OnePlus 7 Pro im Test: Nur schön?

Das OnePlus 7 Pro ist (optisch) ohne Zweifel ein sehr schönes Smartphone. Mit einem Preis von > 709 Euro aber auch längts kein Schnäppchen mehr. OnePlus betitelt seine nueste Schöpfung daher auch nicht mehr als "Flaggschiff-Killer", sondern als "besseres Smartphone". Was das Smartphone mit seinem Snapdragon 855, 8 GByte RAM, bis zu 256 Gbyte Speicher und einem 6,67 Zoll großen OLED mit 90 Hz Bildwiederholrate so leistet, erfahrt ihr in den folgenden Minuten.6 min


Das OnePlus 7 Pro ist (optisch) ohne Zweifel ein sehr schönes Smartphone. Mit einem Preis von > 709 Euro aber auch längst kein Schnäppchen mehr. OnePlus betitelt seine neueste Schöpfung daher auch nicht mehr als “Flaggschiff-Killer”, sondern als “besseres Smartphone”. Was das Smartphone mit seinem Snapdragon 855, 8 GByte RAM, bis zu 256 Gbyte Speicher und einem 6,67 Zoll großen OLED mit 90 Hz Bildwiederholrate so leistet, erfahrt ihr in den folgenden Minuten.

OnePlus 7 Pro: Der übliche Lieferumfang

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(c) OnePlus

In der Weiß-Roten Verpackung des Herstellers findet man neben dem sehr großen Smartphone noch ein rotes USB-Typ-C-Kabel, ein Ladegerät mit 30 Watt sowie diverse Anleitungen, einen Öffner für den SIM-Karten-Einschub sowie eine transparente Schutzhülle von hoher Qualität. Kopfhörer oder einen Adapter von 3.5 Klinke auf USB-Typ-C sucht man leider vergebens. Auch eine Speicherkarte findet man nicht. Das ist allerdings auch kein Wunder, denn den Speicher des OnePlus 7 Pro kann man gar nicht erweitern 🙂

OnePlus 7: Glattes, abgerundetes Design

OnePlus_7_Pro_11Während es sich beim OnePlus 7 gewissermaßen (optisch) nur um ein aufgefrischtes OnePlus 6 T handelt, ist das 7 Pro quasi aus dem Nichts entstanden. Na ja, wenn man mal von den Vorbildern aus eigenem Hause (OPPO, ViVo) absieht. Die Vorderseite wird nahezu vollständig vom fast randlosen Display in Beschlag genommen. Der Bildschirm kommt dabei ohne Notch aus. Die Rückseite besteht wieder aus mattierten Glas. Bei meinem Testsample in “Nebula Blue”verändert sich der Farbton mit dem Lichteinfall. Das sieht EXTREM schick aus. Kein Wunder, dass genau diese Variante seit einigen Wochen ausverkauft ist. Mit seinen 162.6×75.9×8.8mm ist es recht gross und mit 206 Gramm auch sehr schwer. Mich persönlich hat beides am Ende eines Tages sehr gestört.

Der Hersteller verzichtet auf die Notch im Display, indem er eine motorisierte Pop-up-Frontkamera in den oberen Rahmen einbaut. Wechsle ich also in den Selfie-Modus, fährt die Kamera (relativ) lautlos aus dem Gehäuse heraus. Beende ich die Kamera fährt die Kamera auch wieder ein. Im Falle eines “Falles” macht sie das sogar ganz automatisch. Ein Blick auf die Drückern: auf der linken Seite des Rahmens findet man den Lautstärketaster, auf der rechten Seite den Alert-Slider. Hiermit kann ich mein OnePlus 7 Pro ruckzuck in den “Nicht-Stören-Modus” versetzen. Mit dem darunter liegenden Ein-/Auschalter wird das Smartphone eingeschaltet. Die Unterseite ziert ein USB-Typ-C-Eingang sowie einer der beiden Lautsprecher. Der zweite befindet sich über dem Display in der Ohrmuschel. Eine Kopfhörerbuchse ist allerdings nicht an Bord und das Gehäuse ist offiziell auch nicht IP6X zertifiziert. Laut Hersteller hat man aber dennoch schützenden Gummidichtungen an den Öffnungen verbaut. Einen Regenschauer sollte es also aushalten.  Die Verarbeitung des OnePlus 7 Pro ist ohne Fehl und Tadel und optisch ist aktuell sowieso das schönste Smartphone.

