Xiaomi: Huami Amazfit Verge lite im Test: Mit AMOLED und GPS für wenig Money

Xiaomis Partnerunternehmen Huami stellt mit der Amazfit Verge lite nun eine günstige und mit 46 Gramm auch extrem leichte "Smartwatch" vor. Für 100 Euro bekommt man nicht nur ein 1,3 Zoll großes AMOLED mit Gorilla Glass 3, sondern auch einen eingebauten GPS-Empfänger. Leider wird die Amazfit Verge lite mit einem proprietären OS angetrieben. Aber lohnt sich der Kauf vielleicht doch noch?4 min


Xiaomis Partnerunternehmen Huami stellt mit der Amazfit Verge lite nun eine günstige und mit 46 Gramm auch extrem leichte “Smartwatch” vor. Für 100 Euro bekommt man nicht nur ein 1,3 Zoll großes AMOLED mit Gorilla Glass 3, sondern auch einen eingebauten GPS-Empfänger. Leider wird die Amazfit Verge lite mit einem proprietären OS angetrieben. Aber lohnt sich der Kauf vielleicht doch noch?

Amazfit Verge lite: Steckt eigentlich Xiaomi irgendwo nicht mit drin?

Und die Frage meine ich nicht einmal böse, denn Xiaomi liefert eine Menge Technik zu guten Preisen und Huami ist dabei eben für die Fitness-Tracker bzw. Smartwatches zuständig. Alle Wearables werden übrigens über die (Xiaomi) Mi Fit App im PlayStore bzw. App Store verwaltet und recht umfangreich ausgewertet. Faktisch ist es also egal, ob Huami oder Xiaomi dahintersteckt. Leider kann ich nicht zwei Geräte gleichzeitg mit einem Smartphone nutzen, also entweder Verge lite oder mein Mi Band 4.

Das knapp 1.4 Zoll große AMOLED ist sehr stromsparend ausgelegt und mit einer Auflösung von 360 x 360 Pixel sogar recht hochauflösend. Leider kann die Smartwatch diesen Trumpf nicht besonders gut ausspielen. Die vorinstallierten Watchfaces (auf der Uhr und in der App) sind nämlich weder sonderlich schick, noch detailliert. Das kann die Konkurrenz mit WearOS besser. Erweiterbar sind diese (zumindest aktuell) nicht. Findige Tüftler werden das Problem aber – wie bei meinem Mi Band 4 – sicher bald lösen. So war es auch bei allen bisherigen Modellen aus dem Hause Huami.

Ansonsten geht die Darstellungsqualität voll in Ordnung, der Hintergrund im eigenen OS ist eh schwarz, das spart Strom. Die Helligkeit kann ich sowohl automatisch, als auch stufenlos manuell regeln. Die Automatik war in meinem Fall allerdings nicht hilfreich: das Display wurde deutlich zu dunkel eingestellt. Die maximale Helligkeit reicht bei direkter Sonneneinstrahlung so gerade eben noch aus, damit ich die Inhalte (in der Regel Texte) noch ablesen kann. Was die Farbwiedergabe betrifft: die vorhandenen Farben (oft kommen Orange oder Rot zum Einsatz) wirken sehr knallig. Die Texte in Form wichtigster Details zur gewählten Aktivität oder kurzer Nachrichten (alle sozialen Netzwerke, WhatsApp/Telegram, Anrufe, SMS, E-Mails) lassen sich gut ablesen. Das Display geht in dieser Preisklasse mehr als in Ordnung. Aktivieren kann man es entweder manuell über den Drücker auf der rechten Seite, oder durch die “Arm zu Gesicht” Geste.

Konnektivität und Akku

Amazfit_Verge_lite_1Der 390 mAh starke Akku soll laut Angaben des Herstellers bis zu 20 Tage durchhalten. Natürlich nicht, wenn man den sparsamen GPS-Chip von Sony täglich nutzt. Er verbraucht allerdings nur ein Drittel der Energie vergleichbarer GPS-Chips. Ein Lauf- oder Radtraining von rund 3 Stunden schlägt somit auch nur mit rund 5% Energieverbrauch zu Buche. Im Test bzw. Alltag kam ich (täglich maximal 10.000 Schritte, 30-60 Minuten Rad, eingehende Nachrichten, 2 Stunden Musikplayer ) auf eine Laufzeit von 10 Tagen. Aufgeladen wird die Smartwatch über den mitgelieferten “Puck”, das dauert rund 2 Stunden. Drahtlos geht das leider nicht.

