zum “randlosen” Display erst so richtig ins Rollen gebracht. Xiaomi legt für rund 420 Euro (Preis in China) ein hochwertiges Smartphone vor, bei dem sich Samsung und Co durchaus eine Scheibe abschneiden können. Das MIX 2 kommt in unterschiedlichen Speicherversionen (64/128/256 GByte) und in einer Sonderedition mit Keramikgehäuse und 8 GByte RAM/128 GByte Speicher auf den Markt. Diesmal direkt mit LTE Band 20! Also auf zum Test meines Imports (TradingShenzen).

Xiaomi Mi MIX 2: Trend oder neuer Standard?

Keine Frage, das Xiaomi MIX hat den Trend gesetzt und Samsung, LG und Co haben nachgezogen. Selbst “Billiganbieter” aus China statten ihre Smartphone mit einem randlsoen Display (bezelless) aus. Mal mehr, mal weniger Rand 😀

Xiaomi hat beim neuen MIX 2 wieder mit Philippe Starck zusammengearbeitet. Haptisch macht es jetzt aber einen Unterschied, ob man die normale Version oder die Sonderedition mit 8 GByte RAM kauft. Bei der “normalen” Version mit 6 GByte RAM besteht der Rahmen aus Aluminium und die Rückseite aus Keramik. Bei der Sonderedition besteht hingegen das komplette Gehäuse aus dem widerstandsfähigen Material (Unibody).

xiaomi-mi-mix-2-StrackDie 5-Megapixel-Frontkamera befindet sich beim 152 x 75 x 7,7 mm großen Xiaomi MIX 2 wieder am unteren, rechten Rand des Displays. Der Bereich unterhalb des Displays ist laut Hersteller beim Mi MIX 2 um 12 Prozent kleiner als der des Mi MIX. Eine Ohrmuschel findet man übrigens auch wieder.

xiaomi-mi-mix-2-SpeakerDie vom Gigaset ME Pro bzw. dem MIX genutzten Keramik-Treiber im Displayglas des Mi MIX hat man wieder über Bord geschmissen. Funktioniert hat sie nämlich nicht wirklich zufriedenstellend. Nun gibt es wieder einen Lautsprecher am oberen Rand des Displays (nahezu unsichtbar integriert) mit 50 mW.

Xiaomi_MIX_2_36Normale Kopfhörer (gehören NICHT zum Lieferumfang) kann man beim Mi MIX 2 diesmal dafür nur über einen Adapter an den USB-Type-C-Port anstöpseln. Der Tray mit den beiden nanoSIM-Karten wird auf der linken Seite ins Gehäuse eingeschoben. Eine Erweiterung des internen Speichers (64/128/256 GByte) ist leider nicht möglich.

Der Ein- / Ausschalter sowie der Drücker für die Lautstärke befinden sich auf der rechten Gehäuseseite. Das Xiaomi Mi MIX 2 kommt nur in der normalen Version nur in Schwarz auf den Markt. Die Voll-Keramik-Version gibt es dann zusätzlich noch in Weiß.

Der runde Fingerabdrucksensor befindet sich auf der Rückseite, direkt unter der 12-Megapixel-Kamera Sony-IMX386-Sensor, PDAF und 4K-Videoaufnahmen. Der Sensor entsperrt das Smartphone durch blosse Berührung und unterscheidet dabei bis zu fünf Fingerabdrücke. Im Test gab es damit keinerlei Probleme.

Die Rückseite setzt Fingerabdrücke eindrucksvoll in Szene, ist dank der Keramik dafür aber gegen Kratzer resistent. Bruchsicher ist das aber trotzdem nicht, also bitte nicht fallen lassen!

