Honor View 10 im Test: Ein günstigeres Mate 10 Pro?

Das Honor View 10 kostet als Nachfolger des Honor 9 zum Testzeitpunkt 499 Euro. Dafür bekommt man fast die gleiche Ausstattung wie beim deutlich teureren Huawei Mate 10 Pro. Kein Wunder, Huawei und Honor teilen sich ja auch alles :D So bietet das View 10 ein 6-Zoll-FHD-Display, einen Kirin 970 mit 6 GByte RAM, 128 GByte Speicher UND microSD. Dazu noch eine Dual-Kamera mit 20/12 Megapixel. Aber lohnt sich die Differenz zum Huawei Mate 10 Pro nicht trotzdem?7 min


Das Honor View 10 kostet als Nachfolger des Honor 9 zum Testzeitpunkt 499 Euro. Dafür bekommt man fast die gleiche Ausstattung wie beim deutlich teureren Huawei Mate 10 Pro. Kein Wunder, Huawei und Honor teilen sich ja auch alles 😀 So bietet das View 10 ein 6-Zoll-FHD-Display, einen Kirin 970 mit 6 GByte RAM, 128 GByte Speicher UND microSD. Dazu noch eine Dual-Kamera mit 20/12 Megapixel. Aber lohnt sich die Differenz zum Huawei Mate 10 Pro nicht trotzdem?

Honor View 10: Viel Metall aber kein Unibody

Honor_View10_12Während das Honor 9 noch mit mit viel Glas in der Sonne “glänzen” konnte, kommt das neu View 10 mit einer Rückseite aus metall, aber keinem Unibody-Design daher. Wer genau hinsieht, bemerkt den minimalen Spalt zwischen Metallrahmen und Rückseite. vermutlich deswegen ist das Gehäuse auch weder staub- noch wasserdicht. Zumindest nicht offiziell.

Das Mate 10 Pro glänzt und spiegelt, das View 10 stumpft ab.

Huawei liefert übrigens trotzdem eine transparente Schutzhülle aus TPU mit. Die schützt gegen Kratzer und gegen Fingerabdrücke auf dem Metall. Auf der rechten Seite findet man den Ein-/Ausschalter sowie einen Drücker für die Lautstärke. Auf der linken Seite den Einschub für zwei nano-SIM bzw. eine nano-SIM und eine Speicherweiterung per microSD.

Die beiden Kameraoptiken auf der Rückseite ragen sehr stark aus dem Gehäuse hervor, ähnlich wie beim Honor 7x. Der Fingerabdrucksensor befindet sich auf der Vorderseite, unterhalb des Displays. Die Unterseite ziert  ein USB-Typ-C-Anschluss (USB 2.0) sowie ein Lautsprecher und ein Mikrofon. Hier findet man auch – im Gegensatz zum Mate 10 Pro – eine normale 3.5 mm Klinkenbuchse?

Display: 6 Zoll und Full-HD+

Honor_View10_11Das 6 Zoll große Display auf der Vorderseite kommt im trendigen 18:9-Format. Damit wird das Smartphone zwar schmaler, die Auflösung von 1.080 x 2.160 Pixel (403 ppi) selbst ist aber zum Beispiel bei Filmen nicht der Weisheit letzter Schluss (Stichwort Balken). In den Einstellungen kann ich die Auflösung auch weiter reduzieren um so zum Beispiel Strom zu sparen. Hier kann ich auch die Farbdarstellung etwas “lebendiger” einstellen.

Das IPS-Display gibt die Farben etwas weniger leuchtend wieder, als das AMOLED des Mate 10 Pro.

Und auch Kontrast und Schwarzwerte sind natürlich schwächer. Das anzuklagen wäre aber extrem kleinlich. Texte und Bilder wirken gestochen scharf und die maximale Helligkeit reicht für meinen Geschmack ebenfalls aus. Die Ablesbarkeit aus unterschiedlichen Blickwinkel war gut, aber trotzdem schlechter als beim teureren Mate 10 Pro.

