Huawei P40 Pro im Test: Ohne Google ohne mich!

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Um es gleich vorweg zu nehmen, der Vorgänger Huawei P30 Pro (Testbericht) hat mir super gefallen. Klasse Kamera, extrem gute Nachtaufnahmen, tolle Performance und (mittlerweile) ein erschwinglicher Preis. Da hat es der Nachfolger in Form des Huawei P40 Pro nicht l,eicht. Warum es versagt, erfahrt ihr in meinem folgenden Testbericht.

Aktuelle Situation: Kein Google = Kein Ebay?

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Huawei ist nicht alleine Schuld an der aktuellen Situation, aber mit Sicherheit auch nicht unschuldig. Fakt ist, dass der Kunde darunter ,leidet. Er bekommt ein Smartphone ohne das Google Framework ausgeliefert. Das klingt für Leute mit Aluhüten vielleicht interessant, stellt die Nutzer in der Praxis aber häufig vor Problemen. Es ist nicht so sehr die geringere Zahl an Apps im hauseigenen AppStore namens AppGallery. Tatsache ist, dass einige Apps gar nicht erst ohne die Google Dienste funktionieren. Darauf weist Huawei nicht ohne Grund vor der Bestellung auch hin. Zu den Apps zählen natürlich fast alle Vertreter aus dem Hause Google (YouTube und Co) aber auch Apps wie beispielsweise Ebay, BlueMail, Netflix, Disney+ und Amazon Prime. Teilweise kann man diese zwar auch aus anderen Quellen installieren, das ist aber mitunter risikoreicher und am Ende funktionieren sie trotzdem nicht (wie z.B. die Ebay-App). Ach ja, bei den vorhandenen “Tests” im Netz sollte man mitunter vorsichtig sein. Huawei ist bei den Influencern SEHR kreativ und oft SEHR großzügig. Das beeinflusst “natürlich” auf keinen Fall die Meinung diverser (Huawei) Blogs. Natürlich nicht. Mein Testsample stammt daher aus dem offiziellen Shop, die Lieferung dauerte 2 Tage und kam per DHL-Express aus den Niederlanden. Hier mein Test zum Huawei P40 Pro :

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Design: Ähnelt dem P30 Pro

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Das Huawei P40 Pro ist mit seinen 158,2 x 72,6 x 8,5 mm und einem Gewicht von 209 Gramm ein ordentlicher Brocken. Es liegt dabei aber erstaunlich gut in der Hand. Das P40 Pro steht in den drei Farben Silver Frost, Black und Blush Gold zur Auswahl. Blush Gold soll allerdings erst “im Mai” tatsächlich lieferbar sein. Vorbesteller bekommen aktuell (erneut verlängert bis 15.05.) die GT Watch 2e (ohne Mikrofon und Telefonfunktion) 

Huawei-P40Pro-PreOrder

sowie die Freebuds 3 kostenlos dazu. Das Package hat eine UVP von 348 Euro. Bei einem Verkauf erzielt man aber eher 240€. Dazu muss man zudem ZWINGEND den IMEI-Aufkleber aus der Verpackung schneiden und danach mehrere Wochen warten. Bestimmt wegen der super hohen Nachfrage (Ironie off).

Die Ränder rund um das Display sind beim Huawei P40 Pro sehr schmal ausgefallen. In den jeweiligen Ecken ist der Bogen etwas weniger geschwungen, die Rahmenkanten sind dafür deutlich höher gezogen. Das sieht zunächst etwas komisch aus, schützt aber das Display und beeinträchtigt nicht die Nutzung. Das sieht bei der extrem breiten Aussparung für die Kamera samt Sensoren auf der Vorderseite schon anders aus.  Das Punchhole befindet sich in der linken oberen Ecke, ist fast 2 Zentimeter breit und beeinhaltet neben der 32-Megapixel-Frontkamera auch einen Gestensensor sowie eine IR-Kamera für die sichere und zuverlässige Gesichtserkennung.

