Honor 8X im Test: Viel Smartphone für 249 Euro?

Das neue Honor 8X für 249 Euro soll das Erbe des recht guten Honor 7X antreten und will es sogar übertreffen. Im Inneren werktl der Kirin 710 genannte SoC aus dem Huawei Mate 20 lite . Beim Display setzt der Hersteller auf ein 6,5 Zoll großes (FHD+) Display, welches rund 91% der Vorderseite in Beschlag nimmt. Ob sich der Kauf insgesamt lohnt, zeigt euch mein folgender Testbericht.8 min


Das neue Honor 8X für 249 Euro soll das Erbe des recht guten Honor 7X antreten und will es sogar übertreffen. Im Inneren werktl der Kirin 710 genannte SoC aus dem Huawei Mate 20 lite . Beim Display setzt der Hersteller auf ein 6,5 Zoll großes (FHD+) Display, welches rund 91% der Vorderseite in Beschlag nimmt. Ob sich der Kauf insgesamt lohnt, zeigt euch mein folgender Testbericht.

Ich kann es nur immer wiederholen: die Zahl der Smartphones aus dem Hause Huawei bzw. Honor scheint exponentiell zuzunehmen. Nicht nur ich verliere da so langsam den Überblick. Zudem unterscheiden sich die vielen Modelle oft nur minimal voneinander. Im Falle des Honor 8X könnte man zum Beispiel auch locker zum Honor Play greifen. Das kostet allerdings rund 50 Euro mehr. Ich habe das Honor 8X jetzt rund 3 Wochen im Betrieb und möchte euch meine Erfahrungen damit schildern.

Honor 8X: Design und Verarbeitung

Honor_8x_18Optisch unterscheiden sich die vielen Modelle aus dem Hause Honor bzw. Huawei nicht mehr so stark. Das liegt an den abgerundeten Kanten, dem großen Display auf der Vorderseite und den Farben (Schwarz, Blau). Die Rückseite besteht dazu oft aus Metall oder – im Falle des Honor 8X – eben aus Glas. Das sieht zwar recht hübsch aus, aber gerade die schwarze Glasrückseite meines Testsamples von Cyberport.de ist sowohl anfällig für Fingerabdrücke als auch sehr rutschig. Die beiden Kamera-Objektiven hat man im Gegensatz zum Mate 20 lite in die linke, obere Ecke verfrachtet. Im Gegensatz zu meinem Apple iPhone XS Max ragen sie aber nicht ganz so unangenehm weit aus dem Gehäuse heraus. Spürbar ist das mit rund 1mm aber auch beim Honor 8X. Unter den beiden Linsen findet man noch eine recht starke LED sowie einen “AI” und Honor-Schriftzug. Die Kamera-App wird durch eine künstliche Intelligenz bei ihrer Arbeit unterstützt. Etwa 1/5 der Rückseite ist zusätzlich mit einem matten Streifen gesegnet worden. Das sieht nett aus und soll optisch wohl den Einsatz der Kamera im Querformat suggerieren.

Der in Blau oder Schwarz eingefärbte Metallrahmen des Honor 8X ist mit seinen 160,4 x 76,6 x 7,8 mm etwas größer ausgefallen als beim Huawei Mate 20 lite (158.3 x 75.3 x 7.6 mm). Mit 175 Gramm ist es aber nur 3 Gramm schwerer. Die Displaydiagonale beträgt dafür aber 6.5 Zoll! Die Tasten für Lautstärke und den Ein-/Ausschalter findet man auf der rechten Seite, auf der linken Seite des Rahmens finden zwei Nano-SIM und eine MicroSD gleichzeitig Einschub. Die Unterseite ziert ein Lautsprecher, MicroUSB sowie ein Mikrofon. Auch an eine 3.5 mm Klinkenbuchse haben die Designer gedacht. Heutzutage ist das schon erwähnenswert. Wer jetzt über den “veralteten” Micro-USB-Zugang meckert: es gibt dafür beim Honor 8X keine sinnvolle Funktion: Das Smartphone unterstützt nur USB 2.0 und bietet auch keine schnelle Auflademöglichkeit. Ein Vorteil von USB-Typ-C beim Honor 8X wäre daher nur die Tatsache, dass man die Kabel nicht verdrehen kann. Die gesamte Verarbeitung des Honor 8X ist trotzdem auf einem sehr hohen Niveau und das Honor 8x ist extrem dünn. Hätte ich eine Farbwahl, würde ich eher zu Blau tendieren. Das setzt die Fingerabdrücke nicht so prominent in Szene.

