Oppo Find X im Test: Scheitert es am eigenen ColorOS?

Am 19. Juni hat Oppo in Paris im Louvre-Museum das Oppo Find X für den europäischen Markt vorgestellt. Das Flaggschiff des chinesischen Unternehmens ist mittlerweile in Frankreich, Holland, Italien und Spanien angekommen und wird dort in den Farben Blau und Burgunder für schlappe 999 Euro verkauft. Highlight ist dabei eigentlich die ausfahrbare Dual-Kamera sowie das fast randlose, 6.42 Zoll große Display. Das nimmt nämlich knapp 94% der Vorderseite in Beschlag. Aber lohnt das einen Import?7 min


Am 19. Juni hat Oppo in Paris im Louvre-Museum das Oppo Find X für den europäischen Markt vorgestellt. Das Flaggschiff des chinesischen Unternehmens ist mittlerweile in Frankreich, Holland, Italien und Spanien angekommen und wird dort in den Farben Blau und Burgunder für schlappe 999 Euro verkauft. Highlight ist dabei eigentlich die ausfahrbare Dual-Kamera sowie das fast randlose, 6.42 Zoll große Display. Das nimmt nämlich knapp 94% der Vorderseite in Beschlag. Aber lohnt das einen Import?

Oppo Find X: Mit 999 Euro definitiv zu teuer

Oppo_Find_X_FarbenIn Europa ruft Oppo für das Find X schlanke 999 Euro auf. Sowohl im Mediamarkt in Italien (dort mit dreijähriger Garantie) als auch in den Onlineshops und Netzbetreibern in den anderen (drei) Ländern. Damit liegt es preislich auf einem extrem hohen Niveau und das bei einem Hersteller, der hierzulande vermutlich (noch) unbekannt ist. Ein gewagter Einstieg. In China ist das Modell mit rund 680 Euro zwar deutlich günstiger, kommt aber auch nur mit 128 GByte Speicher und ohne SuperVOOC. Dort findet man dafür auch eine Lamborghini-Edition mit viel Kevlar, stattlichen 512 GByte Speicher und der Schnelllademöglichkeit namens Super-VOOC. Allerdings kostet diese dann auch 1.699 Euro. Die Oppo Find X (PAFM00 = China, 1871EX = Indien, 1875EX = Europa) nutzen alle unterschiedlichen Firmwares. Mein Testsample von Tradingshenzen.com ist für China gedacht und bietet daher an auswählbaren Sprachen neben Chinesisch auch nur Englisch, Französisch und ein paar weitere, hierzulande eher nutzlose Sprachen an. Zumindest im Netz der Telekom funktionierte LTE einwandfrei. Im Netz von O2/E-Plus gab es da erhebliche Probleme (keine Datenübertragung).

Oppo Find X: Display ohne Rand?

Die Front des 156,7 x 74,2 x 9,4 Millimeter großen und 186 Gramm schweren Oppo Find X wird fast vollständig vom Display eingenommen. Die sogenannte Screen-to-Body-Ratio beträgt 93.8%. Das 6.42 Zoll große Display kommt übrigens ohne Notch aus und auch die Ränder ringsherum sind mit etwa 1 mm sehr dünn ausgefallen. Das gilt auch für das “Kinn”. Alles wirkt noch einen Hauch schicker als beim Apple iPhone Xs Max. Das “Panoramic-Arc” genannte Display ähnelt dabei sehr stark dem des Samsung Galaxy S9 Plus. Zum einen sind die Ränder zu den Seiten hin abgerundet, zum anderen sieht man dort unter bestimmten Bedingungen einen minimalen Rotstich. Ansonsten ist das verbaute AMOLED eine absolute Augenweide. Die Farben wirken lebendig, der Kontrast ist dabei extrem hoch und auch die maximale Helligkeit kann mich voll überzeugen.

Das Display im 19,6:9-Format löst dabei zwar “nur” in FHD+ mit 401 ppi auf, braucht sich aber nicht hinter Samsung zu verstecken. Eine Panoramalichteffekt beleuchtet bei eingehenden Anrufen die drei Kanten des Displays. Dabei kann ich zwar die Farbtöne anpassen, aber die Helligkeit nicht. So bleibt das Ganze eine optische Spielerei, die eine Benachrichtigungs-LED leider nicht ersetzen kann. Letztere hat aber – genau wie die Frontkamera – keinen Platz mehr auf der Vorderseite gefunden. man kann eben nicht alles haben. Das Always-On-Display (man findet es in den Einstellungen unter dem Punkt “Screen Clock”) zeigt einem die Uhrzeit, verpasste Anrufe, SMS und ungelesene Nachrichten auch bei deaktiviertem Display an. Dafür opfert man zusätzlich 1% der Akkulaufzeit (pro Stunde).

