OnePlus 6T im Test: Doch lieber das OnePlus 6?

OnePlus folgt seinem halbjährigen Rhythmus und bringt mit dem OnePlus 6T nun das "Update". Und für 549 Euro bekommt man wieder einen Mehrwert. Zumindest in Form von 128 GByte Speicher. Das Einstiegsmodell bietet nämlich nun direkt mehr Speicher. Auch die Notch wurde reduziert, allerdings haben die Designer auch gleich die Klinkenbuchse für Kopfhörer abgeschafft. Warum ich u.a. deswegen doch eher zum OnePlus 6 greifen würde, könnt ihr in meinem Test nachlesen. Ich hatte das OnePlus 6T fast 4 Wochen täglich im Einsatz.7 min


OnePlus folgt seinem halbjährigen Rhythmus und bringt mit dem OnePlus 6T nun das “Update”. Und für 549 Euro bekommt man wieder einen Mehrwert. Zumindest in Form von 128 GByte Speicher. Das Einstiegsmodell bietet nämlich nun direkt mehr Speicher. Auch die Notch wurde reduziert, allerdings haben die Designer auch gleich die Klinkenbuchse für Kopfhörer abgeschafft. Warum ich u.a. deswegen doch eher zum OnePlus 6 greifen würde, könnt ihr in meinem Test nachlesen. Ich hatte das OnePlus 6T fast 4 Wochen täglich im Einsatz.

OnePlus 6T: Design ist überbewertet

OnePlus_6T_09Das neue OnePlus 6T ist mit 157.5 x 74.8 x 8.2 mm etwas größer und dicker als das OnePlus 6 (155.7 x 75.4 x 7.75 mm). Auch das Gewicht hat mit nunmehr 185 Gramm um acht Gramm zugelegt. Das  Display des Smartphones kommt aufgrund der kleineren Notch nun im 19.5:9 Format daher. Die kleine Notch selber beinhaltet zudem nur noch die 16-Megapixel-Frontkamera. Die mehrfarbige Benachrichtigungs-LED des “Vorgängers” hat man beim OnePlus 6T leider gestrichen. Wer mag, kann die Ausbuchtung übrigens auch wieder komplett “deaktivieren”. Dabei wird die nutzbare Displayfläche natürlich entsprechend verkleinert. Die Vorder- und Rückseite des OnePlus 6T bestehen wieder aus Glas. Laut Hersteller handelt es sich dabei sogar um Corning Gorilla Glas 6, zumindest die Vorderseite soll davon profitieren. Der Käufer hat übrigens die Qual der Wahl: hochglänzend und sehr “empfindlich” (Mirror Black) im Stil des Xiaomi Mi Mix 2S oder matt-schwarz (Midnight Black). Diese Variante (Testsample) sieht in meinen Augen etwas edler aus.  Aktuell wurde gerade zudem die neue Trendfarbe “Thunder Purple” (Violett) veröffentlicht. Ob es dann auch wieder Rot geben wird ist noch unklar.

Auf der Rückseite findet man wieder die vom OnePlus 6 bekannte, vertikal ausgerichtete Dual-Kamera mit 16/20 Megapixel. Der Fingerabdrucksensor ist allerdings unter das Displayglas auf die Vorderseite gewandert. Optisch nett, aber haptisch leider keine Offenbarung. Dazu aber später mehr. Die beiden Linsen ragen etwa 1 mm aus dem Gehäuse hervor. Dadurch liegt es auf glatten Oberfläche nicht ganz plan auf und kippt leicht hin und her. Scharfe Kanten beim Übergang zwischen dem ganz leicht gebogenen Display und dem Metallrahmen spürt man nur deswegen, weil die Displayschutzfolie nicht das komplette Display abdeckt. Was wieder auffällt, ist die doch recht offensichtliche Fingerabdruck- und Staubanfälligkeit der Vorderseite. Hier mal die technischen Daten der beiden Geräte im direkten Vergleich:

Smartphone: OnePlus 6 OnePlus 6T
Display: 6,28 Zoll 6,41 Zoll
Speicher: 64 /128 GB 128 / 256 GB
Akku: 3300 mAh 3700 mAh

Die Vorderseite wird dabei vollständig vom – im Vergleich zum OnePlus 6T größer ausfallenden Display – in Beschlag genommen. Im Inneren werkelt aber auch hier der Snapdragon 845 mit 6 bzw. 8 GByte RAM und 128/256 GByte internen Speicher (UFS 2.1 2-LANE). Das Gehäuse ist zwar nicht offiziell nach einer IP-Norm gegen das Eindringen von Wasser oder Staub zertifiziert, kommt aber dennoch mit leichter Feuchtigkeit (Nieselregen) klar. Die entsprechenden Öffnungen sind laut ifixit mit Gummidichtungen versiegelt. Die Oberseite ziert ein Mikrofon, die Unterseite ein Lautsprecher sowie ein weiteres Mikrofon und ein USB-Typ-C-Port auf der Basis von USB 2.0. Leider mußte  die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse für Kopfhörer weichen. An der Stelle hat OnePlus wohl (ebenfalls) nicht auf seine Community gehört …

