Huawei P30 Pro im Test: Periskop-Kamera mit Super-Zoom?

Mit dem Huawei P30 Pro bringt der sehr erfolgreiche Hersteller nun den Nachfolger des Huawei P20 Pro auf den Markt. Mit insgesamt vier Kameras auf der Rückseite will Huawei neue Maßstäbe setzen. Daneben bietet das P30 Pro eine ähnliche Ausstattung wie das bereits bekannte Mate 20 Pro. Ein 6,4 Zoll großes AMOLED in FHD+, ein Kirin 980 SoC mit 8 GByte RAM, 128 GByte Speicher und ein 4.200 mAh starker Akku. Beim Preis ist Huawei wenig bescheiden: 999 Euro (UVP). Lohnt sich der Kauf?8 min


Mit dem Huawei P30 Pro bringt der sehr erfolgreiche Hersteller nun den Nachfolger des Huawei P20 Pro auf den Markt. Mit insgesamt vier Kameras auf der Rückseite will Huawei neue Maßstäbe setzen. Daneben bietet das P30 Pro eine ähnliche Ausstattung wie das bereits bekannte Mate 20 Pro. Ein 6,4 Zoll großes AMOLED in FHD+, ein Kirin 980 SoC mit 8 GByte RAM, 128 GByte Speicher und ein 4.200 mAh starker Akku. Beim Preis ist Huawei wenig bescheiden: 999 Euro (UVP). Lohnt sich der Kauf?

Huawei P30 Pro: Lieferumfang

Zum Lieferumfang des Huawei p30 Pro gehört ein Netzteil mit 40 Watt, ein USB-Typ-C-Ladekabel, Anleitungen, ein Sim-Tray-Öffner sowie einfache Kopfhörer. Ein Adapter auf 3.5 mm Klinke liegt nicht dabei. Auch eine transparente Schutzhülle, die bei manchen Testsamples noch mitgeliefert wurde, gibt es in der Retail nicht. Das Displayglas selbst kommt ebenfalls ohne Schutzfolie. Sehr ärgerlich, denn aufgrund des optischen Fingerabdruckscanners und den gebogenen Kanten findet man nur wenig geeignete Anbieter. Ich selber nutze da zwei Lösungen von Spigen: Schutzcover Liquid Crystal für P30 Pro, Spigen Panzerglas für P30 Pro. Beide Produkte funktionieren einwandfrei und schützen sowohl das empfindliche Display, als auch die noch empfindlichere Glasrückseite.

Spigen_Glas-P30_Pro

Huawei P30 Pro: Diese eine Farbe ist der Hammer

Ja, bei den Farben hat Huawei diesmal ein glückliches Händchen. Neben dem obligatorischen Schwarz kommt noch der extrem attraktive Farbton namens “Amber Sunrise” zum Einsatz. In Deutschland leider wohl erst in einigen Wochen. Wer sich bis dahin nicht zurückhalten kann, hat die Wahl zwischen “Aurora” und “Breathing Crystal” (mein Testsample). Beide Farbtöne ändern sich mit dem Lichteinfall und sind ebenfalls echte Hingucker. Das “Breathing Crystal” wirkt aber spektakulärer als “Aurora”. Das Huawei P30 Pro ist mit seinen Abmessungen von 158 x 73,3 x 8,4 Millimeter erstaunlich kompakt und auch das vergleichsweise hohe Gewicht von 192 Gramm geht noch in Ordnung.

DSC04706Die Vorderseite wirkt schmaler als sie ist, das Display ist nämlich ein sogenanntes Edge-Panel, also zu den Seiten hin abgerundet. Am hervorstechendsten ist dabei der große Kamerabuckel auf der Rückseite. Durch die “Periskopkamera” mit ihrem optischen Zoom steht der Buckel rund 1,3 Millimetern aus dem Gehäuse hervor. Letzteres besteht dabei aus Metall und Glas und ist nicht nur optisch, sondern auch haptisch beeindruckend. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. HUAWEI_P30_Pro_Amber_SunriseDas Glas ist sowohl auf der Front- als auch der Rückseite an den Längskanten gebogen. Leider ist Glas eben auch sehr glatt und zieht Fingerabdrücke nahezu magnetisch an.  Auf der Unterseite findet man neben einem Kartenslot für zwei Nano-SIM bzw. eine Nano-SIM und eine Nano Memory Speicherkarte auch den einzigen Lautsprecher. Aufgeladen wird das Huawei P30 Pro dabei drahtlos oder über USB-Typ-C. Der Ein-/Ausschalter befindet sich auf der rechten Seite im glänzenden Metallrahmen. Auf der Oberseite findet man eines der Mikrofone sowie den Infrarot-Sender. Der 4.200 mAh starke Akku des Huawei P30 Pro ist fest verbaut, das Gehäuse ist nach IP68 gegen das Eindringen von Staub und Wasser geschützt.