Emotion UI 8: Android 8 in bunt

Emotion UI 8 nennt sich die Benutzeroberfläche aus dem Hause Honor/Huawei auf der Basis von Android 8.0. Sie verzichtet ab Werk zwar auf einen App-Drawer, wer ihn aber partout haben will, der finden in den Einstellungen auch eine Option für die (Re)Aktivierung 😀

So werden zunächst alle Icons (Apps) auf den unterschiedlichen Homescreens verteilt. Auf Wunsch kann man die Icons auch in Ordner sortieren. Die drei (bzw. vier) Software-Tasten zur Bedienung von Android befinden sich – dauerhaft eingeblendet – am unterem Displayrand. Das nennt sich treffenderweise „Navigationsleiste“. Die kann man in den Einstellungen dann auch anpassen und die Icons so umsortieren.

Den Home-Button mit eingebautem Fingerabdrucksensor auf der Vorderseite kann man zudem als eine Art “Touchpad” nutzen. So kann ich durch Wischgesten über den Sensor das Betriebssystem steuern. Dann werden die Softkeys komplett ausgeblendet. Fingerabdrücke (bis zu 5) unterscheidet der Sensor sehr zuverlässig voneinander. In meinem Videoreview des Honor View 10 auf YouTube kann man auch das EMUI 8 im Einsatz sehen:

Um das Video sehen zu können, musst du erst den YouTube Datenschutzrichtlinien zustimmen. Nachdem du diese akzeptiert hast, kannst du den Inhalt von YouTube aufrufen. Die Angebote von YouTube werden nicht auf mobile-reviews.de gehostet.

YouTube Datenschutzrichtlinien

Wenn Du den Datenschutzrichtlinien zustimmst, wird deine Wahl für die Zukunft gespeichert.

Zieht man die Statusleiste am oberen Rand nach unten, dann findet man neben den üblichen Verknüpfungen (WLAN, Flugmodus, SIM, etc.) auch eine Timeline mit den zuletzt durchgeführten Aktionen. Screenshots kann man zum Beispiel auch durch klopfen mit dem Fingerknöchel auf das Display auslösen. Das Scroll-Shot-Feature macht Screenhots von Inhalten, die mehrere Bildschirmseiten lang sein. Wer mit zwei Fingerknöcheln auf einmal auf das Display klopft, startet das Screen Recording: der Inhalt des Screens wird dann als Video abgespeichert.

Das Dateisystem wurde bei EMUI 8 umgestellt, so dass eine Fragmentierung verhindert wird. Eine sinnvolle Einhandbedienung ist hinzugekommen.

Der vom Huawei Mate 10 Pro bekannte Desktopersatz “Huawei Easy Projection”  steht beim View 10 nicht zur Verfügung.

Alles in allem ist das EMUI eine durchdachte und über Themen auch grafisch anpassbare Oberfläche. Puristen werden damit aber nur schlecht klarkommen.

Performance & Akku: Wirklich Klasse

Bei der CPU setzt das Honor View 10 auf den neuen Kirin 970 sowie 6 GByte Arbeitsspeicher. Der Chipsatz mit seiner neuronalen Einheit für die KI wird vom Snapdragon 835 bzw. Exynos 8895 des Galaxy S8 übertrumpft. Vom Apple A11 will ich gar nicht erst reden. Im Geekbench 4 kommt er auf 1.904 Punkte im Single-Core und 6.756 im Multi-Core .

Alle getesteten Spiele (Asphalt Extreme, Modern Combat 5) liefen damit natürlich ruckelfrei und auch das EMUI selber hatte keine auffälligen Ruckler. Mitunter reagiert das RAM-Management aber ziemlich unwirsch und kickt Apps rigoros aus dem Speicher. Unschön und unnötig bei 6 GByte RAM!

Android 8_View_10_14Der fest eingebaute Akku leistet 3.750 mAh und hielt im Akkutest knapp 11 Stunden durch. Normalnutzer, die nur ein paar Mails am Tag checken und Gespräche führen, schaffen also etwa zwei Tage. Selbst Hardcore-Nutzer wie ich (zig E-Mails, WhatsApp und 2 Stunden Musik über Bluteooth) werden erst am Abend zum Ladegerät greifen müssen, aber auch nur, um den nächsten Tag ohne “Ladehemmungen” zu überleben. Aufgeladen wird das Smartphone dann über ein USB-Typ-C-Kabel. Der Ladevorgang dauert etwa 2 Stunden. Aber schon nach 30 Minuten habe ich genügend Energie für einen Arbeitstag.