OnePlus 7 Pro: Technische Details

OnePlus hat sein neues Flaggschiff zwar nicht “Killer” genannt, aber dennoch Hightech verbaut. Neben dem Qualcomms Snapdragon 855 mit Adreno-640-GPU, blitzschnellen UFS-3.0-Flashspeicher (128/256 256 Gigabyte) sowie 6/8/12 GByte Arbeitsspeicher (LPDDR4X-RAM) kommt auch noch eine Triple-Kamera mit bis zu 48 Magepixel zum Einsatz. Fassen wir es doch mal zusammen:

  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 855 (1x 2.84 GHz, Kryo + 3x 2.42 GHz, Kryo + 4x 1.80 GHz, Kyro)
  • RAM: 8 GByte – 12 GByte
  • Integrierter Speicher: 128 oder 256 GB
  • Display: 6,67 Zoll Fluid AMOLED mit 3.120 x 1.440 Pixel und 60 bzw. 90 Hz
  • Schnittstellen: LTE, Wi-Fi, Bluetooth 5, NFC, GPS (GLONASS, Beidou, Galileo), USB Typ-C, Dual nanoSIM
  • Batterie: 4.000 mAh
  • Kamera-Auflösung: 16 MP – Selfie-Kamera (Blende f/2.0), 48 (Blende F/1.6) + 8 MP (Blende f/2.2) + 16 MP (Blende f/2,4)
  • Videos: 4K (bis zu 60 fps), Full-HD 1080p (bis zu 240 fps)

OnePlus 7 Pro: 6,67 Zoll Display mit 90 Hz

Das 6,67 Zoll große – nahezu randlose – AMOLED-Display des OnePlus 7 Pro löst nicht nur in WQHD+ (3.120 x 1.440 Pixel) auf, es bietet auch ERSTMALIG und überhaupt eine Bildwiederholrate von 90 Hertz. Aber da gab es doch schon mal was von Razor? Ja, Razor hat mal ein Display mit einer Bildwiederholfrequenz von 120 Hz verbaut.  Allerdings “nur” in einem schnöden IPS-Display. Das OnePlus 7 Pro nutzt ein aber ein stromsparendes AMOLED. Durch die 90 Hertz reduziert sich die Latenz bei Eingaben deutlich. Gerade beim Scrollen ist das neue Modell tatsächlich „smooth“. Wem das eh nicht auffällt, der kann die Funktion in den Einstellungen auch deaktivieren und verlängert dadurch auch noch die Lebensdauer seines Akkus. Das trifft übrigens auch auf die hohe Auflösung zu. Wer vorher “nur” ein Huawei genutzt hat, der kann die Auflösung auch auf FHD+ reduzieren. Das OnePlus 7 Pro bietet daneben noch unterschiedliche Farbprofile und Möglichkeiten zur Farbkalibrierung des Displays an. Da sollte für jeden etwas dabei sein. Das Display unterstützt neben dem RGB- auch den DCI P3-Farbraum. Die Farbdarstellung ist von sehr hoher Qualität. Das gilt auch für die maximale Helligkeit. Insgesamt macht der Bildschirm des OnePlus 7 Pro auf mich den derzeit besten Eindruck. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt aber: die abgeschrägten Edges wie beim Samsung Galaxy Note 9 sowie die SEHR großen Abrundungen. Achja, die Display-Ränder leuchten bei einer eingehenden Nachricht übrigens auf.

OnePlus 7 Pro und die drei Kameras

OnePlus_7_Pro_17Was wie eine Folge der drei Fragezeichen klingt ist so auch nicht ganz richtig, denn das OnePlus 7 Pro bietet ja insgesamt vier Kameras. Neben einem 48-Megapixel-Sensor (Sonys IMX586, Blende f/1.7) mit optischer sowie elektronischer Bildstabilisierung  findet man noch eine Weitwinkel-Kamera (16 Megapixel, 117 Grad, Blende f/2.2) und eine Telezoom-Kamera (8 Megapixel, Blende f/2.4). Letztere bietet einen optischen Dreifach- und hybriden Zehnfach-Zoom. Der Dreifach-Zoom ist laut Messungen eines Reddit-Nutzer eigentlich nur ein 2,2-facher. Die verbleibende 0,8-fache Vergrößerung wird durch eine Bildbeschneidung erreicht. Hier mal die Ergebnisse in bewegten Bildern:

In Sachen Bildqualität liefert die Hauptkamera eine gute Qualität ab. Bei Tageslicht wirken die Farben natürlich, Kontrast und Details stimmen. Bei schwierigeren Lichtverhältnissen oder bei Dunkelheit kommt das OnePlus 7 Pro qualitativ aber nicht an ein Huawei P30 Pro oder Pixel 3XL heran. Die Kameras liegen da eher auf dem (hohen) Niveau eines Samsung Galaxy S10. Der Boke-Modus der Kameras ist sauber, aber eben auch nicht super. Das OnePlus 7 Pro zeichnet Videos in 4K mit bis zu 60 fps auf. Im Gegensatz zum Huawei P30 Pro auch in guter Bild- und Tonqualität. Der Zeitraffer- und der Zeitlupen-Modus (in Fulld-HD mit 240 fps und bei HD noch mit 480 fps) komplettieren das gute Angebot. Die Frontkamera mit ihren 16 Megapixel bietet zwar kein OIS, macht aber dennoch gute Bilder.

