Huawei P smart 2019 Test: Lohnt sich der Kauf wirklich?

Das Huawei P smart 2019 für 239 Euro ähnelt (wenn auch wenig überraschend) dem Honor 10 Lite. Beide teilen sich zudem technisch viele Komponenten und natürlich auch das Betriebssystem bzw. die Benutzeroberfläche EMUI. Lohnt sich die Investition zum Beispiel im Vergleich zum alten P Smart trotzdem?Huawei P smart 2019 für 249 Euro ähnelt (wenn auch wenig überraschend) dem Honor 10 Lite. Beide teilen sich zudem technisch viele Komponenten und natürlich auch das Betriebssystem bzw. die Benutzeroberfläche EMUI. Lohnt sich die Investition zum Beispiel im Vergleich zum alten P Smart trotzdem?7 min


Das Huawei P smart 2019 für 239 Euro ähnelt (wenn auch wenig überraschend) dem Honor 10 Lite. Beide teilen sich zudem technisch viele Komponenten und natürlich auch das Betriebssystem bzw. die Benutzeroberfläche EMUI. Lohnt sich die Investition zum Beispiel im Vergleich zum alten P Smart trotzdem?

Huawei P smart 2019: Design, Verarbeitung

Huawei_P_Smart_2019_03Ich bin ehrlich, gefühlt gibt es jede Wiche ein “neues” Smartphone aus dem Hause Huawei/honor. Die Modelle unterscheiden sich kam noch voneinander und gehen optisch sowieso in der breiten Masse unter. Letzteres ist aber nicht ausschließlich “Schuld” von Huawei. Leider macht auch das Huawei P smart 2019 da keine Ausnahme. Schon der Name ist Programm: einfallslos. Die Notch in der Mitte des Displays würde ich schon als “Highlight” werten. Aber genau diese Lösung wurde auch von anderen Anbietern zigmal umgesetzt. Auf der Rückseite meines schwarzen Testsample aus dem Hause Cyberport findet man eine “Dual-Kamera”. Die löst allerdings “nur” mit 13 und 2 Megapixel auf. Dual-Kamera? Na ja, sie hat zwei Linsen.

Der 3D-Unibody verfügt über eine glänzende, keramikähnliche Textur, sodass das HUAWEI P smart 2019 perfekt in deiner Hand liegt.

Laut Werbung hat das neue Huawei P smart also einen “3D-Unibody mit keramikähnlicher Textur”. Leider ist auch das nur “Marketing-Geschwätz”. Das Huawei P smart 2019 nutzt ein normales Unibody-Gehäuse aus poliertem Kunststoff, die Kanten sind dabei stark abgerundet. Die Oberfläche ist zwar ähnlich glatt wie Keramik, adfür aber DEUTLICH empfindlicher was Fingerabdrücke und Kratzer betrifft. Die Rückseite meines Testgerätes war nach rund 10 Sekunden verkratzt. Die Kanten waren dann 3 Tagen später ebenfalls angekratzt. Und zwar einfach nur durch das Ablegen auf den Schreibtisch bzw. durch den Reißverschluss meiner Skijacke (Smartphone außen in der Tasche). Eine Schutzhülle liefert der Hersteller leider nicht mit. Das Display auf der Vorderseite wurde aber immerhin – wenn auch etwas lieblos – mit einer Schutzfolie beklebt.

Huawei_P_Smart_2019_04Der hochglänzende Rahmen besteht laut Hersteller aus Metall, das fällt auf den ersten Blick nicht auf. Die glänzende Lackierung selber ist und bleibt empfindlich. In der besagten Notch (Huawei nennt es “Dewdrop-Design”) auf der Vordereite sitzt die 8-Megapixel-Frontkamera. Die Notch kann ich auf Wunsch übrigens ausblenden. Die Hörmuschel befindet sich zwischen Display und Kunststoffgehäuse. Die recht schwache (weiß leuchtende) Benachrichtigungs-LED sitzt übrigens (vollständig sinnfrei) am unteren Ende des Smartphones und dürfte häufig übersehen werden. Dafür haben die Designer den Fingerabdrucksensor mittig auf der Rückseite in eine gut spürbare Mulde eingelassen. So kann man ihn auch “blind” ertasten. Die Knöpfe auf der rechten Seite des Huawei P smart (2019) haben gut spürbare Druckpunkte. Hiermit regelt man die Lautstärke sowie die Power. Die beiden Nano-SIM-Karten bzw. eine Nano-SIM- und eine microSD-Karte schiebt man oben in das Smartphone ein. Auf der Unterseite findet man eine Kopfhörerbuchse, den Lautsprecher sowie den etwas betagten Micro-USB-Anschluss auf der Basis von USB 2.1. Schnellladung ist so nicht möglich.

Huawei P smart 2019: 6.2 Zoll Display mit 1.080 x 2.340 Pixel

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Das herausragende 6,21 Zoll FullView-Display mit Dewdrop-Design unterstützt vielfältige Farben und bietet eine super Klarheit.

