Huawei Mate 30 Pro im Test – Das Smartphone ohne Google

7 min


Technisch betrachtet ist das hierzulande nur in einer limitierten Auflage verfügbare Huawei Mate 30 Pro schon ein beeindruckendes Stück Smartphone. Dabei fällt einem zuerst das nahezu randlose “Waterfall-Display” ins Auge. Im zweiten Schritt wundert man sich beim Mate 30 Pro über die fehlenden Lautstärketasten. Im letzten Schritt stösst einem dann der wichtigste Punkt etwas sauer auf: das Huawei Mate 30 Pro hat keine Google-Dienste vorinstalliert. Letzteres war allerdings nicht von vornherein so beabsichtigt gewesen. Daran trägt andauernde Handelskonflikt zwischen USA und China Schuld. Ob sich der Kauf des knapp 1.100 Euro teuren Flaggschiffs trotzdem lohnt, zeigt euch mein Test.

Huawei Mate 30 Pro: Lieferumfang

Huawei_Mate_30_Pro_16

Ich habe hier noch ein chinesisches Testgerät in den Händen. Mittlerweile gibt es das Huawei Mate 30 Pro aber auch offiziell in Deutschland, allerdings nur in einer “limitierten Stückzahl”. Zum Lieferumfang des Huawei Mate 30 Pro gehören aber bei allen Varianten ein SuperCharge-Netzteil mit 40 Watt, ein passendes USB-Typ-C-Ladekabel, zwei Kurzanleitungen, ein Sim-Tray-Öffner, Kopfhörer sowie eine transparente Schutzhülle aus einem unflexiblen Kunststoff. Das 6,53 Zoll große Displayglas ist dabei bereits ab Werk mit einer qualitativ guten Schutzfolie beklebt. Die sollte man aufgrund der SEHR stark gebogenen Kanten des “Waterfall-Displays” auch nicht entfernen.

Huawei Mate 30 Pro: Optisch macht es was her

Das Smartphone ist hierzulande übrigens nur in “Space Silber” verfügbar. In China gibt es das Mate 30 Pro sowohl mit 5G als auch in den Farben “Emerald Green”, “Schwarz” und Cosmic Purple”. Alle Farbtöne verändern sich im Licht und sind echte Hingucker.  Das Huawei Mate 30 Pro ist mit seinen Abmessungen von 158,1 x 73,1 x 8,8 Millimeter ziemlich ausladend und  mit fast 200 Gramm definitiv kein Leichtgewicht. Wer eben ein 6,53″ großes OLED in FHD+ (18.4:9 Format) wünscht, der kann auch nicht auf ein kleines Smartphone hoffen.

Huawei_Mate_30_Pro_10
Der kreisförmige Kamerabuckel mit den vier Optiken auf der Rückseite ragt – genauso wie beim P30 Pro – aus dem Gehäuse hervor. Das Smartphone neigt auf glatten Oberflächen daher auch schnell zum Kippeln. Das Glas (Corning Gorilla Glas 6) auf der Rückseite ist zu den Längskanten hin dezent gebogen. Das Material selber zieht Fingerabdrücke natürlich schneller an als Kunststoff, ist empfindlicher, fühlt sich dafür aber wertiger an. Beim Huawei Mate 30 Pro sind aber nicht nur die Kanten der Rückseite, sondern auch die Kanten der Vorderseite gebogen. Auf der rechten Seite im Rahmen findet man zwar den roten Ein-/Ausschalter, aber eben keine Lautstärkeregler. Das funktioniert nur noch über Streichgesten am Rahmen. Aufgeladen wird das Huawei Mate 30 Pro über ein USB-Typ-C mit bis zu 40 Watt bzw. drahtlos mit bis zu 27 Watt. In den SIM-Slot auf der Unterseite können zwei Nano-SIM Karten oder eine Nano-SIM und eine Nano Memory Card eingesetzt werden. Huaweis hauseigene Speicherkarte ist allerdings nicht ganz günstig und hat sich zudem auch nicht durchgesetzt. Einen Kopfhörer-Anschluss mit 3.55 mm gibt es nicht, hier muss man auf USB-Typ-C-Lösungen zurückgreifen. Auf der Oberseite hat Huawei allerdings einen Infrarot-Sender für die Bedienung diverser Mediengeräte verbaut.

