Samsung Galaxy S10+ im Test: Top-Smartphone für viel Geld?

Das Samsung Galaxy S10+ bietet für 1.249 Euro (UVP) nicht nur 512 GByte internen Speicher und ein hochwertiges Gehäuse mit Keramikrückseite, sondern auch ein 6,4 Zoll großes OLED-Panel von extrem hoher Qualität. Aber trifft das auch auf die Triple-Kamera oder auf den 4.00 mAh starken Akku zu? Ist das Samsung Galaxy S10 Plus wirklich DAS Top-Smartphone? Die Fragen beantwortet euch mein folgender Testbericht.Samsung Galaxy S10+ bietet für 1.249 Euro nicht nur 512 GByte internen Speicher, sondern auch ein 6,4 Zoll großes OLED-Panel mit extrem hohen Qualität. Das trift dann leider nicht ganz auf die Dreifachkamera auf der Rückseite zu. Ob das Samsung Galaxy S10+ wirklich DAS Top-Smartphone ist? Lest doch einfach meinen Testbericht.8 min


Das Samsung Galaxy S10+ bietet für 1.249 Euro (UVP) nicht nur 512 GByte internen Speicher und ein hochwertiges Gehäuse mit Keramikrückseite, sondern auch ein 6,4 Zoll großes OLED-Panel von extrem hoher Qualität.  Aber trifft das auch auf die Triple-Kamera oder auf den 4.00 mAh starken Akku zu? Ist das Samsung Galaxy S10 Plus wirklich DAS Top-Smartphone? Die Fragen beantwortet euch mein folgender Testbericht.

Samsung Galaxy S10+: Das Plus kostet ein kleines Vermögen

Samsung_Galaxy_S10_Plus_19Das Galaxy S10+ ist eines der teuersten Smartphones aus dem Hause Samsung. Damit folgt der Hersteller dem zweifelhaften Trend, den Apple mit seinen (nicht mehr ganz so beliebten) iPhones los getreten hat. Samsung fordert offiziell zwar 1.249 Euro für das neue Galaxy-S10-Plus. Erfreulicherweise ist das Gerät aber auch schon deutlich günstiger zu haben. Zum Testzeitpunkt konnte man es schon ab 979 Euro bestelen. Samsung bietet das Galaxy S10 Plus in Deutschland (leider) nur mit einer Rückseite aus Keramik an. Die hat zwar eine Menge Vorteile, aber auch einen entscheidenden Nachteil: sieht ist extrem glatt und das Smartphone somit sehr rutschig. Insgesamt hätte ich mich (mehr) darüber gefreut, wenn man auch in Deutschland die deutlich günstiger Variante mit weniger Speicher und Glasrückseite angeboten hätte. Das ist mir persönlich zuviel “Premium” ohne Nutzen.

Galaxy S 10 Plus: Display überzeugt auf ganzer Linie

Das OLED-Display ist mit 6,4 Zoll zwar nicht übermäßig gross (zumindest nicht im Vergleich zur Konkurrenz) mit einer Auflösung von 3.040 x 1.440 Pixel aber extrem scharf. Das Panel bietet dabei eine sehr gute Farbdarstellung, unterstützt die Wiedergabe von HDR-Inhalten und ist absolut blickwinkelstabil. Zu den gebogenen Kanten hin bricht sich das Licht Samsung_One_UI_9aber leicht, und Inhalte erscheinen auf hellen Hintergründen etwas regenbogenartig. Das Display des Galaxy S10+ selber wird von Corning Gorilla Glas 6 geschützt. Der Hersteller hat zudem eine Displayschutzfolie aufgebracht. Andere Folien werden mit dem Fingerabdrucksensor auf Ultraschall-Basis Probleme bereiten. Die hohe Schärfe von 522 ppi wird dabei übrigens vom kleineren Bruder – dem Samsung Galaxy S10 – getoppt. Kein Wunder, denn der bietet bei seinem 6,1 Zoll großen Display ja auch die gleiche Auflösung.

In der zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten des Smartphones kann ich sowohl die Helligkeit, als auch die Art der Farbwiedergabe bzw. die Sättigung optimieren. Eine zuschaltbare Videooptimierung verstärkt sogar die Display-Helligkeit, wenn Videos über Amazon Prime, YouTube oder Netflix abgespielt werden. Den zusätzlichen Display-Helligkeits-Boost-Modus bekommen ich auch, wenn ich das Gerät auf den Performance-Modus umschaltet. Dann gibt es neben mehr Power auch in um 10% helleres Display. Die maximale Helligkeit des Galaxy S10+ ist sehr hoch und hatte selbst bei direkter Sonneneinstrahlung keine Mühen.

