Honor 10 im Test: Top Smartphone für 399 Euro?

Das Honor 10 kommt genau wie der Vorgänger, das Honor 9 in einem hochglänzenden Kleid daher. Technisch ist es ähnlich ausgestattet wie das teurere Huawei P20. Beim Honor 10 bekommen wir aber ein anderes Display (5,84 Zoll IPS in FHD+ in 19:9) aber auch eine Dual-Kamera (24/16 Megapixel). Irgendwo muss der Hersteller bei 399 Euro ja auch gespart haben. Lohnt sich der kauf dennoch?8 min


Das Honor 10 kommt genau wie der Vorgänger, das Honor 9 in einem hochglänzenden Kleid daher. Technisch ist es ähnlich ausgestattet wie das teurere Huawei P20. Beim Honor 10 bekommen wir aber ein anderes Display (5,84 Zoll IPS in FHD+ in 19:9) aber auch eine Dual-Kamera (24/16 Megapixel). Irgendwo muss der Hersteller bei 399 Euro ja auch gespart haben. Lohnt sich der kauf dennoch?

Honor 10: Das Aurora Design

Honor_10_12Das Design des neuen Honor 10 ist spektakulär. Zwar fehlt ihm eine IP67 Zertifizierung und die Vorderseite mit der kleinen Notch ähnelt  dem Huawei P20. Die Rückseite im Aurora Design sieht aber schon sehr stark aus. Die beiden Farben “Phantom Blau” und “Phantom Grün (nur 128GB)” glänzen in der Sonne und ändern die Farbe je nach Lichteinfall. Mein blaues Testsample von Cyberport.de (aktuell inklusive Google Home Mini) gefällt mir allerdings doch besser. Die Vorderseite ist mit seiner Notch (Sensoren, Ohrmuschel und 24-Megapixel-Kamera für Selfies) dem Apple iPhone X nicht unähnlich. Wer heutzutage das komplette Display nutzen will, kommt aber um so ein Design nicht herum. Die Notch selber ist jedenfalls deutlich schmaler. Unter dem Display findet man einen Home-Button auf Ultraschall-Basis. Der geht nahtlos in Glas über, hat aber so seine Tücken. Doch dazu später mehr.

Die Rückseite aus Glas bietet nur eine Dual-Kamera in der “herkömmlichen”, horizontalen Anordnung sowie eine einfarbige LED. Sie zieht Fingerabdrücke, Schlieren und Kratzer nahezu “magisch” an. Die Oberfläche ist zudem recht glatt und damit auch rutschig. Honor liefert eine transparente Schutzhülle mit. Die ist zwar hilfreich, optisch und haptisch aber eher “billig”. Auf der Unterseite des 149,6 x 71,2 x 7,7 mm großen und 153 Gramm schweren Honor 10 findet man den Lautsprecher, ein Mikrofon sowie den USB-Typ-C-Anschluss (USB 2.0). Hier findet man auch eine 3.5 mm Klinkenbuchse für normale Kopfhörer! Die Oberseite ziert ein Infrarotsender sowie das zweite Mikrofon. Die beiden Nano-SIMs schiebt man auf der linken Seite in den Rahmen. Eine Speichererweiterung per MicroSD ist nicht  vorgesehen. Den Ein-/Ausschalter sowie die Lautstärkewippe sieht man auf der rechten Gehäuseseite.

Honor 10 : Das Notch-Display

Im Gegensatz zu den teureren Brüdern (P20 und P20 Pro) findet man beim Honor 10 “nur” das Display des P20 lite. Das IPS Panel löst in Full-HD+ auf und stellt seine Farben kräftig, aber nicht grell dar. Den Farbmodus, die Farbtemperatur sowie einen Blaulicht-Filter (Augen schonen) kann man in den Einstellungen nach eigenen Vorstellungen verändern. Die maximale Helligkeit ist vollkommen in Ordnung, kommt gegen die direkte Sonneneinstrahlung aber nur schlecht an. Die Full-HD+ Auflösung störte mich hingegen nicht. Man kann sie in den Einstellungen sogar auf HD reduzieren. Das soll Strom dann zwar sparen, sieht aber auch ziemlich pixelig aus. Das Seitenverhältnis des Panels beträgt aufgrund der “Notch” nunmehr 19:9. Ich kann den “Einschnitt” in den Einstellungen aber auch komplett deaktivieren und im Videomodus ist das sowieso der Fall. Einen “Always on” Modus bietet das Display nicht. Etwas schwach fand ich die Blickwinkelstabilität, weiße Flächen tauchen so schneller ins gräuliche ab.