AMOLED-Display: 6,4 Zoll aber kein WQHD

DSC04696Das OLED-Display des Huawei bietet zwar eine Diagonale von 6,47 Zoll, löst aber im Gegensatz zum Huawei Mate 20 Pro “nur” mit 1.080 x 2.340 Pixel auf. So kommt es auch nur auf 398 ppi. Im Alltag bemerkt man davon aber nichts, alle Inhalte oder Texte sind scharf, einzelne Pixel sind nicht zu erkennen. Einzig im direkten Vergleich zum Mate 20 Pro sieht man einen Unterschied. Besonders bei der Helligkeit. Die Helligkeit des OLED-Screens ist nämlich etwas höher als  beim Mate 20 Pro, kommt bei direkter Sonneneinstrahlung aber nicht gegen das Samsung Galaxy S10 Plus an. Der Schwarzwert ist aufgrund des AMOLED sehr gut. Leider Regel das Display bei weißen Hintergründen die Helligkeit automatisch runter und bei dunklen Hintergründen wieder hoch. Das ist sehr nervig. Die Blickwinkelstabilität des Displays gefällt mir hingegen gut. Das Always-On-Display ist ab Werk deaktiviert, zeigt auf Wunsch nun aber auch Benachrichtigungen von Drittanbieter-Apps wie Telegram und Co an. Das OLED-Panel im P30 Pro bietet unterschiedlich Möglichkeiten, um den Weißabgleich und die Farbdarstellung zu verändern. Hier findet man auch einen Nachtmodus mit reduziertem Blauanteil. Die kleine Notch in der Mitte beherbergt übrigens nur die Frontkamera. Eine Benachrichtigungs-LED hat das Huawei P30 Pro leider nicht vorzuweisen.

Huawei P30 Pro kommt mit EMUI 9.1

Das Huawei P30 Pro nutzt Android 9.0 Pie sowie die hauseigene Benutzeroberfläche namens EMUI 9.1. Im direkten Vergleich zur EMUI 9.0 gibt es nur kleinere Anpassungen. Der GPU Turbo 3.0 (deren Nutzen ich aktuell nicht nachweisen und daher auch nicht beurteilen kann) hat Huawei viel an der Kamera-App gefeilt. Über eine SOS-Funktion kann ich meinen zuvor definierten Notfallkontakt eine Nachricht (SMS) mit Standort schicken. Dazu einfach 5-mal den Ein-/Auschalter drücken. Huawei selber installiert wieder ein paar Apps (Booking.com, Facebook), die lassen sich aber leicht löschen. Ansonsten gibt es keine aufdringliche Bloatware. Von der AppGallery als (sinnfreien) zusätzlichen App-Store mal abgesehen. Die Sicherheitsupdates zum Testzeitpunkt datieren vom 1. März 2019 und damit aktuell. Was mir auffällt, ist die Tatsache, dass das Multitasking und der Wechsel zwischen geöffneten Browser-Tabs (gerade im Samsung-Browser) immer noch vergleichsweise langsam ist. Die Icons der einzelnen Apps werden ab Werk auf den Bildschirmen des EMUI verteilt. Auf Wunsch kann man sie aber auch in Ordner sortieren. Natürlich kann auch der alte App-Drawer in den Einstellungen reaktiviert werden.

Konnektivität und Soundqualität: Wat, keine Hörmuschel?

