Honor View 20 im Test: Mit Loch im Display

Das Honor View 20 bietet ab Werk direkt ein Loch im 6,4 Zoll großen IPS-Display. Jawohl, der Hersteller verzichtet auf eine Notch und nutzt dafür ein "Puch Hole Display" ähnlich wie beim hierzulande eher unbekannten Samsung Galaxy A8s. Technisch bekommt man für rund 569 Euro noch eine 48-Megapixel-Kamera mit Sony-Sensor, 6 GByte RAM, einen Soc vom Typ Kirin 980 sowie einen 4.000 mAh starken Akku. Klingt doch alles super, oder? Schauen wir uns das Honor View 20 mal im Test an.7 min


Das Honor View 20 bietet ab Werk direkt ein Loch im 6,4 Zoll großen IPS-Display. Jawohl, der Hersteller verzichtet auf eine Notch und nutzt dafür ein “Puch Hole Display” ähnlich wie beim hierzulande eher unbekannten Samsung Galaxy A8s. Technisch bekommt man für rund 569 Euro noch eine 48-Megapixel-Kamera mit Sony-Sensor, 6 GByte RAM, einen Soc vom Typ Kirin 980 sowie einen 4.000 mAh starken Akku. Klingt doch alles super, oder? Schauen wir uns das Honor View 20 mal im Test an.

Honor View 20: Design ist unaufgeregt

Honor_V20_FarbenDas Honor View 20 ist (zumindest theoretisch) in verschiedenen Farben erhältlich: neben Midnight Black (Schwarz) stehen auch Phantom Blue (Hellblau), Sapphire Blue (Dunkelblau) und Rot zur Auswahl. Zum Testzeitpunkt gab es aber nur Schwarz und Blau (Sapphire). Theoretisch gibt es auch zwei Speicher-Varianten: mit 6 GByte RAM und 128 GByte Speicher und mit 8 GByte RAM und 256 GByte Speicher. Letztere kostet dann zwar 649 Euro, ist aber ebenfalls noch nicht verfügbar. Den internen Speicher kann man aber auf keinen Fall erweitern. Honor bietet nämlich einen Steckplatz für zwei nano-SIM, aber eben nicht für die hauseigene NM-Speicherkarte.

Das Design sowie die Verarbeitung empfinde ich als durchaus gelungen.  Die Glasrückseite schimmert dabei, je nach Lichteinfall, mit einer Art “V”. Der Rahmen aus Metall ist dabei ebenfalls lackiert, aber eher matt. Highlight dürfte für dabei aber der 6,4 Zoll große IPS-Bildschirm auf der Vorderseite bleiben. Und hier fällt einem erst einmal das 4.5 mm kleine Loch in der linken oberen Ecke auf. “Darin”  findet man die 25-Megapixel-Frontkamera ohne Autofocus. Honor spart sich so eine mehr oder weniger auffällige “Notch”.

Honor View 20: 6,4-Zoll-Display mit Loch aber ohne OLED

Der 6,4 Zoll große Bildschirm des Honor View 20 löst zwar mit 2.310 x 1.080 Pixel auf, nutzt aber leider kein OLED-Panel. Der Fingerabdruckscanner befindet sich auf der Rückseite und nicht unter dem Displayglas. Die runde Aussparung für die Frontkamera in der linken oberen Ecke nervt mich zwar nicht extrem, ist aber auch nicht besser, als die kleine Notch des OnePlus 6T oder des Essential Phone. Beim Betrachten von Videos oder im Spielemodus stört sie nur bei hellen Hintergründen. Dann sieht man dort auch leicht rötliche Verfärbungen, ähnlich wie “Wölkchen”. Das trifft dann leider auch auf die Ausleuchtung am unteren Bildschirmrand zu. Die ist nicht gleichmässig, was bei rund 570 Euro in meinen Augen nicht wirklich toleriert werden kann.

