Xiaomi Mi 8 Explorer Edition im Test: Wenig mehr als ein Mi 8?

Der sehr erfolgreiche Hersteller Xiaomi ist seit mittlerweile 8 Jahren auf dem Markt und hat mit dem Xiaomi Mi 8 Explorer Edition ihr bisher bestes und auch teuerstes Flaggschiff vorgestellt. In der Explorer Edition (sozusagen die Geburtstagsedition) ist es mit rund 577 Euro auf jeden Fall teuer. Aber ob der in das Display integrierte Fingerabdrucksensor, die 2 GByte zusätzlichen RAM und die 3D-Gesichtserkennung den vergleichsweise hohen Aufpreis zum normalen Xiaomi Mi 8 rechtfertigen, erfahrt ihr in meinem Test.8 min


Der sehr erfolgreiche Hersteller Xiaomi ist seit mittlerweile 8 Jahren auf dem Markt und hat mit dem Xiaomi Mi 8 Explorer Edition ihr bisher bestes und auch teuerstes Flaggschiff vorgestellt. In der Explorer Edition (sozusagen die Geburtstagsedition)  ist es mit rund 577 Euro auf jeden Fall teuer. Aber ob der in das Display integrierte Fingerabdrucksensor, die 2 GByte zusätzlichen RAM und die 3D-Gesichtserkennung den vergleichsweise hohen Aufpreis zum normalen Xiaomi Mi 8 rechtfertigen, erfahrt ihr in meinem Test.

Verpackung & Design: Mi 8 mit Fake-Rückseite

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Für seine 577 Euro (mein Testsample habe ich bei TradingShenzen.com erworben) bekommt man eine sehr stylische Verpackung. In einem hochwertig anmutenden Karton aus Kunststoff findet man neben dem sehr ansprechend gestalteten Smartphone noch eine Widmung von Lei Jun dem Xiaomi CEO, ein rotes Lade-/Datenkabel (USB-Typ-C), ein chinesisches Ladegerät sowie eine chinesische Bedienungsanleitung und Garantiekarte. Im Gegensatz zur normalen Mi8-Edition bekommt man hier auch ein transparentes Hardcover welches das Highlight des Gerätes, die “transparente” Rückseite, erst so richtig zur Geltung bringt.

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Optisch unterscheiden sich das Mi 8 und die Explorer Edition zumindest auf der Vorderseite nicht voneinander.  Der Gehäuserahmen aus Metall ist an allen vier Ecken abgerundet und erinnert in Verbindung mit der sehr breiten Notch zunächst an ein Apple iPhone X. Allerdings sind die Ränder um das Display etwas breiter ausgefallen. In der – gerade im Vergleich mit dem OnePlus 6 – breiteren Notch findet man eine 20-Megapixel-Frontkamera, ein Infrarot-Kamera, eine weiße Benachrichtigungs-LED, den Lichtsensor, die Ohrmuschel sowie einen Punktmatrix-Projektor für die 3D-Gesichterkennung. Bei Android-Smartphones ist letzteres noch ein Novum.

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Der untere Bildschirmrand (auch liebevoll “Kinn” genannt) fällt hier ähnlich dick aus wie beim roten Konkurrenten. Bei der Explorer Edition (EE) des Xiaomi Mi 8 ist aber lediglich der Ein-/Ausschalter auf der rechten Seite in Rot gehalten. Ok, der USB-Einschub auf der Unterseite schimmert ebenfalls rötlich.Dort befindet sich übrigens auch der einzige Lautsprecher. Die linke Seite ziert dann nur noch ein Einschub für zwei nano-SIM-Karten. Eine Speichererweiterung der 128 GByte ist nur per USB-OTG und einem Speicherkartenlesegerät möglich.