DSC04711Die Soundausgabe erfolgt beim Huawei P30 Pro tatsächlich nicht über eine Hörmuschel, sondern über eine “Huawei Acoustic Display” genannte Technik. Im Gegensatz zum Xiaomi Mi Mix kommt hier aber keine Piezotechnik zum Einsatz. Huawei versetzt das ganze Display über eine Magnetschwebetechnik in Schwingungen. Während man über die Sinnhaftigkeit trefflich streiten kann, ist der Klang während eines Telefonates definitiv “anders”.  Ich habe meine Gesprächspartner gut verstanden, die Stimmen klingen aber definitiv unnatürlich und kratzig. Im Lautsprechermodus klingt das deutlich natürlicher, meine Stimme wird aber als Echo mit übertragen. Die Gesprächsqualität über Headsets ist daher die beste Option.

Der Musikplayer aus dem Hause Huawei zeigt den Interpreten und auch Playlisten, Genres und Albennamen an. Auch das in den Track integrierte Album-Cover wird dabei natürlich angezeigt. Das P30 Pro liefert — mit guten Kopfhörern — (zum Beispiel über Bluetooth) einen tollen Sound. Der einzelne Lautsprecher an der Unterseite klingt hingegen etwas dünn und liefert kaum Bass. Insgesamt ist mit die maximale Laustärke in der Regel aber hoch genug.

Die eingebaute Gesichtserkennung ist sehr zuverlässig. Man kann sie nicht über ein Foto oder einen ähnlich aussehenden Kollegen austricksen. Sie reagiert immer noch schneller als der in das Display integrierte (optische) Fingerabdrucksensor. Im Bereich der Konnektivität bietet das Huawei P30 Pro sowohl Wifi-Calling als  auch VoLTE (auf beiden SIM-Karten). Daten werden per LTE Cat. 21 (bis zu 1,4 GBit/s im Downstream) und Wi-Fi 5 (IEEE-802.11 a/b/g/n/ac) mit MIMO-Antennentechnik (2,4/5,0) übertragen. Die Sende- und Empfangsleistung ist dabei gut, die Umschaltung zwischen GPS/EDGE/UMTS/LTE erfolgt schnell. Das Huawei P30 Pro unterstützt GPS, Glonass, BeiDou und Galileo. Amerikanische und europäische Satelliten unterstützen sogar die Dual-Konnektivität. Der Satfix gelingt selbst in Gebäuden in wenigen Sekunden und mit Abweichungen zwischen 3-5 Metern.

Akkulaufzeit und Performance

Bei der CPU setzt das Pro Pro auf den bereits bekannten Kirin 980 sowie 8 GByte Arbeitsspeicher. Der Chipsatz mit seiner neuronalen Einheit für die KI ist zumindest in den aktuellen Benchmarks die schnellste CPU (wenn man mal vom Apple A12 absieht). Im Geekbench 4 kommt er auf 3.289 Punkte im Single-Core und 9.939 im Multi-Core. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark kommt der SoC auf unglaubliche 310.733 Punkte. Natürlich nutzt er dazu einen speziellen Performance-Modus. Leider hat er auch ab und ab Probleme beim Throttling. Unter starker Last reduziert die CPU die Leistung um bis zu 20%. Alle aktuellen Spiele (Asphalt Extreme, Modern Combat 5, Tekken, PUBG Mobile) liefen damit absolut ruckelfrei und auch das EMUI selber läuft flüssig. Eine spürbaren Vorteil der 8 GByte RAM hat man im Vergleich zum Mate 20 Pro allerdings nicht.

Der fest eingebaute Akku leistet 4.200 mAh und hielt im Akkutest knapp 16 Stunden durch. Normalnutzer, die nur wenig E-Mails erhalten oder Gespräche führen, schaffen mit einer Ladung etwa 2 1/2 Tage. Wobei das Always-On-Display pro Stunde immer noch rund 1% der Akkuladung (Zusätzlich) auffrisst. Über Nacht verliert die Kraftzelle rund 8% der Spannung. Also ähnliche Werte wie beim Mate 20 Pro und etwas besser als beim Huawei P20 Pro. Über Huawei SuperCharge kann ich das Smartphone mit 40 Watt in einer Stunde vollständig aufladen. In 10 Minuten erreicht man so bereits 30 Prozent, 50 Prozent der Kapazität sind nach rund 20 Minuten erreicht. Kabelloses Laden mit bis zu 15 Watt wird ebenfalls angeboten, hier dauert eine vollständige Aufladung aber mehr als 2:30 Stunden. Das P30 Pro kann selbst auch als drahtlose Powerbank genutzt werden. Andere Verbraucher werden aber nur mit rund 7 Watt aufgeladen.

