Xiaomi Mi Mix 3: Test des Slider Phones

Das neue Xiaomi Mi Mix 3 folgt einem neuen (alten) Trend: dem Slider. Damit bekommt zwar einen relativ schmalen Rand hin, die Frontkamera bekommt man aber erst zu Gesicht, wenn man das Display aufschiebt. Ob sich das Konzept und damit auch das neue Smartphone durchsetzt könnt ihr in meinem Test lesen.5 min


Das neue Xiaomi Mi Mix 3 folgt einem neuen (alten) Trend: dem Slider. Damit bekommt zwar einen relativ schmalen Rand hin, die Frontkamera bekommt man aber erst zu Gesicht, wenn man das Display aufschiebt. Ob sich das Konzept und damit auch das neue Smartphone durchsetzt könnt ihr in meinem Test lesen.

Xiaomi Mi Mix 3: Was bekommt man?

Xiaomi_Mi_Mix_3_12Die quadratische, schwarze Box kennt man schon vom Xiaomi Mi Mix, Mix 2 und auch Mix 2s. Sie beinhaltet – liebevoll und aufwändig verpackt – neben dem Smartphone auch ein USB-Ladegerät mit Quick Charge 3.0, ein USB Typ-C Kabel sowie eine Qi-Ladestation. Nicht fehlen darf natürlich ein Adapter vom Typ USB Typ-C-auf-3,5mm Klinken sowie die SIM-Nadel. Dazu kommt eine chinesische Bedienungsanleitung und ein spezielles, schwarzes Schutzcase aus Kunststoff. Letzteres schützt zwar das Smartphone und ermöglicht auch weiterhin die Nutzung des Sliders, macht es aber auch gleichzeitig ziemlich dick.

Xiaomi Mi Mix 3: Design ist unspektakulär?

Xiaomi_Mi_Mix_3_06Das 6,4 Zoll große Display auf der Vorderseite täuscht nicht über die 157,89 x 74,69 x 8,46 mm hinweg. Mit über 200 Gramm ist es zudem nicht gerade leicht. Der glänzende Rahmen aus Metall beherbergt auf der linken Seite einen speziellen Mi AI Button. Der funktioniert ähnlich wie bei Samsung, startet aber nicht Bixby, sondern einen hierzulande komplett sinnfreien Sprachassistenten von Xiaomi. Auf der rechten Seite findet man den Ein-/Ausschalter sowie den Lautstärketaster.

Die Rückseite aus Keramik ziert eine Dual-Kamera samt LED sowie der runde Fingerabdruckscanner. Erfreulicherweise kann man das Mi Mix 3 auch drahtlos aufladen.Das Smartphone stehe in den Farben Schwarz, Weiß, Blau und Jade-Grün zur Verfügung. Nur die knapp 800 Euro teure Spezial-Edition namens “Verbotene Stadt” besteht komplett aus Keramik. Beim Speicher hat man die Wahl zwischen 64/128/256 GByte. Entweder mit 6 oder 8 GByte RAM.

Xiaomi_Mi_Mix_3_35Das Xiaomi Mi Mix 3 besteht aufgrund des Slider-Mechanismus aus zwei Teilen. Das Display ist mit seinen knapp2 mm schon ziemlich dick und eigentlich auch das einzig bewegliche Teil. Der Mechanisum ist leichtgängig und wird durch Magnete unterstützt. Betätigt man ihn, dann rastet er mit einem satten “Klack” ein. Laut Hersteller soll er rund 300.000 Vorgänge aushalten, hoch gerechnet also für rund 3 Jahre gut sein. Ein YouTuber hat ihn aber auch schon nach etwa 80.000 Vorgängen gekillt. Die dann allerdings ununterbrochen. Ein weiterer Nachteil des Slider (damit hatte schon das Nokia N95 zu kämpfen): beim Slider selbst erkennt man Spaltmaße oben und unten. Auf der Unterseite findet man einen USB-Typ-C Einschub. Kopfhörer finden also nur über Bluetooth, oder über den mitgelieferten USB Typ-C-auf-3,5mm-Adapter Anschluss. Das Xiaomi Mi Mix 3 bietet zudem nur einen Mono-Lautsprecher.