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Optisches Highlight ist beim Xiaomi Mi 8 in der Explorer Edition die transparent gestylte Rückseite. Sowas findet man eigentlich nur in der Modder-Szene. Die entfernen nämlich einfach die Lackierung auf den Glaspanels von Herstellern wie Samsung und Co. Xiaomi selbst hat den Blick auf die Innereien während der Präsentation groß herausgestellt. So gewährt man (angeblich) Blick auf den Qualcomm Chipsatz und die eingebaute AI-Einheit. Hinzu kommen ein paar nette Schriftzüge mit Dank an die Fans sowie ein Blick auf den eingebauten Akku (3.000 mAh) und NFC-Tag. Die einzelnen Komponenten sind aber derart ordentlich und sauber herausgearbeitet, dass schon nach kurzer Zeit zweifel an der Echtheit aufkamen. Und Bingo: bei der vermeintlichen Leiterplatine (PCB) handelt es sich um einen Fake. Dieses PCB erfüllt keinen Zweck und wurde einzig für Showzwecke eingebaut. Das echte Mainboard befindet sich unsichtbar darunter. Immerhin handelt es sich nicht um einen einfachen Aufkleber, ein Stück Enttäuschung kann ich aber trotzdem nicht verbergen. Und gerade bei den “Chinesischen” Herstellern muss man wohl alles doppelt überprüfen.

Xiaomi Mi 8 EE: AMOLED und Performance überzeugen

Die Mi 8 Baureihe nutzt AMOLED-Panels. Das 6,21 Zoll große AMOLED-Display des Mi8 EE löst dabei mit 1.080 x 2.248 Pixel (402 ppi) auf. Das theoretische Kontrastverhältnis von 60.000:1 klingt nicht nur nach viel, sondern kann auch in der Praxis überzeugen. Schwarz ist halt wirklich schwarz, die entsprechenden Pixel werden dabei gar nicht erst mit Strom versorgt. Die Farbdarstellung MIUI9_Mi8EE_54des Panels hat mir gut gefallen, bei direkter Sonneneinstrahlung kann man den Displayinhalt noch erkennen. Gegen die Helligkeit und Auflösung meines Galaxy Note 9 kommt es aber nicht an. Und schlussendlich hat mir die maximale Helligkeit beim OnePlus 6 doch etwas besser gefallen. Die Details zur Darstellung (Blauwerte (Lese/Nachtmodus), Farbschemata) kann ich wie gewohnt in den Tiefen des MIUI Systemeinstellungen auf meinen persönlichen Geschmack anpassen. Dank der AMOLED-Technologie bietet das Mi 8 auch einen Always On-Modus. So bekommt man immer einen Blick auf die aktuelle Uhrzeit und das Datum samt Wochentag. Die Explorer Edition nutzt wie fast alle Flaggschiffe einen Snapdragon 845 mit acht Kernen und einer maximalen Taktfrequenz von bis zu 2,8 GHz. Der im 10 nm gefertigte SoC kann in jeder Disziplin überzeugen und überhitzt nicht nennenswert. Im Ergebnis ergibt das mit den 8 GByte Arbeitsspeicher (LPDDR4X) ein sehr schnelles Smartphone welches für alle aktuellen Spiele wie PUBG oder Fortnite vorbereitet ist. Das ganz aktuelle Asphalt 9 funktioniert aktuelle noch nicht mit dem Mi8 EE. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark liegt das Xiaomi Mi 8 Explorer Edition mit seinen 288.356 Punkten fast gleichauf mit dem OnePlus 6. Auch im Geekbench 4 kann es mit 2.472 im Single-Core und 9.172 Punkten im Multi-Core absolut überzeugen. Nur “leider” ist das deutlich günstigere OnePlus 6, Mi 8 oder gar Pocophone F1 in der Praxis auch nicht langsamer.

Was mir aufgefallen ist, dass die MIUI 9.6 Benutzeroberfläche in der aktuellen Version leider etwas “nachzieht”. Das Icon der gerade aktiven App  baut sich nach dem Beenden etwas langsamer auf als bei meinen anderen Smartphones. Dieser Umstand ließ sich durch einen Neustart aber leicht beheben.

Mi 8 EE: 3.000 mAh Akku, LTE Band 20 und 3D?

Xiaomi_Mi8_Explorer-Edition_40Während das Xiaomi Mi 8 mit einem 3.400 mAh starken Akku ins Rennen geschickt wurde, muss das deutlich teurere Mi 8 Explorer Edition mit “nur” 3.000 mAh auskommen. Hat der Hersteller durch das Fake-PCB auf er Rückseite gar unnötig Platz verschwendet? Mit der Screen-on-Time von rund 9 Stunden fällt die Leistungsfähigkeit der Kraftzelle aber nicht zurück. Schon gar nicht im Vergleich zu meinem OnePlus 6. Für mich ist das eine echte Überraschung. Dank der theoretischen Unterstützung für Quick Charge 4.0+ kann man sein Smartphone auch nahezu blitzschnell wieder aufladen. Mein Schnelllader mit seinen 18W hat die Explorer Edition in gut 70 Minuten aufgeladen. Drahtlos per Qi geht das aber leider nicht. Hier punkten also nur das Mi Mix 2s bzw. mein Galaxy Note 9.

