Xiaomi Mi 9 im Test: Top-Smartphone für wenig Geld?

Das neue Xiaomi Mi 9 bietet für 449 Euro eine ganze Menge Smartphone. Das knapp 6,4 Zoll große AMOLED folgt dem Trend nach einer kleineren Notch. Der aktuelle Snapdragon 855 folgt dem Hype nach mehr Leistung und die 48-Megapixel-Triple-Kamera befriedigt die Nachfrage nach mehr Pixeln. Aber lohnt sich der Kauf der globalen Version mit LTE Band 20? Lest selbst.9 min


Das neue Xiaomi Mi 9 bietet für 449 Euro eine ganze Menge Smartphone. Das knapp 6,4 Zoll große AMOLED folgt dem Trend nach einer kleineren Notch. Der aktuelle Snapdragon 855 folgt dem Hype nach mehr Leistung und die 48-Megapixel-Triple-Kamera befriedigt die Nachfrage nach mehr Pixeln. Aber lohnt sich der Kauf der globalen Version mit LTE Band 20? Lest selbst.

Xiaomi Mi 9 Verpackung: Was bekommt man für sein Geld?

Xiaomi_Mi9_13In der silbernen Box befindet sich neben dem Xiaomi Mi 9 noch ein USB-Ladegerät (18W), allerdings nur mit Unterstützung für Quick Charge 3 (theoretisch wäre nämlich QC 4+ möglich). Zudem finde man ein USB Typ-C Kabel sowie eine kleine Anleitung und eine graue, halbtransparente Schutzhülle aus Silikon. Die Nutzung des Covers ist beim Mi 9 absolute Pflicht, aber dazu später mehr. Eine Qi-Ladestation wie beim Xiaomi Mi Mix 3 gibt es leider nicht kostenlos. Sehr schade, denn gerade das drahtlose Aufladen mit bis zu 20 Watt ist eines DER Highlights des Xiaomi Mi 9.

Original-Xiaomi-Drahtlos-LadegerätDie passende Ladestation bekommt man leider auch nur über einen etwas nervigen Import. Da Xiaomi auf die 3,5 mm Klinkenbuchse verzichtet, funktionieren drahtgebundene Kopfhörer (gehören ebenfalls NICHT zum Lieferumfang) nur über den mitgelieferten Adapter (auf USB-Typ-C). Eine schlanke SIM-Nadel öffnet dabei den Dual-SIM-Einschub. Eine Speichererweiterung über MicroSD ist (blöderweise) nicht möglich. USB OTG wird aber unterstützt.

Xiaomi Mi 9 Design: Gängig, unauffällig

Xiaomi_Mi9_17Das Xiaomi Mi 9 ist mit seinen 157,5 x 74,7 ähnlich groß wie ein Xiaomi Mi Mix 3 (157,89 x 74,69 x 8,46 mm), mit 7,6 Millimetern allerdings deutlich dünner. Das Gewicht von 174 Gramm geht für die Abmessungen sogar noch in Ordnung. Der in der gleichen Farbe lackierte Rahmen besteht aus Metall und beherbergt auf der linken Seite einen speziellen Button für den “MI AI” genannten Sprachassistenten. Bei der vorliegenden Global-Variante nimmt er aber auch mit dem Google Assistenten vorlieb. Auf der rechten Seite befindet sich der Ein-/Ausschalter sowie ein Lautstärketaster. Beide Drücker liegen sehr eng beieinander.

Die “schwarze” Rückseite (eigentlich eher ein tiefes Grau) besteht dabei aus Glas und bringt neben einer Triple-Kamera auch eine LED zum Vorschein. Der Fingerabdruckscanner befindet sich unter dem Displayglas auf der Vorderseite. Das Xiaomi Mi 9 steht in den Farben Piano Black (Schwarz), Ocean Blue (Blau) und Lavender Violet (Violett) zur Verfügung. Die beiden “richtigen” Farben zeigen dabei einen netten “Spectral-Effekt”. Das Schwarz ist eher ein Dunkelgrau. Beim internen Speicher hat man die Wahl zwischen 64/128/256 GByte. Der Arbeitsspeicher beträgt je nach Modell 6/8 GByte oder sogar 12 GByte. Die gibt es allerdings nur bei der (hierzulande noch nicht verfügbaren) “Alita Battle Angel” Edition mit transparenter Rückseite.