So steht es zumindest in der Werbung des Herstellers. Das knapp 6,2 Zoll große IPS-Display im 19,5:9-Seitenverhältnis löst mit 1.080 x 2.340 Pixel (415 ppi) auf. Die maximale Helligkeit ist mir persönlich einen Tick zu dunkel geraten (sieht man sehr gut im Vergleich zum Honor View 20), die Blickwinkelstabilität könnte auch etwas besser sein. Gerade am unteren Rand des Displays ist die Ausleuchtung des Bildschirms nicht gleichmäßig (ähnlich wie beim Honor View 20). Helle Hintergründe zeigen “Schattierungen” bzw. Wölkchen. Die sind man u.a. auch gut in meinem Video-Review des Huawei P smart 2019 auf YouTube:

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Auch wenn ich die Wahl zwischen einem “normalen” und einem “lebhaften” Farbmodus habe und sogar die Farbtemperatur selber einstellen kann: die Farbdarstellung bleibt doch etwas flau. Natürlich gibt es einen (zeitgesteuerten) Lesemodus, der dann den blauen Lichtanteil aus der Anzeige heraus filtert. Ein Always-on-Display hat es nicht, macht bei einem IPS-Display auch keinen Sinn.

Performance & Akku: Kirin 710 mit 3 GByte RAM

Im Huawei P smart (2019) und Honor 10 Lite kommt die gleiche CPU zum Einsatz. Dabei nutzt der Prozessor vom Typ HiSilicon Kirin 710 acht Kerne, die mit bis zu 2.2 GHz getaktet sind. Der SoC ist – obwohl namenstechnisch mit dem Snapdragon 710 “verwandt” – eher auf dem Niveau des Snapdragon 636. Im aktuellen AnTuTu kommt er damit auch “nur” auf 132.282 Punkte. Im Geekbench reicht es für 1.528 Punkte im Single-Core und 5.433 Punkte im Multi-Core.

Im Vergleich zum aktuellen Kirin 980 verfügt der SoC über keinen Neuralprozessor. Die Kamera des P smart 2019 bietet aber trotzdem die bekannte Szenenerkennung in Form der “künstlichen Intelligenz”. Scheint alles also doch eher nur eine Softwarelösung zu sein, langsamer ist sie jedenfalls nicht. Über den intelligenten “GPU Turbo” sorgt das Smartphone zusätzlich für eine optimierte Leistung bei bestimmten Spielen (“PUBG”, “Arena of Vailor”, Vainglory”). Auch hier spüre ich keinen Unterschied zu Modellen der Konkurrenz ohne diese “Grafik Turbo”.

In Verbindung mit 3 GByte Arbeitsspeicher ruckelt das EMUI 9 doch an einigen Stellen spürbar. Gerade beim Wechsel zu anderen Apps wirken die Animationen als würde die GPU/CPU eine kleine Denkpause einlegen. Der interne Speicher von 64 GByte (50 Gbyte sind ab Werk frei) kann über normale MicroSD um mindestens 400 GByte erweitert werden.  Huawei hat zwar Apps wie Amazon, Facebook, Booking.com und eBay vorinstalliert. Diese kann man aber problemlos löschen. Auf die üblichen Spiele aus dem Hause Gameloft hat der Hersteller hier dankenswerterweise verzichtet.

Der fest eingebaute Akku leistet – wie beim Honor 10 lite – 3.400 mAh. Aufgeladen wird er über den Micro-USB-Anschluss (USB 2). Die vollständige Ladevorgang dauert dabei rund 2 Stunden. Die Kraftzelle hielt im Test zwischen einem und anderthalb Tagen durch. Im Dauertest (PC Mark Akkutest) kommt das Huawei P smart 2019 auf 6:20 Stunden.

EMUI 9: Bunt, bunter

Das Betriebssystem Android 9 Pie wird wieder von der recht bunten EMUI-Oberfläche verschönert. Die Apps werden dabei erst einmal nicht in einen App-Drawer, sondern auf dem Homescreen verteilt. Dort kann man sich aber auch Ordner anlegen und so für mehr Ordnung sorgen. Der App-Drawer lässt sich bei Bedarf in den Einstellungen zum Leben erwecken. Gesteuert wird das Smartphone dabei über die drei Softkeys am unteren Bildschirmrand oder über die hinreichend bekannte Gestensteuerung. Ein schneller Wechsel zwischen den Apps ist damit allerdings nicht möglich.

Neu hinzugekommen ist die “Digital Balance”, die ähnlich wie bei Apple, eine Übersicht über das eigene Nutzungsverhalten liefert. Zusätzlich kann ich Apps und die Nutzung auf dem gerät auch Einschränken. Entweder durch den Fingerabdrucksensor oder durch die Gesichtserkennung bzw. mit Passwörtern/Muster. Die Gesichtserkennung funktioniert bei Dunkelheit leider nicht zuverlässig genug, ist sonst aber turbofix.