Im Gegensatz zum normalen Mi 8 und meinem OnePlus 6 steckt der beliebte Fingerabdrucksensor nicht in der Rückseite, sondern auf der Vorderseite unter dem Glas. das werden wir dann hierzulande vermutlich erst mit dem OnePlus 6T zu Gesicht bekommen. Auch bei der Entsperrung per Gesicht ist das Mi 8 Explorer Edition dem OnePlus 6 und anderen Smartphones voraus. Die Erkennung erfolgt nämlich ähnlich wie beim iPhone X in 3D. Damit ist das Aushebeln des Sicherheitsmechanismus per Foto nicht mehr möglich. Die in der Notch eingebaute Infrarot-Kamera und der Infrarot-Sensor erlauben eine zuverlässige Entsperrung auch bei Dunkelheit. Schaltet man dieses 3D-Feature ab, gewinnt man zwar an Schnelligkeit, verzichtet aber auch auf das letzte Quentchen Sicherheit.

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Der Fingerabdrucksensor im Display kommt aus dem Hause Synaptics und wurde so auch schon im hierzulande nicht erhältlichen Vivo X21 UD eingesetzt. Der zu berührende Bereich befindet sich im unteren Drittel des Displays. Der Scanner reagiert dabei nur auf leichten Druck, einfaches Auflegen ist nicht ausreichend. Die Erkennung ist zudem nicht so schnell und treffsicher wie beim OnePlus 6 mit seiner herkömmlichen Lösung. Langsam ist sie aber definitiv nicht. Auch der Einsatz einer vollflächigen Panzerglasfolie (9h Härtegrad) hat keinen negativen Einfluss gehabt. Cool aussehen tut das Feature aber auf jeden Fall 😀 Der USB-Typ-C-Anschluss dient zum Aufladen des Geräts und ermöglicht die Datenübertragung mit dem Mac/PC per USB 2.1. Kopfhörer kann man nur per Bluetooth 5.0 und dem mitgelieferten Adapter an USB anschliessen. Eine Speichererweiterung per microSD-Karte ist nicht möglich, hier ist man auf USB-OTG angewiesen. Die Explorer Edition bietet das hierzulande wichtige LTE Band 20, aber auch LTE Band 1/2/3/4/5/7/8/12/17. Dual Band 802.1 a/b/g/n/ac WLAN und Dual GPS vervollständigen die gute Konnektivität. Das Mi 8 ist zwar das erste Smartphone mit Dual GPS, einen Vorteil im Alltag hat man damit aber nicht. Android 8.1 ist nämlich nicht der Lage, die Signale auszuwerten. Im Gegenteil, ich hatte in Einkaufszentren deutlich schlechteren GPS-Empfang. Auf die gute Gesprächsqualität hat das aber keinen Einfluss und auch der LTE-Empfang war vollkommen unauffällig. VoLTE wird zwar angeboten, hierzulande aber zumindest von der Telekom nicht unterstützt. WLAN-Call funktioniert ebenfalls nicht. Das ist auch beim OnePlus 6 nicht anders. Immerhin klappt Dual-4G, so sind beide SIM-Karten gleichzeitig per LTE verbunden.