Xiaomi Mi Mix 3: 6.4 Zoll AMOLED

Das 6,39 Zoll große AMOLED-Display liefert einen tollen Schwarzwert und spart dabei auch noch (etwas) Energie. Das Seitenverhältnis von 19,5:9 kommt ohne Notch aus und die Bildschirmauflösung beträgt 1.080 x 2.340 Pixel (also Full-HD+). Die Farbdarstellung sowie die maximale Helligkeit sind beide ebenfalls exzellent. Der Hersteller hat auch an einen zeitlich programmierbaren Always-On Modus gedacht. Das Display selber ist also sicherlich konkurrenzfähig, schon deshalb, weil es 93% der Vorderseite in Beschlag nimmt.

Xiaomi Mi Mix 3: Dual-Kamera vom 2s

Highlight des Mi Mix 3 ist vermutlich die “ausfahrbare” Frontkamera, die ab Werk durch das Display verdeckt wird. Sie bietet zwei Linsen mit 24 Megapixel (Sony IMX576) und 2 Megapixel. Der zweite Sensor ist dabei für den hervorragenden Portrait-Modus zuständig.werden. Die beiden Linse auf der Rückseite kennt man schon vom Xiaomi Mi Mix 2s. Sie lösen jeweils mit 12 Megapixel (Sony IMX363, Blende ƒ/1.8) und Samsung S5K3M3 (Blende ƒ/2.4) auf. Durch die Kombination mit diesem Weitwinkel bekomme ich eine Art “zweifachen optischen Zoom” zu Gesicht. Und auch beim Xiaomi unterstützt mich eine AI bei den unterschiedlichen Motiven.

MI_Mix3_Kamerasample
(Klicken für mehr Kamerasamples)

Sowohl die allgemeine Bildqualität, also auch die des Portrait-Modus stimmt. Aufnahmen bei Dunkelheit “erleuchtet” ein spezieller Nachtmodus. Der hebt Farben und Kontraste deutlich besser hervor. Videos zeichnet die Kamera in 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde auf. Die Tonqualität ist dabei ebenfalls gut. Selbst an eine “Super Slow-Mo” also eine Zeitlupe hat der Hersteller gedacht. Die von der Kamera-App vorgeschlagenen 960 Bilder pro Sekunde werden allerdings nur durch einen Softwaretrick erreicht. Aber ich denke, die oben verlinkten Kamerasamples sprechen für sich.

Performance & Akku: Snapdragon 845, 8 GByte RAM, 3.200 mAh

Im Xiaomi Mi Mix 3 kommt der allseits bekannte und geschätzte Snapdragon 845 Prozessor mit seinen acht Kerne mit bis zu 2,8 GHz zum Einsatz. In Kombination mit den 8 GByte Arbeitsspeicher liefert der SoC auch ordentlich ab. Im Geekbench 4 kommt die CPU auf 2.240 Punkte im Single-Core und 8.680 im Multi-Core. Im aktuellen AnTuTu-Benchmark reicht es für 283.723 Zähler. Das MIUI 10 sowie die von mir getesteten Top-Spiele und Apps im GooglePlay Store liefen absolut flüssig. Das Mi Mix 3 ist  Google zertifiziert und besteht den Safetynet-Test.

Der 3.200 mAh starke Akku hält im PcMArk Akkutest rund 10 Stunden durch. Aufgeladen wird die Kraftzelle dabei über ein USB-Typ-C-Kabel oder drahtlos. Theoretisch beherrscht das Mi Mix 3 Quick Charge 4+, der mitgelieferte Adapter unterstützt aber  “nur” Quick Charge 3.0 mit 18W. Nach knapp 30 Minuten ist der Akku zu 50% aufgeladen, eine vollständige Ladung dauert damit rund 90 Minuten. Drahtlos dauert der Vorgang hingegen 2:15 Stunden obwohl hier angeblich auch 18 Watt zum Einsatz kommen.

