Motorola Moto 360 im Test: Schick aber nicht schick genug

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Nun ist sie endlich in der Redaktion angekommen, die optisch einzig annehmbare Smartwatch. Nach der LG G Watch und der Samsung Gear Live will nun die Moto 360 die Herzen der Käufer und Uhrenliebhaber erobern. Mit einem Preis von knapp 250 Euro sicher keine leichte Angelegenheit. Zumindest in den USA war die Uhr nach wenigen Stunden bereits ausverkauft. Dort konnte man sie über die Webseite von Motorola, Best Buy und im Play Store bestellen. Entweder in der schwarzen Version, oder wie hier in der (limitierten?) silbernen Variante mit grauem Lederarmband. In Deutschland soll sie ab dem 09. Oktober bestellbar sein.

Design

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Motorola geht mit der Moto 360 optisch einen anderen Weg, Das Display ist nämlich nicht quadratisch, sondern rund. Ok, die LG G Watch R wird da später nachziehen, aber eben später. Aktuell kommt die Moto 360 einer normalen Uhr noch am nächsten. Sie trägt sich tatsächlich unauffällig, wenn man mal von den Abmessungen absieht. Mit knapp 46 mm Durchmesser und einem Gewicht von 49 Gramm ist sie zwar recht leicht aber auch etwas größer ausgefallen. Zudem trägt sie knapp 12 mm auch ziemlich dick auf. Zumindest im Vergleich mit meiner ultradünnen Seiko. Im direkten Vergleich mit meiner Graham Chronofighter sieht sie hingegen wie ein zierliches Spielzeug aus. Optisch würde ich sie durchaus als ansprechend bezeichnen. Nicht ganz so ansprechend, wie meine Explorer II 😀 Die Moto 360 ist aber immerhin nach IP67-zertifiziert und damit staub- und wasserfest.

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Bedient wird sie über den kreisrunden Touchscreen und über den Ein-/Ausschalter auf der rechten Seite. Haptisch macht sie einen sehr guten Eindruck. Sie ist leicht, sieht gut aus und unterscheidet sich nicht von normalen Uhren. Wenn da nicht der schwarze Streifen am unteren Ende des Displays wäre. Dort versteckt sich ein Teil der Technik sowie der Helligkeitssensor.

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Bei meinem Exemplar bestand das Armband aus Horween-Leder. Es komplett ohne Nähte daher und macht – mit Verlaub gesagt- einen eher weniger wertigen Eindruck. Als Vergleich möchte ich einmal das handgefertigte Lederarmband meiner Panerai anführen. Immerhin kann man sein Armband selbst wechseln, zumindest wenn man einen Juwelier zur Hand hat, oder eben passendes Werkzeug.

Technik

Außen hui, innen pfui. So könnte man es in etwa ausdrücken. Während nämlich bei der versammelten Konkurrenz bereits ein Snapdragon 400 zum Einsatz kommt, nutzt die Moto 360 noch eine steinalten Texas Instruments OMAP 3-SoCs aus 2010. Der ist nicht etwa stromsparend, nein er ist das genaue Gegenteil. Langsam, stromhungrig und in meinen Augen eine absolute Fehlentscheidung.

Der Prozessor kann dabei auf 512 MByte RAM zählen, die Moto 360 bietet immerhin 4 GByte internen Speicher für Apps und nimmt über Bluetooth 4.0 LE Kontakt zu einem Android Smartphone auf. Zumindest dann, wenn dieses mit mindestens Android 4.3 betrieben wird. Die Uhr selber setzt dabei auf Android Wearable.

Der fest eingebaute Akku mit seinen 300 (320) mAh hält daher auch nur knapp einen Arbeitstag durch. Da nützt einem auch kein 1,56 Zoll großes LCD mit seiner Auflösung von 320 x 290 Pixel (205ppi). Das bietet zwar eine automatische Regelung der Helligkeit, der Akku hält dadurch aber auch nicht länger. Das Display ist wie bei den anderen Modellen nur dann aktiv, wenn man den Arm zum Gesicht dreht. Alternativ kann man es auf “always on” stellen. Das gedimmte Display zieht dann aber merklich kräftiger am Akku.

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Die Rückseite der Uhr zeirt ein Pulsmesser (Sensor mit grünem Licht). Hierin befindet sich auch die drahtlose Lademöglichkeit, die dem QI-Standard entspricht.

