Yotaphone 2 im Test: Das Smartphone mit den zwei Displays

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Am Abend es 03.12.14 wurde in London das Yotaphone 2 vorgestellt. Das russische Smartphone ist bekanntlich der Liebling von Präsident Putin. Vor ein paar Wochen hat dieser bereits einen Prototypen an den Staatspräsidenten der Volksrepublik China, Xi Jinping, verschenkt. Da wurde aber noch heftig an der Firmware (Android 4.4.3) geschraubt. Mit dem Yotaphone 2 stellen die RTussen das weltweit erste Smartphone mit zwei aktiven Displays vor. Das Yotaphone 2 mag zwar in Russland hergestellt worden sein, die Technik stammt aber überwiegend aus China 😀 Aber zurück zum eigentlichen Star des Abends.

Technik

Der Touchscreen auf der Vorderseite löst mit 1.080 x 1.920 Pixel auf und stammt aus dem Hause Samsung 😀 Der 4,7-Zoll große E-Ink-Touchscreen auf der Rückseite erfreut das Auge mit 540 x 960 Pixel. Hinzu kommen ein 32 GByte großer interner Speicher, denn man allerdings leider nicht mit microSD-Karten erweitern kann. Für ausreichend Speed sorgt eine CPU vom Typ Snapdragon 800 mit 2.2 GHz und 2 GByte RAM. Technisch also eher gehobenes Mittelmaß. Die Kamera auf der Rückseite löst mit 8 Megapixel auf, sowas findet man heutzutage eher im Bereich der Low-Budget-Smartphones. Unterwegs ist man über HSPA+, LTE und WLAN b/g/ac online.

Unboxing

Die sehr aufwändige Verpackung habe ich in einem kleinen Unboxing-Video auf Youtube mal in Szene gesetzt. Mehr geht aktuell wirklich nicht. Neben diversen Anleitungen, dem Yotaphone 2, einem SIM-Öffner, Lade-/Datenkabel und Ladegerät findet man auch noch ein hochwertiges Headset. Alles exklusiv in schwarzen Kartons verpackt.

Design

Das Yotaphone 2 kommt mit abgerundeten Kanten daher. Optisch und haptisch ein echter Handschmeichler. Das Gehäuse besteht dabei aus Metall und die Designer haben es in ein mattes Schwarz getaucht. So wirkt es schon fast geheimnisvoll.


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Auf der Vorderseite dominiert das große Display. Dort findet man neben ein paar Sensoren auch noch die Frontkamera für Selfies. Dank Android 4.4 wird es über entsprechende Softkeys bedient. Auf der rechteh Aussenseite des Yotaphone 2 befindet sich oberhalb des Ein-/Ausschalters noch ein Lautstärkeregeler. Pfiffigerweise kann man denn mit einem Werkzeug öffnen. Darunter verbirgt sich nämlich der Einschub für die Nano-SIM. Eine Speichererweiterung über microSD-Karten ist allerdings nicht vorgesehen.  Abgesehen von der 3.5 mm Klinkenbuchse für Kopfhörer auf der Oberseite und dem Einschub für das Lade-/Datenkabel auf der Unterseite gibt es also keine weiteren Öffnungen. Die beiden Öffnungen für den Lautsprecher hat der Hersteller sinnvollerweise auch auf die Unterseite verbannt.

E-Ink-Touchscreen

Die Besonderheit am knapp 144,9 x 69,4 x 8,95 Millimetern großen Yotaphone 2 ist – wie beim Vorgänger – die Tatsache, dass es auch auf der Rückseite ein Display bietet. Im Gegensatz zum Yotaphone beträgt die Auflösung des neuen E-Ink-Display diesmal aber 540 x 960 Pixel. Zudem kann man es endlich über Berührungen steuern. Die Idee und die Umsetzung sind wirklich gelungen.

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Man darf aber eben auch keine Wunder erwarten. Die “elektronische Tinte” reagiert deutlich langsamer als der AMOLED-Touchscreen auf der Vorderseite. Und zwar so langsam, dass bei Eingaben von Texten, jeder Buchstabe zwar nicht unbedingt in “Zeitlupe”, aber doch etwas schleppend umgesetzt wird. Immerhin kann man es endlich auch produktiv nutzen. So kann ich problemlos meine SMS oder E-Mail beantworten. Nach kurzer Zeit gewöhnt man sich auch an die leichte Verzeögerung. Ich bin da eh nicht der schnelleste Tipper vor dem Herrn.

