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Xiaomi Redmi 4 Test: Viel Smartphone für wenig Geld

Das Redmi 3 hat sich im Test vor knapp 10 Monaten super geschlagen und nun taucht mit dem Xiaomi Redmi 4 der noch attraktivere Nachfolger im Metallgehäuse auf. Leider gibt es auch dieses Smartphone nur als Import. Für knapp 160 Euro bekommt man ein 5 Zoll großes Full-HD-Display, eine CPU vom Typ Snapdragon 625 sowie 32 GByte erweiterbaren Speicher oder aber eben eine Unterstützung für Dual-SIM. Also viel Smartphone fürs Geld?

Xiaomi Redmi 4: In drei Versionen

Xiaomi ist in China sehr bekannt und bringt fast monatlich neue Smartphones auf den Markt. Dabei ist das Preis-/Leistungsprinzip der absolute Hammer. Aber auch bei Innovationen wie dem Xiaomi Mi Mix ist der chinesische Hersteller mittlerweile weit vorne.

Das Redmi 4 ist als Nachfolger des Redmi 3 da zwar weniger spektakulär, technisch aber super ausgestattet. Im eigenen Land bekommt man es schon für umgerechnet 67 Euro (Redmi 4A). Vertrieben wird es drei Versionen, also genau aufpassen beim Kauf.

Redmi 4 Pro (Prime) Redmi 4 (Standard) Redmi 4A
CPU Snapdragon 625 Snapdragon 430 Snapdragon 425
RAM 3 GB RAM, 32 GB 2 GB RAM, 16 GB 2 GB RAM, 16GB
Kamera 13 MP, PDAF, Dual- LED 13 MP, PDAF, Dual-LED 13 MP, Single-LED
Display 1.080 x 1.920 (5 Zoll) 720 x 1.280 (5 Zoll) 720 x 1.280 (5 Zoll)
Akku 4.100mAh 4.100mAh 3.120mAh

Mein graues Testgerät (Xiaomi Redmi 4 Pro) stammt von Gearbest.com (aktuell 145 Euro) und reiht sich optisch nahtlos in die neue Xiaomi-Baureihe ein. Das Gehäuse – wahlweise in Gold, Grau oder Silber – besteht dabei fast vollständig aus Metall. Einzig auf der Rückseite, am oberen Rand findet man eine Einfassung aus Kunststoff. Darunter verbergen sich die Antennen (GSM,WLAN,GPS). Mit seinen Abmessungen von 141.3 x 69.6 x 8.9 mm ist es angenehm „klein“. Das Gewicht von rund 156 Gramm ist dem Material geschuldet.

Auf der Rückseite findet man auch die Kamera sowie den runde Fingerabdrucksensor. Seine eigenen Kopfhörer (NICHT im Lieferumfang) stöpselt man beim Redmi 4 auf der Oberseite ein. Dort findet man auch den Infrarot-Sender zur Steuerung von Multimedia-Technik. Das MicroUSB-Kabel (2.0) findet auf der Unterseite Zugang zum Gehäuse. Dort befindet sich neben dem Mikrofon auch ein Lautsprecher. Der Kunststoff-Tray mit zwei SIM-Karten (micro/nano) bzw der MicroSD-Karte kann auf der linken Seite ins Gehäuse eingeschoben werden. Eine Erweiterung des internen Speichers (je nach Modell unterschiedlich) ist also nur dann möglich, wenn man auf Dual-SIM verzichten kann.Der Ein-/ Ausschalter sowie die beiden Drücker aus Metall für die Lautstärke liegen auf der rechten Gehäuseseite. Unter dem Display befinden sich drei (unbeleuchtete) Tasten zur Bedienung von Android 6. Die Verarbeitung ist dabei insgesamt hochwertig.

Xiaomi Redmi 4 Display: 5 Zoll und Full-HD

Das 5 Zoll große IPS-LCD des Xiaomi Redmi 4 löst mit 1.080 x 1.920 Pixel auf (443 ppi) und nutzt knapp 70%. Die maximale Helligkeit ist hoch, allerdings nur dann, wenn man das Display nicht der direkten Sonneneinstrahlung aussetzt. Das Display eines Galaxy S7 ist klar besser (aber auch deutlich teurer). Die Blickwinkelstabilität des Bildschirms und die Farbdarstellung waren ohne Tadel und von guter Qualität. Einen Always-on-Modus (Darstellung von Benachrichtigungen, Datum und Uhrzeit) bietet das Xiaomi Redmi 4 aufgrund des IPS natürlich nicht. Dafür steht aber eine kleine Benachrichtigungs-LED für Anrufe, Mitteilungen und den Ladevorgang zur Verfügung. Sie befindet sich oben rechts neben der 5-Megapixel-Frontkamera. In meinem kleinen Videoreview des Redmi 4 auf YouTube kann man (nicht nur) das Display im Einsatz sehen:

Xiaomi Redmi 4: Snapdragon 625 und 4.100 mAh

Das Xiaomi Redmi 4 Pro gibt es unter anderem mit einem Snapdragon 625 mit acht Kernen und maximal 2 GHz. Die günstigste Variante Redmi 4A muss mit einem Snapdragon 425 auskommen, das mittlere Modell mit einem Snapdragon 430. Ich persönlich würde immer zum 625 greifen. Der schafft – in Verbindung mit den 3 GByte RAM – im aktuellen AnTuTu-Benchmark nämlich rund 63.000 Punkte. Im Geekbench 4 kommt er auf 805 Zähler im Single-Core und 2.967 im Multi-Core. Damit laufen dann alle aktuellen Spiele absolut flüssig.