Display: 6.5 Zoll mit Notch

Auch das Honor 8X bietet wieder eine Notch – also eine Lücke im oberen Rand des Displays. Kein Hersteller – und sei er noch so klein – will wohl heutzutage darauf verzichten. Das 6,5 Zoll große IPS-Display mit seiner Auflösung von 1.080 x 2.340 Pixel im 19,5:9 Format bringt 401 ppi zustande.

Mir persönlich hat die nicht zu kräftige Farbdarstellung des Panels aber auch die auffallend hohe Plastizität sehr gefallen. Die Icons wirken, als würden sie direkt unter dem Touchscreen liegen. Der Bildschirm unterscheidet dabei die Eingaben von bis zu 10 Finger gleichzeitig. Die Blickwinkelstabilität ist allerdings nicht die beste, weiße Flächen tauchen schimmern bei höheren Blickwinkeln leicht gräulich. Die Notch kann man softwareseitig übrigens auch ausblenden. Zum Abend hin ist es dann durchaus sinnvoll, den Lesemodus mit reduziertem Blauanteil (automatisch) zu aktiveren.

Der knapp 2 mm dicke Rand um das Display besteht aus einfachem Kunststoff. Der Bildschirm selber wird auch “nur” durch Aurora-Glas geschützt. Das dürfte billiger sein als Corning Gorilla Glas. Ob es genauso unempfindlich ist, wollte ich bei meinem Testsample nicht ausprobieren. Das sogenannte Kinn unter dem Display ist mit rund 3 mm etwas dicker ausgefallen. In der Notch findet man die 16-Megapixel-Frontkamera, ein paar Sensoren sowie ein viel zu schwache Benachrichtigungs-LED. Das Display bringt es auf ein Scree-to-Body Ratio von stattlichen 91%. Das ist mehr als beim Honor Play oder Huawei Mate 20 lite. Honor nennt das hier “SuperScreen-Display”. Das wird aber locker vom Oppo Find X mit knapp 94% getoppt. Ok, letzteres ist auch deutlich teurer.

Konnektivität: Fingerabdruckscanner mit LTE Band 20

Honor_8x_10Unterwegs kann ich über HSPA+ oder LTE bzw. WiFi 802.11 a/b/g/n/ac, 2,4 GHz und 5 GHz im Internet surfen. Das klappte im Test völlig problemlos. Bei der Telekom kam ich in Münster auf knapp 95 mbit/s. Daten und Medien werden per Bluetooth®:BT 4.2, BLE, HWA, aptX™ und aptX™ HD oder NFC bzw. UKW-Radio übertragen. Die Sprachqualität ist dabei sehr gut, meine Gesprächspartner tönen klar und deutlich aus dem Hörer. Das Honor 8x unterstützt dabei die Erweiterung des internen Speichers (64 oder 128 GByte) über microSD-Karten (bis 400 GByte) und USB-OTG. Zudem kann ich beide Karten gleichzeitig per LTE nutzen. Der durchschnittliche GPS-Fix war nach rund 3 Sekunden erledigt. Der SAR-Wert ist leider noch nicht veröffentlicht.

Der Musikplayer aus dem Hause Honor zeigt den Interpreten und auch Playlisten, Genres und Albennamen an. Auch das in den Track integrierte Album-Cover wird korrekt angezeigt. Das Honor 8X liefert — mit guten Kopfhörern — einen vernünftigen Sound. Per Bluetooth auch über aptX. Leider gab es in Verbindung mit meinen drahtlosen Bower & Wilkins PX Kopfhörern erhebliche Probleme bei der Bluetooth-Übertragung. Diese wurde durch die Aussetzer (Smartphone in der Hosentasche transportiert) enorm beeinträchtigt. Es sah so aus, als ob die WLAN’s im 2.4 GHz-Band in der Nähe “störten”. Je näher ich das Smartphone an die Kopfhörern hielt, desto geringer wurden die Aussetzer.