Display

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Das knapp 1,6 Zoll große runde AMOLED verrichtet seinen Dienst recht gut. Zumindest, wenn die Sonne nicht zu stark auf das Display leuchtet. Die automatische Helligkeistregelung ist nett, aber nutzlos. Das kann ich manuell viel besser erledigen. Das Display mit Hintergrundbeleuchtung selbst wird von Corning® Gorilla® Glass 3 geschützt und macht einen glatten, ja fast vollkommenen Eindruck. Leider sind die Metallränder des Gehäuses etwas kantig ausgefallen. Der dünne Glasrand selbst verzerrt das Bild am Rand, es entsteht ein regenbogenartiger Effekt.

Akku

Der eingebaute Akku leistet tatsächlich nur 300 mAh (laut Aufkleber), kann nicht selbst gewechselt werden und wird. Legt man die Moto 360 auf das Dock, dann zeigt sie einem die Uhrzeit sowie den Ladezustand an. Diese Funktion kann man erfreulicherweise auch abschalten, damit man in der Nacht nicht durch das sehr helle Licht gestört wird. Zudem berichten einzelnen User über Schäden am Display durch das Einbrennen der Darstellungen.

Die Uhr selbst bietet fünf Helligkeitsstufen. In der Stufe “3” und bei aktiviertem Helligkeitssensor war der Akku der Moto 360 im Dauereinsatz nach knapp 3 1/2 Stunden bereits leer. Die LG G Watch hielt hier fast 6 Stunden durch! Wer also viele Nachrichten bekommt, der wird die Moto 360 mehrmals am Tag nach- bzw. aufladen müssen. Ich selber komme bei deaktiviertem Display (nur an, wenn “Arm zu Gesicht”) auf eine Laufzeit von etwa 10 Stunden.

Android Wearable

Hier gibt es nicht viel Neues zu berichten, da die Hersteller die Benutzeroberfläche eh nicht selbst anpassen dürfen. Die Moto 360 unterscheidet sich daher nur durch die virtuellen Ziffernblättern, die allesamt sehr hübsch sind. Im Play Store gibt es dazu eine größere, teils kostenpflichtige Auswahl.

Motorola liefert über seine Connect-App die Möglichkeit, die Ziffernblätter selbst zu gestalten. Zumindest die Farbe der Zeiger und die Hintergründe kann man dann ändern. Zudem kann man hier die Daten für die eingebaute Health- bzw. Fitness- App eingeben. neben Gewicht, Größe und Alter findet man dann einigen Statistiken in Form zurückgelegter Strecken, etc. Über Spracheingabe kann ich mit den Wetterbericht anziegen lassen, per Google Maps navigieren und meinen Musikplayer auf dem Smartphone steuern. Ohne Smartphone ist die Uhr allerdings nicht mehr “Smart”, dann sind die Funktionen stark eingeschränkt. Sehr euch hierzu doch auch mein Videoreview in Full-HD auf YouTube an:

Vor dem ersten Einsatz muss die Uhr übrigens voll aufgeladen werden. Das dauerte im Test ca. 2 Stunden. Erst dann kann man das aktuelle Update aufspielen. Macht man das nicht, dann wird die Firmware der Moto 360 auch nicht korrekt auf den neusten Stand gebracht. Sie zieht sich dann schmollend zurück und ist für mehrere Stunden nicht mehr ansprechbar! Daher erst auspacken, voll aufladen und DANN mit dem Smartphone verbinden!

Fazit

Die Moto 360 ist ein optisch ein großer Schritt in die richtige Richtung, technisch geht man mit dem steinalten TI OMAP aber mindestens zwei Schritte zurück. Die Akkulaufzeit ist zudem unter aller Kanone. Android Wearable krankt immer noch an ein paar Bugs (z.B. beim Pairing mit unterschiedlichen Smartphones) und mir ist nicht klar, ob man so eine Smartwatch bzw. eine Companion-Watch wirklich braucht. Ich persönlich finde sie zwar gut, komme aber aktuell auch problemlos ohne Smartwatch aus. Der Nutzen ist mir aktuell noch nicht hoch genug. Die Auswahl an Apps ist eher mager. Die netten Ziffernblätter trösten nicht über den doch recht hohen Preis hinweg.