Die Kamera des Mi 8 Explorer Edition

Xiaomi Mi 8 Explorer Edition

Wie das Xiaomi MI 8 und das Mi Mix 2S so kommt auch die EE mit einer Dual-Kamera mit jeweils 12 Megapixel daher. Die beiden Sensoren (Sony IMX363 und Samsung S5K3M3 Sensor) nutzen eine Blende von ƒ/1.8 bzw. ƒ/2.4, kommen mit einer vierfachen optische Bildstabilisierung und einer Brennweite von 24 mm bzw. 47 mm daher. Beide Linsen erlauben so einen zweifachen “Zoom” und einen überraschend guten Bokeh-Effekt zu arbeiten. Letzterer hat allerdings Probleme mit der Randerkennung im Motiv. Gerade bei ausreichen Licht geht die Bildqualität dafür mehr als in Ordnung. Nach dem  letzten Update ist die Kamera des OnePlus 6 aber auch nicht schlechter. Der Frontsensor mit seinen 20 Megapixel Sensor erlaubt erstklassige Selfies mit einem wirklich überzeugenden Bokeh. Besser als der des OnePlus 6. Leider geht der Punkt für die bessere Videoqualität aber an OnePlus. Während das Videomaterial auch in 4K eigentlich voll überzeugen kann (zumal in FHD auch eine optische Stabilisierung angeboten wird), ist der Ton echt unterirdisch. Hier legt die Automatik deutlich zu stark “Hand an” und versucht Nebengeräusche herauszufiltern. Das geht dann leider ebenso stark zu Lasten der restlichen Signale.

Android 8.1: MIUI 9 /10 für das Xiaomi Mi8 EE

Machen wir uns hier nichts vor: wer keine “Global-Edition” bei Xiaomi kauft, der wird mit viel Arbeit und Geduld “bestraft”. Arbeit deswegen, weil das für den chinesischen Markt bestimmte Smartphone auch mit einer Vielzahl an chinesischen Apps vollgeballert ist und Geduld, weil das Aufspielen einer offiziellen Global ROM oder eine Custom ROM mit deutscher Sprache eine offizielle Wartezeit von 720 Stunden erfordert. Das sind 30 Tage, bis der Bootloader entsperrt werden kann. Ohne entsperrten Bootloader gibt es aber auch keine Global ROM. Die scheint aus meiner Sicht aber auch eher unwahrscheinlich, denn die EE ist selbst in China nur in homöopathischen Mengen verfügbar. Das erklärt danna uch den vergleichsweise hohen Preis.

Auch das neue MIUI 10 ist noch nicht verfügbar. Zum Testzeitpunkt gab es MIUI 9.6.7.0 und Android 8.1. Die Sicherheitspatche aus dem Hause Google sind vom 01.07.2018 und das Mi 8 EE fiel durch den Safetynet-Test. Der Bootloader war dabei gesperrt und es war nicht gerootet!

Die hierzulande nahezu unumgänglichen Google-Dienste kann man im hauseigenen Mi App Store nachinstallieren. Dazu muss man nur nach dem “Google Play Store“ suchen und das Ergebnis mit der blauen Pfote installieren. Leider klappte bei mir Synchronisation der Kontakte mit Google nicht. Aktuell ist also weder ein Global ROM, noch ein funktionsfähiges Custom ROM mit deutscher Sprache in Sicht. Letzteres scheitert allerdings nur am fehlenden TWRP für die Explorer Edition. Über die App “MoreLocal 2” und ein paar ADB-Kommandos bekommt man aber zumindest in den gängigen Apps aus dem Hause Google eine deutsche Sprachausgabe hin. Der vorinstallierte MI Ai Assistant ist hierzulande natürlich eh nicht nutzbar. Kann aber genauso wie der Launcher gegen eine beliebige andere App ausgetauscht werden.

Fazit: Lohnt sich das Xiaomi Mi 8 Explorer Edition?

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Ganz klar: nein! Der unter dem Display befindliche Fingerabdrucksensor und die 3D-Gesichtserkenung sind nette Spielereien, funktionieren aber oft nicht ganz so schnell und treffsicher wie bei den “einfacheren” Modellen. Das Display ist gut, aber nicht besser als beim Mi8 oder OnePlus 6. Beide Modelle sind dafür günstiger. Die 2 GByte mehr RAM machen da leider auchTradingShenzen_logo keinen Unterschied  mehr. Das gilt dann auch für die Dual-Kamera auf der Rückseite. So bleibt am Ende nur eine hippe Optik, die zudem noch “Fake” ist. Vom nicht übersetzten MIUI und dem Ärger mit dem Bootloader will ich erst gar nicht Reden. Leider muss sich mein Xiaomi Mi 8 Explorer Edition meinem OnePlus 6 geschlagen geben. Mein Dank geht an dieser Stelle nochmal an TradingShenzen.com für die schnell und unkomplizierte Lieferung.

Xiaomi Mi8 Explorer Edition

577,00
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Tradingshenzhen.com
ab 05/09/2018 08:42

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