Nur per Kabel hat man Zugriff auf die eingebauten Equalizer-Presets und es kam zu keinerlei Störungen. Die Gesichtserkennung ist – sofern ausreichend Licht zur Verfügung steht – recht zuverlässig und schnell. Alternativ steht der ebenfalls sehr zuverlässige und schnelle Fingerabdrucksensor auf der Rückseite zur Verfügung.

Honor 8x: Performance und Akku

Der HiSilicon Kirin 710 im Honor 8X nutzt acht Kerne mit bis zu 2,2 GHz. Im täglichen Betrieb war die Performance mehr als ausreichend. Im AnTuTu erreichte das Honor 8X knapp 140.000 Punkte. Im Geekbench 4 reicht es für 1.604 im Single-Core und 5.588 im Multi-Core. Damit ist die Performance trotz “GPU-Turbo” für aktuelle Spiele wie Pubg oder demnächst auch Fortnite bedingt ausreichend. Das Thermal-Throttling – also die Drosselung der Leistung unter Belastung – war unauffällig. Die Leistung wird zwar verringert, das fällt in der Praxis aber nicht weiter auf. Der 3.750 mAh starke Akku kommt ebenfalls im Huawei Mate 20 lite zum Einsatz. Im Honor 8X kann man ihn aber nicht per Schnellladefunktion auftanken. Über das mitgelieferte Ladegerät (5V/2A) dauert die Aufladung per Kalebl also 140 Minuten! Drahtlos klappt das übrigens nicht. Der Akku hielt im Dauertest dann rund 14 Stunden durch. Im PCMark kam er auf 11:32 Stunden. Im normalen Alltag kommt man auf eine Laufzeit von bis zu 2 Tagen. Ein ordentlicher Wert, der sich natürlich nicht vom Huawei Mate 20 lite unterscheidet.

Android 8.1 und EMUI 8.2: Bunter geht es kaum

Das Honor 8X wird mit Android 8.1 (Oreo) sowie der neuen EMU 8.2 ausgeliefert. Die Oberfläche wurde seitens Huawei stark an das iOS angeglichen, bietet zahlreiche Gestaltungs- und Einstellungsmöglichkeiten und ist leider IMMER NOCH recht träge. Das Speichermanagement geht mit den zur Verfügung stehenden 4 GByte recht rigoros um. Nicht genutzte Apps werden öfter mal kommentarlos aus dem Speicher gekickt. Das kann bei Push-Nachrichten von WhatsApp oder Telegram ein Problem werden. Zieht man die Statusleiste am oberen Rand nach unten, dann findet man neben den üblichen Verknüpfungen (WLAN, Flugmodus, SIM, etc.) auch eine Timeline mit den zuletzt durchgeführten Aktionen. Screenshots kann man zum Beispiel auch durch klopfen mit dem Fingerknöchel auf das Display auslösen. Das Scroll-Shot-Feature macht Screenshots von Inhalten, die mehrere Bildschirmseiten lang sein. Wer mit zwei Fingerknöcheln auf einmal auf das Display klopft, startet das Screen Recording: der Inhalt des Screens wird dann als Video abgespeichert. Hinzugekommen sind Sicherheitsfeatures mit den man Apps und Daten verschlüsseln bzw. schützen kann. Das Dateisystem wurde umgestellt, so dass eine Fragmentierung verhindert wird.

Angeblich soll die eingebaute AI mich als Nutzer bei meinen täglichen Bemühungen unterstützen. Angeblich soll sie auch aus meinem Verhalten lernen. Wer also viele Fotos macht, bekommt entsprechend viel freien Speicher und eine permanent verfügbare Kamera-App. Wer viele Telegram/WhatsApp schreibt, eben einen schnell Messenger. Wer aber nicht davon speziell macht, der bekommt auch: “nix”. Honor nutzt diese auch zur Übersetzung von Texten und Ermittlung von Bildinhalten. Die Texterkennung über den Microsoft Translators ist durchaus nützlich, funktioniert offline, aber leider nicht live. Bei Fotos blendet das System die Übersetzung der entsprechenden Wörter ein. Je nach Textlänge und Sprache kann das aber etwas dauern. Aktuelle Smartphones ohne KI übersetzen auch nicht langsamer 😀 Diese “AI” oder “KI” scheint mir daher eher das Marketing von Honor zu unterstützen. Das Multitasking und der Wechsel zwischen geöffneten Browser-Tabs ist jedenfalls immer noch vergleichsweise langsam. Die Animationen und Themes sehen zwar nett aus, verlangsamen aber mitunter den Workflow. Die Icons der Apps werden ab Werk erst einmal auf den unterschiedlichen Home-Screens des EMUI verteilt. Auf Wunsch kann man die Icons auch in Ordner sortieren. Wer mag, kann aber auch den alten App-Drawer aktivieren.

