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Gemini PDA im Test: Zurück in die 90er

In den 90er waren PDAs wie der Psion 5 oder der Nokia Communicator noch echt in. Mittlerweile ist diese Form fast ausgestorben. Wie quälen uns mit Smartphones ohne echte Tastatur rum, oder müssen auf einen BlackBerry zurückgreifen. Damit ist nun Schluss: der Gemini PDA bietet die Vorzüge eines PDA UND eines Smartphones und kann auch noch zwei Betriebssysteme gleichzeitig nutzen. Also werfen wir mal einen Blick drauf.

Gemini PDA: Sind die 90er zurück?

Retro ist ja bekanntlich nie out. The C64 mini kommt zurück, Nokia läßt das 3310 und bald auch das 8110 wieder aufleben und Gemini kümmert sich eben um das Revival des Psion. Ähnlich wie dieser PDA aus den 90er bzw. der ebenfalls sehr erfolgreiche Nokia Communicator, muss man den Gemini PDA nämlich auch Aufklappen, um mit ihm arbeiten zu können. Dann gibt er den Blick auf sein Highlight frei: eine echte Tastatur im QWERTZ-Layout mit nicht weniger als 53 Drückern. Und die sind auch noch mehrfach belegt. Wer mag, kann auch auf eine virtuelle Tastatur zurückgreifen, oder sogar beide gleichzeitig nutzen. Der Gemini PDA ist mit seinen Abmessungen von rund 172 x 79 x 15.1 mm zwar nicht sonderlich groß, dafür aber eben recht dick. Die rund 320 Gramm machen ihn auch nicht gerade hosentaschentauglich.

Gemini PDA (16)Die beiden Unterseiten des PDA zieren zwei USB-Typ-C-Buchsen. Eine ist für die Lade-Datenkabel zuständig, die andere für den proprietären HDMI-Ausgang. Daneben finden wir auch auf jeder Seite eine Mikrofon sowie einen Lautsprecher. So kann man mit dem Gemini PDA auch im zusammengeklappten Zustand telefonieren! Als Rufannahmetaste fungiert dann der silberne Drücker für den Google-Sprachassistent auf der Stirnseite.

Gemini PDA (1)Eingehende Anrufe oder Nachrichten signalisiert der PDA über mehrere (programmierbare) LED. Das Display selber wird über ein Scharnier in Schach gehalten. Zugriff auf die microSIM, microSD und auf die optional einbaubare 5-Megapixel-Kamera bekomtm man aber erst, wenn man einen Teil der Oberfläche entfernt. Dazu benötigt man zwingend das mitgeliefert Werkzeug. Eine ziemlich frickelige Angelegenheit. Insgesamt vermittelt die Verarbeitungsqualität auch noch den Eindruck, als bestünde “Luft nach oben”. das mag aber auch an der noch recht frühen Baureihe meines Gerätes aus der Indiegogo Kampagne liegen. Etwas ungewöhnlich: den Gemini PDA schaltet man über die ESC-Taste ein und aus.

Die Tastatur: 53 Drücker sollt ihr sein

Gemini PDA (10)Die insgesamt 53 Tasten des Gemini PDA sind nicht sonderlich groß geraten. Dicht an dicht drängen sie sich auf der kleinen Fläche unter dem klappbaren Display. Mit zwei Händen gleichzeitig tippen dürfte nur für Nutzer mit kleinen Händen möglich sein. Alle anderen werden eher darauf “rumhacken”. Der Druckpunkt ist insgesamt sehr weich, die Tasten wirken etwas wackelig und gerade die Drücker am Gehäuserand verklemmen leicht. Am linken Rand – neben dem Q – findet man noch eine blau leuchtende LED. Die gerade beim Einsatz von Debian-Linux aufgrund ihrer Dauerfunktion nervt. Sonst leuchtet sie nur kurz, wenn das Gerät startet. Jeder Tastendruck wird übrigens durch eine – nicht abschaltbare Vibration – begleitet. In meinem Videoreview des Gemini PDA auf YouTube sieht man (auch) die Tastatur im Einsatz:

Um das Video sehen zu können, musst du erst den YouTube Datenschutzrichtlinien zustimmen. Nachdem du diese akzeptiert hast, kannst du den Inhalt von YouTube aufrufen. Die Angebote von YouTube werden nicht auf mobile-reviews.de gehostet.

YouTube Datenschutzrichtlinien

Wenn Du den Datenschutzrichtlinien zustimmst, wird deine Wahl für die Zukunft gespeichert.