Was die eingebaute “KI” des SoC betrifft: Huawei nutzt sie zum Beispiel zur Übersetzung von Texten und Ermittlung von Bildinhalten in der Kamera-App. Die Texterkennung funktioniert mit Hilfe des Microsoft Translators und ist durchaus nützlich. Man benötigt zwar keinen Internetzugang, die Übersetzung ist aber nicht in Echtzeit möglich. Bei Fotos blendet das System die Übersetzung der entsprechenden Wörter ein. Je nach Textlänge und Sprache kann das etwas dauern. Kleine Notiz am Rande: aktuelle Smartphones übersetzen mit Hilfe der frei verfügbaren Apps auch nicht langsamer 😀 Die “KI” scheint mir daher eher für das Marketing hilfreich.

Leider liefert Honor das View 10 mit einer Menge Bloatware aus.

Apps wie von Booking.com kann man nicht einmal mehr deinstallieren. Bei vielen anderen Apps habe ich bei der Einrichtung zumindest noch eine Wahlmöglichkeit. Die vorinstallierten Spiele aus dem Hause Gameloft kann ich später dann löschen. Trotzdem scheint der Hersteller hier ein paar Einnahmen generiert zu haben, um den günstigeren Preis des View 10 zu ermöglichen.

Multimedia: 20/12-Megapixel-Dual-Kamera

Mit Hilfe der “KI” erkennt die Kamera bestimmte Motive selbstständig und optimiert dann die entsprechenden Einstellungen bzw. Automatiken.

Das Honor View 10 nutzt eine ähnliche Dual-Kamera wie das Mate 10 Pro.

Allerdings “nur” mit einer Blende f/1.8. Damit ist die Optik nicht ganz so “lichtstark” wie beim teureren “Bruder”. Die gesamte Technik bzw. das Knowhow stammt auch nicht aus dem Hause Leica. Das sieht man dann zum Beispiel bei Aufnahmen mit schlechten Lichtverhältnissen:

Campics Huawei Mate 10 Pro Campics Honor View 10

Mate 10 Pro – Honor View 10

Die Kamera-App selber kennt man aber schon von anderen Huawei/Honor-Smartphones. Der Dual-Lens-Hybrid-Zoom (zweifache Zoom) funktioniert zwar ohne “Verluste”, da die Details der Aufnahme dann aus den 20 Megapixel extrahiert und auf 12 Megapixel runtergerechnet werden, sinnvoll ist das aber nur selten.
Mate 10 Pro vs. View 10

Der 12-Megapixel-Sensor ist für die Farben (RGB-Infos) zuständig und auch optisch Stabilisiert. Die Honor-Software kombiniert die beiden Kameraaufnahmen zu einem Gesamtbild. Entweder mit 20 Megapixel ohne Zoom, oder eben mit 12 Megapixel und der Möglichkeit des zweifachen Hybrid-Zooms. Gut Gefallen hat mir auch der Monochrom-Modus des 20-Megapixel-Sesnors mit seinen hohen Kontrasten. Die daraus resultierenden Schwarz-Weiss-Aufnahmen bestechen durch Schärfe und Detailfülle. Das Hybrid-System aus Laser-, Tiefen-, Kontrast- und Phasenvergleichs-Autofokus reagiert schnell und präzise.

Neben den üblichen Spielereien wie HDR-Modus, Panorma-Modus und einer Bildverschönerung, mit teilweise extrem künstlich wirkenden Ergebnissen, bietet das Huawei Mate 10 auch nette Licht-Spielereien bei Dunkelheit. Zahlreiche Nachtmodi vereinfachen und verschönern die Aufnahmen bei Dunkelheit. So kann man beispielsweise „Bilder“ in die Nacht zeichnen (Lichtmalerei). Man nehme eine Lichtquelle und male fröhlich in der Luft herum. Die Kamera berechnet dabei automatisch die passende Verschlusszeit und den ISO-Wert. Das klappt wegen der langen Belichtungszeit aber nur mit einem Stativ. So kann man beispielsweise auch die Lampen von Autos in eine Art Lichtschlange verwandeln.