Honor 10 mit Android 8.1 & EMUI 8.1

Das Honor 10 wird mit Android 8.1 (Oreo) sowie der neuen EMUI 8.1 ausgeliefert. Die Oberfläche hat Honor optisch zwar stark ans iOS angelehnt, sie bietet aber im Vergleich zum Stock Android auch zahlreiche Gestaltungs- und Einstellungsmöglichkeiten. Leider erfolgt die Animation und der Wechsel zwischen Browserfenstern IMMER NOCH recht träge. Das Speichermanagement ist zudem noch aggressiv, (trotz der bis zu 6 GByte RAM). So wird Telegram bei längerer Nichtnutzung aus dem RAM gekickt, eingehende Nachrichten werden dann erst wieder angezeigt, wenn ich Telegram öffne. Und das, obwohl ich sie explizit vom automatischen Akkumanagement ausgenommen habe.

Angeblich soll mich die eingebaute AI bei meinen täglichen Bemühungen unterstützen. Sie will dabei aus meinem Verhalten lernen. Wer also viele Fotos macht, bekommt entsprechend viel freien Speicher und eine permanent verfügbare Kamera-App. Wer viele Telegram/WhatsApp schreibt, eine schnelle Verfügbarkeit des Messengers. Wer aber kein regelmässiges Verhalten an den Tag legt, der bekommt auch: “nix”. Huawei nutzt die AI übrigens auch zur Übersetzung von Texten und Ermittlung von Bildinhalten in der  Translator-App. Die Texterkennung über den besagten Microsoft Translator ist zwar durchaus nützlich und funktioniert auch offline, aber eben nicht live. Bei Fotos blendet das System die Übersetzung der erkannten Wörter ein. Je nach Textlänge und Sprache kann das aber etwas dauern. Smartphones mit aktueller CPU übersetzen dabei aber auch nicht langsamer 😀 So scheint mit die AI/KI eher für das Marketing hilfreich.

Das Multitasking und der Wechsel zwischen geöffneten Browser-Tabs ist vergleichsweise langsam. Die Animationen der Fenster (öffnen von Apps) sehen nett aus, verlangsamt aber den Workflow. Deaktivieren kann man sie nur in den Developer-Einstellungen. Die jeweiligen App-Icons verteilt EMUI auf den unterschiedlichen Home-Screens. Auf Wunsch kann man diese dann in Ordner einsortieren.

Huawei_P20_Pro-EMUI_81_18Die drei (bzw. vier) Software-Tasten (“Navigationsleiste”) zur Bedienung von Android befinden sich am unterem Displayrand. Die Reihenfolge der Icons kann ich abändern. Den Home-Button mit eingebautem Fingerabdrucksensor kann man zudem als eine Art „Touchpad“ nutzen. So kann ich durch Wischgesten über den Sensor das Betriebssystem steuern. Fingerabdrücke (bis zu 5) unterscheidet der Sensor dabei leider eher unzuverlässig. Gerade die erstmalige Erkennung hat sehr lange gedauert. Danach war der Scanner dann schneller und zuverlässiger. Gegen die “etablierte” Lösung ohne Ultraschall kommt er aber nicht an. Haptisch kann man ihn zudem nicht vom Displayglas unterscheiden. Das sieht zwar toll aus, eine Blindbedienung in der Tasche ist so aber kaum möglich.