OnePlus 6T: Mit 6,41-Zoll sind sie dabei

Das Display des OnePlus 6T ist mit seinen 6,41 Zoll nochmals größer ausgefallen als beim OnePlus 6. Das Optic AMOLED-Display im 19.5:9-Format löst dabei mit 1.080 x 2.340 Pixel (FHD+) auf und kommt so auf eine Pixeldichte von 402 Pixel pro Zoll. Die Farbtemperatur ist ab Werk leicht gelblich, kann in den Einstellungen aber angepasst werden. Neben der Farbtemperatur findet man dort auch Einstellungsmöglichkeiten für sRGB, DCI-P3 und den adaptiven Modus. Der Schwarzwert ist dank des OLED  sehr hoch, das Display des Huawei P20 Pro wirkt aber noch dunkler. Auch die maximale Helligkeit ist mir persönlich einen Tick zu niedrig. Bei direkter Sonneneinstrahlung leidet die Ablesbarkeit. Das bemerkt man u.a im direkten Vergleich mit dem Xiaomi Mi Mix 3 und auch dem Huawei Mate 20 Pro.

Einen Always-On-Modus (AOD) bietet das OnePlus 6T zwar nicht, aber es gibt ein Inaktivitätsdisplay. Nimmt man das Gerät in die Hand oder trifft eine Benachrichtigung ein, dann wird das Display auf Wunsch automatisch aktiviert. So sieht man die Nachricht zusammen mit Uhrzeit. Dieses “Pseudo-AOD” zeigt im Gegensatz zu Huawei aber auch die Icons von Messengern an. Wer mag, kann das Display auch durch zweimaliges Tippen auf den Bildschirm aufwecken. Ein programmierbarer Nachtmodus (Lesemodus) soll für möglichst ermüdungsfreies Lesen sorgen. Dabei reduziert die Hersteller dann den “schädlichen”Blauanteil.

OnePlus 6T: Und die Performance sitzt

Das OnePlus 6T wird ebenfalls von einem Snapdragon 845 angetrieben. Der kommt zum Beispiel auch im Xiaomi Mi Mix 3 oder Xiaomi Black Shark zum Einsatz. Die CPU wird dabei mit maximal 2.8 GHz angetrieben und sorgt in Verbindung mit der neuen Adreno-630-GPU für mehr als ausreichend Power. So erzielt das OnePlus 6T im aktuellen AnTuTU-Benchmark rund 296.000 Punkte. Im Geekbench 4 reicht es für 2.369 Punkte im Single-Core und 8.907 im Multi-Core. In der Theorie wird es dabei nur noch vom Huawei Mate 20 Pro übertroffen. Dem SoC des OnePlus 6T stehen 6 GByte bzw. 8 GByte RAM zur Seite. Der interne Speicher von 128 bzw. 256 GByte kann leider nicht über MicroSD erweitert werden. Das klappt nur über USB-OTG. Aufgrund des verwendeten USB-Standards (2.0) dauert das Befüllen des Speicher allerdings DEUTLICH länger als beim Mate 20 Pro. Die eher in der Theorie interessanten Benchmarks werden auch in der Praxis von einem extrem flüssigen Benutzerinterface bestätigt. Der neue Fingerabdrucksensor unter dem Displayglas reagiert dabei allerdings spürbar langsamer als beim OnePlus 6 bzw. den herkömmlichen Vertretern. Ich persönlich nutze zudem eher die deutlich schnellere Gesichtserkennung. Was das Throttling der CPU/GPU betrifft: das startet nach rund 10 Minuten unter Dauerlast. Das OnePlus 6T regelt dann die Taktfrequenz etwas runter. In der Praxis spürt man davon allerdings überhaupt nichts. Einen Eindruck vom OnePlus 6T bekommt ihr auch in meinem Videoreview auf YouTube:

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Oxygen OS: Pie mit leichter Rezepturänderung

Beim Betriebssystem macht der Hersteller keine Kompromisse und setzt direkt auf das brandneue Android 9 inklusive der Sicherheitspatche vom 01.11.18. OnePlus hat das Stock-Android dabei wieder mit der hauseigenen Benutzeroberfläche bzw. OS-Variante namens Oxygen OS 9 überzogen. Das besagte OxygenOS (zum Testzeitpunkt 9.0.7) bietet optisch zwar kaum Veränderungen, verzichtet aber auf den Google Feed beim Sliden des Homescreens nach recht. Hier findet man dann die “Shelf” genannte Übersicht, die ich weder sonderlich hilfreich noch nützlich finde. Besser ist das die Möglichkeit,  andere Icons sowie eine komplett schwarze Oberfläche zu aktivieren. Die neue Gestensteuerung des Android 9 ermöglicht eine Bedienung von Android ganz ohne Navigationsleiste. Leider ist sie längst nicht so intuitiv wie beim Mate 20 Pro. Durch eine einfache Wischgeste von unten nach rechts kann ich nun aber zumindest direkt zwischen den zuletzt genutzten Apps hin- und herschalten. Das ist im Vergleich zum OnePlus 6 aber auch die einzige Änderung. Der spezielle Spielemodus versteckt sich immer noch hinter den Menüpunkt “Erweitert” und verhindert beim Zocken unerwünschte Unterbrechungen in Form von Benachrichtigungen. Eingehende Anrufe werden dann direkt über die Freisprecheinrichtung geführt. Auch die Unterstützung für ARCore gibt es nun direkt ab Werk.