Wichtige Sonderzeichen (- und @) kann man zudem nur über Umwege (FN-Taste und Buchstabe) bzw. sogar nur über eine zusätzlich einblendbare virtuelle Tastatur erreichen. Das gilt auch für alle Umlaute. Immerhin hat sich Gemini aber auch für ein QWERTZ-Layout entschieden. Für den Sysadmin oder einen Debian-Fan wird das sicher ausreichen. Wer längere Texte oder E-Maisl schreibt, wird hier keine rechte Freude haben. Gleichzeitig tippen und den PDA in den Händen zu halten ist auch eher schwierig.

Wichtige Funktionen (Menü, Flugmodus, Lautstärke, Helligkeit) erreicht man – ähnlich wie auf dem PC – über Shortcuts. das hat mir gut gefallen.

5,99 Zoll Display im 18:9-Format

Das 5,99 Zoll große IPS-Display löst mit 2.160×1.080 Pixel auf und kommt so auf 403 ppi. Die maximale Helligkeit könnte dabei einen Tick höher ausfallen. Die Farbdarstellung ist eher dezent, kann man über Miravision (versteckt sich in den Einstellungen) noch etwas verbessert werden. Der Schwarzwert und der Kontrast sind typisch für ein IPS. Das Glas selber ist zum einen durch eine Displayschutzfolie, zum anderen durch eine kratzerresistente oDLC-Beschichtung geschützt. Hierbei kommt aber kein Corning Gorilla Glas zum Einsatz.

Die vorinstallierte Schutzfolie wirkt eher matt und wird extrem schnell schmuddelig (Fingerabdrücke). Entfernt man sie, so drücken die Tasten auf das Display. Vermutlich genau deswegen hat der Hersteller ein Microfasertuch in der Größe des Displays beigelegt. Sozusagen als Tastaturschoner 😀

Android oder Linux: Was darf’s denn sein?

Der Gemini PDA wird aber Werk erst einmal nur mit Android 7.1.1 ausgeliefert. Hierbei handelt es sich um das übliche, für “Chinaphones” erstellte Android-Image. Die Übersetzung der einzelnen Punkte ist aber tadellos, einzig der Punkt “Klangverstörung” in den Ton-Einstellungen deutet auf die klassische Fehlübersetzung der “günstigere Modelle mit MediaTEK-CPU” hin. Die Sicherheitspatche von Google sind noch auf dem Stand 05. November 2017. Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei Gemini um ein recht kleines Team (teilweise von Psion) handelt, darf man auch nicht auf schnelle Updates hoffen. Android 8 wurde aber bereits in Aussicht gestellt und mit Lineage OS hat man schon ein tolles Custom-ROM. Immerhin gibt es aber bereits eine Technologie-Preview von Debian. Letztere ist aber momentan eher eine Spielerei, die Bootzeit ist lang, der Mauszeiger nahezu winzig.

Um die Dual-Boot-Fähigkeit nutzen zu können, muss man (aktuell) immer beide Betriebssysteme flashen. Das hat einen Verlust der Daten und Apps zur Folge. Ob das in Zukunft geändert wird, wird sich noch zeigen. Sailfish und Co sind bereits in Arbeit.

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Bei den Anpassungen hält sich Gemini dezent zurück. Bloatware findet man keine. Sinnvolle Erweiterungen wie die Gemini Tastatur, Gemini Voice Recorder und vor allen Dingen die Gemini Bar finde ich sehr hilfreich. Letztere blendet beim Aufklappen einen kleinen Balken mit Lieblings-Apps ein. Der eingebaute Launcher ist aber nicht 100% für die Ansicht im Querformat optimiert. Ich selber nutze daher den (kostenpflichtigen) N Launcher, der hat mehr Optionen um kommt mit dem Querformat besser klar.

Performance & Akku: MediaTek CPU trifft auf 4.220 mAh

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Der MediaTek-CPU (ein Helio X25 bzw. ein X27 in neueren Modellen) leistet gute Arbeit, kommt mit seinem AnTuTu-Wert von rund 95.000 Punkten aber nicht an aktuelle Geräte mit Snapdragon 835/845 ran. Im Geekbench 4 reicht es für 1.722 Punkte im Single-Core und 4.727 im Multi-Core. Für alle aktuellen Spiele oder Apps im Play Store ist der SoC allerdings schnell genug. Das Android 7.1.1 könnte aber einen Tick schneller reagieren. Der 4.220 mAh starke Akku hingegen leistet sich keine Schwächen und hielt im Test locker 2 Tage durch. Eine Screen on time von rund 9 Stunden ist so kein Problem.

Kamera: 5 Megapixel (x2)

IMG_20180411_120607Die Selfiecam oberhalb des Displays löst mit 5 Megapixel auf, macht aber nur extrem matschige Aufnahmen. Die Videoqualität (4K2K) ist defintiv auch icht besser, für Videotelefonate ist sie aber noch ausreichend. Die externe Kamera (ebenfalls 5 Megapixel) ist leider noch nicht bei mir angekommen. Sie wird dann unter einem neuen Akkudeckel eingebaut. Klingt etwas nach McGyver.

