Huawei Mate 20 lite Test: Und noch ein Huawei

Das Huawei Mate 20 lite soll wohl schon einmal einen Vorgeschmack auf das kommende Huawei Mate 20 (Pro) geben. Mit einem Einstandspreis von rund 400 Euro ist es jedenfalls deutlich billiger. Aber ob sich die Investition - mit Blick auf das Pocophone F1 von Xiaomi - lohnt, erfahrt ihr jetzt.6 min


Das Huawei Mate 20 lite soll wohl schon einmal einen Vorgeschmack auf das kommende Huawei Mate 20 (Pro) geben. Mit einem Einstandspreis von rund 400 Euro ist es jedenfalls deutlich billiger. Aber ob sich die Investition – mit Blick auf das Pocophone F1 von Xiaomi – lohnt, erfahrt ihr jetzt.

Ich bin ehrlich. Bei den fast wöchentlichen Release aus dem Hause Huawei / Honor verliere ich so langsam den Überblick. Honor Play, Huawei Mate 20 lite, Honor 10, etc. Diese Smartphones unterscheiden sich technisch oft nur wenig voneinander. Meiner Meinung nach macht der umtriebige Hersteller nicht nur den anderen Anbietern, sondern auch sich selbst Konkurrenz. Im Falle des Honor Mate 20 lite kann man sich nämlich auch durchaus für ein Honor 10 entscheiden.

Huawei Mate 20 lite: Design, Verarbeitung und so weiter

Huawei_Mate_20_lite_11Optisch ähnelt sich die Modelle von Huawei bzw. honor doch sehr: abgerundete Kanten, die Vorderseite mit viel Display und wenig Rand. Die Rückseite besteht entweder aus Metall oder eben Glas. Das Huawei Mate 20 lite nutzt eine Glasrückeite. Die ist sowohl anfällig für Fingerabdrücke als auch EXTREM rutschig. man findet dort die beiden vertikal angeordneten Kameralinsen sowie eine LED und den runden Fingerabdrucksensor. Zwischen den Kamera-Objektiven sammelt sich VIEL Staub. Zudem ragen beide Linsen auch aus dem Gehäuse hervor.

Der glänzende Rahmen des 158.3 x 75.3 x 7.6 mm dünnen und 172 Gramm schweren Smartophone besteht aus Metall und kommt in Schwarz (Testsample von notebooksbilliger.de) sowie in Spahirblau oder Platingold daher. Über das recht hohe Gewicht war ich doch erstaunt. Bei einer Displaydiagonale von 6.3″ aber vermutlich nicht zu ändern. Die Tasten für Lautstärke und Power findet man auf der rechten Seite, links im Rahmen den Einschub für zwei Nano-SIM oder eine Nano-SIM und eine MicroSD und unten den Lautsprecher, USB (Typ C) sowie ein Mikrofon. Auch an eine 3.5 mm Klinkenbuchse haben die Designer gedacht. Heutzutage schon fast ein Novum.

Huawei_Mate_20_lite_07Die gesamte Verarbeitung ist auf einem sehr hohen Niveau. Die Haptik leidet allerdings unter der Glasrückseite. Dafür ist das Huawei Mate 20 lite wirklich extrem dünn. Persönlich würde ich eher zu Saphirblau tendieren. Eine weniger empfindlichere Farbe.

Display: Natürlich mit Notch und so weiter

Huawei_Mate_20_lite_10Warum auch immer, aber die Notch – also die Lücke im oberen Rand des Displays – aht sich durchgesetzt. Kein Hersteller – und sei er noch so unbekannt – will darauf verzichten. Das 6,3 Zoll große IPS-Display mit seiner Auflösung von 1.080 x 2.340 Pixel im 18.7:9 Format bringt 409 dpi zustande.  Mir persönlich hat die Farbdarstellung (nicht zu kräftig) aber auch die Plastizität sehr gefallen,. Die Icons wirken, als würden sie direkt unter dem Touchscreen liegen. Der unterscheidet bis zu 10 Finger gleichzeitig voneinander. Die Blickwinkelstabilität ist dafür allerdings nicht die beste, weiße Flächen tauchen dann leicht ins gräuliche ab. Der knapp 2mm dicke Rand um das Display (zumindest an den Seiten) geht in Ordnung. Das Kinn ist dafür natürlich etwas dicker ausgefallen. In der Notch findet man die 24-Megapixel-Frontkamera und ein paar Sensoren.