Kameras – Leica Quad-Kamera im Huawei P30 Pro

DSC04704Die Frontkamera des Huawei P30 in der kleinen Notch löst mit 32 Megapixel auf. Die Aufnahmen gehen dabei auch bei schlechteren Lichtverhältnissen in Ordnung, weisen aber erstaunlichweise auch Rauschen auf. Das mag an der Blende f/2.0 liegten. Der Porträt-Modus bietet viele verschiedene Modi, einen Beautyfilter (Weichzeichner) und Möglichkeiten, sowohl die Haut als auch die Breite des Gesichts zu korrigieren.  Über den Fixfokus sind die Videos in Full HD nicht gerade beeindruckend. Sagen wir es mal so: die 32-Megapixel merkt man ihr nicht an 🙂

Highlight des Huawei P30 Pro ist daher die rückseitig verbaute Leica Kamera mit ihren vier Optiken. Die Hauptkamera (Blende f/1.6) mit 40 Megapixel und 1/1,7“ Sensor sowie optischem Bildstabilisator, ein Ultra-Weitwinkel (Blende f/2.2) mit 20 Megapixel,  ein Teleobjektiv (Blende f/3.4) mit 8 Megapixel und OIS sowie eine Time-of-Flight (TOF) Kamera. Die Hauptkamera ermöglicht einen 10-fachen Hybridzoom (270 mm) und einen stufenlosen 50-fachen Digitalzoom (bis zu 1.343 mm).

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Letzterer sieht immer noch SEHR beeindruckend aus. Die Zoom-Modi erfordern mitunter aber eine ruhige Hand. Im Pro-Modus kann man nicht nur die Belichtung anpassen und den Autofokus, sondern auch Bilder im RAW-Format (DNG) aufnehmen. Letztere liefern bei genügend Fachkenntnis die besseren Ergebnisse. Sehr euch dazu einfach mal meine Kamerasamples an.

IMG_20190408_170645[Kamerasamples des Huawei P30 Pro]

Im Dunkeln zeigt die Kamera des Huawei P30 Pro ebenfalls eine gute Leistung und kann mit dem aktuellen Platzhirsch in dieser Disziplin, dem Google Pixel 3 XL mithalten. Die AI-Unterstützung der Kamera kann man deaktivieren. In der Regel erzielt man damit dann auch bessere, weil homogenere Ergebnisse. Die Kamera liefert insgesamt eine detailreiche und sehr gute Abbildungsleistung. Im Videomodus zeichnet sie in Ultra HD allerdings nur mit 30 Bildern pro Sekunde auf und das auch nur für maximal zehn Minuten. Der Bokeh-Effekt der Kamera ist leider nicht immer treffsicher und hat Probleme, das Motiv sauber vom Hintergrund zu trennen.

Fazit: Spitze, aber nicht ohne Tadel

DSC04687Das Huawei P30 Pro ist ein extrem edles Smartphone geworden, das die Leistung des P20 Pro nochmals toppt. Die Optik ist klasse, die Verarbeitung samt IP68-Zertifizierung ebenfalls. Die Performance mehr als ausreichend und auch das Display kann überzeugen. Der Akku ist ausdauernd und kann kabellos aufgeladen werden. Auch die Kameraleistung sowie die hohe Zoom-Leistung des P30 Pro ist beeindruckend. Was mich da noch stört? Der hohe Preis von 999 Euro. Wobei es das Smartphone zum Testzeitpunkt bereits ab 712,79 Euro zu kaufen gibt. Mein Samsung Galaxy S10 Plus habe ich daher auch in Rente geschickt.

Huawei P30 Pro

9.8

Verarbeitung

9.8/10

Display

9.5/10

Performance

10.0/10

Kamera

9.9/10

Konnektivität/Akku

9.6/10

Pro

  • Kamera
  • Akku
  • Performance

Contra

  • Edge-Display
  • Preis