Xiaomi_Mi9_15Die Verarbeitung ist hervorragend, die Materialwahl hat aber auch Nachteile. Während  das Displayglas per Corning Gorilla Glas 6 noch gut gegen Kratzer geschützt ist, wird die Rückseite zum . Sie ist sehr empfindlich und das gilt auch für Kratzer. Das Kameramodul ragt dabei EXTREM weit aus dem Gehäuse hervor. Das kann nicht einmal das mitgelieferte, sehr dünne und billig anmutende Schutzcover ausgleichen. Wer sein Xiaomi Mi 9 also auf die Rückseite legt, kommt durch den Kamerabuckel sprichwörtlich auf die “schiefe Bahn”. Wer keine Schutzhülle nutzt, erleichtert den Nachrichtendiensten und Sandkörner ihre Arbeit ungemein.

Xiaomi Mi 9: 6.4 Zoll AMOLED

Samsung_Galaxy_S10_Plus_28Das 6,39 Zoll große AMOLED-Display aus dem Hause Samsung liefert einen tollen Schwarzwert und spart dabei auch noch (etwas) Energie. Die winzige Notch in der Mitte beherbergt nur eine 20-Megapixel-Kamera. Das Infrarotmodul des Xiaomi Mi 8 fehlt allerdings und daher ist ein Face-UNLOCK bei Dunkelheit nur sehr unzuverlässig möglich. Immerhin hat der Hersteller aber eine kleine, (nur) weiß leuchtende LED (rechts neben dem Ohrhörer) integriert. Die zeigt mir entgangene Anrufe bzw. Nachrichten an., die Bildschirmauflösung beträgt 1.080 x 2.340 Pixel (Full-HD+ bei 403 ppi). Die Farbdarstellung sowie die maximale Helligkeit sind beide ebenfalls exzellent. Der Hersteller hat auch an einen zeitlich programmierbaren Always-On Modus gedacht, nennt ihn aber “Ambient Display”.

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Die Helligkeit beträgt im Normalzustand etwa 430 nit und kommt im Turbo-Boots (bei starker Sonneneinstrahlung) auf bis zu 600 nit. Das reicht für die Lesbarkeit im Freien absolut aus und wird nur vom Samsung Galaxy S10 und teilweise auch vom Huawei Mate 20 Pro übertroffen. Die Farbwiedergabe ist typisch für ein AMOLED, also etwas zu kräftig bzw. übersättigt. Das kann man in den Untiefen der Einstellungen aber auf seine eigenen Wünsche anpassen. Dort findet man eine stufenlose Farbeinstellung, den automatischen Kontrast-Modus, die Double-Tap-To-Wake-Geste sowie einen zeitlich einschränkbaren Nachtlesemodus mit reduziertem Blauanteil. Neu hinzugekommen ist ein spezieller “Dark Mode” der dann alle Texte auf schwarzem Hintergrund anzeigt.
Das Display bzw. das Xiaomi Mi 9 unterstützt hierbei auch die Wiedergabe von HDR (Youtube) und auch Filme in Full-HD von Netflix und Amazon Prime. Widevine L1 ist also direkt ab Werk verfügbar.

Xiaomi Mi 9: Triple-Kamera

Xiaomi_Mi9_5Eines der Highlights des Xiaomi Mi 9 dürfte die rückseitig montierte Triple-Kamera mit ihrem 1,5 mm dicken Kamerabucksel sein. Die drei Optiken bieten dabei unterschiedliche Auflösungen und Brennweiten und decken somit ein breites Spektrum ab. Was keine der drei Linsen bietet? Einen optischen Bildstabilisator und das macht sich dann bei schlechten Lichtverhältnissen negativ bemerkbar, zumindest dann, wenn man Vergleichsmöglichkeiten (Galaxy S10+ oder Mate 20 Pro hat)

Den hier eingesetzten 48 Megapixel Sensor (IMX586) aus dem Hause Sony kennt man zum Beispiel schon vom Honor  View 20. Mit seiner Blende f/1.75 kann er in der Theorie viel Licht auffangen. In der Praxis erreicht er das aber nur über das sogenannten “Pixel Binding”. Dabei werden jeweils 4 Pixel zusammengefasst, so dass am Ende eine 12-Megapixel-Aufnahme rauskommt. Wer mag, kann aber auch “echte” 48-Megapixel bei seinen Aufnahmen nutzen. Die bieten dann leider keinen Mehrwert, denn statt mehr Details bekomme ich bei schlechteren Lichtverhältnissen nur zusätzliche Artefakte.