Der in das Display integrierte Fingerabdrucksensor basiert beim S10+ nicht auf einer optischen Erkennung, sondern nutzt Ultraschall. Im Ergebnis war er allerdings weniger schnell als ein Xiaomi Mi 9. Dafür kann ich mein Galaxy S10+ auch dann entsperren, wenn das Display deaktiviert ist. Dazu muss ich nämlich nur meinen Finger auf den Bildschirm legen. Wer den Scanner mal “sehen” will: einfach einen weißen Hintergrund nutzen und gegen das Sonnenlicht halten, dann schimmert er durch das Glas.

Der integrierte Gesichtsscanner reagiert sehr viel schneller und daran hat auch das aktuelle Softwareupdate mit den Sicherheitspatches vom 01. März 2019 nichts geändert.  Im Dunkeln funktioniert die Erkennung übrigens längst nicht so zuverlässig wie noch beim Samsung Galaxy Note 9. In den Systemeinstellungen kann ich übrigens zwischen einer schnellen und einer langsameren Gesichtserkennung wählen. Laut Samsung soll die langsamere Erkennung sicherer sein. Es ist mir im Test jedenfalls nicht gelungen, den Scanner über ein Fotos auszutricksen. Der Hersteller verzichtet daher wohl auch auf einen Iris-Scanner. Die Gesichtserkennung funktioniert allerdings erst, nachdem ich das Display aktiviert habe.

Samsung und das Design: Galaxy S10 mit viel Plus

Samsung_Galaxy_S10_Plus_9Das Galaxy S10+ bietet einen hochglanzpolierten Rahmen aus Aluminium und eine Rückseite aus Keramik in den “Farben” Schwarz bzw. Weiß. Mit seinen Abmessungen von 157,6 x 74,1 x 7,8 mm ist es ähnlich groß wie sein Vorgänger. Das Gewicht von 198 Gramm erscheint zwar auf den ersten Blick recht hoch, das Smartphone “fühlt” sich aber leichter an. Bei den Drückern ist Samsung einen eher ungewöhnlichen Weg gegangen. Während man auf der linken Seite den Lautstärketaster sowie den speziellen Bixy-Knopf findet, sitzt auf der rechten Seite nur der Ein-/Auschalter. Und genau der ist für eine einhändige Bedienung viel zu weit oben angebracht worden.Samsung_Galaxy_S10_Plus_11Die Oberseite des Samsung Galaxy S10+ ziert der kombinierte Micro-SD bzw. NanoSIM-Einschub. Der Tray selber besteht aus billig anmutenden Plastik und nimmt entweder zwei Nano-SIM-Karten oder eine Micro-SD und eine SIM auf. Auf der Unterseite findet man einen USB-Typ-C-Zugang (USB 3.1) sowie einen der beiden Stereolautsprecher. Der zweite Lautsprecher befindet sich in der schmalen Hörmuschel auf der Vorderseite. Samsung verzichtet übrigens nicht auf eine Klinkenbuchse. Und das ist gut, denn die mitgelieferten InEar-Kopfhörer von AKG liefern einen satten Sound. Die gesamte Verarbeitung des Galaxy S10+ ist dabei wirklich erstklassig. Leider ist die Rückseite aus Keramik so glatt, dass das große und schwere Smartphone SEHR leicht von schiefen Ebenen abrutscht. Und auch die Displayschutzfolie ist von nur suboptimaler Qualität.

Galaxy S10+: Drei Kameras ohne richtigen Pepp

Samsung_Galaxy_S10_Plus_18Die Frontkamera beim Galaxy S10+ bietet zwei Objektive (10/8-Megapixel) und wurde absolut perfekt in das Display-Glas integriert. Mit einer Breite von rund 19x 5 mm ist der aber vergleichsweise gross ausgefallen. Kein Wunder, das es im Netz bereits spezielle Wallpaper gibt, die diesen “Cutout” sinnvoll integrieren. Das Samsung S10 bzw. S10e bieten hier übrigens nur eine Linse. Bei den Selbstporträts kann man auf dem Galaxy S10+ so zwischen einem Weitwinkel und einem Superweitwinkel wechseln. Das zweite Objektiv ist aber lediglich für die Tiefenmessung zuständig und ermöglicht einen etwas besseren Bokeh-Effekt. Der größere Winkel wird nur durch eine verlustfreie Softwareberechnung erreicht. Die drei Kameras des Galaxy S10+ auf der Rückseite lösen mit 12 Megapixel /12 Megapixel / 16 Megapixel auf und bieten unterschiedliche Blenden. Die Hauptkamera mit ihren 12 Megapixel bietet dabei die vom Galaxy S9 bekannte, variable Blende f/1.5 – /f 2.4 um. Das zweite Objektiv ist dabei als Zweifach-Tele mit einer Brennweite von 50 mm hat ausgelegt. Der 16-Megapixel-Sensor dient als Superweitwinkel.