MIX 2 Display: 5,99 Zoll mit ohne Rand

Das Display des MIX 2 ist auf 5,99 Zoll geschrumpft (das Mi MIX konnte da noch 6,4″ vorweisen). Die Auflösung des IPS-LCD beträgt 2160 × 1080 Pixel (FHD+) und nutzt das neue 18:9 Verhältnis. Auch wenn eine “2k”-Aufllösung nett gewesen wäre, mit rund 403 ppi löst es trotzdem sehr hoch auf. Die Body-to-Screen Ratio ist allerdings ebenfalls geschrumpft, nämlich von 83.3% auf 80.8%. Die Ränder rund um das Display wirken nun dicker! Das finde ich etwas enttäuschend. So richtig randlos ist das Display des neuen Xiaomi Mi MIX allerdings nicht. Schon gar nicht im direkten vergleich zum Essential PH-1.DSC02534Die maximale Helligkeit ist ausreichend, kommt aber – trotz des “Turbo-Boost” nicht gegen die direkte Sonneneinstrahlung an. Das Display des Galaxy Note 8 ist da noch heller. Trotzdem wirken Texte und Webseiten gestochen scharf. Die Blickwinkelstabilität des Bildschirms und die Farbdarstellung sind ohne Mängel und von hoher Qualität. Einen Always-on-Modus (Darstellung von Benachrichtigungen, Datum und Uhrzeit) bietet das Xiaomi Mi MIX 2 nicht. Dafür findet man eine kleine (farbig anpassbare) Benachrichtigungs-LED für entgangene Anrufe, Mitteilungen und den Ladezustand. Einen guten Eindruck vom Display bekommt man auch in meinem Videoreview des MI MIX 2:

Bedient wird das MIX 2 über eingeblendete Softkeys, die man auch ausblenden kann. Alternativ gibt es eine Art “Kreis”, den ich auf dem Display verschieben kann. Damit kann auch alle Funktionen steuern. Sowas bietet Apple auch an (nützlich wenn der Home-Button defekt ist).

Performance & Akku: Snapdragon 835 mit 3.400 mAh

Das Xiaomi Mi MIX 2 nutzt den aktuellen Qualcomm-Chipsatz Snapdragon 835 mit 6 GByte RAM und Quick-Charge-3.0-Unterstützung. Der neue SoC des Xiaomi Mi MIX 2 wird unter Last nicht spürbar wärmer. Obwohl er im Vergleich zum Vorgänger (Snapdragon 821) rund 15% schneller sein soll, merkt man das in der Praxis kaum.

Im aktuellen AnTuTu-Benchmark erreicht die CPU aber einen Spitzenwert von rund 180.000 Punkte. Im Geekbench 4 kommt der Chipsatz auf 1.920 Zähler im Single Core und 6.423 im Multi Core. Das sind aber gängige Werte, die auch andere Smartphones mit diesem CPU-Typ erzielen.

Der fest eingebaute Akku ist dafür von rund 4.400 mAh (Mi MIX) auf nur 3.400 mAh geschrumpft. Im Dauereinsatz mit maximaler Helligkeit hielt die Kraftzelle knapp 6:00 Stunden durch. Normalnutzer werden damit also maximal anderthalb Tage ohne Steckdose auskommen. Der Ladevorgang dauert mit einem passenden Schnelllader etwa 1:30 Stunden. Kabellos kann man den Akku übrigens nicht aufladen.

Konnektivität: Keine MicroSD, aber LTE Band 20

Den internen Speicher (128/256 GByte) des Xiaomi Mi MIX 2 kann man leider nicht über microSD-Karte erweitern. Das klappt nur über USB-OTG mit dem passenden USB-Typ-C-Adapter (wird bei TradingShenezn gleich mitgeliefert). Der fest eingebaute UFS-2.1-Speicher (Universal Flash Storage) ist dafür jedoch recht fix befüllt.

An Datenschnittstellen steht neben USB-Typ-C (2.0) auch Bluetooth 5, NFC, GPS samt Glonass, WLAN a/b/g/n/ac mit Wifi Direct (2.4/5 GHz) sowie UMTS mit HSPA+ und LTE (mit Band 20) zur Verfügung. Die Infrarot-Schnittstelle eines Xiaomi Mi5 findet man beim MIX 2 aber nicht.

Die Sprachqualität des Mi MIX 2 war sowohl im UMTS wie auch im LTE-Netz (Telekom und Vodafone) gut. Die Empfangsqualität ist in gut versorgten Gebieten unproblematisch, auf dem Land kann es – gerade beim Wechseln zwischen GSM/UMTS/LTE – zu kurzen Aussetzern kommen. Auch der Sound über die Ohrmuschel war diesmal ohne Klage. Dafür hat Xiaomi auch deutlich mehr Aufwand betrieben.