OnePlus 6T: Dual-Kamera im Recycling-Modus

OnePlus_6T_17Der 16-Megapixel-Sensor aus dem Hause Sony (IMX 519) bietet eine f/1.7-Blende, 1.22-µm-Pixelgröße und ermöglicht eine optische und elektronische Bildstabilisierung. Der 20-Megapixel-Sensor (Sony IMX 376K) dient dabei als Teleobjektiv (2x Zoom) und ist dank der f/1.7-Blende sowie einer Pixelgröße von 1 µm ebenfalls recht lichtstark. Alle anderen Zoomstufen (7x) werden digital erzeugt und können getrost ignoriert werden. Die Kamera ermöglicht Videoaufnahmen in Full-HD oder 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde. Auch Zeitraffer und Zeitlupen-Videos mit bis zu 480 Bildern pro Sekunde sind bei HD-Qualität (240 fps in FHD) möglich. Dann reduziert sich die Lichtempfindlichkeit aber drastisch! Man sollte zudem auf eine möglichst natürliche Beleuchtung achten. Im Fotomodus gibt es einen Panorama- und HDR-Modus, einen Porträt- sowie einen Pro-Modus. Bei letzterem kann ich Einfluss auf die ISO, Weißabgleich, Verschlussgeschwindigkeit sowie Fokus und Helligkeit nehmen. Hier bekomme ich dann auch die Möglichkeit für RAW-Aufnahmen (DNG bis zu 30 MByte) zu Gesicht.

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[Anklicken für mehr Kamerasamples]
Die Bildqualität ist ok, der neue Nachtmodus sogar ganz nützlich. Die Kameraqualität ist insgesamt zufriedenstellend, kann aber nicht mit den aktuellen Modellen von Samsung, Google oder Huawei mithalten. Die Videoaufnahmen in 4K mit 60 fps leiden daher in meinen Augen unter dem etwas ungenauen Autofokus.

OnePlus 6T: Mit 3.700 mAh in den Marathon

OnePlus_6T_18Das OnePlus 6 T kommt mit der Unterstützung für LTE Cat-16 und allen in Deutschland genutzten LTE-Frequenzen sowie WLAN 802.11 a/b/g/n/ac im 2,4-Gigahertz- und 5-Gigahertz-Bereich mit 2×2 MIMO auf den Markt. Bei der GPS-Standortbestimmung unterstützt das Smartphone sowohl Galileo als auch Glonass und BeiDou. VoLTE wird zwar unterstützt, konnte aber weder im Netz der Telekom noch bei o2 direkt aktiviert werden. Das gilt auch für VoWiFi. Über einen nicht ganz ungefährlichen “Trick” geht es dann aber doch. Hier sollte der Hersteller nochmals nachbessern. Der Dual-SIM-Slot bietet zudem Platz für zwei Nano-SIM-Karten, beide Slots sind so auch gleichzeitig per LTE verbunden.

Die Sprachqualität beim Telefonieren war gut. Die Gesprächspartner klangen klar und deutlich, die Unterdrückung der Nebengeräusche war ebenfalls gut. Der fest eingebaute Akku leistet 3.700 mAh. Die Screen-on-Time ist mit knapp 10:15 Stunden besser als beim OnePlus 6. Mit dem Akku kommt also locker “über den Tag”. Die drahtgebundene Aufladung über die hauseigene Schnellladetechnik dauerte im Test rund 80 Minuten. In rund 30 Minuten hat man aber bereits 65% erreicht, damit kommt man locker durch den Nachmittag. Eine drahtlose Aufladung ist trotz der Glasrückseite nicht möglich, angeblich ist das dem Hersteller noch zu langsam. Diese Entscheidung sollte man aber dem Kunden überlassen.

Fazit: Doch lieber das OnePlus 6?

OnePlus_6T_01Wer bereits ein OnePlus 6 im Einsatz hat, kann sich das OnePlus 6T eigentlich sparen. Die Notch ist kleiner, der Akku ist etwas größer. Dafür fehlt nun die Klinkenbuchse und eine Benachrichtigungs-LED. Auch Neukäufer sollten – augrund des niedrigen Importpreise des OnePlus 6 (offiziell nicht mehr über OnePlus verfügbar) – eher zum “Vorgänger” greifen. Kamera, Performance und Design sind bei beiden Modellen nämlich mehr als konkurrenzfähig. Der Preis von 549 Euro (6/128GB) ist nicht mehr so niedrig, als dass ich es als “Flaggschiffkiller” bezeichnen würde.

OnePlus 6T

579
9.6

Verarbeitung

9.9/10

Display

9.2/10

Performance

10.0/10

Kamera

9.1/10

Konnektivität/Akku

9.6/10

Pro

  • Akku
  • Performance
  • Display

Contra

  • Kein QI
  • Kein Stereo