Die Verge lite kann übrigens sieben verschiedene Sportarten tracken: Laufen bzw. Gehen, Radfahren, Laufband, Indoor-Radfahren, Crosstrainer und Krafttraining. Der integrierte GPS-Empfänger samt GLONASS funktioniert sinnvollerweise aber eben nur bei Outdoor-Akivitäten wie Laufen, Radfahren und Gehen. Für Nicht-Sportler stehen eine 24 Stunden-Überwachung der Herzfrequenz, die Aufzeichnung des Schlafs samt Schlafphasen sowie eine Erinnerung bei zu langen Phasen ohne Aktivität zur Verfügung. Daneben zeigt die Uhr alle eingehenden Nachrichten bzw. Anrufe an. Beantworten kann man diese leider nur über das Smartphone. Der eingebaute Pulsmesser läuft entweder permanent im Hintergrund oder in definierbaren Zeitabständen. Eine automatische Erkennung der jeweiligen Aktivität erfolgt(e) leider nicht. Die Messung der Schrittzahl unterscheidet sich zwar von meiner Galaxy Watch (letztere zeichnet mehr Schritte auf), war aber mit der Zählung meines Mi Band 4 identisch. Also alles eine Frage der Selbsttäschung 🙂 Die Messung der Entfernung per GPS ist hingegen ausreichend genau. Merin Garmin wies nur minimale Abweichungen auf. Leider dauert der erste Satfix mitunter mal 30 Sekunden und länger. Bis dahin sollte man einfach stillstehen und die Umgebung geniessen. Kontakt zur Smartwatch nimmt die Amazfit Verge lite über Bluetooth 4.2 auf. Einen internen Speicher für Songs hat sie nicht.

Verarbeitung, Bedienung, Qualität

Amazfit_Verge_lite_8Die Verarbeitung der 43 mm großen und knapp 13 mm dicken Amazfit Verge lite geht in Ordnung, wirkt aber nicht sonderlich hochwertig. Negativ formuliert: das Gehäuse aus Polykarbonat sieht aus, wie aus dem 3D-Drucker. Positiv formuliert: es ist sehr leicht und dürfte selbst für Allergiker geeignet sein. Das Armband besteht dabei aus Silikon, ist nur 185 mm lang und kann gewechselt werden. Das ganze Gehäuse ist nach IP68 zertifiziert und damit auch gegen das Eindringen von Wasser- und Staub gesichert. Bedient wird die Uhr dabei über den Touchscreen bzw. den einzigen (Home) Drücker auf der rechten Seite. Hält man diesen länger gedrückt, so startet ein zuvor festgelegte Sportart, ein weiterer längerer Druck beendet bzw. pausiert diese. Die Menüführung entspricht dabei in etwa dem WearOS, ist aber aktuell NUR auf Englisch verfügbar. Trotzdem bekomme ich schnell Zugriff auf die Uhrzeit, den per Bluetooth mit dem Smartphone verbundenen Musikplayer (auch Spotify) sowie die verschiedenen Sportarten und Einstellungsmöglichkeiten. Die Bedienung durch fast selbsterklärende, horizontale bzw. vertikale Wischgesten erfordert eigentlich keine Eingewöhnung.

Fazit: Smartwatch oder Fitness-Tracker?

Amazfit_Verge_lite_4Die Amazfit Verge lite ist definitiv mehr Smartwatch als Fitness-Tracker. Das farbige AMOLED ist von guter Qualität und ausreichend Scharf. Die Helligkeit könnte einen Tick höher ausfallen. Der eingebaute GPS-Empfänger funktioniert auch ohne Smartphone, benötigt aber seine Zeit für den ersten Satfix. Die Genauigkeit ist dann hoch genug für tägliche Rad- bzw. Laufaktivitäten. Für Schwimmer ist die Amazfit Verge lite nicht gedacht, die IP68-Zertifizierung schützt eher vor Regenschauern. Die Verarbeitung ist gut, die Haptik wirkt allerdings etwas “billig”. Für rund 100 Euro kann man als Gelegenheitssportler trotzdem nix falsch machen. Eingehende Nachrichten werden allerdings nur angezeigt, beantworten oder telefonieren kann sie nur über die Smartwatch. Da greift man dann vermutlich besser zur hochwertigeren, aber auch deutlich teureren Samsung Galaxy Watch.

Xiaomi: Huami Amazfit Verge lite im Test: Mit AMOLED und GPS für wenig Geld

9.1

Verarbeitung

9.2/10

Display

9.2/10

Performance

8.9/10

Sport

8.5/10

Konnektivität/Akku

9.5/10

Pro

  • Preis
  • GPS
  • Display
  • Für iOS und Android

Contra

  • Haptik
  • eigenes OS