Die Bedienung von Android 8.1 erfolgt also entweder über den Home-Button und die Softkeys, oder aber ausschliesslich über den Home-Button. Letzteres ist in meinen Augen zwar die bessere Lösung, aufgrund des HIER verbauten Scanner aber eher nervig. Zieht man die Statusleiste am oberen Rand nach unten, dann findet man neben den üblichen Verknüpfungen (WLAN, Flugmodus, SIM, etc.) auch eine Timeline mit den zuletzt durchgeführten Aktionen. Screenshots kann man zum Beispiel auch durch Klopfen mit dem Fingerknöchel auf dem Display auslösen. Das Scroll-Shot-Feature macht Screenshots von Inhalten, die mehrere Bildschirmseiten lang sein können. Wer mit zwei Fingerknöcheln auf einmal auf das Display klopft, startet das Screen Recording. Dabei wird der Inhalt des Screens dann als Video abgespeichert. Die Sicherheitsfeatures von EMUI, mit denen man Apps und Daten verschlüsseln bzw. schützen kann, sind bereits bekannt. Das Dateisystem wurde in EMUI 8.1 ebenfals aktualisiert, so soll eine Fragmentierung verhindert werden.

Eine Einhandbedienung ist auch vorhanden. Das Honor 10 als Desktopersatz – ähnlich wie beim Samsung DeX und MS – nutzen kann man hingegen nicht. Es fehlt u.a. an USB 3. Ingesamt würde ich behaupten, dass das EMUI eine durchdachte und schön personalisierbare Oberfläche ist. Puristen werden damit aber nur schlecht klarkommen. Die Firmware 8.1.0.104 beeinhaltet die Sicherheitspatches von Google vom 01. April 2018.

Honor 10, 3.400 mAh und die Performance

Honor_10_9Bei der CPU setzt der Hersteller wieder auf den neuen Kirin 970 sowie bis zu 6 GByte Arbeitsspeicher. Der Chipsatz mit seiner neuronalen Einheit für die KI wird deutlich von der Performance eines Snapdragon 845 (Xiaomi MI MIx 2s) oder Exynos 9810 (Galaxy S9) übertrumpft. Vom Apple A11 Bionic will ich gar nicht erst reden. Im Geekbench 4 kommt er auf 1.886 Punkte im Single-Core und 6.567 im Multi-Core . Er ist damit sogar nur unwesentlich schneller als sein Vorgänger. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark reicht es für rund 200.000 Punkte. Damit würden aktuelle Spiele (Asphalt Extreme, Modern Combat 5, PUBG Mobile) aber vollkommen ruckelfrei laufen, WENN sie denn mit dem Honor 10 kompatibel wären. Games wie Tekken sind das aktuell aber nicht. Das EMUI 8.1 selber zeigte nur minimale Ruckler (Animationen). Bei Spielen und bei AR-Aktionen in der Kamera-App wird das Honor 10 – rund um die Dual-Kamera – allerdings bis zu 46 Grad warm, unangenehm!

Der fest eingebaute Akku leistet 3.400 mAh und hielt im Akkutest knapp 6:30 Stunden durch. Normalnutzer, die nur wenig E-Mails erhalten oder Gespräche führen, schaffen mit einer Ladung locker anderthalb Arbeitstage. Power-User wie ich (zig E-Mails, Telegram und mindestens 2 Stunden Musik über Bluetooth) werden definitiv am Abend zum Ladegerät greifen, da der Akku nur noch rund 20% anzeigt. Aufgeladen wird das Smartphone über das mitgelieferte USB-Typ-C-Kabel in rund 60 Minuten. Drahtlos klappt das – trotz Glasrückseite –  leider nicht.

Honor 10 und die Konnektivität

Unterwegs kann ich über HSPA+ oder besser per LTE in der Cat 16 bzw. WLAN 802.11 /a/g/n/ac (2.4/5 GHz) im Internet surfen. Das klappte im Test völlig problemlos. Bei der Telekom kam ich in Münster auf knapp 80 mbit/s. Daten und Medien werden per Bluetooth 4.2 LE und NFC übertragen. Die Sprachqualität ist dabei sehr gut, meine Gesprächspartner tönen klar und deutlich aus dem Hörer. Das Honor 10 unterstützt dabei leider NICHT die Erweiterung des internen Speichers über microSD-Karten (bis 200 GByte), wohl aber per USB-OTG. Der interne Speicher beträgt 64 GByte, davon stehen knapp 50 GByte zur freien Verfügung. Der durchschnittliche GPS-Fix war nach rund 5 Sekunden erledigt. Die volle Datenübertragungsrate des USB 3-Ports erreicht man zudem nur über vernünftige Kabel. Die mitgelieferten Vertreter sind dazu ungeeignet. Der SAR-Wert ist mit 0,79/1,15 W/kg (am Kopf/Körper) immer noch etwas hoch! In meinem Videoreview des Honor 10 auf YouTube gehe ich auch auf die Konnektivität ein:

Um das Video sehen zu können, musst du erst den YouTube Datenschutzrichtlinien zustimmen. Nachdem du diese akzeptiert hast, kannst du den Inhalt von YouTube aufrufen. Die Angebote von YouTube werden nicht auf mobile-reviews.de gehostet.