Die Qualität des Displays ist ansonsten wirklich gut, die Helligkeit sehr hoch, die Farbdarstellung nicht zu aufdringlich, aber auch nicht flach. In den Einstellungen kann ich die Farbtemperatur verändern und auch den Nachtmodus aktivieren. Der reduziert dann die hohen Blauanteile des Panels und soll so für einen besseren Schlaf sorgen. Über dem Display befindet sich übrigens die Hörmuscheln und genau darin wurde auch eine winzige Benachrichtigungs-LED eingelassen. Die ist zwar bunt, gleichzeitig aber auch sehr lichtschwach und wird so leider sehr leicht übersehen.

Honor View 20: Der, die, das Magic UI

Im Gegensatz zu anderen Modellen von Honor wird das View 20 nicht mit EMUI, sondern mit der Benutzeroberfläche “Magic UI” ausgeliefert. Die kam auch schon beim Honor Magic 2 zum Einsatz und unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht sonderlich von EMUI. In erster Linie ist die neue Oberfläche “abwärtskompatibel”. Die beliebten Themen funktionieren bespielsweise auch auf dem Honor View 20. Eine Umgewöhnung ist kaum notwendig. In zweiter Linie kommt mehr AI zum Einsatz, die soll wohl besonders das “jüngere Publikum” ansprechen. Das Multitasking klappte mit den 6 GByte zwar einwandfrei, ist aber nicht so flüssig wie auf meinem Apple iPhone X. Durch die Gestensteuerung kann ich auch nicht zur zuletzt geöffneten Anwendung wechseln. Beim Öffnen und Schließen von Anwendungen sieht man übrigens, wie sich die Statusleiste oben leicht verzögert abdunkelt. Im Test hatte ich Abstürze bei Google Chrome. Die aktuelle Firmware 9.0.1.25 mit den Sicherheitspatches von Google Stand 01. Januar 2019 war dabei schon installiert. Als Basis dient dabei natürlich Android 9.

Der Appdrawer ist ab Werk übrigens deaktiviert, kann aber in den Untiefen der zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten wieder zum Leben erweckt werden. Dort findet man auch die Gestensteuerung bzw. die üblichen Softkeys. Insgesamt ist die Oberfläche immernoch leicht verspielt und neigt dazu, Apps im Hintergrund zu beenden. Wer das verhindern will (z.B. bei Twitter oder WhatsApp/Telegram) sollte unter Einstellungen -> Apps -> Apps -> NAME DER APP -> Details zum Stromverbrauch die Stromverbrauchswarnung deaktivieren und den App-Start “Manuell verwalten”. Die dortigen Optionen (Auto Start, Sekundärer Start, Im Hintergrund ausführen) dann einfach ALLE aktivieren.

Performance und Ausdauer: Honor View 20 ist sehr schnell

Im Honor View 20 arbeitet der neueste Prozessor von HiSilicon. Der Kirin 980 greift dabei in Europa auf 6 GByte bzw. 8 GByte RAM zurück und nutzt das “GPU-Turbo-System”, bei dem die Leistung Magic_UI_2_View20_55(angeblich) für Spiele optimiert wird und gleichzeitig eine Überhitzung verhindert werden soll. Honor hat das View 20 nach eigenen Angaben zudem mit einer NINE genannten “Flüssigkeitskühlungstechnologie” ausgestattet, um die Wärme effizienter ableiten zu können. Leider klappt das in der Realität nicht, nach rund 10 Minuten überhitzt die CPU recht stark. Das spürt man in Spielen wie PubG Mobile oder Asphalt 9 natürlich nicht, denn dafür ist die CPU/GPU eh viel zu schnell. Man spürt allerdings die Wärme, die über das Glas auf der Rückseite abgeleitet wird.