IMG_20190307_120833 [Kamerasamples des Xiaomi Mi 9]IMG_20190307_073813[Kamerasamples des Huawei Mate 20 Pro]20190307_073851[Kamerasamples des Samsung Galaxy S10+]

Die Bildqualität des Galaxy S10+ kann sich leider nicht mit der des Huawei Mate 20 Pro messen. Den Unterschied merkt man besonders bei Nachtaufnahmen, denn das Galaxy S10+ liefert keinen manuell aktivierbaren Nachtmodus. Das erledigt lediglich eine Automatik, die ich nicht beeinflussen kann. Das Samsung Galaxy S10+ bietet als eine ähnliche Szenenerkennung wie das Mate 20 Pro. Der Porträtmodus mit dem Boke-Effekt (Live Focus) muß übrigens selbst aktiviert werden. Dann kann ich als Entschädigung aber die Art der Hintergrundunschärfe beeinflussen. So stehen mir ein Dreh-Effekt oder ein Zoom-Effekt zur Verfügung.

Das Samsung Galaxy S10+ zeichnet Videos in 4K mit bis zu 60 fps auf. Dabei steht natürlich auch eine Bildstabilisierung zur Verfügung. Und genau DIE ist aktuell kaum zu toppen, denn man muss schon sehr zittrige Hände haben, um ein verwackeltes Video zu produzieren. Insgesamt gefällt mir die Dreifachkamera des Galaxy S10+ zwar gut, ich persönlich würde aber beim Huawei Mate 20 Pro bleiben.

Performance und Akku: Kein Snapdragon 855

S10Plus_Mi9_Mate20ProDas Samsung Galaxy S10+ nutzt den neuen Exynos 9820 samt Neural Processing Unit (NPU) für KI-Anwendungen. In den USA bekommen die Käufer des Smartphones den schnelleren Qualcomms Snapdragon 855. Das Smartphone kommt aber auf jeden Fall mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 512 GByte Flash-Speicher, für 350 Euro Aufpreis gibt es sogar 12 GByte RAM und 1 TByte Flash-Speicher. Im aktuellen Geekbench erzielt das Smartphone 4.488 Zählern im Single-Core und 10.336 Punkte im Multi-Core. Im AnTuTu-Benchmark kommt der SoC auf 335.479 Zähler. Das One UI läuft mir persönlich allerdings nicht flüssig, bzw. schnell genug. Die Animationen (auch wenn man sie in den Einstellungen “deaktiviert”) sind mir noch zu zäh. Das ändert sich erst, wenn man sie in den Develeoper-Einstellungen von Android (Fenster-Animationen) KOMPLETT deaktiviert. Dann geht es so richtig ab. Spiele und Apps laufen hingegen absolut ruckelfrei.

Der Akku des Galaxy S10+ leistet 4.100 mAh und kann per Kabel oder drahtlos aufgeladen werden. Im Test dauerte dies mit einem Schnelllader rund 80 Mionuten, drahtlos mit bis zu 10 Watt muss man mehr als 2 Stunden investieren. Die Kraftzelle hielt unter Dauerlast zwischen 5 Stunden echter Screen-on-Time und etwa 11 Stunden (PCMark Akkutest) durch. Im Mittel kam ich damit von 06:00 Uhr bis 18:00 Uhr hin. mein Huawei Mate 20 Pro hatte dann noch rund 20% Restladung. Das Galaxy S10+ kann, wie das Mate 20 Pro auch, andere Qi-kompatible Geräte – dazu zählt auch die eigene Galaxy Watch – drahtlos aufladen. Diese Power Share genannte Funktion ist nach dem letzten Softwareupdate etwas schneller (rund 8 Watt), durch die extrem glatte Oberfläche aber nicht sonderlich zuverlässig. Der Ladevorgang wird durch eine blaue und rote LED auf der Rückseite (beim Pulsmesser), sowie durch akkustische Signale signalisiert.