Die beiden übrigen Kameras lösen mit 12 Megapixel auf (Teleobjektiv mit Blende f/2.2), bieten einen (verlustfreien) zweifachen Zoom und Portrait-Aufnahmen mit Bokeh-Effekt sowie einen Weitwinkel-Modus mit 16 Megapixel und Blende f/2.2. Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite kommt auf eine Auflösung von 20 Megapixel, der Sensor stammt dabei von Omnivision. Die Aufnahmen geraten bei ausreichend Licht scharf und auch die Farbdarstellung gab keinen Anlass zur Klage. Auch im Portrait-Modus bekommt man einen guten, recht “natürlich” wirkenden Bokeh-Effekt zu Gesicht, der ab und an Probleme mit der Maskierung hat. Haare werden daher oft unscharf und nicht sauber vom Hintergrund getrennt. Auf Wunsch werden die Aufnahmen mit den üblichen “Beauty-Optimierungern” für Gesicht und Körper optimiert.

Aufnahmen bei Dunkelheit bzw. schlechten Lichtverhältnissen werden zudem über einen speziellen Nachtmodus aufgepeppt. Videos zeichnet die eingebaute Kamera in 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde auf. Die Tonqualität ist dabei gut. Daneben steht auch noch eine “Super Slow-Motion”, also eine Zeitlupe zur Verfügung. Die 960 Bilder pro Sekunde werden allerdings nur durch einen Softwaretrick erreicht (240 Bilder pro Sekunde interpoliert). Mir persönlich reicht die Kameraqualität vollkommen. Die integrierte AI halte ich für eine Spielerei.

Performance & Akku: Snapdragon 855 und 3.300 mAh

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Im Xiaomi Mi 9 kommt der nagelneue Snapdragon 855 Prozessor mit acht Kerne mit bis zu 2,84 GHz zum Einsatz. In Kombination mit 6 GByte Arbeitsspeicher liefert der SoC einen absoluten Spitzenwert, schneller als das europäische Samsung Galaxy S10 Plus. Im Geekbench 4 kommt die CPU auf 3.449 Punkte im Single-Core und 10.921 im Multi-Core. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark reicht es für 374.170 Zähler. Das MIUI 10.2 Global sowie die von mir getesteten Top-Spiele und Apps im GooglePlay Store liefen absolut flüssig. Aspahlt 9 aus dem Hause Gameloft wird allerdings nicht offiziell vom Play Store unterstützt. Da muss man sich die passende APK erst aus dem Netz ziehen. Das Mi Mix 3 ist Google zertifiziert und besteht den Safetynet-Test.

Der 3.300 mAh starke Akku hält im PcMark Akkutest rund 10:47 Stunden durch. Im Alltag erreicht man eine Screen-On-Time zwischen 7 Stunden (nur WLAN) und 4-5 Stunden (WLAN/LTE). Im täglichen Gebrauch wird man sein Xiaomi MI 9 spätestens am Abend an die Steckdoese hängen müssen. Aufgeladen wird die Kraftzelle dabei entweder über ein USB-Typ-C-Kabel mit bis zu 27 Watt oder drahtlos mit bis zu 20 Watt. Theoretisch beherrscht das Mi Mix 3 Quick Charge 4+, der mitgelieferte Adapter unterstützt aber “nur” Quick Charge 3.0 mit 18W. Nach knapp 30 Minuten ist der Akku zu 50% aufgeladen, eine vollständige Ladung dauert damit rund 90 Minuten. Ein Schnellladegerät mit QC4+ ist nach 65 Minuten wieder arbeitslos. Drahtlos dauert der Vorgang zwischen 2 Stunden und 2:15 Stunden (mehr als rund 15 Watt hat das Mi 9 dabei nicht zugelassen). Das passende, drahtlose Ladegerät muss man sich übrigens selber kaufen. Im Gegensatz zum MI Mix 3 legt der Hersteller es nämlich nicht mit in die Verpackung. Und gerade die Power-Variante mit 20 Watt gibt es bei Xiaomi nur über Umwege (Import) zu kaufen, preislich muss man da dann mit 35 Euro rechnen.

Konnektivität & Sound: Beim Xiaomi Mi 9 ist alles ok

Das Xiaomi Mi 9 unterstützt auf die LTE-Bänder B1/2/3/4/5/7/8/12/17/20 und WLAN 802.11 a/b/g/n/ac Dual Band. Darüber hinaus bietet es Bluetooth 5.0 und natürlich NFC. Selbst das kontaktlose Bezahlen per Google Pay klappte im Test. Über Dual GPS soll angeblich eine genauere Positionsbestimmung möglich sein. Im Test bekam ich davon allerdings nichts mit, der GPS-Empfänger war in 3-10 Sekunden einsatzbereit und hatte eine Abweichung zwischen 3 – 15 Meter, je nach Einsatzort.