Für meinen Test stand mit die Version mit 6 GByte RAM und 128 GByte Speicher zur Verfügung. Die anderen Versionen sind leider (noch) nicht im Shop erhältlich und auf eine kostenlose Dauerleihgabe mit 8 GB/256 GB habe ich verzichtet. Das können andere YouTuber / Tester bestimmt besser gebrauchen.  In Sachen Performance muss man sich beim View 20 insgesamt keine Sorgen machen, die üblichen Spiele und Anwendungen laufen absolut flüssig und problemlos. Fortnite-Fans bekommen mit dem Kauf des Honor View 20 übrigens Zugang zu einem exklusiven Honor Guard-Outfit.

Im aktuellen AnTuTu kommt die CPU auf 275.313 Punkte. Im Geekbench 4 reicht es für Punkte im 3.308 Single-Core und 9.789 Punkte im Multi-Core. Die Akkukapazität von 4.000 mAh entspricht dem Huawei Mate 20 Pro und zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Selbst bei hoher Auslastung schaffe ich mit dem Honor View 20 locker einen ganzen  Tag.  Wer seinen Akku nicht ganz so stark strapaziert, kann mit einer Laufzeit von 2 Tagen rechnen. Aufgeladen wird das Honor View 20 über ein USB-Typ-C-Kabel. Für eine volle Ladung benötigt das Smartphone knapp 70 Minuten. Zur ultraschnelle Aufladung: von 62% auf 100% in 32 Minuten. Das umgekehrte Laden des Mate 20 Pro wird aber nicht angeboten.

Das Gehäuse des Honor View 20 ist zudem nicht nach einer IP-Norm zertifiziert und demnach nicht wirklich gegen Staub und Wasser geschützt. Auch ein kabelloses Laden wird nicht angeboten. Und DAS bei der doch angeblich so jungen und hippen Zielgruppe. Mein Apple iPhone X lacht gerade (aber auch nur darüber) 🙂

Honor View 20: Klang und Konnektivität

Honor_View_20_14Das Honor View 20 kann ich entweder über den rückseitig verbauten Fingerabdruckscanner oder über die Frontkamera entsperren. Letzteres ist aber gerade bei Dunkelheit nicht sonderlich zuverlässig oder sicher. Die Geschwindigkeit beeindruckt mich bei beiden Alternativen. Das gilt dann nicht für die Klangqualität, denn das View 20 verfügt nur über einen Lautsprecher auf der Unterseite. Immerhin kommt es aber mit einem Klinkenanschluss und den passenden Soundoptimierung daher. Über Bluetooth funktionieren diese leider nicht und in Verbindung mit meinen Bowers & Wilkins PX kommt es ab und an zu leichten Unterbrechungen, was durchaus an den umliegenden WLAN im 2.4 GHz-Band liegen kann. In der Hosentasche taucht das Phänomen häufiger auf, als in meiner Brusttasche. Der eingebaute Lautsprecher ist recht laut und Verzerrung sind kein Thema.

Das Honor View 20 ist übrigens mit drei WLAN-Antennen ausgestattet. Das System überwacht dabei kontinuierlich den WLAN-Empfang und schaltet zwischen den drei Antennen hin und her. So ist der Empfang im WLAN wirklich super, im Netz der Telekom gab es aber auf meiner Bahnstrecke zwischen Werne und Münster die üblichen Aussetzer. Da ist das View 20 keinen Deut besser als andere Smartphones. Die grafische Anzeige der Empfangsstärke in der Statusleiste ist zudem sehr “optimistisch” ausgelegt.