Der fest eingebaute Akku leistet unglaubliche 4.100 mAh (Lithium-Polymer-Akku). Im Dauereinsatz mit maximaler Helligkeit hielt die Kraftzelle knapp 11:30 Stunden durch, Normalnutzer werden damit also etwa 2 Tage ohne Steckdose auskommen. Der Ladevorgang dauert mit einem passenden Schnelllader etwa 2 Stunden (mitgelieferte Ladegerät: 2 1/2 Stunden). Kabellos kann man den Akku übrigens nicht aufladen.

Konnektivität: Dual-SIM aber kein LTE Band 20

Den internen Speicher (16/32 GByte) des Xiaomi Redmi 4 kann man über microSD-Karten um bis zu 256 GByte erweitern. Das klappt auch über USB-OTG mit dem passenden Adapter. Der fest eingebaute Speicher ist ausreichend schnell.

An Datenschnittstellen steht neben microUSB auch Bluetooth 4.1 (A2DP, LE), NFC, GPS samt Glonass, WLAN a/b/g/n mit Wifi Direct (2.4/5 GHz) sowie UMTS mit HSPA+ und LTE (ohne Band 20) zur Verfügung. Eine Infrarot-Schnittstelle zur Fernbedienung für den Fernseher oder die Stereoanlage ist ebenfalls vorhanden.

Nachteil des Xiaomi Redmi 4 ist die Tatsache, dass das LTE Band 20 (800 MHz) grundsätzlich nicht unterstützt wird. Dieses Band wird in China nicht genutzt und die überflüssigen Lizenzgebühren spart sich Xiaomi dann auch gleich. Ob es – ähnlich wie beim Redmi Note 3 Pro – auch eine internationale Version mit Band 20 geben wird, ist noch unbekannt. Die Funktion für LTE-Telefonate (Voice over LTE) ist in der Firmware hinterlegt, wird hierzulande aber – zumindest nicht von der Telekom – unterstützt. Das LTE Band 20 kann man – mit ein dem notwendigen Knowhow und den passenden Programmen – auch selbst „freischalten“.

Die Sprachqualität des Redmi 4 war im GSM/UMTS-Netz (Telekom und Vodafone) gut. Die Empfangsqualität ist in gut versorgten Gebieten unproblematisch, auf dem Land kann es aber – gerade beim Wechseln zwischen GSM/UMTS/LTE – zu kurzen Aussetzern kommen. Das ist leider typisch für die Geräte von Xiaomi.

MIUI 8: Inoffiziell mit deutscher Sprache

Es gibt aktuell auch noch keine offizielle Firmware mit deutscher Sprache und dem Google-Apps. Auf meinem Testsample war aber eine – viren- und bloatwarefreie – „deutsche“ Firmware installiert. Die ist definitiv inoffiziell, macht aber keine Probleme. Updates bekommt man hierfür allerdings auch keine. Wer auf diese angewiesen ist, muss die offizielle Firmware installieren (oder Gearbest dazu auffordern). Der Bootloader des Xiaomi ist bei diesen Geräten bereits gepatcht worden. Man kann so ohne viel Aufwand ein TWRP installieren und das Gerät rooten. Trotzdem ist Vorsicht geboten.

Es gibt zudem bereits eine weitere, inoffizielle Firmware von Xiaomi.eu mit Google-Apps. Die hat alle notwendigen Sprachen installiert, kann allerdings nur mit einem Bootloader-Unlock und der Installation eines TWRP genutzt werden. Der Vorgang wird unter http://en.miui.com/unlock erklärt und dauert knapp 5 Tage. Als Gold-Member des MIUI-Forum kann man alle 30 Tage ein Xiaomi ohne Wartezeit entsperren.

Die Icons stammen von einem Theme, gibt es nicht ab Werk 😀 Xiaomi hat sein Redmi 4 wieder mit der hauseigenen Benutzeroberfläche „MIUI“ ausgestattet. Die neue Version 8 basiert auf Android 6. MIUI nutzt ähnliche Funktionen wie zum Beispiel EMUI von Huawei. Bietet aber viele nützliche Zusatzfunktionen, Rechtebeschränkungen und Personalisierungsmöglichkeiten.

Nur die (aktuell noch nicht) verfügbare „Global Firmware“ oder aber die vorinstallierte „Shop-Firmware“ bietet alle Google-Dienste wie Gmail, Hangouts, Play Music, Maps und Youtube. Andere Anwendungen und Spiele kann man sich dann ganz einfach über den Google Play Store installieren. Push-Nachrichten (WhatsApp, Facebook, Newton) funktionieren hier ebenfalls einwandfrei, sofern die entsprechenden Apps im Enegie-Management in eine Ausnahme aufgenommen wurden. Nutzer der offiziellen Firmware (nur Deutsch oder Chinesisch) können sich die Google-Apps aber auch über diesen Installer auf das Smartphone packen.

Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, Apps zu „klonen“. So kann man nun beispielsweise sein WhatsApp mit zwei unterschiedlichen Rufnummern gleichzeitig nutzen. Dank des „Second-Space“ hat man ein zweites, unabhängiges Android-System mit unterschiedlichen Apps. In die beiden Systeme gelangt man beim Start durch unterschiedliche Entsperrungsmechanismen.

An Sicherheitsfeatures bietet Xiaomi zum Beispiel die Möglichkeit, jede App mit einem Passwortschutz zu versehen. Man kann auch den Autostart der Apps verhindern und ihnen sogar einzelne Rechte entziehen.

Xiaomi Redmi 4: 13-Megapixel-Kamera

Die rückseitig verbaute Kamera löst Bilder mit maximal 13 Megapixel auf und zeichnet Videos in Full-HD-Qualität auf. Der Bildsensor bietet einen f/2.2-Blende isund ist damit relativ wenig lichtempfindlich. Auch ein optischer Bildstabilisator zum Ausgleichen von Bewegungen während der Fotosession ist nicht vorhanden. Die Aufnahme bei ausreichend Licht sind zwar noch gut, bei einsetzender Dunkelheit kommen aber schnell unschöne Artfekate hinzu. Die Frontkamera für Selfies löst mit 5 Megapixel auf.

Fotos kann man mit 4:3 (13 Megapixel) oder 16:9 aufnehmen. An Effekten stehen neben HDR auch Panorama, Timer, Straffen, Verschönerung, Szene und Tilt Shift im Videomodus noch Zeitraffer  zur Auswahl. Die Kamera-App selbst ähnelt dabei stark der des iPhone 7. Über den Touch-Autofokus kann man auch die Belichtung steuern. Dazu muss man in dem Kreis einen kleinen Regler verschieben. Für scharfe Bilder sorgt ein schneller Autofokus (Phase Detection Autofocus).

Xiaomi Redmi 4

Während bei ausreichend Licht gute Aufnahme zustande kommen, schwächelt die Kamera bei schlechten Lichtverhältnissen sichtbar. Es kommen Artefakte und Uuschärfen hinzu, die man bei der Kamera des Galaxy S7 nicht zu Gesicht bekommt. Aber das ist auch deutlich teurer. Mit dem manuellen Modus der Kamera kann man die Bildqualität leicht verbessern.

Die Videoqualität geht in Ordnung, Videos werden mit maximal Full-HD aufgezeichnet.

Xiaomi Redmi 4 Sound: Typisch Xiaomi

In der Play-Music-App aus dem Hause Google oder in der hauseigenen Music-App kann man die bei Android weit verbreiteten Equalizer-Presets (Rock, Pop, Jazz, etc.) bzw. den 5-Band-Equalizer aktivieren. In den Einstellungen findet man unter „Töne und Vibration“ noch ein paar zusätzliche Audio Einstellungen. Hier kann ich – bei kabelgebundenen Kopfhörern – einen Equalizer aktivieren der auch für Xiaomi-Kopfhörer optimiert wurde. Die Presets kann man natürlich auch mit anderen Kopfhörern nutzen. Der Sound über den Lautsprecher unten rechts geht in Ordnung. Er klingt aber etwas „dünn“ und kann im Quermodus durchaus mal vom kleinen Finger abgedämpft werden. Xiaomi stattet das Redmi 4 auch mit einem echten FM-Radio aus!

Fazit: Mit kleinen Einschränkungen

Das Xiaomi Redmi 4 ist super verarbeitet, liegt gut in der Hand und bietet ein tolles Full-HD-Display. Die Performance des Snapdragon 625 ist ausreichend und auch der Sound sowie die Sende-/Empfangsleistung des Xiaomi Redmi 4 sind gut. Leider fehlen die Unterstützung für das hierzulande nicht unwichtige LTE Band 20 und (offiziell) die deutsche Sprache. Trotzdem bekommt man in dieser Preisklasse kaum ein besseres Smartphone. Vielleicht kommt noch das teurere Honor 5x in Frage.

Testergebnis

Verarbeitung 9.2
Display 8.8
Performance 8.6
Kamera 8.1
Konnektivität & Akku 8.8

Fazit

8.7 Das Xiaomi Redmi 4 ist super verarbeitet, liegt gut in der Hand und bietet ein tolles Full-HD-Display. Die Performance des Snapdragon 625 ist ausreichend und auch der Sound sowie die Sende-/Empfangsleistung des Xiaomi Redmi 4 sind gut. Leider fehlen die Unterstützung für das hierzulande nicht unwichtige LTE Band 20 und (offiziell) die deutsche Sprache. Trotzdem bekommt man in dieser Preisklasse kaum ein besseres Smartphone. Vielleicht kommt noch das teurere Honor 5x in Frage.

Tags : AndroidChinaReviewTestsXiaomi
Dirk

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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