OxygenOS 9: Sehr schnell, sehr clean

Das OxygenOS ist definitiv eine der schnellsten und schlankeren Oberflächen auf dem Markt. Optisch ist es stark an Googles Stock Android angelehnt, bietet aber auch ein paar Personalisierungsmöglichkeiten sowie einen Dark-Mode. Das komplette System ist dabei auf die Nutzung mit dem 90-Hertz-Display optimiert. Für Drittanwender-Apps gilt das dann leider nicht mehr. Der eingebaute Zen-Modus, eine Art Digital-Wellbeing, wird manuell über die Schnelleinstellungen aktiviert, oder automatisch nach einer ununterbrochenen Nutzung von zwei Stunden. Nutzt man ihn dann (ist natürlich freiwillig), wird das Smartphone für 20 Minuten gesperrt. Nun kann ich nur noch Notrufe tätigen, Anrufe annehmen sowie die Kamera nutzen. Deaktivieren lässt sich der Modus nicht einmal durch einen Smartphone-Neustart. Neu hinzugekommen ist zudem ein Screenrecorder, mit dem ich den Inhalt eures Bildschirms in Full-HD-Auflösung samt Audio aufzeichnen kann. Der erweiterte Gaming-Modus (Fnatic-Mode) bündelt sie Prozessor-Ressourcen für Spiele, andere Apps sowie Anrufe und Benachrichtigungen werden dann blockiert. Einen kompletten Überblick bekommt ihr auch in meinem Videoreview des OnePlus 7 Pro auf YouTube:

Konnektivität, Akku, Performance : Alles vom feinsten

Das OnePlus 7 Pro bietet LTE nach Cat. 18 und unterstützt WLAN in allen verfügbaren Standards. Ebenso sind Bluetooth 5, GPS und NFC mit an Bord. Statt einer Erweiterung per MicroSD bekommt man allerdings “nur” eine Unterstützung für Dual-SIM. Das Smartphone kommt also mit zwei Nano-SIM-Karten gleichzeitig (auch per LTE) klar. Die Sende- und Empfangsleistung war auf einem hohen Niveau, da gab es keine nennenswerten Probleme. Auch die Gesprächsqualität war super, die beiden Lautsprecher sind zwar nicht übermässig laut oder klanglich eine Offenbarung. Für das ein oder andere Lied oder die Gespräche mit den Liebsten vollkommen ausreichend. Der in das Displayglas eingebaute Fingerabdrucksensor reagierte schnell und zuverlässig. Wer es noch schneller mag, nutzt die eingebaute 2D-Gesichtserkennung.

Der 4.000-Milliamperestunden-Akku des 7 Pro ist mit dem Huawei p30 pro vergleichbar. Allerdings ist das Display größer und löst höher auf, von der Bildwiederholrate von 90 Hertz ganz zu schweigen. Bei normaler Nutzung komme ich mit einer Akkuladung trotzdem locker über den Tag. Anderthalb Tage sind dann aber das höchste der Gefühle. Kabelloses Aufladen ist zwar nicht möglich, dafür kann ich den Akku über die hauseigene Warp-Charge-Lösung mit bis zu 30 Watt foltern. 50 Prozent Akkukapazität erreiche ich so in knapp 20 Minuten ohne dass das Gerät sich spürbar erwärmt. Bei der Performance gibt es dank des Snapdragon 855, 8 GByte RAM und einer schnellen GPU keine Überraschungen. Im aktuellen Geekbench 4 kommt der SoC auf 3.527 Punkte im Single Core und 11.154 im Multi Core. Im AnTuTu reicht es für 371.481 Zähler.

Mein Fazit: Ein sehr schönes Smartphone

Optisch ist das neue OnePlus 7 Pro eine absolute Augenweide, zumindest in der Farbe “Nebula Blue”. Auch das 6,67 Zoll große, nahezu randlose Display mit seinen 90 Hertz hat mich voll überzeugt. Die drei Kameras sind auf einem hohen Niveau, können aber nicht mit Huawei gleichziehen. Auf die motorisierte Pop-Up-Frontkamera hätte ich persönlich gut verzichten können. Ist aber sicher ein Hingucker. Die Performance ist hingegen absolute Spitzenklasse, während Sound und Konnektivität sich nicht von anderen Geräten absetzen kann. Am Ende bleibt ein sehr großes und mit über 200 Gramm auch sehr schweres Smartphone, welches mir im täglichen Einsatz eben ZU gross und ZU schwer war. Ob es einem also mindestens 707 Euro Wert ist, muss jeder für sich entscheiden.

9.7

Verarbeitung

9.9/10

Display

10.0/10

Performance

10.0/10

Kamera

9.2/10

Konnektivität/Akku

9.6/10

Pro

  • Display
  • Performance
  • Design

Contra

  • keine IP68
  • kein drahtloses Laden