Der Sound über den Lautsprecher auf der Unterseite war ok und recht laut. Klanglich ist er aber keine Offenbarung. Das gilt ann auch für den Sound über Bluetooth-Kopfhörer, die Ausgangsleistung ist mit einen Tick zu gering. Die Equalizer-Presets stehen natürlich nur über kabelgebundene Kopfhörer zur Verfügung. Die Sende-/Empfangsleistung des Xiaomi Mi 9 ist auf einem guten Niveau und auch bei der Gesprächsqualität gab es für mich keinen Grund zu meckern. Mittlerweile kann man die Xiaomi auch in ländlicheren Gebieten problemlos nutzen. Der Fingerabdrucksensor unter dem Displayglas reagiert SEHR schnell und zuverlässig, manchmal sogar besser als die Ultraschall-Variante bei meinem Galaxy S10+. Der “Face Unlock” (klappt nur wenn man als Region nicht “Deutschland” gewählt hat) über die Fronkamera reagiert ebenfalls sehr schnell, ist aber nicht besonders sicher. Bei Dunkelheit funktioniert sie – mangels IR-Sensor – auch nicht mehr wirklich.

WLAN-Call bietet das Xiaomi Mi 9 leider nicht an, VoLTE nur über einen Trick: dazu im Dialer einfach *#*#86583#*#* eingeben.

Xiaomi: MIUI 10 Global ohne China-Apps

Das Xiaomi Mi 9 kommt ab Werk bereits mit MIUI 10.2 auf der Basis von Android 9 Pie. Die Global-Version kommt bereits ab Werk mit allen wichtigen Sprachen und Google Apps daher. Das MIUI ist zunächst ziemlich gewöhnungsbedürftig, findet man die gängigen Einstellungen doch mitunter an anderer Stelle. Am ehesten ist es noch mit HUAWEI EMUI zu vergleichen. Beide Systeme bzw. Oberflächen wirken manchmal etwas verspielt und können optisch auch noch über spezielle Themen angepaßt werden. Auch hier gilt: wer eine andere Region einstellt, bekommt auch andere Apps bzw. Einstellungsmöglichkeiten zu Gesicht. “Deutschland” ist eher ungeliebt, so gibt es dann beispielsweise keine Unterstützung für Themen.

Über das Xiaomi Sicherheitscenter kann man den installierten Apps so ziemlich alle Rechte entziehen. Die Apps mit in den Autostart übernehmen (WICHTIG bei Messengern wie Telegramm oder WhatsApp) oder den Akkuschoner aktivieren. Dann werden Apps im Hintergrund beispielsweise früher beendet. Wer die Notification-Icons in der Statusleiste sehen will, muss dies an dieser Stelle ebenfalls aktivieren. Sonst bekommt man sie nämlich nicht zu Gesicht. Eine Sache noch: MIUI nutzt mittlerweile eine Menge Werbung in eigener Sache, so ist quasi jede App mit Ads vollgepackt. Die kann man in den EINSTELLUNGEN der App bzw. beim erster Einrichtung des Smartphones aber deaktivieren.

Ich würde JEDEM empfehlen, ein Xiaomi Mi 9 in der Global-Version zu kaufen. Denn nur dann bekommt man ein Betriebssystem ohne Bastelaufgaben UND die Unterstützung für LTE Band 20. Mein Dank geht in diesem Fall an TradingShenzen.com.

Fazit: Lohnt sich das Xiaomi Mi 9?

Xiaomi_Mi9_6Wer technisch auf der Höhe der Zeit sein will und die enorme Power nutzt oder damit angeben will: auf JEDEN Fall. Das knapp 6,4 Zoll große AMOLED ist hervorragend, die Notch klein genug. Die 48-Megapixel-Triple-Kamera ist allerdings mehr Schein als Sein und steht SEHR weit aus dem Gehäuse hervor. Die Qualität der Aufnahmen geht tagsüber mehr als in Ordnung, bei Dunkelheit lässt sie aber nach. Das liegt auch am nicht vorhandenen OIS (Optischer Bildstabilisator). Am Ende bleibt dennoch eine gute Kamera, gerade in dieser Preisklasse. Da wäre nämlich vor dem Mi 9 das Oneplus 6T bzw. das Pocophone F1 tonangebend. Nun ist es das 449 Euro teure Xiaomi Mi 9. Mehr Smartphone für sein Geld bekommt man aktuell nirgends. Wer weniger Power benötigt udn dabei noch sparen will, kann durchaus zum Vorgänger, dem Xiaomi Mi 8 greifen.

Xiaomi Mi 9

9.5

Verarbeitung

9.5/10

Display

9.3/10

Performance

10.0/10

Kamera

9.4/10

Konnektivität/Akku

9.3/10

Pro

  • Performance
  • Preis
  • Haptik
  • Display

Contra

  • Kamerabuckel
  • Sound