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Der Musikplayer aus dem Hause Honor zeigt den Interpreten und auch Playlisten, Genres und Albennamen an. Auch das in den Track integrierte Album-Cover wird korrekt angezeigt. Das Honor 10 liefert — mit guten Kopfhörern über Kabel — einen klasse Sound. Der Lautsprecher auf Unterseite klingt gut, liefert aber kaum Bass und kann im Querformat versehentlich von einem Finger abgedeckt werden.  Der Sound wird bei Kabelverbindung der Kopfhörer  von Equalizer-Presets aufgeppept. Die Gesichtserkennung ist recht zuverlässig, aber nicht sicher. Man kann sie über ein Foto austricksen. Alternativ steht der nicht ganz so schnelle Fingerabdrucksensor unter dem Display zur Verfügung.

Honor 10 und die beiden Kameras

Honor_10_11Bei der Dual-Kamera des Honor 10 setzt der Hersteller weder auf das Knowhow von Leica, noch auf die gleichen Linsen bzw. Optiken. EMUI_8_1_33Die beiden Kameras lösen mit 16 Megapixel (RGB) und 204Megapixel (monochrom) auf und bieten eine Blende von f/1.8 und f/2.4. Unterstützt wird der Fotograf dabei von einer “KI” bzw. AI. Diese künstliche EMUI_8_1_35Intelligenz hilft bei der Erkennung der Motive (semantisch, also jedes Objekt einzeln) und schlägt gleich passende Programm bzw. Filter vor. Diese Hilfestellung kann man entweder komplett deaktivieren oder auch nachträglich – also nach der Aufnahme – ausschalten. Über das Teleobjektivs hat die Möglichkeit eines zweifachen Zooms.

Bei Aufnahme von Speisen unterscheidet die KI zwischen Sushi oder Eis. Auch Tiere (Katzen und Hunde) werden zuverlässig erkannt und mit dem passenden Filter unterlegt. Einen optischen oder elektronischen Bildstabilisator findet man beim Honor m10 aber leider nicht. Einfache Langzeitbelichtungen kann man damit kaum noch ohne Stativ abwickeln. Die Videoaufnahmen in 4K 30FPS sind soweit ganz gut, der Autofocus reagiert aber sehr träge. Die Kamera-App selber bietet zahlreiche Filter, Effekte und auch einen Zeitraffermodus. Mehr geht aktuell nicht.

Die Frontkamera zeichnet Bilder mit 24 Megapixel in guter Qualität auf. Leider nervt dabei der permanent im Einsatz befindliche Beauty-Modus. Der zeichnet die Gesichter unnatürlich glatt, das sieht einfach nur super künstlich aus.

Das Honor 10 und mein Fazit

Honor_10_15
Das Honor 10 ist tolles Smartphone. Man bekommt einfach sehr viel für das Geld. Die 399 Euro sind in meinen Augen angemessen,Cyberport_Logo_2015 WENN man auf eine sehr auffällige Optik steht. Die Farben sind dabei Geschmackssache. Die fehlende IP-Zertifizierung kann ich verschmerzen, die Verarbeitung wirkt hochwertig und technisch gibt es kaum etwas zu meckern. Lediglich das EMUI 8.1 ist immer noch etwas zu verspielt und damit anfälliger für Microruckler.  Die Kamera kann eine gute Bildqualität erzeugen, der Akku ist ausdauernd genug. Mit dem Kauf des Honor 10 kann man also kaum etwas falsch machen. Wobei auch das Honor 10 View (ohne Notch) für 399 Euro keine schlechte Alternative ist.