Das Kamerasetup auf der Rückseite ähnelt stark dem Samsung Galaxy S20 Ultra und ragt etwas einen Millimeter aus dem Gehäuse hervor. Die komplette Rückseite besteht wie beim Vorgänger aus Glas. Beim schwarzen Modell spiegelt es, bei den beiden andere Farben Silber Frost und Blush Gold ist das Glas mattiert “gefrostete”. Eine Schutzhülle aus durchsichtigem Kunststoff gibt es in der Retail nicht. Übrigens ein weiterer Grund, warum man seine Tests nicht auf “Vorseriengeräten” basieren sollte. Auch hier hilft Huawei bei den “guten Noten” wohl deutlich nach. Das Gehäuse des Huawei P40 Pro ist zwar nach IP68 gegen das Eindringen von Staub und Wasser geschützt, eine  3.5 mm Klinkenbuchse oder einen zweiten Lautsprecher bietet es dafür nicht.

Huawei_P40_Pro_Ecken

AMOLED-Display: 6,7 Zoll, HDR10 und 90Hz

Huawei_P40_Pro_Punchhole

Der 6.7 Zoll große OLED-Screen im Huawei P40 Pro stellt jetzt 2.640 × 1.200 Pixel dar (440 ppi). Die Qualität sowie die maximal zur Verfügung stehenden Helligkeit sind super. 430 cd/m² im manuellen Modus und 500 cd/m² im Automatikmodus mögen auf dem Papier nicht mit der Konkurrenz aus dem Hause Samsung mithalten können, sind aber Praxis mehr als ausreichend. Auch bei direkter Sonneneinstrahlung. Die Farbdarstellung ist ebenfalls ohne Fehl und Tadel, der Schwarzwert und die hohen Kontraste sind typisch für ein OLED und das Display unterstützt den DCI-P3-Farbraum sowie HDR10-Inhalte. Obwohl das Display leicht gebogen ist, gibt es keine störende Spiegelungen oder Regenbogeneffekte an den Rändern. Das war beim Huawei Mate 30 Pro noch deutlich schlimmer.

Huawei_P40_Pro_Display

Das neue OLED stellt seine Inhalte auf Wunsch auch mit 90 Hz dar. Das ist zwar weniger als beim Samsung Galaxy S20 Ultra, aber dennoch vollkommen ausreichend. Den Unterschied zu 120 Hz sieht man in der Praxis nicht. Ich hatte hier das OnePlus 8 Pro sowie das Galaxy S20 Ultra da. Letzteres stellte 120 Hz eh nur in Full-HD dar. Die 90 Hz werden beim Huawei P40 Pro aber nicht dauerhaft genutzt, die Software selbst entscheidet über den “Sinn”. Bei Spielen und dem Browser werden 90 Hz unterstützt, bei Spotify und Co dann eben nicht. Das P40 Pro bietet ferner noch ein deaktivierbares Always-on-Display mit allen wichtigen Informationen zu eingehenden Nachrichten oder Telefonaten, eine manuelle Anpassung der Farbintensität- und auch der Farbabstimmung. Ein Nachtfilter (Blaulichtfilter) sowie ein Dark-Mode sind nicht erst seit Android 10 eh Standard.

Kamera: Mit 1/1,28 Zoll großem RYYB-Sensor

Huawei_P40_Pro_Kamera

Hervorzuheben ist da eigentlich nur das neue Weitwinkelobjektiv mit seiner 40-Megapixel-Cine Lens und einer Blende f/1.8. Natürlich steht hier auch ein optischer Bildstabilisator (OIS) zur Verfügung. Die Hauptkamera löst mit 50 Megapixel auf, bietet eine Blende f/1.9 und einen RYYB- statt RGB-Sensor. Die Zoomkamera löst mit 12 Megapixel auf, nutzt eine Blende f/3.4 und erlaubt dank Periskop-Zoom eine 5x optische Vergrößerung sowie eine zusätzliche 5x elektronische Vergrößerung. Diese 10x Vergrößerung liefert auch erstaunlich gute Ergebnisse. Der 50x digitale Zoom ist hingegen eine fast sinnfreie Spielerei, ähnlich wie beim 100x Space Zoom von Samsung. Der 3D-Sensor des Huawei P40 Pro sorgt für bessere Bokeh-Effekte. Der neue Nachtmodus ist im Vergleich zum Huawei P30 Pro etwas besser, die AI etwas schneller und die Resultate insgesamt stimmiger. Aber ein Quantensprung wie die PR das behauptet, ist es eben nicht.
Huawei_P40_Pro_Kamerasample

Mehr Kamerabilder des Huawei P40 Pro

Tests zeichnet die Kamera in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde auf. Die Bildstabilisierung ist gut, der neue Audio Zoom arbeitet ähnlich wie ein Richtmikrofon. Schlussendlich überzeugt mich die Kameraqualität, ist aber kein Alleinstellungsmerkmal und auf keinen Fall DER Kaufgrund. Für gute Bilder reicht das Huawei P30 Pro immer noch l,ocker aus.