Konnektivität: Fingerabdruckscanner, LTE und so weiter

Huawei_Mate_20_lite_02Unterwegs kann ich über HSPA+ oder LTE  bzw. WiFi:802.11a / b / g / n / ac, 2,4 GHz und 5 GHz im Internet surfen. Das klappte im Test völlig problemlos. Bei der Telekom kam ich in Münster auf knapp 95 mbit/s. Daten und Medien werden per Bluetooth®:BT 4.2, BLE, HWA, aptX™ und aptX™ HD oder NFC bzw. UKW-Radio übertragen. Die Sprachqualität ist dabei sehr gut, meine Gesprächspartner tönen klar und deutlich aus dem Hörer. Das Huawei Mate 20 lite unterstützt dabei die Erweiterung des internen Speichers (64 Gbyte) über microSD-Karten (bis 400 GByte) und USB-OTG. Der durchschnittliche GPS-Fix war nach rund 3 Sekunden erledigt. Der SAR-Wert ist mit 0.46W/kg (Kopf), 1.13W/kg (Körper) immer noch etwas hoch!

Der Musikplayer aus dem Hause Honor zeigt den Interpreten und auch Playlisten, Genres und Albennamen an. Auch das in den Track integrierte Album-Cover wird korrekt angezeigt. Das Mate 20 lite liefert — mit guten Kopfhörern — einen vernünftigen Sound. Die Gesichtserkennung ist – sofern ausreichend Licht zur Verfügung steht – recht zuverlässig. Alternativ steht der ebenfalls sehr zuverlässige und schnelle Fingerabdrucksensor auf der Rückseite zur Verfügung.

Huawei Mate 20 lite: Performance und Akku

Der neue Kirin 710 nutzt acht Kerne mit bis zu 2,2 GHz. Im täglichen Betrieb war die Performance mehr als ausreichend. Im AnTuTu erreichte das Mate 20 lite knapp 140.000 Punkte. Im Geekbench 4 reicht es für 1.604 im Single-Core und 5.588 im Multi-Core. Also ein Problem für aktuelle Spiele wie Pubg oder demnächst auch Fortnite. Das Thermal-Throttling – also die Reaktion unter Belastung – war soweit in Ordnung. Die Leistung wird zwar verringert, das fällt in der Praxis aber nicht unangenehm auf. Der 3.750 mAh kann per Schnelladefunktion mittels des USB Typ C-Anschluss in rund 80 Minuten aufgeladen werden. Drahtlos klappt das aber leider nicht. Der Akku hielt im Dauertest knapp 14 Stunden durch, im Alltag kommt man damit auf eine Laufzeit von bis zu 2 Tagen.

Android 8.1 und EMUI 8: Bunter geht es kaum

Das Huawei Mate 20  wird bereits mit Android 8.1 (Oreo) sowie der neuen EMU 8.2 ausgeliefert. Die Oberfläche wurde seitens Huawei stark an das iOS angeglichen, bietet zahlreiche Gestaltungs- und Einstellungsmöglichkeiten und ist leider IMMER NOCH recht träge. Das Speichermanagement geht mit den zur Verfügung stehenden 4 GByte recht rigoros um. Nicht genutzte Apps werden öfter mal kommentarlos aus dem Speicher gekickt. Das kann bei Push-Nachrichten von WhatsApp oder Telegram  ein Problem sein.

Angeblich soll die eingebaute AI mich als Nutzer bei meinen täglichen Bemühungen unterstützen. Angeblich soll sie auch aus meinem Verhalten lernen. Wer also Huawei_P20_Pro-EMUI_81_18viele Fotos macht, bekommt entsprechend viel freien Speicher und eine permanent verfügbare Kamera-App. Wer viele Telegram/WhatsApp schriebt, eben einen schnell Messenger. Wer aber nicht davon speziell macht, der bekommt auch: “nix”. Huawei nutzt diese auch zur Übersetzung von Texten und Ermittlung von Bildinhalten. Die Texterkennung über den Microsoft Translators ist durchaus nützlich, funktioniert offline, aber leider nicht live. Bei Fotos blendet das System die Übersetzung der entsprechenden Wörter ein. Je nach Textlänge und Sprache kann das aber etwas dauern. Kleine Info am Rande: aktuelle Smartphones übersetzen auch nicht langsamer 😀 Die „KI“ scheint mir daher eher für das Marketing hilfreich.
Multitasking und der Wechsel zwischen geöffneten Browser-Tabs ist immer noch vergleichsweise langsam. Die Animationen sehen nett aus, verlangsamt aber den Workflow. Ansonsten werden die Icons der Apps auf den unterschiedlichen Home-Screens des EMUI verteilt. Auf Wunsch kann man die Icons auch in Ordner sortieren.