Wer nun auf der Suche nach der Kamera ist: Einfach die Gesichtsentsperrung aktivieren und schon gleitet die obere Kante des Smartphones nach oben. Das klappt natürlich auch, wenn man die Kamera-App startet. Dann findet man auf der Rückseite die Dual-Kamera samt LED-Blitz und auf der Vorderseite die Frontkamera für Selfies. Die Rückseite gibt es wahlweise in Blau oder Burgund. Sie besteht in jedem Fall aus Glas und ist EXTREM rutschig. So bewegt es sich gerne mal auf leicht abschüssigen Oberflächen Richtung Boden! Am unteren Rand findet man neben dem USB-Typ-C-Anschluss auch den Einschub für zwei nano-SIM-Karten. Eine MicroSD-Karte wird nicht unterstützt und auch der normale Kopfhöreranschluss fehlt. Dazu nutzt man den mitgelieferten Adapter (3.5 mm auf USB). Auch ein Fingerabdrucksensor fehlt komplett. man nutzt dazu also entweder einen PIN oder die Gesichtserkennung. Das Gehäuse des Oppo Find X ist auch nicht IP-Zertifiziert. Trotzdem soll es wasserabweisend – ähnlich dem OnePlus 6 – sein.

ColorOS: Nicht für Europa geeignet

Das Find X wird mit der hauseigenen Benutzeroberfläche namens ColorOS 5.1 auf Basis von Android 8.1 Oreo ausgeliefert. Optisch unterscheidet sie sich nicht von den anderen Oberflächen wie EMUI (Huawei/honor) oder MIUI (Xiaomi). Technisch ist da aber ein RIESENUNTERSCHIED. Die Sicherheitspatches von Google sind in der aktuellen Firmware auf dem Stand vom 01.08.2018. Die Oberfläche von Oppo writk aufgeräumt, ist aber eben nicht auf Deutsch verfügbar. Es sein denn, man importiert die offizielle EU-Version. Dann bekommt man das Google-Servicepaket inklusive Play Store direkt aber Werk. Alle anderen müssen es sich über den Oppo-Store (vorinstalliert) herunterladen. das geht super einfach. Danach bekommt ihr allerdings ein Gerät, welches weder den Safetynet-Test besteht, noch Google zertifiziert ist! Auf die Installation von Apps aus dem Google Play Store hat das keine Auswirkungen. NFC oder Google bzw. Sasmung Pay wird eh nicht unterstützt. Den Google Assistant und Google Lense bekommt man auf der Version aus China nur über Umwege ans Laufen. Insgesamt sollten Unkundige daher NUR die EU-version importieren. Das OS sieht man auch in meinem Videoreview des Oppo Find X auf YouTube:

Um das Video sehen zu können, musst du erst den YouTube Datenschutzrichtlinien zustimmen. Nachdem du diese akzeptiert hast, kannst du den Inhalt von YouTube aufrufen. Die Angebote von YouTube werden nicht auf mobile-reviews.de gehostet.

YouTube Datenschutzrichtlinien

Wenn Du den Datenschutzrichtlinien zustimmst, wird deine Wahl für die Zukunft gespeichert.

Apps werden wie bei EMUI auf den unterschiedlichen Homescreens verteilt. Die Optik kann man über einen Theme-Store (nur China) auch noch aufhübschen. Das Find X unterstützt dabei zwei Apps desselben Herstellers gleichzeitig (Clone-App) und man kann über den Game Space ein optimiertes und störungsfreies Spielerlebnis einstellen. Alle Apps kann ich selbstverständlich auch im Splitscreen nutzen. Das ColorOS selbst läuft dabei flüssig und kann auch über die vom OnePlus 6 bekannten Wischgesten gesteuert werden.

ABER: Apps werden im Hintergrund bei Nichtnutzung kommentarlos beendet! Wer das verhindern will (zum Beispiel bei Messenger wie WhatsApp oder Telegram), muss diese im Taskmanager “einfrieren”. Das klappt aber nur bei 5 Apps gleichzeitig. Auch der Autostart ist auf 5 Apps begrenzt und ohne Autostart steht einem die Apps beim Neustart des Smartphones nicht automatisch zur Verfügung. Wichtige E-Mails oder Nachrichten werden so erst dann angezeigt, wenn man die Apps selber öffnet. Insgesamt sind die Einstellungen, die man da ändern muss, so zahlreich wie auch kompliziert. Alles hat halt seine Vor- und Nachteile

Performance & Akku: Snapdragon 845 und 8 GByte RAM

Oppo_Find_X_ (2)Der eingebaute Snapdragon 845 mit seiner Adreno 630 GPU gerift auf 8 GByte RAM und bis zu 256 GByte Speicher zu. Der Prozessor aus dem Hause Qualcomm ist dabei super schnell und kommt im aktuellen Geekbench-Benchmark auf 2.317 Punkte im Single-Core und im 8.063 Muti-Core. Im AnTuTu erzielt er mit 287,688 Punkten einen absoluten Spitzenwert. Eine spürbare Erwärmung gibt es dabei nicht. Alle Apps und auch das OS laufen daher absolut flüssig. Leider sind nicht alle Apps mit ColorOS kompatibel. Auch die Installation von Apps klappt in der Regel NUR über den Play Store oder den eingebauten Filemanager. Andere Apps, wie zum Beispiel Samsung Gear, können daher KEINE Teile nachladen. Das ist super umständlich, wenn man ma die Galaxy Watch oder Samsung Icon X nutzen will. Dann muss man sich die dafür notwendigen Apps und Plugins SELBER herunterladen und über den Filemanager von Oppo installieren.