Samungs Benutzeroberfläche: One UI ist nett, aber nicht flüssig

Ausgeliefert wird das Galaxy S10+ mit Android 9 und der neuen Benutzeroberfläche namens One UI. Diese wurde erneut entschlackt, sowohl inhaltlich als auch optisch.  So kann man sie Statusleiste nun auf Wunsch überall auf dem Display herunterziehen. Die Steuerung erfolgt entweder per Softkeys oder per Gestensteuerung. Letztere verfolgt allerdings ein eigenes Prinzip. Das kann man gut in meinem Videoreview des Galaxy S10+ auf YouTube verfolgen:

Um das Video sehen zu können, musst du erst den YouTube Datenschutzrichtlinien zustimmen. Nachdem du diese akzeptiert hast, kannst du den Inhalt von YouTube aufrufen. Die Angebote von YouTube werden nicht auf mobile-reviews.de gehostet.

YouTube Datenschutzrichtlinien

Wenn Du den Datenschutzrichtlinien zustimmst, wird deine Wahl für die Zukunft gespeichert.

Der hauseigene Sprachassistent namens Bixby versteht nun auch Deutsch und kann auf Wunsch deaktiviert werden. Das gilt dann allerdings nicht für die Bixby Taste. Die kann ich zwar auch für andere Funktionen nutzen, aber komplett “debranden” kann ich sie nicht. Hier helfen nur Apps wie BxAction. Bixby funktionierte zwar recht gut, kann sich aber nicht mit dem Google Assistenten messen.  Bixby kommuniziert dafür besser mit den System-Anwendungen. Mit Bixby kann ich mir nun auch sogenannte Routinen einstellen. Damit kann man Funktionen des Galaxy S10+ in bestimmten Situationen automatisch aktivieren oder deaktivieren. Das gilt beispielsweise für den Blaufilter bei Dunkelheit oder das heimische WLAN. One UI ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, “Stock Android” ist aber immer noch etwas schneller und aufgeräumter. Eher überflüssig empfand ich da die vom Note 9 bekannte Seitenleiste. Mit ihr kann ich durch einen Wisch vom Bildschirmrand verschiedene Apps starten.

Galaxy S10+ und die Konnektivität: LTE tut nicht weh, Bixby schon

Der Einschaltknopf aufd er rechten Seite ist viel zu weit oben angebracht. Mit einer Hand kann man ihn auch erreichen. Die Soundwiedergabe in Stereo ist zwar gut, aber immer noch recht leise. Der Stereoeffekt kommt nicht ganz so gut rüber, dafür ist der Bass “spürbar”. Das S10+ unterstützt alle wichtigen LTE- und WLAN-Bänder. Darüber hinaus bietet es Bluetooth 5.0 und natürlich NFC. Selbst das kontaktlose Bezahlen per Google Pay klappte im Test. Der GPS-Empfänger war in 3-10 Sekunden einsatzbereit und hatte eine Abweichung zwischen 1 – 5 Meter, je nach Einsatzort. Equalizer-Presets samt Dolby Atmos stehen nicht nur über kabelgebundene Kopfhörer  (hier mit 3.5 mm Klinkenbuchse), sondern auch über Bluetooth zur Verfügung. Die Sende-/Empfangsleistung des Galaxy S10+  war allerdings nur auf einem befriedigenden Niveau, die Gesprächsqualität gab keinen Anlass zur Klage. Der “Face Unlock” war halt deutlich schneller als der Fingerabdruckscanner.

Fazit: Viel Smartphone für VIEL Geld

Samsung_Galaxy_S10_Plus_20Das Samsung Galaxy S10+ ist mit seinen 8 GByte Arbeitsspeicher und 512 GByte Flash-Speicher kein günstiges Smartphone, dafür aber technisch sehr hochwertig. Das 6,4 Zoll große Display sucht seinesgleichen, die abgerundeten Kanten nerven allerdings auch hier. Es lässt sich nicht so fehlerfrei bedienen, wie beim S9+. Die Kameraqualität ist auf einem sehr hohen Niveau, kommt aber gerade bei Dunkelheit nicht gegen das Huawei Mate 20 Pro an. Die Videoqualität in 4K wirkt auf mich aber besser. Der recht breite Ausschnitt im Display für die Dual-Frontkamera ist auch nicht besser als eine Notch, die Qualität der Aufnahmen stimmt aber. Die drahtlose Auflademöglichkeit sowie die IP68-Zertifizierung ist ein weiteres Highlight. Die Idee des Power-Sharings überzeugt mich weder beim Mate 20 Pro noch beim Galaxy S10+. Am Ende bleibt ein technisch überzeugendes Smartphone das in meinen Augen (aktuell) sein Geld aber nicht wert ist.

Samsung Galaxy S10+

9.5

Verarbeitung

9.7/10

Display

9.9/10

Performance

9.7/10

Kamera

9.3/10

Konnektivität/Akku

9.0/10

Pro

  • Verarbeitung
  • Display
  • Speicher

Contra

  • Preis
  • Rutschig
  • Akku