AMOLED-Display: 6,53 Zoll aber kein WQHD

Huawei_Mate_30_Pro_5Das Huawei Mate 30 Pro nutzt auf der Vorderseite eine recht große Notch mit Selfie-Kamera, Näherungssensor und einer TOF-Camera. Die Gesichtserkennung funktionierte in dunklen Räumen problemlos. Dazu bietet das Smartphone eine speziellen IR-Sensor. Wer es weniger “augenfällig” mag, nutzt den in das Display integrierten Fingerabdruckscanner. Highlight des neuen Mate 30 Pro ist aber das 6,53 Zoll große AMOLED-Display mit einer Auflösung von 2.400 x 1.176 Pixel im 18.4:9 Format. Die Pixeldichte von 409 Pixel pro Zoll sorgt für ein scharfes Bild ohne sichtbare Treppenkanten. Die Bildwiederholfrequenz beträgt allerdings nur 60 Hz.  Das AMOLED-Panel ist – passende Inhalte vorausgesetzt – HDR10 ready und unterstützt damit natürlich auch die Wiedergabe entsprechender Tests. In der Praxis ist das aber komplett sinnbefreit. Bei meinem chinesischen Testsample kann aufgrund der Unterstützung von Widevine L3 bei Amazon Prime Test und Netflix nur die SD-Auflösung nutzen. An den SEHR stark gebogenen Kanten des Displays werden die Inhalte nicht sauber abgebildet, es kommt zu entsprechenden Lichtbrechungen ähnlich einem Regenbogen.  Eine Benachrichtigungs-LED fehlt dem Mate 30 Pro ebenfalls. Als Ersatz soll dabei das Always-On Bildschirm fungieren. Dank EMZU 10 kann man nun deutlich besser personalisieren. Es ist und bleibt aber KEIN adäquater Ersatz.

Huawei Mate 30 Pro: EMUI 10, Android 10 aber kein Google

Das Huawei Mate 30 Pro basiert auf Android 10 und nutzt die hauseigene Benutzeroberfläche namens EMUI 10. Bei EMUI kann man mittlerweile auch auf eine Online Nummererkennung für Spam-Anrufe zurückgreifen. Die Aufteilung der Icons erfolgt auf unterschiedliche Homescreens, oder in einem App-Drawer. Die Farben und Icons selbst kann man über unzählige Themen personaliseren und das EMUI macht richtig Spaß. Auch in der Importversion aus China steht die deutsche Sprache zur Verfügung. Daneben bekommt man aber auch ungefragt zahllose chinesische Apps vorgesetzt, die man aber zu 99% deinstallieren kann. Dieses Manko teilt die hierzulande vertriebene Version natürlich nicht. Beiden ist aber eines gemeinsam: KEINE Google-Dienste, keine Google-App.s Hier findet man also keinen Play-Store, keine Möglichkeit der Synchronisierung seiner Cloud-Daten mit Google. Huaweis eigene Lösung stecken zudem noch in der den Kinderschuhen, so sind zahllose Apps noch gar nicht verfügbar. Wer schon immer mal ohne die “Datenkrake” auskommen will, JETZT hat er die Gelegenheit. Ich persönlich fand diesen Umstand nur nervig und habe die Google-Dienste über Umwege nachinstalliert. Dieser Weg wird allerdings kein leichter sein und er ist zudem auch nicht ganz unumstritten. Man spielt nämlich das Backup eines fremden Smartphones ein. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

Konnektivität und Soundqualität: Alles cool

Huawei_Mate_30_Pro_13

Die Soundausgabe erfolgt beim Huawei Mate 30 Pro traditionell über die Hörmuschel, das gilt natürlich nur für Telefongespräche. Bei der Musikausgabe kommt der Mono-Lautsprecher auf der Unterseite zum Einsatz. Der Klang während meiner Gespräche ging voll in Ordnung, akustisch gab es nichts zu meckern. Die Stimmen meiner Gesprächspartner klangen natürlich. Der Sound über den Lautsprecher gab ebenfalls keinerlei Anlass zur Klage. Eigene Kopfhörer kann man allerdings nur drahtlos bzw. über den USB-Typ-C-Adapter nutzen. Klanglich und von der Lautstärke her unauffällig. Die eingebaute Gesichtserkennung funktionierte sehr zuverlässig. Man kann sie nicht über ein Foto oder einen ähnlich aussehenden Kollegen austricksen. Sie reagiert allerdings einen Tick langsamer, als bei einer Entsperrung über den in das Display integrierten Fingerabdrucksensor.  Im Bereich der Konnektivität bietet das Huawei Mate 30 Pro zwar VoLTE (auf beiden SIM-Karten) aber kein WLAN-Call. Daten werden per LTE Cat. 21 (bis zu 1,4 GBit/s im Downstream) und Wi-Fi 5 (IEEE-802.11 a/b/g/n/ac) mit MIMO-Antennentechnik (2,4/5,0) übertragen. Die Sende- und Empfangsleistung ist dabei gut, die Umschaltung zwischen GPS/EDGE/UMTS/LTE erfolgt schnell. Das Huawei Mate 30 Pro unterstützt GPS (Glonass, BeiDou, Galileo). Der Satfix gelingt selbst in Gebäuden in wenigen Sekunden und mit Abweichungen zwischen 3-10 Metern. Einen guten Eindruck bekommt man auch in meinem Test des Huawei Mate 30 Pro :