MIUI 9: No Deutsch

Es gibt aktuell sowohl eine MIUI 9 Developer-Version mit wöchentlichen Updates als auch eine “China”-Stable. Letztere allerdings nur mit MIUI 8.5. Beide Firmwares bietet offiziell aber nur Englisch bzw. Chinesisch an. Eine offizielle “Global” mit deutscher Sprache wird es wohl erst später geben.

Wer unbedingt auf unsere Muttersprache angewiesen ist (im Zeitalter von Denglisch nicht unbedingt mehr wichtig) muss den Umweg über den Bootloader-Unlock, TWRP und die Custom-ROM von Xiaomi.eu bzw. eine “Shop-Firmware” mit deutscher Sprache beschreiten. Letztere ist dann aber nicht offiziell und wird auch nicht mit Updates versorgt.

Der Vorgang wird unter http://en.miui.com/unlock erklärt und dauert knapp 5 Tage. Als Gold bzw VIP-Member des MIUI-Forum kann ich alle 30 Tage ein Xiaomi ohne große Wartezeit entsperren. Ein Update auf MIUI 9 in der Global (also mit internationalen Sparchen) kommt dann hoffentlich auch noch.

Zum Zeitpunkt des Tests war also kein offizielles Global-ROM aber ein Custom-ROM mit deutscher Sprache verfügbar.

Das aktuelle MIUI 9 basiert auf Android 7.1.1 und wird ähnlich einfach bedient unddbietet ähnliche Features, wie das EMUI aus dem Hause Huawei/Honor. MIUI bietet dafür aber viele nützliche Zusatzfunktionen, Rechtebeschränkungen und Personalisierungsmöglichkeiten und ein schickes, neues Theme (kann man aber wie gewohnt im Store ändern).

Wer Google-Dienste wie Gmail, Hangouts, Play Music, Maps und Youtube einsetzen will (oder muss) muss diese manuell (Google Installer V2) nachrüsten oder eben ein Custom-ROM nutzen. Andere Anwendungen und Spiele kann man sich dann im zweiten Schritt ganz einfach über den Google Play Store installieren. Die Apps laufen dabei allerdings – sofern man das offiziell ROM nutzt – nur in englischer Sprache. Push-Nachrichten (WhatsApp, Facebook, Newton) funktionieren hier ebenfalls einwandfrei, sofern die entsprechenden Apps im Energie-Management in eine Ausnahme aufgenommen wurden.

MIUI 9 bietet wieder die Möglichkeit, Apps zu “klonen”. So kann man nun beispielsweise sein WhatsApp mit zwei unterschiedlichen Rufnummern gleichzeitig nutzen. Dank des “Second-Space” hat man ein zweites, unabhängiges Android-System mit unterschiedlichen Apps. In die beiden Systeme gelangt man beim Start durch unterschiedliche Entsperrungsmechanismen.

An Sicherheitsfeatures bietet Xiaomi zum Beispiel die Möglichkeit, jede App mit einem Passwortschutz zu versehen. Man kann auch den Autostart der Apps verhindern und ihnen sogar einzelne Rechte entziehen.

Xiaomi Mi MIX 2: 12 Megapixel-Kamera

Xiaomi_MIX_2_30Die rückseitig verbaute Kamera löst Bilder mit maximal 12 Megapixel auf, bietet eine Blednde f/2.0 und zeichnet Videos in 4K-Qualität auf. Der Sensor aus dem Hause Sony (IMX386-Sensor) kommt auch schon beim Mi MAX 2 zum Einsatz und ist einem Huawei Mate 9 oder Samsung Galaxy S8/S7 unterlegen.MIUI9_Kamera-6Fotos kann man mit 4:3, 16:9 doer in 18:9 aufnehmen. An Effekten stehen neben HDR auch Panorama, Zeitraffer sowie Slow-Motion und noch ein paar andere Spielereien sowie ein manueller Modus zur Auswahl. Die Kamera-App selbst ähnelt dabei stark der des iPhone 7. Über den Touch-Autofokus kann man auch die Belichtung steuern. Dazu muss man in dem Kreis einen kleinen Regler verschieben. Für scharfe Bilder sorgt ein Phase Detection Autofocus. Die 5-Megapixel-Frontkamera bietet den üblichen Beauty-Modus, sitzte aber beim MIX 2 unten rechts. Bei Selfies muss man also das komplette Smartphone auf den Kopf drehen.