Konnektivität & Sound: Beim Xiaomi Mi Mix 3 ist alles ok

Das Xiaomi Mi Mix 3 unterstützt auf jeden Fall die LTE-Bänder B1/2/3/4/5/7/8/12/17/20 und WLAN 802.11 a/b/g/n/ac Dual Band. Darüber hinaus bietet es Bluetooth 5.0 und natürlich NFC. Selbst das kontaktlose Bezahlen per Google Pay klappte im Test. Über Dual GPS soll angeblich eine genauere Positionsbestimmung möglich sein. Im Test bekam ich davon allerdings nichts mit, der GPS-Empfänger war in 3-10 Sekunden einsatzbereit und hatte eine Abweichung zwisxchen 3 – 15 Meter, je nach Einsatzort. Der Sound über den Lautsprecher auf der Unterseite war voll und recht laut. Die Sende- /Empfangsleistung auf einem guten Niveau und auch bei der Gesprächsqualität gab es für mich keinen Grund zu meckern. Mittlerweile spielt Xiaomi auch in ländlicheren Gebieten problemlos mit. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite funktionierte im Test absolut zuverlässig und durch den Slider auch schneller als die Gesichtserkennung. Das “Face Unlock” erfordert eben die Fronkamera, die bekommt man aber zu Gesicht, wenn man den Slider aufschiebt. Der eingebaute Sparchassistent “Mi AI” ist aktuell vollkommen sinnfrei, denn er unterstützt nur die chinesische Sprache.

Xiaomi: MIUI 10 und viel China-Apps

Das Xiaomi Mi Mix 3 kommt ab Werk bereits mit MIUI 10 auf der Basis von Android 9 Pie. Bei den Sprachen muss man aktuelle aber noch mit Englisch oder Chinesisch vorliebe nehmen. Eine richtige “Global-Version” mit allen Sprachen und Google Apps ab Werk ist abere bereits auf dem Weg nach Europa. Mit dem Importmodell bekommt man so aber auch eine Menge Apps zu Gesicht, die nur in China Sinn machen. Wer die nicht mag, kann sie aber problemlos deinstallieren und spart dazu noch Speicher. Der Google Play Store und sämtliche Google Dienste sind nicht vorinstalliert. Diese muss man sich über Umwege (zum Beispiel www.apkmirror.com) selber installieren, danach funktionieren sie aber einwandfrei. Wer sich mit sowas nicht auskennt, sollte um die China-Version einen Bogen machen.

Fazit: Lohnt sich das Xiaomi Mi Mix 3?

Xiaomi_Mi_Mix_3_11Der Slider-Mechanismus des Xiaomi Mi Mix 3 ermöglicht den Designern ein Screen-to-Body-Ratio von 93%. Der Rand rund um das Display ist daher auch ziemlich schmal ausgefallen. Leider erkauft man sich das mit einer eher endlichen Haltbarkeit des magnetischen Schiebemechanismus. In der Theorie sollte er mehrere Jahre halten.  Zudem ist der Face Unlock über die versteckte Frontkamera auch deutlich langsamer als über den rückseitig verbauten Fingerabdruckscanner. Und ehrlich gesagt benötige ich überhaupt keine Frontkamera. Die Performance, die Verarbeitung und die Kamera sind dagegen auf einem hohen Niveau. Die Frage die man sich stellen muss lautet also: will man dafür 597 Euro ausgeben?

9.3

Verarbeitung

9.3/10

Display

9.1/10

Performance

10.0/10

Kamera

9.1/10

Konnektivität/Akku

9.2/10

Pro

  • Display
  • Performance
  • Kamera

Contra

  • Slider
  • MIUI 10 nicht "Global"
  • Gewicht