– -NgTU3-8h-go

Akkulaufzeit und Performance: 4.500 mAh & Kirin 990

EMUI10_Huawei_Mate_30_Pro_9

Die Akkukapazität ist mit 4.500 mAh recht üppig bemessen. Eine Screen-on-time von knapp 12 Stunden ist für das Mate 30 Pro kein Problem. In der Praxis hielt die Kraftzelle locker 2 Tage durch. Aufgeladen wird das Huawei Mate 30 Pro dabei über Kanel mit bis zu 40 Watt (70 Minuten) oder drahtlos mit bis zu 27 Watt (95 Minuten). Bei der CPU setzt der Hersteller auf den  hauseigenen Kirin 990 Prozessor. Die Geschwindigkeit reicht für jedes aktuell verfügbare Programm oder Spiel mehr als aus. Auch das EMUI 10 rennt wie ein Leopard. Im AnTuTu erreichte das Mate 30 Pro 424.745 Zähler, im Geekbench 4 kam der SoC im Single-Core auf 3.862 Punkte und im Multi-Core auf 11.893.

Vier Kameras und Leica: Was bringts?

Huawei_Mate_30_Pro_18Honor 9

Huawei bewirbt seine Flaggschiffe bewußt mit dem Knowhow der Firma Leica. Das Huawei Mate 30 Pro bietet insgesamt vier Kameras, dagegen sieht m ein knapp 3 Jahre alts Honor 9 echt “alt” aus.  Die Hauptkamera löst dabei mit 40 Megapixel auf (Blende f/1.6, 27mm, 1/1.7″ Sensor). Der zweite Sensor mit 8 Megapixel (Blende f/2.4, 80mm, 1/4″ Sensor) bietet einen 3x optischen Zoom. Das Ultraweitwinkel löst ebenfalls mit bis zu 40 Megapixel auf (Blende f/1.8, 18mm, 1/1.54″ Sensor) und ein 3D-TOF-Sensor kümmert sich um die Tiefeninformationen für Portraitaufnahmen. Die Hauptkamera mit ihren 40 Megapixel kommt dabei vermutlich am häufigsten zum Einsatz. Über das Pixel-Binning werden jeweils 4 Bildpunkte zu einem zusammengefasst, die daraus resultierenden 10-Megapixel-Aufnahmen mit Blende von f/1.6 und Huaweis Night-Mode können gerade bei Nachtaufnahmen überzeugen. Der Kamera steht nämlich auch ein optischenr Bildstabilisator zur Seite. Die Telefoto-Optik mit 8 Megapixel bei einer Blende von f/2.4 sorgt für einen dreifach optischen Zoom. Wer mal etwas mehr aufs Bild bekommen muss, wird zum Ultraweitwinkel-Modus mit 40 Megapixel greifen. Auch hier setzt das Smartphone auf Pixel Binning. Die Bildqualität des Huawei Mate 30 Pro konnte fast durchgängig überzeugen.

Kamersample_Mate30_Pro

Mehr Kamerasamples des Huawei Mate 30 Pro

Im Testmodus zeichnet das Mate 30 Pro nun auch im Ultra Slow-Motion-Modus mit 7680 Bilder pro Sekunde auf. Sollte man wirklich diesen Modus ausreizen wollen, ist eine starke Zusatzbeleuchtung notwendig. So richtig sinnvoll ist diese Spielerei in meinen Augen also nicht.

Fazit: Spitze, aber viel zu teuer

Huawei_Mate_30_Pro_15

Das Mate 30 Pro bietet einen starken Akku, eine sehr schnelle CPU und ein hübsches Design. Das Waterfall-Display löst zwar nicht in 2k auf, kann aber trotzdem durch seine Helligkeit sowie Farbdarstellung überzeugen. Nervig finde ich hier eher die stark gebogenen Kanten sowie die fehlenden Lautstärketasten. Dem Huawei Mate 30 Pro fehlt zudem ein Stereo-Lautsprecher und das Full-HD+ Display hätte ruhig mit 90 Hertz auflösen können. Die vier Kameras auf der Rückseite bieten hingegen eine gute Leistung. Im Endergebnis ist die gebotene Lestung – gerade wegen der fehlenden Google-Dienste – für rund 1.100 Euro aber zu gering. Mit Google-Apps sehe das Ergebnis leicht besser aus.