Konnektivität: Mit WLAN und/oder LTE

Der mir vorliegende Gemini PDA kann nicht nur über WLAN (Wifi 802.11 a/b/g/n/ac), sondern auch über LTE mit der Außenwelt Kontakt aufnehmen. Dabei unterstützt er natürlich alle hierzulande notwendigen Frequenzbänder. Die Übertragungsraten sind dabei mit rund 70 mbit/s recht hoch. Die Sende- und Empfangsleistung ist dafür eher mau. Telefonate über die eingebaute Freisprecheinrichtung klappten im Test gut, die Mikrofone unterdrücken Nebengeräusche hervorragend. Leider hat sich das Gerät dabei nach rund 2 Minuten (reproduzierbar) abgeschaltet.

Hält man sich den PDA an den Kopf, dann ist der Lautsprecher zu leise. Gespräche kann man dabei über den silbernen Drücker für den Google Voice Assistant auf der rechten Seite annehmen. Da der Gemini PDA aber über kein externes Display verfügt, kann man nicht sehen wer anruft. Immerhin gibt es aber eine – programmierbare – Benachrichtigungs-LED. So sieht man zumindest, welche App eine Nachricht bekommen hat. Grundsätzlich ist der Einsatz einer Smartwatch aber sinnvoller. Auch Telefonate über – einen per Bluetooth oder Kabel verbundenen – Kopfhörer sind deutlich angenehmer.  Man merkt, dass der Gemini PDA eigentlich nicht für Telefonate gedacht ist.

Das hat man schon damals beim Nokia Communicator deutlich besser gelöst. Wer seinen PDA an den heimischen Fernseher anschließen will, benötigt dafür ein spezielles USB-Type-C-HMDI Kabel. Kostet schlappe 46 Euro. Warum kein normales Kabel? Denn die funktionieren nicht.

Fazit: Wo sind die Vorteile?

Der Gemini PDA verfolgt eine gute Idee, mehr aber auch nicht. Es mangelt (in meinen Augen) bei rund 690 Euro an der Verarbeitung und an der Alltagstauglichkeit. Das Display und die Performance sind gut, können aber nicht mit anderen Geräten in dieser Preisklasse mithalten. Die Konnektivität ist eher auf den PDA-Teil (Internet, Videotelefonie) ausgerichtet. Telefonieren macht damit (ohne Kopfhörer) keinen Spaß. Highlight soll die echte Tastatur sein, aber genau die ist für Vielschreiber zu klein udn zu schwammig. Mir persönlich gefällt am Gemini PDA eher der “Nerd-Faktor” und (zukünftig) die Möglichkeit, alternative Betriebssysteme wie Linux, Sailfish und Co nutzen zu können. Für $350 (damaliger Preis bei Indiegogo) war er ein Schnäppchen. Heute ist er das nicht (mehr). Warten wir also auf den Gemini PDA 2.

Testergebnis

Verarbeitung 8.7
Display 8.6
Performance 8.5
Kamera 5.2
Konnektivität und Akku 8.6

Fazit

7.9 Der Gemini PDA verfolgt eine gute Idee, mehr aber auch nicht. Es mangelt (in meinen Augen) bei rund 690 Euro an der Verarbeitung und an der Alltagstauglichkeit. Das Display und die Performance sind gut, können aber nicht mit anderen Geräten in dieser Preisklasse mithalten. Die Konnektivität ist eher auf den PDA-Teil (Internet, Videotelefonie) ausgerichtet. Telefonieren macht damit (ohne Kopfhörer) keinen Spaß. Highlight soll die echte Tastatur sein, aber genau die ist für Vielschreiber zu klein udn zu schwammig. Mir persönlich gefällt am Gemini PDA eher der "Nerd-Faktor" und (zukünftig) die Möglichkeit, alternative Betriebssysteme wie Linux, Sailfish und Co nutzen zu können. Für $350 (damaliger Preis bei Indiegogo) war er ein Schnäppchen. Heute ist er das nicht (mehr). Warten wir also auf den Gemini PDA 2.

Tags : AndroidChinaGeminiPDAReviewsSmartphoneTest

Der Author Dirk

Ich beschäftigte mich sich seit 1996 mit Smartphones, Smartwatches, Tablets und anderen Gadgets. In meiner knappen Freizeit quäle ich gerne meine Frau, Nachbarn und Freunde mit meinen E-Gitarren. Ich nenne es zwar "Musik", aber die meisten anderen bezeichnen es als "Krach". Abonniere doch einfach den RSS-Feed und folge mir auf Facebook, Google+ und Twitter. Wenn du Fragen oder Anregungen zum Thema Smartphones hast, dann schreib mir eine Nachricht.

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