Sprachqualität, Performance & Akku: Alles bestens

Huawei-P40Pro-Akku

Der 256 GByte große interne Speicher kann nur über die hauseigenen NM-Karten erweitert werden. Der Kirin 990 ist schnell genug und bietet ein 5G-Modem. Er kann aber nicht  mit dem Snapdragon 865 mithalten. Die Sende- und Empfangsleistung ist super, die Gesprächsqualität ebenfalls. Einen zweiten Lautsprecher bietet das Huawei P40 Pro aber nicht. Kein Wunder, den der Sound wird bei Gesprächen über das Glas übertragen. Das klingt jetzt zwar komisch, ist es in der Realität aber nicht. Das Huawei P40 unterstützt Dual-SIM (zwei nanao-SIM oder eine eSIM), LTE Band 20 und 5G, selbst Wifi 6 mit Übertragungsraten von bis zu 2,4 Gbit/s wird angeboten. Bluetooth 5.1, NFC, USB C 3.1 und einen Fingerabdrucksensor im Display kann man da schon fast nur noch als den “üblichen” Standard bezeichnen. Der 4.200 mAh starke Akku kann über das mitgelieferte 40-Watt-Ladegerätin rund 1,5 Stunden aufgeladen werden. Kabellos dauert das etwas länger. Das Huawei P40 Pro bietet auch Reverse Charge, um andere Geräte kabellos aufzuladen. Der Battery Test von PCmark kommt auf eine Laufzeit von rund 11 Stunden bei 90 Hz. Einer ähnliche Zeit, wie beim Samsung Galaxy S20 Ukltra  mit seinem 5.000 mAh starken Akku.

EMUI 10 – Immer noch schön bunt

Das Huawei P40 Pro muss ohne Google-Dienste auskommen. Huawei setzt daher auf seine eigenen Huawei Mobile Services (HMS) sowie auf einen eigenen AppStore, die AppGallery. Die nachträgliche Installation der Google Mobile Services (GMS) ist zwar noch möglich, aber nicht mehr so einfach wie “früher”:

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Die eigene AppGallery hat noch nicht alle Apps im Angebot. Apps wie Prime Test, Disney+, Netflix sind noch gar nicht vorhanden. Wer ein Backup über Phone Clone einspielt, der bekommt mitunter auch die nicht verfügbaren Apps installiert. Einige davon funktionieren dann aber leider nicht, andere nur eingeschränkt. Das vorinstallierte EMUI 10.1 basiert auf Android 10 AOSP und unterscheidet sich nur marginal vom EMUI 10 auf einem “normalem” Android 10. Sprich mit den Google-Diensten. Huawei arbeitet beständig an eigenen Lösungen, die sind nicht schlechter. Wenn sich einige Programmieren von den Freiheiten, die ihnen die vorinstallierten GMS geben, trennen würde. Dann wäre die AppGallery vermutlich schon deutlich voller. Aber warum das Rad neu erfinden?

Fazit: Ohne Google, ohne mich!

Huawei_P40_Pro_Fazit

Das Huawei P40 Pro bietet eine Menge Smartphone für die knapp 810 Euro, die es zum Testzeitpunkt (nur) noch kostet. Die neue Kamera ist extrem gut, rechtfertigt aber keinen Wechsel vom P30 Pro. Das 6,7 Zoll großes OLED-Display hingegen ist eine echte Augenweide, nicht zuletzt wegen den 90 Hz. Mir persönlich fehlen aber die Google-Dienste und ich kann mit den zur Verfügung stehenden Alternativen bzw. dem aktuellen Angebot in der eigenen AppGallery nicht leben. Für mich wichtige Apps (Ebay, Google Maps) funktionieren nicht oder nur eingeschränkt. Wer aber mal ohne Google auskommen will (oder das längst praktiziert), für den mag das Huawei P40 Pro der richtige Partner sein. Für mich gilt: ohne Google, ohne mich!