Dual-Kamera: Na ja …

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Die neue KI-Szenenerkennungstechnologie kann in Echtzeit 22 Kategorien und 500 Szenarien für ideale Fotos identifizieren. Die 13 MP- und 2 MP-Dual-Kamera verfügt über eine f/1.8-Blende. So werden Fotos lebendig und bekommen einen natürlichen Bokeh-Effekt.

Einen natürlichen Bokeh-Effekt mit einer winzigen Linse und einer f/1.8 Blende erzeugen? Fakt ist, dass die Dual-Kamera des Huawei P smart (2019) mit 13 Megapixel und 2 Megapixel (26-Millimeter-Weitiwinkelobjektiv) auflöst. Eine optische Bildstabilisierung bietet sie zwar nicht, die “KI”-gestützte Szenenerkennung sorgt aber für eine dem Motiv angepasste Sättigung, Helligkeit und Kontrast. Sie unterscheidet dabei Pflanzen, Nahrung, Tiere und Bewölkung und kann auch deaktiviert werden. Wird sie genutzt, reduziert sich die Bildauflösung nämlich auf 8 Megapixel. Leider wirken die “Optimierungen” der Software doch oft recht künstlich. Fotos werden nachgeschärft und teilweise stimmt die Beleuchtung nicht. Die Nachtaufnahmen im speziellen Nachtmodus wirken zwar heller, sind aber gleichzeitig etwas unschärfer und weisen mehr Artefakte auf. Man benötigt zudem eine ruhige Hand und es sollten in dieser Zeit keine Objekte durch das Bild wandern.

Kamerasample_P_smart_2019
Kamerasamples Huawei P Smart 2019     Einfach Anklicken

Die Aufnahme von Porträts mit dem künstlichem Bokeh-Effekt überzeugte mich nicht ganz. Die Kanten der Motive werden nämlich nicht sauber erkannt und so vom Hintergrund getrennt. Es kommt folglich zu Unschärfen an der falschen Stelle. Das Problem mit dem Bokeh-Effekt trifft auch auf die Frontkamera zu. Die Stärke des Bokehs kann ich aber im Nachhinein in der Galerie-App regulieren. Dort besteht zudem die Möglichkeit die Aufnahmen in Schwarz-Weiß oder mit einem Comic-Filter zu verschönern. Videos zeichnet die Dual-Kamera des Huawei P smart 2019 nur in Full-HD-Auflösung, dafür aber mit 30 bzw. 60 Bildern pro Sekunde. Die Video- und Tonqualität geht soweit in Ordnung.

Konnektivität & Sound: Alles ok

Das Smartphone unterstützt natürlich LTE (auch Band 20) bei beiden SIM-Karten. Bei mir war im Netz der Telekom neben Voice-over-LTE auch Wifi-Calling möglich. Dazu hat das P smart 2019 die passenden Einstellungen, aber leider auch eine Menge Telekom-Apps nachinstalliert. Die Sprachqualität war gut, der sehr laute Lautsprecher taugte während er fahrt auch zum Freisprechen. Die Sende- und Empfangsleitsung des Huawei P Smart (2019) über Dual-Band WLAN ac und LTE war unauffällig, aber auch nicht herausragend. Über Bluetooth 4.2 kam es bei mir vereinzelt zu Unterbrechung der Musikwiedergabe. Zahlung per NFC sind möglich..

Das Huawei P smart 2019 bietet ebenfalls ein FM-Radio welches aber nur über das mitgelieferte Kabel-Headset funktioniert. Der Lautsprecher ist zwar laut, der Sound aber weder kräftig noch klar genug für eine Dauerbeschallung.

Fazit: Muss man nicht haben

Huawei_P_Smart_2019_13Cyberport_Logo_2015Die Leistung, das Display und die Akku-Laufzeit des Huawei P smart 2019 sind in der Preisklasse mehr als ausreichend. Dank Android 9 ist es auf dem aktuellen Stand. Mit der Oberfläche EMUI muss man sich halt anfreunden. Mich stört dabei auch nicht die eher durchschnittliche Kameraleistung, sondern das sehr empfindliche Kunststoffgehäuse sowie die Mikroruckler in der aktuellen Firmware. Alternativ kann ich da nämlich auch zum 259 Euro teuren Honor Play mit einem deutlich schnelleren Kirin 970 greifen oder zum älteren Huawei P smart. Eine ebenso gute Alternative stellen die Produkten aus dem Hause Xiaomi (hier aber auf die “Global-Version” achten) dar. Hier zum Beispiel das Xiaomi Mi A2. Huawei/Honor täte vermutlich gut daran, nicht derart viele Modelle auf dem Markt zu werfen, die sich kaum voneinander unterscheiden.

Huawei P smart 2019

8.6 Huawei_P_Smart_2019_08

Pro

  • Preis
  • Display

Contra

  • Kamera
  • Empfindliches Gehäuse
Verarbeitung
Display
Performance
Kamera
Konnektivität/Akku