Die drei (bzw. vier) Software-Tasten zur Bedienung von Android befinden sich – dauerhaft eingeblendet – am unterem Displayrand. Das nennt sich „Navigationsleiste“. Die kann man in den Einstellungen dann auch anpassen und die Icons so umsortieren. Den Home-Button mit eingebautem Fingerabdrucksensor kann man zudem als eine Art „Touchscreen“ nutzen. So kann ich durch Wischgesten über den Sensor das Betriebssystem steuern. Fingerabdrücke (bis zu 5) unterscheidet der Sensor sehr zuverlässig voneinander. Die Bedienung kann man also entweder über den Home-Button udn die Softkeys, oder aber ausschliesslich über den Home-Button abwickeln. Letzteres ist in meinen Augen die bessere Lösung, denn sonst liegen die physische und die virtuellen Drücker einfach zu dicht übereinander. Leider wird ab Werk auch mal wieder eine Menge Bloatware (Apps und Spiele) installiert. Teilweise kann ich mich bei der Installation direkt dagegen entscheiden. Teilweise kann ich sie im Nachhinein deinstallieren. Huawei nutzt diese Apps zur Querfinanzierung der Smartphones.

Zieht man die Statusleiste am oberen Rand nach unten, dann findet man neben den üblichen Verknüpfungen (WLAN, Flugmodus, SIM, etc.) auch eine Timeline mit den zuletzt durchgeführten Aktionen. Screenshots kann man zum Beispiel auch durch klopfen mit dem Fingerknöchel auf das Display auslösen. Das Scroll-Shot-Feature macht Screenshots von Inhalten, die mehrere Bildschirmseiten lang sein. Wer mit zwei Fingerknöcheln auf einmal auf das Display klopft, startet das Screen Recording: der Inhalt des Screens wird dann als Video abgespeichert. Hinzugekommen sind Sicherheitsfeatures mit den man Apps und Daten verschlüsseln bzw. schützen kann. Das Dateisystem wurde umgestellt, so dass eine Fragmentierung verhindert wird.

Vier Kamera: Viel AI und AR und so

Huawei_Mate_20_lite_04Während die beiden Kameras auf der Rückseite mit 20 MP + 2 MP, f/1,8-Blende und Autofokus (PDAF und Kontrastfokus) tagsüber und bei ausreichend Licht ordentliche Aufnahmen abliefern, geht der gute Eindruck bei Einbruch der Nacht dann schnell verloren. Es bilden sich Artefakte und die Details verschwinden im Dunkeln.Ein Teleobjektiv zum Vergrößern von Motiven ist übrigens nicht vorhanden. Der zweite Sensor ermöglicht nur den Bokeh-Effekt, also das Weichzeichnen des Hintergrund. Der kommt – wei bei fast allen Smartphones – bei feinen Elementen wie Haaren schnell an seine Grenzen. Videos zeichnet die Kamera übrigens in  Full-HD auf. Die Qualität stimmt. Auf der Vorderseite des Mate 20 Lite findet man eine Dualkamera mit 24 und 2 Megapixeln.

Huawei Mate 20 lite

Dabei kann man seine Selfies mit allerlei spaßigen AR/AI-Effekten verändern. Andere Hintergründe oder animierte Tiergesichter sind damit kein Problem. In meinem Videoreview des Huawei Mate 20 liote auf YouTube kann man die Kameraeffeklte gut sehen:

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Fazit: Huawei Mate 20 lite oder Pocophone F1?

Das Huawei Mate 20 lite ist ein gutes Smartphones, ein stimmiges Gesamtpaket. Software und Hardware arbeiten Hand in Hand. Die Performance des Kirin 7notebooksbilliger10 ist mehr als ausreichend. Die Akkuleistung kann mich sogar voll überzeugen. Das gilt mit leichten Abstrichen auch für das recht große 6.3-Zoll-Display. Die AI-Kamera ist nett und bietet eine Menge Effekte. die zwar zum Spielen einladen, nach ein paar Tagen aber auch langweilig werden.  Die unverbindliche Preisempfehlung von 399 Euro ist allerdings etwas hoch gegriffen, da man in der Mittelklasse sowohl Konkurrenz im “eigenen Haus” (honor View 10) als auch durch das allgegenwärtige Pocofone F1 hat.

Huawei Mate 20 lite

399
9

Verarbeitung

9.3/10

Display

8.8/10

Performance

8.9/10

Kamera

9.0/10

Konnektivität/Akku

9.2/10