 

Abseits der Tatsache, dass es sich natürlich hervorragend zum Lesen längerer Texte (gerade auch im Sonnenlicht) eignet, kann man alle wichtigen Informationen nun über spezielle Widgets auf dem Schwarz-Weiß-Display ablesen. Aber auch alle anderen Apps des Android-Smartphone sind dort nutzbar. Das Feature nennt sich “YotaMirror”, spiegelt praktisch den komplette Display-Inhalt der Vorderseite auf die Rückseite und wird durch einen längeren Druck auf den virtuellen Home-Button ausgelöst.

So kann man übrigens auch einen Screenshot auf das “Always-On-Display” auf der Rückseite übertragen. Beide Displays sind dabei durch Corning Gorilla Glass 3 gegen Kratzer geschützt. Aktuell stehen sechs Apps und Games für das Always-On-Display zur Verfügung. Ob es jemals mehr werden, ist noch fraglich. Neben einem Schach-Programm, 2048 oder Dame findet man noch einen netten RSS-Reader sowie einen speziellen E-Book-Reader.

Kamera und Multimedia

Die Kamera löst nur mit 8 Megapixel auf. Das ist bei einem 700 Euro teuren Gerät eher nicht zu erwarten. Das Ergebnis ist daher im Vergleich zum iPhone 6 eher übersichtlich. Die Bilder wirken zeitweise etwas unscharf. Aktiviert man den HDR-Modus dann kommen auf jeden Fall deutlich schärfere Aufnahmen zustande. Nach dem letzten Softwareupdate ist die Bildqualität aber in Ordnung. Eine Knipse mit 16 Megapixdel hätte dem Hightech-Export aus Russland deutlich besser zu Gesicht gestanden. Beispielaufnahmen findet ihr hier in meinem Flickr-Konto. Der Google-Musikplayer erledigt seine Aufgabe optisch und akustisch unauffällig. Equalizer-Presets gibt es nicht, die mitgelieferten Kopfhörer sind allerdings schon eine Klasse für sich.

Akku & Benchmarks

Neben dem extrem hohen Preis, ist die Akkulaufzeit nicht sonderlich bemerkenswert. Bei aktiviertem E-Ink hält das Yotaphone mit seinem 2.500 mAh starken Akku maximal 2 Tage durch. Je weniger man das Display auf der Vorderseite nutzt, desto länger hält der eingebaute Akku. Bei Nichtnutzung verbrauchte das Yotaphone 2 in zwei Tagen knapp 26% Energie. Andere Smartphones halten heutzutage ähnlich lange durch und das mit aktuelleren Prozessoren vom Typ Snapdragon 801. Das Yotaphone 2 bietet aber ein ausgefeiltes Energiemanagement, im Notfall kann man also nahezu alle Funktionen zugunsten eienr längeren Erreichbarkeit abschalten.

Der Snapdragon 800 des YotaPhone 2 liegt knapp unter dem Niveau des Samsung Galaxy S5 und liefert im Geekbench 3 immerhin 2.526 Punkte im Multi-Core und 890 Punkte im Single-Core. Im AnTuTu-Benchmark erzielte das Smartphone immerhin 37.007 Punkte.

Fazit

Alle Tests im Internet loben das Smartphone über den Klee. Dieses Ergebnis kann ich leider nicht ganz teilen. Das E-Ink-Display auf der Rückseite ist eine nette Idee, aber in meinen Augen noch immerer nicht der Weisheit letzter Schluss. Natürlich hat es der Hersteller im Vergleich zum Vorgänger deutlich verbessert, so kann man es endlich über Berührungen steuern. Die Auflösung ist aber immer noch etwas niedrig und es reagiert träger. Schlimmer ist hier aber die Tatsache, dass das E-Ink natürlich unter niedrigen Temperaturen leidet und noch langsamer wird. Wie sich wohl die Bevölkerung in Russland damit arrangieren wird? 😀 Am meisten stört mich persönlich aber der sehr hohe Preis. Das Yotaphone 2 ist in Deutschland für 699 Euro erhältlich. Wer mobile-reviews.de unterstützen will, der kauft es bei Cyberport.de. Ich hoffe mal nicht, dass dem Yotaphone 2 ein ähnliches Schicksal zuteil wird, wie dem Amazon Fire Phone.