Zusätzlich stehen noch 3D-Modi (Panorama, Creator) und verschiedene andere Filter und Effekte zur Auswahl. Wer wirklich alles aus der Kamera rausholen will, sollte zum Pro-Modus greifen. Hier kann man die – mitunter etwas oberflächliche Automatik – aushebeln und erhält Zugriff auf alle wichtigen Einstellungen (ISO, Weißabgleich, Fokus, etc.).

Im Portrait-Modus kann ich über eine „Große Blende“ eine Art Tiefenschärfe-Effekt erzeugen der im Gegensatz zu echten Kameras aber softwarebasiert ist. Dabei kann man Fokus im Nachhinein ändern oder eine größere oder eine kleinere Blendenöffnung wählen. Wer Fans von diesem Bokeh-Effekte ist, der kommt hier voll auf seine Kosten. Mit echten Kameras kann er aber nicht mithalten. Die neue KI sorgt hier – genauso wie bei der Erkennung bestimmter Szenen – für bessere, weil natürlich wirkende Resultate. Im Profi-Modus bietet die Kamera-App viele Einstellungsmöglichkeiten, auch RAW-Fotos kann man dann abspeichern.

Die Kamera auf der Vorderseite löst mit 8 Megapixel auf und sorgt für exzellente Selfies, Wefies und Co. Die Qualität der Kamera finde ich insgesamt sehr gut, aber eine richtige Leica könnte mehr. Dennoch ist das hier einer der besten Kameras auf dem Markt.

Konnektivität & Sound: Ist alles ok

Unterwegs kann ich über HSPA+ oder eben auch per LTE bzw. WLAN 802.11 /a/g/n/ac (2.4/5 GHz)mit bis zu 1,2 GBit/s im Internet surfen. Bei der Telekom kam ich in Münster auf knapp 89 mbit/s. Daten und Medien werden per Bluetooth LE und NFC übertragen. Die Sprachqualität des View 10 war dabei gut, meine Gesprächspartner tönen klar und deutlich aus dem Hörer. Das View 10 unterstützt dabei auch die Erweiterung des internen Speichers über microSD-Karten (bis 200 GByte). Das klappt auch per USB-OTG. Vom internen Speicher mit seinen 128 GByte stehen rund 110 GByte zur freien Verfügung. Der durchschnittliche GPS-Fix war nach rund 5 Sekunden erledigt.

Der SAR-Wert ist mit 0,99 W/kg (am Kopf/Körper) höher als beim Mate 10 Pro!

Der Musikplayer aus dem Hause Honor zeigt den Interpreten und auch Playlisten, Genres und Albennamen an. Auch das in den Track integrierte Album-Cover wird korrekt angezeigt. Das View 10 liefert — mit guten Kopfhörern — einen vernünftigen Sound. Der eingebaute Lautsprecher auf der Unterseite klingt hingegen etwas dünn. Im direkten Vergleich mit den aktuellen Xperia-Modellen, dem Samsung S8 oder dem Apple iPhone 8 ist der Klang aber nicht ganz so lebendig, voll und klar. Equalizer-Presets sorgen für die richtige “Stimmung”.

Fazit: Honor View 10

Das Honor View 10 kostet zum Testzeitpunkt (bei Cyberport) 499 Euro und ist damit offiziell 300 Euro günstiger als das Huawei Mate 10 Pro. Der Unterschied beim Straßenpreis reduziert sich dann aber auf Cyberportrund 150 Euro. Das IPS-Panel in FHD+ hat mir beim View 10 gut gefallen. Die Dual-Kamera ohne optische Bildstabilisierung und Leica-Technik macht wirklich gute Aufnahmen, kann sich aber gerade bei Dunkelheit nicht mit dem Mate 10 Pro messen. Der Kirin 970 SoC ist schnell, die “KI” aber eher Spielerei. Das View 10 ist damit ein tolles, aber in meinen Augen auch kein besonderes Smartphone. Alternativ wäre man zum Beispiel auch beim OnePlus 5T gut aufgehoben.