48-Megapixel-Dual-Kamera? Eher Single-Kamera und 3D-Sensor

Honor_View_20_17 Die 48-Megapixel-Hauptkamera auf der Rückseite soll laut Honor das Top-Feature des Smartphones darstellen. Hier kommt auch der brandaktuelle Sony (IMX586) zum Einsatz. Dei Bilder Kamera werden ab Werk aber zunächst “nur” mit 12 Megapixel ausgeliefert. Grund hierfür ist das sogenannte Pixel-Binning bei dem immer vier Pixel zu einem zusammengerechnet werden. Das soll zu einer höheren Lichtempfindlichkeit und weniger sichtbarem Rauschen im Bild führen. Mehr Licht stimmt, aber leider auch mehr Rauschen. In der aktuelle Firmware gibt es neben dem “echten” 48-Megapixel-Modus auch noch den passenden 48 MP AI Ultra Clarity-Modus. Dabei macht die Kamera innerhalb von fünf Sekunden mehrere Aufnahmen und rechnet sie per Software zu einem sehr hochauflösenden Bild zusammen. Das funktioniert allerdings nur bei Motiven die sich nicht bewegen. Im Pro Modus kann man Bilder auch im unkomprimierten RAW-Format aufnehmen.Magic_UI_2_View20_37Außerdem optimiert der AI-Modus mit Szenenerkennung die Fotos, um die Bilder schärfer und Farben noch lebendiger zu machen. Die künstliche Intelligenz zeigt auf Wunsch zu fotografierten Objekten gleich die passenden Shopping-Webseiten an. Über AI-Health scannt die Kamera Nahrungsmittel und zeigt die enthaltenen Kalorien an. Der spezielle Nachtmodus macht mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und kombiniert diese zu einem Bild. Die Ergebnisse sind gut, aber nicht mit HDR-Bildern guter Spiegelreflexkameras vergleichbar. Es kommt vermehrt zu Unschärfen und Rauschen.

HonorView20_Kamerabilder
Für weitere Kamerabilder des View 20 anklicken

Der spezielle TOF-Sensor ist dabei dann für den Bokeh-Effekt zuständig. Theoretisch kann man damit sogar Spiele steuern bzw. 3D-Modellierungen und Entfernungsmessungen vornehmen. Der Bokeh-Effekt selber ist leider nur durchschnittlich. Die Kamera bietet auch einen zweifachen Zoom (elektronisch). Die Frontkamera mit 25 Megapixel (Blende f/2.0) liefert keine überzeugende Qualität, es fehlt ihr der Autofokus. Videos können in 4K bzw Full-HD mit 60 fps oder 720p mit 120 fps aufgezeichnet werden, die Audioqualität ist ausgezeichnet.

Fazit: Gut, aber nicht unbedingt 569 Euro wert

Honor_View_20_1Das zurzeit 545 Euro teure Honor View 20 ist ein schickes und technisch gut ausgestattetes Smartphone, welches mit 569 Euro allerdings auch nicht billig ist. Das 6,4 Zoll große Display hat mir gut gefallen, der Ausschnitt für die Frontkamera ist aber eher gewöhnungsbedürftig und ich sehe keinen Vorteil zur sehr kleinen Notch eines OnePlus 6T. Im Vergleich zu diesem bietet es dafür die etwas bessere Kamera, wobei die 48-Megapixel eher in den Bereich “Marketing” fallen. Die Leistung der CPU geht dafür voll in Ordnung, der 4.000 mAh starke Akku ist sogar Spitzenklasse. An Magic UI muss man sich wohl erst gewöhnen. Leider ist der 128 GByte große Speicher – wie bei vielen anderen Modellen auch – nicht über MicroSD erweiterbar.

Im Endeffekt würde ich persönlich vermutlich eher zum ähnlich teuren OnePlus 6T greifen. Aber auch nur deswegen, weil man sich dort problemlos Custom-ROMs bzw. eine gepatchte Google-Kamera installieren kann. Letztere liefert nämlich die bessere Bildqualität.

Honor View 20

9.3

Verarbeitung

9.2/10

Display

9.0/10

Performance

9.8/10

Kamera

9.1/10

Konnektivität/Akku

9.3/10

Pro

  • Design
  • Performance
  • Akku

Contra

  • Kamera (48MP-Modus)
  • Displayausleuchtung

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