Das Find X nutzt einen  3.730 mAh starken Akku der im PCMark Battery Test 8 Stunden und 20 Minuten durchgehalten. Bei intensiver Nutzung des Smartphones wird man es daher am Ende des Tages aufladen müssen. Über die VOOC-Charge genannte Schnellladung dauert das knapp 90 Minuten. Drahtlos geht es aber nicht.

Konnektivität und Klang: Im Netz der Telekom alles ok

Entsperren kann man sein Oppo Find X leider nur über PIN bzw. Wischgeste oder über die Gesichtserkennung. Die stzartet man am besten übe den Ein-/Ausschalter. Dann fährt die Kamera hoch, scannt das Gesicht und entspeert das Smartphone. Über die Advanced 3D Structured Light-Technologie projiziert es dabei 15.000 Punkte auf das Gesicht des Benutzers. Das 3D-Modell ist dem dem des iPhone vergleichbar und gilt als sehr sicher. In der Praxuis klappt es auch ganz gut, einen Fingerabdruckscanner vermisse ich trotzdem. Das Find X bietet auf der Unterseite einen sehr lauten und angenehm klingenden Lautsprecher an der Unterseite des Gerätes. Das Find X verfügt auch über Mikrofone mit Geräuschunterdrückung. Die Gesprächsqualität ist auf einem hohen Niveau. Auch die Sende- und Empfangsleistung gab keinen Anlass zu Klage. Die Datenübertragung im WLAN (alle Standards und Bänder werden unterstützt) war schnell und auch im LTE-Netz der telekom gab es nichts zu meckern. Die Datenübertragung im Netz von o2/E+ klappte hingegen nicht. Das war auch schon bei meinem Realme 2 der Fall. Am APN lag es jedenfalls nicht. Das Oppo Find X unterstützt dabei weder VoLTE noch Wlan-Call.

Dual-Kamera mit Knowhow: Ausfahrbar in unter einer Sekunde

Oppo_Find_X_6Die Kamera ist in etwa 0,06 Sekunden geöffnet. Der eingebaute Motor wurde auf 300.000 Bewegungen getestet und verichtete im Testzeitraum (knapp 3 Wochen) anstandlos seinen Dienst. Ob das Modul einen Sturz überlebt ist allerdings fraglich. Im Falle eines “Falles” zeiht es sich jedenfalls automatisch ins Gehäuse zurück. Die Dual-Kamera nutzt einen 20-Megapixel-Sesnor (IMX376k) sowie einen 16-Megapixel-RGB-Sensor (Sony IMX519 mit 1,22nm Pixel) und f/2,0 Blende. Eine optische Stabilisierung ist ebenfalls vorhanden. Videos werden in maximal 4K aufgezeichnet.

OPPO Find X

Der Frontsensor für Selfies löst sogar mit 25-Megapixel aus (Blende f/2.0-Blende und Sony IMX576). Beide Kameras bieten zahllose Modis, einen guten Bokeh-Effekt und eine ansprechende Qualität. Eine KI in der Lage, die Motive zu erkennen und dafür die passenden Szenarien zur Verfügung zu stellen.

Fazit: Zu teuer und ColorOS floppt

Oppo_Find_X_2Für 999 Euro ist das Oppo Find X schlicht zu teuer. Es sieht spektakulär aus, bietet ein super Display, eine optimale Performance und eine gute Ausdauer. Die Dual-Kamera macht Bilder in guter Qualität. Der eingebaute Motor arbeitet dabei zuverlässig und schnell. Wie lange er in der Praxis wirklich durchhält muss sich aber zeigen. Mich persönlich hat gestört, dass es im netz von o2/E+ nmicht funktionierte (China-Version) UND ColorOS an sich. Die Einschränkungen hinsichtlich der Messenger und dabei nur 5 Apps im Hintergrund laufen lassen zu können, geht in Europa leider so gar nicht. Mit Stock-Android wäre das Oppo Find X DAS Smartphone 2018. So ist es keine Alternative zu den gängigen Modellen von Samsung, Huawei/honor und Co. Mein Dank geht an dieser Stelle nochmals an Tradingshenzen.com. Das Oppo Fidn X war in knapp 10 Tagen hier. Wird dort aber mittlerweile nicht mehr angeboten.

Summary
Review Date
Reviewed Item
Oppo Find X
Author Rating
41star1star1star1stargray

Oppo Find X

9.5

Verarbeitung

9.6/10

Display

9.6/10

Performance

9.9/10

Kamera

9.2/10

Konnektivität/Akku

9.0/10

Pro

  • Display
  • Performance
  • Design
  • Kamera

Contra

  • Hoher Preis
  • ColorOS
  • kein NFC