Die drei (bzw. vier) Software-Tasten zur Bedienung von Android befinden sich – dauerhaft eingeblendet – am unterem Displayrand. Das nennt sich „Navigationsleiste“. Die kann man in den Einstellungen dann auch anpassen und die Icons so umsortieren.  Leider wird ab Werk auch mal wieder eine Menge Bloatware (Apps und Spiele) installiert. Teilweise kann ich mich bei der Installation direkt dagegen entscheiden, teilweise muss oder darf ich sie im Nachhinein deinstallieren. Huawei nutzt diese Apps offensichtlich zur Querfinanzierung des Smartphones. So steht auch ein eigener App Store zur Verfügung dessen Sinn sich mir nicht gleich erschließt.

Honor 8X: Drei Kameras, eine AI

Honor_8x_16Während die beiden Kameras auf der Rückseite mit 16 MP + 2 MP, f/1,8-Blende und Autofokus (PDAF und Kontrastfokus) tagsüber und bei ausreichend Licht ordentliche Aufnahmen abliefern, geht der gute Eindruck nach Einbruch der Nacht schnell verloren. Bei schlechteren Lichtverhältnissen bilden sich gut sichtbare Artefakte und die Details verschwinden im Dunkeln. Ein Teleobjektiv zur Vergrößern von Motiven ist übrigens nicht vorhanden. Der zweite Sensor mit seinen 2 Megapixeln ermöglicht nur den Bokeh-Effekt. Das sieht dann – je nach Geschmack – schon ziemlich “weichgezeichnet” aus. Das Ergebnis sieht aus, als wenn ein Azubi in der Werbeagentur das erste Mal mit Photoshop experimentiert hat:  feine Elemente wie Haare werden schnell “matschig”. Die AI erkennt dabei das Motiv automatisch und bietet bis zu 500 Szenen, also vorgefertigte Bildoptimierungen an. Das geht so weit, dass die AI sogar unterschiedliche Katzenrassen erkennt.

[Kamerasamples Honor 8x]
[Kamerasamples Honor 8x]
Videos zeichnet die Kamera übrigens in Full-HD mit maximal 60 Bildern pro Sekunde auf. Die Qualität und der Ton stimmen, sind aber nicht überragend oder gut. Auf der Vorderseite des Honor 8X  findet man eine 16-Megapixel-Kamera mit Blende f/2.0. Die Selfies kann ich dabei allerdings nicht mit den – vom Huawei Mate 20 lite – bekannten AR/AI-Effekten des Huawei Mate 20 lite aufpeppen.

Fazit: Nur eine Alternative?

Honor_8x_25Das Honor 8x ist ein gutes und günstiges Smartphones. Im Gegensatz zum Honor 7X hat aber die Konkurrenz stark zugenommen. Sowohl Cyberport_Logo_2015von anderen Firmen, wie auch von “eigenen” Modellen. Die Performance des Kirin 710 ist ausreichend, die Akkuleistung kann mich voll überzeugen. Das gilt mit minimalen Abstrichen auch für das 6.5 Zoll große Display. Die Ergebnisse der AI-Kamera sind allerdings “nur” nett. Wer etwas mehr Geld anlegen will (das wäre sinnvoller) sollte beispielsweise zum Honor Play oder Pocofone F1 für rund 300 Euro greifen. Wer es etwas kleiner mag, greift zum 211 Euro (Aktion) teuren Honor 8.

Honor 8X

249
9

Verarbeitung

9.3/10

Display

8.8/10

Performance

8.9/10

Kamera

8.6/10

Konnektivität/Akku

9.2/10