Xiaomi Mix 2

Während bei ausreichend Licht gute Aufnahme zustande kommen, schwächelt die Kamera bei schlechten Lichtverhältnissen doch etwas. Es kommen Artefakte hinzu, die man bei der Kamera des Google Pixel nicht zu Gesicht bekommt. Aber das ist auch deutlich teurer. Mit dem manuellen Modus der Kamera kann man die Bildqualität leicht verbessern. Ein 4-Achsen-OIS sorgt zumindest ansatzweise für wackelfreie Aufnahmen. Die Videoqualität geht voll in Ordnung, Videos werden mit maximal 4K aufgezeichnet. Der Ton klingt etwas dumpf.

Xiaomi Mi MIX 2: Fetter Sound, typisch Xiaomi

In der Play-Music-App aus dem Hause Google oder in der hauseigenen Music-App kann man die bei Android weit verbreiteten Equalizer-Presets (Rock, Pop, Jazz, etc.) bzw. den 5-Band-Equalizer aktivieren. In den Untiefen der Einstellungen selbst findet man aber noch bessere und weitreichendere Soundoptionen. Hier kann ich den speziellen Equalizer aktivieren der auch über – speziell für Xiaomi-Kopfhörer optimierte – Klangprofile verfügt. Die kann man aber auch wunderbar mit eigenen Kopfhörern nutzen. Leider aber NUR mit dem mitgelieferten Adapter, denn eine 3.5-Buchse hat Xiaomi diesmal eingespart. Wohl dem, der Bluetooth-Kopfhörer sein eigen nennt. Der Sound über den Lautsprecher unten rechts geht in Ordnung. Er ist recht laut, klingt aber etwas “dünn”.

Fazit: Hierzulande etwas teuer

Das fast randlose Display des Mi MIX 2 ist sicher ein Highlight, kann mich aber nicht mehr so fesseln wie noch beim Vorgänger. Der Rand wirkt optisch nun deutlich größer, auch wenn Display und Smartphone geschrumpft sind. Die 12-Megapixel-Kamera ist qualitativ gut, aber im Vergleich zur Konkurrenz auch keine Offenbarung.

Die Performance des Snapdragon 835 ist dafür sehr hoch und der Klang – gerade in Gsprchen – hat sich deutlich verbessert. Eine Speichererweiterung per MicroSD ist zwar nicht möglich, dafür unterstützt das Mi MIX2 nun auch LTE im Band 20. Sobald das offizielle Global-ROM mit deutscher Sprache zur Verfügung steht, ist es sicher eine Alternative zum Galaxy S8, LG G6 und Co. Bis dahin ist der Import eher etwas für Fortgeschrittene. Mit einem Einstandspreis von rund 550 Euro inkl. Versand (bei TradingShenzen) ist zudem nicht ganz günstig.

Testergebnis

Verarbeitung 9.4
Display 8.4
Performance 10
Kamera 8.7
Konnektivität & Akku 8.8

Fazit

9.1 Das fast randlose Display des Mi MIX 2 ist sicher ein Highlight, kann mich aber nicht mehr so fesseln wie noch beim Vorgänger. Der Rand wirkt optisch nun deutlich größer, auch wenn Display und Smartphone geschrumpft sind. Die 12-Megapixel-Kamera ist qualitativ gut, aber im Vergleich zur Konkurrenz auch keine Offenbarung. Die Performance des Snapdragon 835 ist dafür sehr hoch und der Klang - gerade in Gsprchen - hat sich deutlich verbessert. Eine Speichererweiterung per MicroSD ist zwar nicht möglich, dafür unterstützt das Mi MIX2 nun auch LTE im Band 20. Sobald das offizielle Global-ROM mit deutscher Sprache zur Verfügung steht, ist es sicher eine Alternative zum Galaxy S8, LG G6 und Co. Bis dahin ist der Import eher etwas für Fortgeschrittene. Mit einem Einstandspreis von rund 550 Euro inkl. Versand (bei TradingShenzen) ist zudem nicht ganz günstig.

Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar “Musik”, aber die meisten anderen bezeichnen es als “Krach”.

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